Wirtschaftliche Situation Wirtschaft modernisieren, Arbeitsplätze schaffen

Der unter Präsident Mubarak eingeleitete Übergang Ägyptens von einer staatlich gelenkten Wirtschaftsordnung zu einer Marktwirtschaft wurde vor allem zugunsten einer wirtschaftlichen Elite gestaltet. Vom Strukturwandel profitierte nur ein relativ geringer Teil der Bevölkerung.

Teenager verkauft Obst auf einem Markt in Ägypten.

Ein Teenager verkauft Obst auf einem Markt in Ägypten.

Ein Teenager verkauft Obst auf einem Markt in Ägypten.

Die ägyptische Wirtschaft hat sehr unter der politischen Instabilität infolge der Revolution von 2011 gelitten. Im Rahmen eines 2016 mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) vereinbarten Reformpakets konnte sie sich jedoch leicht erholen. 2018 betrug das Wirtschaftswachstum 5,3 Prozent, für 2019 und 2020 rechnet der IWF ebenfalls mit Steigerungsraten zwischen fünf und sechs Prozent. Damit liegen die Wachstumsraten jedoch immer noch unter den Werten, die zehn Jahre zuvor erreicht wurden.

Mit der "Vision 2030" hat die amtierende Regierung ein ehrgeiziges Programm für die nachhaltige Entwicklung (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) des Landes und eine staatlich gesteuerte Modernisierung der Wirtschaft auf den Weg gebracht. So werden vorsichtig wettbewerbsverzerrende Subventionen abgebaut und Steuerreformen angestoßen. Angestrebt wird außerdem die Sanierung des Staatshaushalts und eine Verbesserung des Investitionsklimas.

Mangelnde Perspektiven für die Jugend

Die größte Herausforderung für Ägypten bleibt die hohe Arbeitslosigkeit, sie liegt offiziell bei etwa elf Prozent. Unter den 15- bis 24-Jährigen sind mehr als 30 Prozent arbeitslos.
Um den Staatshaushalt zu entlasten, wurden in den vergangenen Jahrzehnten massiv Stellen im öffentlichen Dienst abgebaut. Im selben Zeitraum aber konnten privatwirtschaftliche Unternehmen nicht ausreichend neue Arbeitsplätze schaffen. Daher versuchen viele Menschen, im informellen Sektor ein Auskommen zu finden.

Um die politische Stabilität zu erhalten und sozialen Konflikten vorzubeugen, setzt die ägyptische Regierung auf groß angelegte Infrastrukturprojekte, etwa beschäftigungsintensive Wohnungsbauprogramme. Um langfristig ausreichend Arbeitsplätze und einträgliche Einkommen für alle Bevölkerungsgruppen zu schaffen, sind jedoch weitere Schritte zur Belebung der privaten Wirtschaft nötig.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller im Februar 2020 im ägyptischen Solarpark Benban. Hier wird mit 7,2 Millionen Solarmodulen Strom erzeugt.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller im Februar 2020 im ägyptischen Solarpark Benban. Hier wird mit 7,2 Millionen Solarmodulen Strom erzeugt.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller im Februar 2020 im ägyptischen Solarpark Benban. Hier wird mit 7,2 Millionen Solarmodulen Strom erzeugt.

Entwicklungspotenziale

Ägypten ist nach Südafrika das am stärksten industrialisierte Land Afrikas. Der Außenhandel könnte die wirtschaftliche Entwicklung des Landes langfristig sichern, wenn die nötigen Rahmenbedingungen geschaffen würden. Hinzu kommen die günstige geographische Lage und eine junge Bevölkerung, die aktiv zum Wirtschaftsleben beitragen kann.

Die Verbindung vom Mittelmeer zum Roten Meer ist für die Schifffahrt von großer Bedeutung. Entsprechend sollen mit der erfolgten Erweiterung des Suez-Kanals zusätzliche Einnahmen durch Transitgebühren erwirtschaftet werden. Ein Ausbau zum regionalen Logistikzentrum könnte Ägypten zu einem der wichtigsten Handelsplätze der Welt machen.

Die Mitgliedschaft in der WTO und der Abschluss zahlreicher Wirtschaftsabkommen eröffnen Ägypten den Zutritt zu attraktiven internationalen Märkten. Seit 2004 regelt ein Assoziationsabkommen mit der Europäischen Union den freien gegenseitigen Handel. Durch ein Sonderabkommen wurde 2010 der Handel mit landwirtschaftlichen und Fischereiprodukten weitgehend liberalisiert. Ägypten verfügt über gute Voraussetzungen für die Energiegewinnung durch Sonne und Wind. Das Interesse an erneuerbaren Energien ist bei Entscheidungsträgern deutlich gestiegen, hat sich aber noch nicht gegenüber den traditionellen Wirtschaftszweigen – etwa der Kohle – durchsetzen können.