Geld wech­selt den Be­sit­zer.

Kor­rup­ti­on bekämpfen

Kor­rup­ti­on ver­hin­dert ei­ne wirk­sa­me Be­kämp­fung der Ar­mut. Sie ent­zieht den be­trof­fe­nen Län­dern Gel­der, die dann nicht für Ent­wick­lung zur Ver­fü­gung ste­hen. So be­hin­dert sie das Er­rei­chen der in­ter­na­tio­na­len Ent­wick­lungs­zie­le, die in der Agen­da 2030 (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung fest­ge­legt wur­den. Die Prä­ven­ti­on und Be­kämp­fung von Kor­rup­ti­on ist des­halb ein zen­tra­les An­lie­gen der deut­schen Ent­wick­lungs­po­li­tik.

Verwaltungsangestellter in Mosambik

Kor­rup­ti­on hat vie­le Ge­sich­ter: der Po­li­zist, der für ein klei­nes Trink­geld weg­schaut; der Ver­wal­tungs­be­am­te, der Bau­ge­neh­mi­gun­gen ver­kauft; der Arzt, der sich nur gut um die Pa­ti­en­ten küm­mert, de­ren Fa­mi­li­en ein "Ex­traho­no­rar" be­zah­len; der Rich­ter, der sich vom An­ge­klag­ten be­stechen lässt und ein mil­des Ur­teil fällt; der Po­li­ti­ker, der sei­nen Freun­den und Ver­wand­ten gu­te Pos­ten ver­schafft; der Bau­un­ter­neh­mer, der sei­ne Auf­trä­ge durch Be­stechung er­hält; der Sport­funk­tio­när, der sich für be­stimm­te Ent­schei­dun­gen be­zah­len lässt – die Lis­te könn­te noch lan­ge wei­ter­ge­führt wer­den​ ...


Durch ei­nen Tür­spalt sieht man ei­nen Mann von hin­ten.

Hintergrund Korruption hemmt Entwicklung Interner Link

Kor­rup­ti­on ist ei­ne Ka­ta­stro­phe und hat dem­entspre­chend schlim­me Fol­gen – so­wohl auf wirt­schaft­li­cher als auch auf po­li­ti­scher und so­zia­ler Ebe­ne. Durch Kor­rup­ti­on wer­den öf­fent­li­che Gel­der ver­schwen­det, statt mit ih­nen nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung zu för­dern. Es wer­den pri­va­te In­ter­es­sen durch­ge­setzt – zum Nach­teil der All­ge­mein­heit.

Zweigleisiger Ansatz zur Be­kämp­fung von Kor­rup­tion

Mitarbeiterin eines Bürgerbüros in der Gemeinde Telavi in Georgien

Mitarbeiterin eines Bürgerbüros in der Gemeinde Telavi in Georgien

Mitarbeiterin eines Bürgerbüros in der Gemeinde Telavi in Georgien

Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für wirt­schaft­li­che Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (BMZ) verfolgt ei­nen zwei­glei­si­gen An­satz: Zum ei­nen wer­den ei­gen­stän­di­ge Pro­gram­me ge­star­tet, die gu­te Re­gie­rungs­füh­rung und ein ge­ziel­tes Vor­ge­hen ge­gen Kor­rup­ti­on ("An­ti­kor­rup­ti­on") för­dern. Zum an­de­ren wer­den As­pek­te der Kor­rup­ti­ons­vor­beu­gung und -be­kämp­fung auch in Vor­ha­ben an­de­rer ent­wick­lungs­po­li­ti­scher Ar­beits­fel­der be­rück­sich­tigt. Grund­sätz­lich wer­den drei Ak­teu­re ein­be­zo­gen: staat­li­che In­sti­tu­tio­nen, die pri­va­te Wirt­schaft und die Zi­vil­ge­sell­schaft.

Die deut­sche Ent­wick­lungs­po­li­tik setzt bei der Kor­rup­ti­ons­be­kämp­fung auf drei ver­schie­de­nen Ebe­nen an:

  • Unterstützung von Reformen mit dem Ziel der Korruptionsbekämpfung in Kooperationsländern
  • Regeltreue ("Compliance") und Risikomanagement in der Entwicklungszusammenarbeit
  • Umsetzung internationaler Verpflichtungen

