0 bis 4 Jahre Gesundheit von Kleinkindern verbessern

Nach Angaben der Vereinten Nationen starben im Jahr 2024 weltweit etwa 4,9 Millionen Kinder, die jünger als fünf Jahre alt waren – im Schnitt also etwa 13.300 an jedem Tag. Fast die Hälfte davon waren Neugeborene.

Die meisten Todesfälle bei Kleinkindern treten bei der Geburt auf oder werden durch Krankheiten verursacht, die vermieden oder behandelt werden könnten. Häufig handelt es sich dabei um Infektionen der Atemwege wie Lungenentzündungen, Durchfallerkrankungen, Malaria oder andere Infektionskrankheiten. Wenn Kinder unterernährt sind, kein sauberes Trinkwasser haben oder unter schlechten hygienischen Bedingungen leben müssen, verlaufen Krankheiten, die in vielen Regionen der Welt als harmlos gelten, häufiger tödlich.

Deutsches Engagement

Wenn in einem Land viele Neugeborene und Kleinkinder sterben, dann hat das immer mehrere Ursachen – entsprechend gibt es nie eine einfache Lösung zur Verbesserung, sodass eine ganzheitliche Herangehensweise ist erforderlich.

Um die Zahl der Todes- und Krankheitsfälle zu vermindern, sind neben der Stärkung der Gesundheitssysteme, inkl. der Schulung von Gesundheitspersonal, Verbesserungen in vielen weiteren Bereichen erforderlich – zum Beispiel bei der Gleichstellung der Geschlechter, der sozialen Sicherung, der Ernährung, der Bildung, der Versorgung mit Trinkwasser und der Abwasserentsorgung.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit engagiert sich auf allen diesen Gebieten und verbessert dadurch direkt und indirekt die Überlebenschancen von Kindern und Jugendlichen.

Professionelle Begleitung von Schwangerschaft und Geburt

Ein Anästhesist bei der Überprufung eines medizinschen Gerätes in einem Regionalkrankenhaus in Tansania

Ein Anästhesist bei der Überprufung eines medizinschen Gerätes in einem Regionalkrankenhaus in Tansania

Ein Anästhesist bei der Überprufung eines medizinschen Gerätes in einem Regionalkrankenhaus in Tansania
Sprechstunde in einem Krankenhaus in Bangladesch

Ein wichtiger Ansatzpunkt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ist es, die Unterstützung und Betreuung von Schwangeren und Müttern zu verbessern. Dadurch können zum Beispiel Frühgeburten, Komplikationen während der Geburt und Infektionen in den ersten Lebenstagen des Kindes verhindert werden.

Möglich ist das nur durch eine professionelle Begleitung der Frauen und Zugang zu entsprechenden Leistungen, z. B. durch Gesundheitsgutscheine. Ein Gesundheitsgutschein berechtigt den Empfänger, eine genau definierte Gesundheitsleistung (oder ein Paket von Gesundheitsleistungen) in qualitätsgeprüften Gesundheitseinrichtungen kostenlos in Anspruch zu nehmen. Mit diesem Gutschein kann der Gesundheitsdienstleister anschließend die Erstattung der Kosten für die Leistungen beantragen, die er für den Gutscheininhaber erbracht hat. Die Begleitung der Frauen, sowie der Zugang zu Gesundheitsdienstleitungen muss vor der Schwangerschaft beginnen, währenddessen andauern und über die Geburt hinausgehen. Kommt es zu Komplikationen während der Schwangerschaft oder zu Notfällen bei der Geburt, muss eine effektive medizinische Behandlung bis hin zu Wiederbelebungsmaßnahmen und eine gute Versorgung sowohl für die Frau als auch für das Neugeborene gewährleistet sein. Auch eine ausreichende Versorgung mit Medikamenten ist überlebenswichtig, beispielsweise zur Behandlung von Frühgeborenen.

So ist auch der Schutz Schwangerer und Neugeborener vor Infektionskrankheiten ein wichtiges Ziel. Trotz erheblicher Fortschritte kommt es weiterhin zu vermeidbaren Infektionsübertragungen auf Kinder, weshalb Grundimmunisierung und Impfungen, Programme zur Prävention der Mutter-Kind-Übertragung sowie integrierte Ansätze für die Therapie von HIV, Syphilis und Hepatitis B entlang der gesamten Versorgungskette zentral sind.

