Ein Bauer in der El-Minya-Region in Ägypten mit zwei Wasserbüffeln und einer Milchkuh

Soziale Situation Konkurrenz um Boden und Wasser

Die soziale Lage vieler Ägypterinnen und Ägypter ist schwierig, die Kluft zwischen Arm und Reich ist groß. Etwa ein Drittel der Menschen lebt unterhalb der nationalen Armutsgrenze.

Auf dem aktuellen Index der menschlichen Entwicklung (HDI (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) nimmt Ägypten Rang 116 von 189 Ländern ein. Ein Grund dafür ist der mangelnde Zugang zu Bildung und Gesundheitsdiensten. Das hohe Bevölkerungswachstum (2018: zwei Prozent) verschärft die soziale Lage zusätzlich. In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Einwohnerzahl Ägyptens nahezu verdoppelt und liegt inzwischen bei rund 100 Millionen. Ein Drittel der Bevölkerung ist jünger als 15 Jahre. In vielen Familien müssen Kinder mit zum Haushaltseinkommen beitragen. Schätzungen zufolge arbeiten etwa zwei Millionen Kinder zwischen 5 und 15 Jahren regelmäßig in der Bauindustrie, in Bergwerken, in der Landwirtschaft oder als Haushaltshilfen.

Situation der Frauen

Gewalt gegen Frauen ist in Ägypten weit verbreitet. Nach einer Studie der Vereinten Nationen von 2013 haben 99 Prozent aller ägyptischen Frauen in ihrem Leben sexuelle Belästigung erlebt. Auch die seit 2008 verbotene Praxis der Genitalverstümmelung wird insbesondere in den ländlichen Gebieten noch praktiziert.

Smog in Kairo

Smog in Kairo

Smog in Kairo

Schlechte Lebensbedingungen in Ballungsgebieten

Rund 95 Prozent der ägyptischen Bevölkerung leben auf etwa vier Prozent der Landesfläche im Niltal und im Nildelta. Diese Gebiete gehören damit zu den am dichtesten besiedelten Regionen der Welt. In den Ballungsräumen konkurrieren Landwirtschaft, Industrie und Bewohner um nutzbaren Boden und vor allem um die geringen Wasservorkommen.

Die extreme Siedlungsdichte und die fortschreitende Industrialisierung haben massive Umweltbelastungen zur Folge. In den städtischen Ballungsgebieten beeinträchtigt die zunehmende Verschmutzung von Luft und Wasser die Lebensbedingungen der Einwohnerinnen und Einwohner. Dort fehlen außerdem preiswerte Wohnungen für die arme Bevölkerung. Illegale Ansiedlungen wachsen unkontrolliert, ohne angemessene soziale und technische Infrastruktur.