Unterstützung von Reformen in den Ko­ope­ra­ti­ons­ländern

Die deut­sche Ent­wick­lungs­po­li­tik setzt sich sys­te­ma­tisch mit dem Kor­rup­ti­ons- und Gov­er­nance-Ni­veau in ih­ren Ko­ope­ra­ti­ons­län­dern aus­ein­an­der. Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Re­gie­run­gen wer­den da­bei un­ter­stützt, die Ver­wal­tung trans­pa­rent, leis­tungs­fä­hig und bür­ger­ori­en­tiert zu ge­stal­ten. Ge­för­dert wird ins­be­son­de­re die Schaf­fung ei­nes ef­fi­zi­en­ten Per­so­nal- und Be­schaf­fungs­we­sens, die Ver­bes­se­rung des öf­fent­li­chen Fi­nanz­we­sens und der Auf­bau von Rech­nungs­hö­fen, Zoll- und Steu­er­ver­wal­tun­gen so­wie spe­zia­li­sier­ten An­ti­kor­rup­ti­ons­kom­mis­sio­nen.

In Län­dern mit ho­hem Kor­rup­ti­ons­ri­si­ko und schwa­chen staat­li­chen Struk­tu­ren un­ter­stützt das BMZ Re­form­kräf­te und in­te­griert pro­blem­be­zo­ge­ne An­ti­kor­rup­ti­ons­maß­nah­men in Ent­wick­lungs­pro­gram­me an­de­rer The­men­fel­der (zum Bei­spiel Bil­dung oder Ge­sund­heit). Auch die Stär­kung der Zi­vil­ge­sell­schaft ist ein Schwer­punkt der deut­schen Zu­sam­men­ar­beit, denn ei­ne wach­sa­me Öf­fent­lich­keit, die sich in die Po­li­tik­ge­stal­tung und Re­chen­schafts­le­gung ein­brin­gen kann, ist un­ver­zicht­bar für die Be­kämp­fung von Kor­rup­ti­on.

Schon seit 1997 wer­den in al­le Pro­to­kol­le der Re­gie­rungs­ver­hand­lun­gen mit Part­ner­län­dern An­ti­kor­rup­ti­ons­ver­ein­ba­run­gen auf­ge­nom­men. Auch in Dar­le­hens- und Fi­nan­zie­rungs­ver­trä­ge wer­den ent­spre­chen­de Klau­seln ein­ge­fügt. In den Po­li­tik­dia­log mit dem je­wei­li­gen Part­ner­land wer­den au­ßer­dem die un­ter­schied­li­chen in­ter­na­tio­na­len und re­gio­na­len An­ti­kor­rup­ti­ons­kon­ven­tio­nen und Trans­pa­renz­in­itia­ti­ven ein­ge­bracht. Deutsch­land stimmt sich da­bei eng mit den an­de­ren Ge­ber­staa­ten ab und en­ga­giert sich in den in­ter­na­tio­na­len Netz­wer­ken.

Regel­treue und Ri­si­ko­ma­na­ge­ment in der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit

Deutsch­land ist häu­fig in Län­dern mit nied­ri­gem Gov­er­nance-Ni­veau ent­wick­lungs­po­li­tisch tä­tig. Um die Wirk­sam­keit und Glaub­wür­dig­keit die­ses En­ga­ge­ments zu ge­währ­leis­ten, ist ein ver­ant­wor­tungs­vol­ler Ein­satz der Steu­er­gel­der un­ab­ding­bar. Da­her wird die Kor­rup­ti­ons­an­fäl­lig­keit von Län­dern und Pro­jekt­trä­gern im Vor­feld ge­nau ana­ly­siert. Ent­wick­lungs­maß­nah­men und In­stru­men­te wer­den dann die­sem Ri­si­ko­po­ten­zi­al an­ge­passt.

Das BMZ geht al­len Kor­rup­ti­ons­hin­wei­sen im Zu­sam­men­hang mit sei­ner Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit nach und zieht Kon­se­quen­zen. Es gilt das Null-To­le­ranz-Prin­zip der Ab­schluss­erklä­rung zur Ent­wick­lungs­part­ner­schaft von Busan 2011: Droht der Miss­brauch deut­scher Ent­wick­lungs­gel­der, kann ih­re Aus­zah­lung ge­stoppt wer­den.

Ge­mäß der Richt­li­nie der Bun­des­re­gie­rung zur Prä­ven­ti­on von Kor­rup­ti­on (Externer Link) (2004) wer­den al­le Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter der deut­schen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit sen­si­bi­li­siert und ge­schult, um auch in kor­rup­ten Ar­beits­um­fel­dern ih­re In­te­gri­tät zu wah­ren und al­le Ge­set­ze und Richt­li­ni­en strikt ein­zu­hal­ten.