Gesundheitssysteme stärken

Patientenzimmer in einem Krankenhaus des Roten Kreuzes in Bangui, Zentralafrikanische Republik

Nahezu alle Länder mit hoher Mütter- oder Kindersterblichkeit sind von einem Mangel an qualifiziertem Fachpersonal und einem unterfinanzierten Gesundheitssystem betroffen.

Für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit stehen darum Maßnahmen im Mittelpunkt, die dazu beitragen, die Gesundheitssysteme nachhaltig zu stärken. Ziel ist, dass alle Kinder und ihre Mütter Zugang zu einer zuverlässigen medizinischen Basisversorgung erhalten.

Integriertes Management von Kinderkrankheiten

Um die gesundheitliche Situation der Kinder zu verbessern, fördert Deutschland in seinen Partnerländern das „Integrierte Management von Kinderkrankheiten“ (Integrated Management of Childhood Illnesses, IMCI). Diese Strategie wurde 1992 vom Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) entwickelt. Sie umfasst ein breites Spektrum von Maßnahmen und setzt auf verschiedenen Ebenen an.

IMCI wird von Gesundheitsdiensten, Gemeinden und Familien gemeinsam umgesetzt. So wird erreicht, dass zum Beispiel Schulen das Thema Gesundheit in ihre Lehrpläne aufnehmen. Bei Programmen zur Verbesserung der Wasserversorgung werden neben der Planung neuer Rohrleitungen auch Gesundheitsbildung und Hygieneerziehung in Schulen angeboten.

Deutschland fördert zudem bi- und multilateral Maßnahmen, die sich als sehr wirkungsvoll erwiesen haben und die zum Überleben von Kindern beitragen können. Dazu gehören:

  • die zuverlässige Versorgung von Frauen vor, während und nach ihrer Schwangerschaft,
  • die Behandlung von Neugeborenen mit notwendigen Medikamenten,
  • das ausschließliche Stillen von Kindern in den ersten sechs Lebensmonaten,
  • das Schlafen unter imprägnierten Moskitonetzen und der Einsatz wirksamer Medikamente zur Behandlung von Malaria,
  • die Behandlung mit Antibiotika bei Lungenentzündungen und
  • Impfungen gegen sechs lebensbedrohliche Krankheiten.

Leben retten durch Impfungen

Eine der wirksamsten Möglichkeiten, Krankheiten zu verhindern, Leben zu retten und dadurch auch die Gesundheitssysteme zu entlasten, sind Impfungen. Eine einzigartige – wenn auch noch nicht ganz vollendete – Erfolgsgeschichte macht das deutlich: die Kampagne zur Ausrottung der Kinderlähmung (Poliomyelitis) durch Impfungen. Wurden zu Beginn der Kampagne im Jahr 1988 noch rund 350.000 Polioerkrankungen in mehr als 120 Ländern verzeichnet, ist die Zahl der Krankheitsfälle seitdem um mehr als 99 Prozent gesunken. Heute melden nur noch zwei Länder regelmäßig neue Wildpoliofälle (siehe auch: Bekämpfung der Poliomyelitis).

Vor diesem Hintergrund unterstützt das BMZ Impfprogramme für Kinder. Eine bedeutende Rolle spielt dabei die Kooperation mit der Impfallianz Gavi (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen). Diese öffentlich-private Partnerschaft zwischen staatlichen Einrichtungen und der Wirtschaft fördert Grundimmunisierung von Kindern und stärkt die dazu notwendigen Gesundheitssysteme. Deutschland unterstützt die Arbeit der Impfallianz seit 2006.

Seit 2000 konnten mehr als 1,2 Milliarden Kinder durch die Allianz von Gavi, UNICEF und der WHO geimpft werden. Nach Angaben der Allianz haben die bislang geförderten Impfprogramme und -kampagnen dazu beigetragen, mehr als 20 Millionen Todesfälle in Entwicklungsländern zu verhindern.

