Friedenstruppen der Mission der Vereinten Nationen in Südsudan (UNMISS) bei einer Patrouille in Bor

Südsudan

Der Südsudan, der jüngste Staat der Welt, erlangte 2011 nach einem Referendum die Unabhängigkeit vom Sudan. Trotz seiner reichen natürlichen Ressourcen und kulturellen Vielfalt ist das Land seit seiner Gründung von politischen Instabilitäten, Konflikten und humanitären Herausforderungen geprägt. Auch das Friedensabkommen von 2018 konnte die Lage nicht nachhaltig verbessern. Neben den Folgen des Konflikts verschärfen die Auswirkungen des Klimawandels, wie Dürren und Überschwemmungen, zusätzlich die Nahrungsmittelknappheit. Rund 70 Prozent der Bevölkerung sind auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Der Südsudan erlangte 2011 nach jahrzehntelangen Nord-Süd-Konflikten und zwei Bürgerkriegen (1955-1972 und 1983-2005) seine Unabhängigkeit. Kurz darauf eskalierte ein Machtkampf zwischen zwei Fraktionen innerhalb der Unabhängigkeitsbewegung, geprägt von ethnischen Spannungen und ungleicher Verteilung politischer Macht sowie wirtschaftlicher Ressourcen – insbesondere Erdöl, das rund 95 Prozent der Exporte ausmacht. Ein Friedensabkommen von 2015 beendete die Kämpfe nicht.

2020 wurde eine gemeinsame Übergangsregierung gebildet, die eine Verfassung und Wahlen vorbereiten sollte, doch der Prozess stockt und Wahlen wurden mehrfach verschoben. Einen stabilen Frieden konnte die gemeinsame Übergangsregierung bisher nicht erreichen. Die Lage in Südsudan bleibt fragil und geprägt von ethnischen und politischen Konflikten, die auch mit Gewalt ausgetragen werden. Seit März 2025 kommt es erneut zu Kämpfen zwischen den Konfliktparteien, Plünderungen, Massenvertreibungen, Angriffen auf Zivilistinnen und Zivilisten sowie willkürlichen Verhaftungen und Gewalt.

Humanitäre Krise

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind 70 Prozent der Bevölkerung, etwa 9,9 Millionen Menschen, im Südsudan auf humanitäre Hilfe angewiesen. Fast sechs Millionen Menschen sind akut von Hunger betroffen. Frauen und Kinder sind besonders betroffen, da sie häufig Opfer von Gewalt und Missbrauch sind. Die humanitäre Hilfe wird durch die instabile Lage und den begrenzten Zugang zu den betroffenen Gebieten erschwert.

Auswirkungen des Klimawandels

Der Südsudan gehört zu den Ländern, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind. Regelmäßige Überschwemmungen und Dürren beeinträchtigen die Lebensgrundlagen von Millionen Menschen. Ende 2024 vertrieben schwere Fluten laut dem Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) (Externer Link) rund 350.000 Menschen. Das Risiko weiterer Überflutungen bleibt hoch – vor allem in den Sudd-Sümpfen, einem der größten Feuchtgebiete der Erde.

Gleichzeitig führen in anderen Regionen langanhaltende Dürren zu massiven Viehverlusten und unterbrochenen Erntezyklen, was Spannungen und Konflikte zwischen nomadischen Viehzüchtern und sesshaften Gemeinschaften verschärft.

Flucht

Die anhaltenden Konflikte und die prekäre humanitäre Lage haben zu massiven Fluchtbewegungen geführt. Über drei Millionen Menschen sind innerhalb des Landes vertrieben oder suchen Schutz in Nachbarländern. Die Rückkehr von mehr als einer Million Geflüchteten aus dem Sudan hat die ohnehin angespannte Situation weiter verschärft. Unter ihnen befinden sich sowohl sudanesische Asylsuchende als auch südsudanesische Rückkehrende, die zuvor jahrzehntelang im Sudan gelebt hatten. Binnenvertriebene und Rückkehrende stehen vor enormen Herausforderungen, da es an grundlegender Infrastruktur und Integrationsperspektiven fehlt. Viele dieser Menschen sind extremen Risiken wie Mangelernährung und geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt.

Die Zahl der Ankommenden steigt weiter, da die Instabilität im Sudan anhält. Gleichzeitig sieht sich der Südsudan mit schweren und zunehmenden humanitären Zugangsbeschränkungen konfrontiert, die die Versorgung der Betroffenen erschweren.

Wirtschaft

Die Wirtschaft des Südsudan ist stark von den Einnahmen aus dem Erdölexport abhängig, die etwa 90 Prozent der Staatseinnahmen ausmachen. Im Februar 2024 wurde eine der wichtigsten Ölpipelines des Landes bei Kämpfen im Sudan beschädigt. Dies führte unter anderem zu einem drastischen Rückgang der Staatseinnahmen durch Ölhandel. Korruption, eine sehr hohe Inflationsrate und ausbleibende Gehälter für Staatsbedienstete haben die wirtschaftliche Lage weiter verschlechtert. Auch wenn die Ölförderung langsam wieder aufgenommen wurde, werden die Einnahmen auf absehbare Zeit nicht das ursprüngliche Niveau erreichen. Weitere Zahlungsverzögerungen im öffentlichen Sektor könnten die Stabilität des Landes zusätzlich gefährden. Eine knappe inländische Lebensmittelversorgung, ein starker Währungsverfall und die unterbrochenen Handelsbeziehungen mit dem Sudan treiben die Lebensmittelpreise weiter in die Höhe.

