Jemen Land in humanitärer Krise

In Jemen herrscht nach Einschätzung der Vereinten Nationen die schlimmste humanitäre Krise der Welt. Der seit 2015 andauernde bewaffnete Konflikt hat die bereits zuvor kritische Lage im Land noch deutlich verschärft.

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Jemen gehört zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt (LDC (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)). Das starke Bevölkerungswachstum, Wassermangel, eine hohe Arbeitslosigkeit sowie ein schwaches Bildungs- und Gesundheitssystem verursachen große Probleme. Die Landwirtschaft kann die Bevölkerung nicht ernähren, die Abhängigkeit von Importen steigt. Die Öl- und Gasvorräte des Landes werden in absehbarer Zeit erschöpft sein.

Ein einheitlicher Nationalstaat existiert in Jemen nicht mehr – die Regierung hat die Kontrolle über weite Teile des Landes verloren. Die Umsetzung dringend erforderlicher Reformen, insbesondere in den Bereichen Rechtsstaatlichkeit, politische Teilhabe, Geschlechtergerechtigkeit, Dezentralisierung und wirtschaftliche Entwicklung, ist unter den derzeit herrschenden Umständen nicht möglich.


Aktuelle Situation

Politische Situation
Luftangriff in Sanaa, Jemen, 5. November 2015: Ein Rauchpilz steigt im Hintergrund auf, im Vordergrund Trümmer und Ruinen von Häusern. aus
Humanitäre Lage
Ein Kind steht in der Nähe einer Hilfseinrichtung in Raymah, Jemen.

Deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit mit Jemen

Jemen zählt zu den sogenannten Nexus- und Friedenspartnern (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Die Schwerpunkte der Kooperation liegen in den Bereichen Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung sowie Bildung. Darüber hinaus unterstützt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit die jemenitische Bevölkerung in den Bereichen Gesundheit, nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Beschäftigungsförderung, Ernährungssicherung, Friedensentwicklung, gute Regierungsführung sowie Stärkung der Rolle der Frauen und der Zivilgesellschaft (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen).

Zusammenarbeit während des aktuellen Konflikts

In der derzeitigen Krise hat Deutschland die Zusammenarbeit mit Jemen nicht eingestellt, sondern an die aktuellen Herausforderungen angepasst. Die Vorhaben werden möglichst staatsfern umgesetzt.

Aufgrund der Sicherheitslage ist derzeit kein deutsches Personal permanent vor Ort, jedoch führen mehr als 140 jemenitische Beschäftigte der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) zahlreiche Projekte im ständigen Austausch mit der Zentrale durch.

Außerdem unterstützt Deutschland die Arbeit nichtstaatlicher lokaler Partner sowie internationaler Organisationen, etwa der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) und des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)).

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat die Unterstützung für Jemen in den vergangenen Jahren deutlich erhöht – von rund 60 Millionen Euro 2018 auf über 150 Millionen Euro 2021.

Ein zerstörtes Gebäude in der jemenitischen Großstadt Taiz

Ein zerstörtes Gebäude in der jemenitischen Großstadt Taiz

Ein zerstörtes Gebäude in der jemenitischen Großstadt Taiz

Versorgung aufrechterhalten und ausbauen

 Ein Schüler in Sanaa

Ein Schüler in Sanaa

Ein Schüler in Sanaa

Ziel des deutschen Engagements ist, die Lebensbedingungen der jemenitischen Bevölkerung kurzfristig zu stabilisieren und mittelfristig zu verbessern. Noch vorhandene öffentliche Strukturen zur Basisversorgung (Wasserversorgung, Gesundheit, Bildung) werden mit deutscher Unterstützung aufrechterhalten. Hier wird flexibel an die humanitäre Hilfe unter Federführung des Auswärtigen Amtes angeknüpft.

So haben rund 2,3 Millionen Menschen einen besseren Zugang zur Trinkwasser- und Sanitärversorgung erhalten.

In den Jahren 2019 und 2020 haben rund 470.000 Kinder vom Neubau beziehungsweise von der Sanierung von Schulen profitiert. Rund 130.000 Schülerinnen und Schüler sowie 4.200 Lehrerinnen und Lehrer erhielten psychosoziale Unterstützung.

Seit 2017 kamen mehr als 30.000 Kinder in zertifizierten Gesundheitseinrichtungen oder durch eine betreute Hausgeburt zur Welt. Mehr als 76.000 Frauen wurden während ihrer Schwangerschaft medizinisch betreut.

Nach derzeitigem Planungsstand können mit den vorgesehenen neuen Mitteln unter anderem rund 100.000 Gutscheine für Gesundheitsleistungen verteilt sowie rund 18.000 Schülerinnen und Schüler gefördert werden. Zudem sollen rund 600 Klassenräume modernisiert und ausgestattet werden.

Co­rona-Sofort­programm

In Reaktion auf die Corona-Pandemie hat das BMZ 2020 mehr als 36 Millionen Euro für Gesundheitsvorhaben umgewidmet. Für 2021 sind zusätzliche Mittel in vergleichbarer Höhe eingeplant.

Unter anderem wurden zwölf Gesundheitsstationen und 16 Covid-19-Isolierstationen eingerichtet sowie Schutzausrüstungen zur Verfügung gestellt. Insgesamt profitieren davon mehr als eine Million Menschen in Jemen.