Friedenstruppen der Mission der Vereinten Nationen in Südsudan (UNMISS) bei einer Patrouille in Bor

Südsudan Junger Staat vom Zerfall bedroht

Im Jahr 2011 hatte Südsudan seine Unabhängigkeit von der Republik Sudan erklärt. Schon 2013 zerbrach jedoch die Regierung. Die Ursachen für den Konflikt liegen hauptsächlich in der historisch gewachsenen, unfairen und insbesondere nach ethnischen Gesichtspunkten ausgerichteten Verteilung von politischer Macht und wirtschaftlichen Ressourcen.

Nach Jahren des Bürgerkrieges unterzeichnete der südsudanesische Präsident Salva Kiir Mayardit und der aus dem Exil zurückgekehrte frühere Vizepräsident Riek Machar im September 2018 einen Friedensvertrag. Er sollte dem seit 2013 andauernden Bürgerkrieg in Südsudan ein Ende setzen. Auch wenn der Friedensprozess nur langsam voranschritt, konnte Südsudan mit der Bildung einer Übergangsregierung im Februar 2020 einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Frieden gehen.

Humanitäre Krise

Doch der Krieg hat tiefe Spuren hinterlassen. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind mehr als sieben der etwa zwölf Millionen Einwohner Südsudans auf humanitäre Hilfe angewiesen. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung leidet unter teilweise extremer Nahrungsunsicherheit. Der Bürgerkrieg hat zudem eine der größten Flüchtlingskrisen Afrikas ausgelöst: Die Zahl der Binnenvertriebenen wird auf 1,6 Millionen geschätzt, in den Nachbarländern sollen sich etwa 2,3 Millionen Flüchtlinge aus Südsudan aufhalten (Stand: Januar 2021).

Der Bedarf an internationaler Unterstützung ist enorm. Es gilt das Leiden der Menschen zu lindern.

Entwicklungszusammenarbeit

Aufgrund der politischen Lage hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die direkte Zusammenarbeit mit der südsudanesischen Regierung vorerst eingestellt. Laufende Vorhaben wurden angepasst, um mit vergleichsweise schnell wirksamen Maßnahmen die akuten Folgen der Gewalt zu mindern.

Im Mittelpunkt des BMZ-Engagements stehen die Ernährungssicherung und die Unterstützung besonders verwundbarer Bevölkerungsgruppen. Dazu zählen Frauen, Kinder, Flüchtlinge, Binnenvertriebene sowie Gemeinden, die viele Geflüchtete aufgenommen haben.

UN-Gelände in der Hauptstadt Dschuba, das ab 2014 zu einem Lager für Binnenvertriebene umfunktioniert wurde

Wiederholte Rückfälle in die Gewalt Interner Link

Mit einer deutlichen Mehrheit von 98,8 Prozent stimmte die südsudanesische Bevölkerung im Januar 2011 für eine vollständige Loslösung von der Republik Sudan. Am 9. Juli 2011 wurde dieser Schritt offiziell vollzogen.

Zwei Maenner holen mit einem Fahrrad Wasser an einem öffentlichen Wassertank in Dschuba, Südsudan.

Bevölkerung in Not Interner Link

Südsudan belegt auf dem aktuellen Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen (HDI) Platz 186 von 189 bewerteten Ländern. Es liegen nur sehr wenige Daten aus dem fragilen Staat vor.

Straßenzene in Dschuba, der Hauptstadt Südsudans

Instabilität verhindert Entwicklung Interner Link

Südsudan ist reich an natürlichen Ressourcen (Erdöl, Gold, Diamanten, Silber, verschiedene Erze, Wasserressourcen, Edelhölzer, fruchtbares Ackerland und zahlreiche Wildtierarten). Fehlende staatliche Strukturen, politische Instabilität und massive Misswirtschaft verhindern jedoch, dass sie zum Wohl der Bevölkerung genutzt werden.

Deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit mit Südsudan

Deutschland engagiert sich seit 1972 entwicklungspolitisch in Sudan. Aufgrund des Bürgerkriegs wurde die Zusammenarbeit mit der Republik Sudan 1989 unterbrochen. Bereits 2006 hat die Bundesregierung begonnen, den südlichen Landesteil des Sudan mit Entwicklungszusammenarbeit zu unterstützen.

In Reaktion auf den ersten Gewaltausbruch im Dezember 2013 und das Wiederaufflammen des Bürgerkriegs Mitte 2016 wurde die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Südsudan allerdings regierungsfern umgestellt. Die direkte Zusammenarbeit mit der Regierung wurde beendet, die Maßnahmen der Übergangshilfe (Krisenbewältigung und Wiederaufbau) sowie der BMZ-Sonderinitiativen "Flucht" und "EINEWELT ohne Hunger" wurden deutlich ausgeweitet.

Oberstes Ziel des deutschen Engagements ist die möglichst direkte und schnell wirksame Unterstützung verletzlicher Bevölkerungsgruppen, das heißt insbesondere von Frauen und Kindern, Binnenvertriebenen, Flüchtlingen und aufnehmenden Gemeinden. Auswirkungen des Bürgerkriegs auf die Bevölkerung und die dadurch entstandenen Notlagen der Menschen sollen gemildert werden.

Unterstützung von UN- und Nicht­regierung­sorganisationen

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller im März 2014 beim Besuch eines Camps für Binnenflüchtlinge auf dem Gelände der UN-Mission UNMISS in Südsudan

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller im März 2014 beim Besuch eines Camps für Binnenflüchtlinge auf dem Gelände der UN-Mission UNMISS in Südsudan

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller im März 2014 beim Besuch eines Camps für Binnenflüchtlinge auf dem Gelände der UN-Mission UNMISS in Südsudan

Im Mittelpunkt der vom BMZ gesteuerten Maßnahmen stehen die Verbesserung der Ernährungssituation und die Sicherung der Existenzgrundlagen der Bevölkerung. Diese sind durch die angespannte Sicherheitslage immer wieder gefährdet.

Das BMZ fördert insbesondere auch Vorhaben des Welternährungsprogramms (WFP) und des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF). Darüber hinaus unterstützt Deutschland die Arbeit zahlreicher Nichtregierungsorganisationen einschließlich kirchlicher Träger, die die Lebenssituation der Bevölkerung in Südsudan verbessern. Die thematischen Schwerpunkte liegen in den Bereichen Ernährung und Landwirtschaft, Wasser- und Sanitärversorgung, Bildung und Schaffung von Einkommen sowie gute Regierungsführung und Friedensförderung.

Das Engagement des BMZ in Südsudan wird durch zahlreiche entwicklungspolitische Maßnahmen in der Region ergänzt. So werden zum Beispiel die Nachbarländer Äthiopien, Uganda, Kenia, Sudan und Demokratische Republik Kongo bei der Versorgung südsudanesischer Geflüchteter unterstützt.