Satellitenaufnahme: Nildelta in Ägypten

Ägypten Wichtiges Bindeglied zwischen Afrika und dem Nahen Osten

Seit der Revolution von 2011, die zum Rücktritt von Staatspräsident Husni Mubarak führte, stabilisiert sich die politische und wirtschaftliche Lage in Ägypten nur langsam. Die Regierung hat erste Wirtschaftsreformen auf den Weg gebracht. Das staatliche Handeln ist jedoch stark von Sicherheitsdenken geprägt und auf Machterhalt ausgerichtet.

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Teenager verkauft Obst auf einem Markt in Ägypten.

Seit dem Amtsantritt von Präsident Abdel Fatah Al-Sisi 2014 haben sich die Handlungsspielräume für die Zivilgesellschaft (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) und die politische Opposition zunehmend verengt. Die Gewaltenteilung ist nicht mehr gewährleistet, die Lage der Menschenrechte ist besorgniserregend. Die Meinungs-, Versammlungs- und Pressefreiheit sowie die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) sind stark eingeschränkt. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft stehen zunehmend unter Kontrolle des Militärs.

Der ägyptischen Regierung ist es weitgehend gelungen, die Folgen der Corona-Pandemie abzufedern und das Land auf Wachstumskurs zu halten. Das Risiko, dass es zu sozialen Unruhen kommt, ist jedoch weiter hoch. Die Proteste im Jahr 2011 waren nicht nur gegen ein autoritäres Regime gerichtet. Von Anfang an forderten die Menschen Arbeitsplätze, bezahlbare Lebensmittel und ein Ende der Korruption und Vetternwirtschaft. Nach wie vor steht Ägypten vor enormen Herausforderungen, um die wirtschaftliche und soziale Situation für die Bevölkerung zu verbessern.


Deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Ägypten

Aufgrund seiner politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Bedeutung in der Region Nordafrika/Naher Osten ist Ägypten ein wichtiger entwicklungspolitischer Partner Deutschlands. Ziel der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ist es, zur Verbesserung der Lebensverhältnisse breiter Bevölkerungsschichten beizutragen und Reformbemühungen in Politik und Gesellschaft zu stärken.

Bei Regierungsverhandlungen im Sommer 2021 sagte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) Ägypten 151,49 Millionen Euro neu zu.

Kernthemen der Zusammenarbeit sind:

  • Schutz unserer Lebensgrundlagen – Umwelt und natürliche Ressourcen
    Aktionsfeld: Wasser/Abwasser
  • Verantwortung für unseren Planeten – Klima und Energie
    Aktionsfelder: erneuerbare Energien und Energieeffizienz, nachhaltige Stadtentwicklung
  • Ausbildung und nachhaltiges Wachstum für gute Jobs
    Aktionsfelder: Privatsektor- und Finanzsystementwicklung, berufliche Bildung

Darüber hinaus engagiert sich das BMZ für die Verbesserung der Regierungsführung, vor allem für die Stärkung der Zivilgesellschaft, für die Frauen- und Jugendförderung sowie in den Bereichen Bevölkerungsentwicklung, Digitalisierung und Verwaltungsreform.

Ein Mann sitzt an einem Bewässerungskanal in der Nähe von Qena am Nil, Ägypten.

Kernthema "Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen" Ressourcen schützen, Konflikte um Wasser vermeiden  Interner Link

In Ägypten regnet es sehr selten und es gibt nur geringe Grundwasservorräte. 95 Prozent der Landesfläche sind von Wüste bedeckt, weniger als vier Prozent können landwirtschaftlich genutzt werden. Die Menschen, die Landwirtschaft und die Industrie sind in hohem Maße vom Nil abhängig. Deutschland unterstützt Ägypten bei der Reform des Wassersektors.

Fertigung von Türmen für Windkraftanlagen in Ägypten

Kernthema "Klima und Energie, Just Transition" Windenergie nutzen, Effizienz steigern Interner Link

In ihrer Strategie für nachhaltige Energie 2035 hat die ägyptische Regierung das ehrgeizige Ziel formuliert, den Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix bis 2022 auf mehr als 20 Prozent und bis 2035 auf 42 Prozent zu steigern.

Auszubildende bei der Firma Leoni in Kairo

Kernthema "Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Ausbildung und Beschäftigung" Bedarfsgerechte Ausbildung von Jugendlichen Interner Link

Ein wichtiger Schwerpunkt der deutsch-ägyptischen Zusammenarbeit liegt auf der beruflichen Bildung und der Jugendbeschäftigung. Jedes Jahr betreten rund 850.000 junge Ägypterinnen und Ägypter neu den Arbeitsmarkt. Ein Großteil von ihnen findet jedoch keine angemessene Arbeit. Gleichzeitig klagen viele Betriebe darüber, dass ihnen Fachkräfte fehlen. Das betrifft insbesondere technisch-handwerkliche Berufe.

Aktuelle Situation

Demonstration auf dem Tahrir-Platz im Zentrum Kairos am 1. Februar 2011
Straßenszene in der Altstadt von Kairo
Teenager verkauft Obst auf einem Markt in Ägypten.

Stand: 19.09.2022