BMZ-Initiative „Selbstbestimmte Familienplanung und reproduktive Gesundheit für alle“

Mütter mit Kindern im Dorf Kabunyata (Uganda)

Mütter mit Kindern im Dorf Kabunyata (Uganda)

Titelblatt: Sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte stärken

Sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte stärken

Die BMZ-Initiative „Selbstbestimmte Familienplanung und Müttergesundheit“

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 06/2022 | Dateigröße 6 MB, Seiten 51 Seiten | Zugänglichkeit barrierefrei

Sein Engagement zur Stärkung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) (SRGR) bündelt das BMZ seit 2011 in der Initiative „Selbstbestimmte Familienplanung und reproduktive Gesundheit für alle“ (ehemals „Selbstbestimmte Familienplanung und Müttergesundheit“).

Die deutsche Unterstützung in den Partnerländern trug unter anderem dazu bei, dass

  • zwischen 2011 und 2023 mehr als 51.300 Gesundheitsfachkräfte in der Geburtshilfe aus- und fortgebildet wurden und
  • mehr als 7,1 Millionen Geburten professionell betreut wurden.

Beispiele für die internationale Zusammenarbeit Deutschlands im Bereich Kindergesundheit

Zur weltweiten Bekämpfung von Krankheiten unterstützt das BMZ Organisationen wie die WHO und UNICEF bei gezielten flächendeckenden Kampagnen – zum Beispiel zur rechtzeitigen Behandlung von Durchfallerkrankungen, Malaria und Atemwegsinfektionen.

Auch der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)), die Globale Initiative zur Ausrottung von Polio (Global Polio Eradication Initiative, GPEI), die Global Financing Facility for Women, Children and Adolescents (GFF) und die International Planned Parenthood Federation (IPPF (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) werden vom BMZ gefördert. Deutschland gehört außerdem zu den größten Unterstützern des Globalen Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria (GFATM). Für die Jahre 2026 bis 2028 hat Deutschland Mittel in Höhe von 1 Milliarde Euro zugesagt, die auch der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zugutekommen.

In Kamerun begleitet das TZ-Vorhaben „Unterstützung des Gesundheitssystems für die Resilienz in Kamerun“ die Digitalisierung der Verwaltung des subventionierten Gutscheinsystems ‘Chèques Santé‘. Im Rahmen des ‘Chèques Santé’ erhalten Frauen einen Gutschein für ein Paket an Gesundheitsleistungen für Schwangere und Neugeborene. Der Gesundheitsgutschein zielt darauf ab, die Säuglings- und Müttersterblichkeit durch eine verbesserte Betreuung schwangerer Frauen zu senken.

Im Sudan decken fast 90 Prozent der Kinder ihren Mindestkalorienbedarf nicht, 30 Prozent der Mütter leiden unter Unterernährung. Diese dramatische Situation birgt nicht nur unmittelbare Gesundheitsrisiken, sondern hat auch langfristige Auswirkungen auf die körperliche und geistige Entwicklung sowohl der Kinder als auch ihrer Mütter. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit hat die Stärkung der Resilienz von Frauen und Kindern durch ein umfassendes 1000-Tage-Programm zur Priorität erklärt. Diese Initiative unterstützt Frauen vom Zeitpunkt der Empfängnis an und während der ersten 1000 Tage im Leben ihres Kindes. Im Rahmen des Programms erhalten Frauen während der entscheidenden 1000-Tage-Phase regelmäßig Geldzuwendungen. Diese werden durch Aufklärungsmaßnahmen ergänzt, die sich auf verschiedene Aspekte der Kindererziehung, der Gesundheit von Mutter und Kind, der Bedeutung von Impfungen, der Ernährung von Kindern, der Familienplanung und der Prävention von weiblicher Genitalverstümmelung konzentrieren.

Darüber hinaus investiert das Programm in die Stärkung der Kompetenzen von Hebammen und Sozialarbeiterinnen. Das Programm geht auch die Herausforderungen auf der Angebotsseite an, indem es Gesundheitszentren mit den notwendigen Ressourcen ausstattet, um präventive und akute Maßnahmen wie Behandlungen gegen Unterernährung, Impfungen, Vitaminpräparate und Malaria-Sets anzubieten. Trotz operativer Herausforderungen im Sudan konnten seit 2021 über 50.000 Frauen erreicht werden, wovon indirekt mehr als 300.000 Haushaltsmitglieder profitieren.

Stand: 27.03.2026