Luftangriff in Sanaa, Jemen, 5. November 2015: Ein Rauchpilz steigt im Hintergrund auf, im Vordergrund Trümmer und Ruinen von Häusern. aus

Politische Situation In konkurrierende Machtlager zerfallen 

Die Gründung der Republik Jemen Im Jahr 1990 und die Re­form­be­we­gung des Arabi­schen Frühlings 20 Jahre später weckten Hoffnungen auf eine Stabili­sierung und Demo­krati­sierung des Landes. Diese haben sich jedoch nicht erfüllt.

Auf dem Index der fragilen Staaten (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) 2021 der Nicht­regie­rungs­organi­sation Fund for Peace (Externer Link) steht Jemen auf Rang 1, wird also als insta­bilster Staat der Welt bewertet. Rebellen der Huthi-Bewegung kämpfen seit 2004 gegen die jeme­niti­sche Regierung. Sie haben große Landes­teile im Norden unter ihre Kon­trolle gebracht. 2015 griff eine Militär­koali­tion unter Führung Saudi-Arabiens in den Konflikt ein. Diese unter­stützt die offi­zielle Regierung unter Staats­präsident Abdrabu Mansour Hadi. Einige südliche Landes­teile, vor allem rund um die Hafen­stadt Aden, werden vom "Süd­lichen Über­gangs­rat" kon­trolliert, der sich für eine Unab­hängig­keit des Südens einsetzt. Darüber hinaus sind Mitglieder der Terror­netz­werke Al-Qaida und Islami­scher Staat (IS) am Konflikt beteiligt.

Nach Angaben der Vereinten Nationen hatte der Konflikt 2020 bereits schät­zungs­weise 233.000 Todesopfer gefordert, davon 131.000 durch indirekte Ursachen wie fehlende Nahrungs­mittel und eine mangel­hafte Gesund­heits­versor­gung. Seitdem hat sich die Situation weiter verschärft, unter anderem durch die Co­rona-Pan­demie.
 

Menschenrechte

Die Menschen­rechts­lage in Jemen wird von Expertinnen und Experten als katas­trophal bewertet. Ins­besondere seit dem 2015 erfolgten Eingreifen der Militär­koalition ist eine deutliche Zunahme schwerer Menschen­rechts­verletzungen zu verzeichnen.

Ein Bericht des UN-Menschen­rechts­kom­missariats (Externer Link) vom September 2020 wirft beiden Seiten mögliche Kriegs­verbrechen vor, unter anderem Morde an Zivil­personen, Folter, Ver­ge­wal­ti­gungen und Re­kru­tierung von Kinder­soldaten. Meinungs-, Ver­sammlungs- und Presse­freiheit sind massiv ein­geschränkt.

Diplomatische Bemühungen

2018 fanden in Stockholm unter Leitung des UN-Sonder­gesandten Martin Griffiths erstmals seit über zwei Jahren Direkt­gespräche zwischen den Huthi-Rebellen und der jemenit­ischen Regierung von Präsident Hadi statt. Die Konflikt­parteien verein­barten erste Schritte, um den Konflikt bei­zulegen, unter an­derem einen Waffen­still­stand für die Region um den wich­tigsten Hafen Hodeidah, einen Truppen­rückzug und einen Gefan­genen­aus­tausch.

Zum Abschluss seiner Amts­zeit  zog Griffiths im Juni 2021 allerdings eine negative Bilanz: Trotz inter­natio­naler diplo­matischer An­strengungen und großen Engage­ments auf lokaler und zivil­gesell­schaft­licher Ebene in Jemen selbst sei es den Konflikt­parteien nicht gelungen, eine politische Lösung zu finden, die den Krieg beenden und einen gerechten und nachhaltigen Frieden einleiten würde .