Glaub­wür­di­ges Ein­tre­ten für Trans­pa­renz und An­ti­kor­rup­ti­on setzt vor­aus, dass auch Deutsch­land die in­ter­na­tio­nal ver­ein­bar­ten Stan­dards um­setzt. Das deut­sche Recht ent­hält da­für um­fang­rei­che Vor­schrif­ten. Kor­rup­ti­on ist ein Straf­tat­be­stand, auch wenn sie von Pri­vat­per­so­nen im Aus­land be­gan­gen wird. 1999 hat Deutsch­land die OECD-Kon­ven­ti­on zur Be­kämp­fung der Be­stechung aus­län­di­scher Amts­trä­ger im in­ter­na­tio­na­len Ge­schäfts­ver­kehr (Externer Link) ra­ti­fi­ziert. Die UN-Kon­ven­ti­on ge­gen Kor­rup­ti­on hat die Bun­des­re­pu­blik 2003 un­ter­zeich­net und 2014 ra­ti­fi­ziert.

Im Rah­men der In­ter­na­tio­na­len In­itia­ti­ve für Trans­pa­renz in der Ent­wick­lungs­hil­fe (In­ter­na­tional Aid Trans­parency Ini­tia­tive, IATI) hat sich Deutsch­land ver­pflich­tet, leicht zu­gäng­li­che und ver­ständ­li­che In­for­ma­tio­nen über die Ver­wen­dung von Ent­wick­lungs­gel­dern be­reit­zu­stel­len. Mehr In­for­ma­tio­nen da­zu fin­den Sie hier.

Umsetzung inter­na­tio­na­ler Ver­pflich­tungen

Deutsch­land un­ter­stützt die Er­stel­lung und Ein­hal­tung in­ter­na­tio­na­ler Stan­dards ge­gen Kor­rup­ti­on durch ak­ti­ve Mit­ar­beit in den Ver­ein­ten Na­tio­nen, der Welt­bank, in der G7 (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) und der G20 (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) sowie in der Or­ga­ni­sa­ti­on für wirt­schaft­li­che Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (OECD). Die Bun­des­re­pu­blik setzt sich da­bei be­son­ders für mehr Trans­pa­renz in Sek­to­ren ein, die als be­son­ders kor­rup­ti­ons­an­fäl­lig gel­ten. Un­ter an­de­rem en­ga­giert sich das BMZ in­ten­siv für die in­ter­na­tio­na­le In­itia­ti­ve für mehr Trans­pa­renz in der Roh­stoff­in­dus­trie (Ex­trac­tive In­dus­tries Trans­parency Ini­tia­tive, EI­TI (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)).

Ein wei­te­rer Schwer­punkt der in­ter­na­tio­na­len Zu­sam­men­ar­beit ist die Be­kämp­fung grenz­über­schrei­ten­der Ur­sa­chen von Kor­rup­ti­on. Das BMZ för­dert die welt­wei­te Er­ar­bei­tung und Ein­hal­tung von Stan­dards ge­gen Be­stechung im in­ter­na­tio­na­len Ge­schäfts­ver­kehr und Geld­wä­sche. Au­ßer­dem un­ter­stützt Deutsch­land sei­ne Ko­ope­ra­ti­ons­län­der da­bei, durch il­le­ga­le Geld­strö­me ent­zo­ge­ne Ver­mö­gens­wer­te ins Land zu­rück­zu­ho­len.

Symbolfoto: Geldscheine werden durch ein Netz aufgefangen

In­ter­na­tio­na­le In­itia­ti­ven zur Kor­rup­ti­ons­be­kämp­fung Interner Link

Seit Mit­te der 1990er Jah­re wird Kor­rup­ti­on als glo­ba­les Pro­blem the­ma­ti­siert. Die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft hat er­kannt, dass Kor­rup­ti­on ei­nes der Haupt­hin­der­nis­se für Ent­wick­lung ist. Da Kor­rup­ti­on auch grenz­über­schrei­ten­de Ur­sa­chen und Aus­wir­kun­gen hat, ist ei­ne in­ter­na­tio­na­le Zu­sam­men­ar­beit not­wen­dig, um Kor­rup­ti­on ef­fek­tiv zu be­kämp­fen. Hier fin­den Sie In­for­ma­tio­nen über ei­ne Aus­wahl von in­ter­na­tio­na­len In­itia­ti­ven und Ver­ein­ba­run­gen zur Be­kämp­fung von Kor­rup­ti­on.

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