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Deutsche Entwicklungszusammenarbeit

Deutschland engagiert sich seit 1972 entwicklungspolitisch im Sudan. Aufgrund des Bürgerkriegs wurde die Zusammenarbeit mit der Republik Sudan 1989 unterbrochen. Bereits 2006 hat die Bundesregierung begonnen, gezielt den südlichen Landesteil des Sudan mit entwicklungspolitischen Maßnahmen zu unterstützen. Nach der Unabhängigkeit des Südsudans im Jahr 2011 wurde eine bilaterale Entwicklungszusammenarbeit mit dem neu entstandenen Staat vereinbart. Neben Großbritannien und der Europäischen Union gehört Deutschland zu den größten Unterstützern des Südsudan im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe.

In Reaktion auf den ersten Gewaltausbruch im Dezember 2013 und das Wiederaufflammen des Bürgerkriegs Mitte 2016 sowie der allgegenwärtigen Korruption richtete das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die Entwicklungszusammenarbeit mit Südsudan regierungsfern aus. Die direkte Zusammenarbeit mit der Regierung wurde beendet, während Maßnahmen der Übergangshilfe (Krisenbewältigung und Wiederaufbau) (Externer Link) sowie der BMZ-Sonderinitiativen „Geflüchtete und Aufnahmeländer“ ausgeweitet wurden. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit setzt auf eine enge Zusammenarbeit mit internationalen Partnern und lokalen Akteuren, um die komplexen Herausforderungen im Südsudan zu bewältigen. Dabei fördert das BMZ auch Vorhaben und Programme der Vereinten Nationen (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) (Welternährungsprogramm (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen), UNICEF (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen), Weltbank (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen), IFAD (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) sowie die Arbeit zahlreicher Nichtregierungsorganisationen.

Das deutsche Engagement konzentriert sich auf folgende Kernthemen und Aktionsfelder:

  • Kernthema: Frieden und gesellschaftlicher Zusammenhalt
    Aktionsfelder: Gute (lokale) Regierungsführung, Friedensentwicklung und Krisenprävention, Flucht und Migration
  • Kernthema: Leben ohne Hunger – Transformation der Ernährungssysteme
    Aktionsfelder: Ernährungssicherung, ländliche Entwicklung, Landwirtschaft Ausbildung, nachhaltiges Wachstum, berufliche Bildung (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen), Handel und wirtschaftliche Infrastruktur
  • Kernthema: Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen
    Aktionsfelder: Wasser, Waldschutz, Biodiversität

Ziel ist, die Resilienz (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) der Bevölkerung zu stärken und die Grundversorgung zu sichern.

Foto von Frauen, die Kartoffeln ernten.

Kernthema „Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme“ Landwirtschaft als Schlüssel zur Resilienz Interner Link

Im Südsudan verbessert klimaresiliente Landwirtschaft die Lebensbedingungen vieler Gemeinden. Durch eine Steigerung der Anbaufläche, resilientes Saatgut, Schulungen und die Förderung alternativer Einkommensquellen wie Honigproduktion werden Erträge erhöht, Einkommen stabilisiert und Ernährungssicherheit gestärkt.

Foto von Kindern, die aus Wasserrohren trinken.

Kernthema „Erhalt unserer Lebensgrundlagen“ Zugang zu sauberem Wasser Interner Link

Die Wasserversorgung zählt im Südsudan zu den größten Herausforderungen. Durch deutsche Entwicklungsprojekte hat sich die Lebensqualität vieler Haushalte durch Zugang zu sicherem Trinkwasser und verbesserten hygienischen Bedingungen gesteigert.

Foto von Frauen, die einem Vortrag folgen.

Kernthema „Frieden und gesellschaftlicher Zusammenhalt“ Gemeinden stärken, Konflikte lösen Interner Link

Im Südsudan tragen Friedenskomitees dazu bei, Konflikte frühzeitig zu entschärfen und die Stabilität in den Gemeinden zu fördern. Parallel dazu setzt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit auf psychosoziale Unterstützung und Schutzmaßnahmen für Frauen und Mädchen, von Schulungen für Fachkräfte bis hin zu sicheren Anlaufstellen.

Aktuelle Situation

Entwicklungspolitische Kennzahlen

  • Südsudan
  • Deutschland

Allgemeine Informationen

Hinweise für die Nutzung

Klicken Sie sich durch die oben angeordneten verschiedenen Rubriken und finden Sie aktuelle Zahlen aus Südsudan sowie – zum Vergleich – aus Deutschland.

Weitere Informationen zu den einzelnen Daten und die Quellenangabe können Sie mithilfe des i-Zeichens abrufen.

Südsudan Hauptstadt Dschuba

Gesamtbevölkerung

in Millionen (2024)
11,94
83,52

Fläche

in Quadratkilometern
646.883
357.680

Rang im HDI

Index der menschlichen Entwicklung (HDI), 193 Länder (Ränge können mehrfach belegt sein)
192
SO
Flagge von Somalia
193
SS
Flagge des Südsudan
4
DK
Flagge von Dänemark
5
DE
Flagge von Deutschland
5
SE
Flagge von Schweden

Stand: 25.02.2026