Traditioneller Schal mit Ajrak-Ornament. Ajrak ist eine spezielle Form des Blockdrucks in Pakistan. Schals mit diesem Design zeigen spezielle Muster, die mit Hilfe von Stempeln hergestellt werden.

Pakistan Einflussreiches Partnerland in Südasien

Pakistan ist ein in vielerlei Hinsicht zerrissenes Land: Durch seine geographische Lage ist es überaus anfällig für Naturkatastrophen. Politisch reibt es sich in dauerhaften Konflikten mit dem wirtschaftlich mächtigeren Nachbarland Indien auf. Das Verhältnis zu den USA ist angespannt, weil diese Pakistan mangelndes Engagement im Kampf gegen den Terrorismus vorwerfen. Zusätzlich ist Pakistan zunehmend von politisch, religiös und wirtschaftlich motivierten Konflikten zwischen Saudi-Arabien und dem Iran betroffen. Dies führt dazu, dass sich Pakistan sowohl politisch als auch wirtschaftlich immer stärker China zuwendet.

Im sozialen, ökonomischen und ökologischen Bereich sind dringend Reformen notwendig. Als junge Demokratie mit rasant wachsender Bevölkerung (aktuell rund 212 Millionen Einwohner), politisch relativer Stabilität und steigendem Wirtschaftswachstum verfügt Pakistan über ein großes Potenzial, diese Reformen einzuleiten. Seine interne Dynamik und sein globales Gewicht machen Pakistan zu einem wichtigen Partner für die deutsche Entwicklungspolitik.

Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit

Deutschland und Pakistan arbeiten bereits seit 1961, dem Gründungsjahr des BMZ, entwicklungspolitisch zusammen. Aktuell konzentriert sich die deutsche Entwicklungszusammenarbeit auf die drei Schwerpunkte Gute Regierungsführung, Energie und Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung.

Parlamentsgebäude in Islamabad, Pakistan

Politische Stabilität im Zeichen von Extremismus und Strukturschwäche Interner Link

Seit der Unabhängigkeit 1947 wurde Pakistan über lange Phasen vom Militär kontrolliert. Mit den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen 2008 wurde der friedliche Übergang von der Militärherrschaft zur Demokratie vollzogen.

Grundschulbildung für Kinder in den sogenannten Stammesgebieten in Pakistan

Der lange Weg zur Verwirklichung der "Vision 2025" Interner Link

Pakistan ist es in den vergangenen zwei Jahrzehnten gelungen, die Einkommensarmut stark zu senken. Der Anteil der Armen an der Bevölkerung hat sich laut Weltbank von 57,9 Prozent im Jahr 1998 auf 24,3 Prozent 2015 reduziert.

In einer Textilfabrik in Faisalabad, Pakistan, wird Baumwolle auf Verunreinigungen untersucht.

Wenig Spielraum trotz steigender Wachstumsraten Interner Link

Vorsichtige Wirtschafts- und Steuerreformen, günstige weltwirtschaftliche Rahmenbedingungen und ein dreijähriges Unterstützungsprogramm des Internationalen Währungsfonds (IWF) haben bis in das Jahr 2017 hinein zu einer Stabilisierung der pakistanischen Wirtschaft geführt.

Deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit mit Pakistan

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Pakistan zielt darauf ab, das Partnerland bei der demokratischen Festigung von Staat und Gesellschaft und einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung zu unterstützen. Für die Jahre 2019 und 2020 wurden dafür vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) 109,1 Millionen Euro zugesagt. Die Zusammenarbeit konzentriert sich auf folgende Schwerpunkte:

  • ​Gute Regierungsführung
  • Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung
  • Energie

Darüber hinaus leistet Deutschland in Pakistan einen Beitrag zur Minderung von Fluchtursachen, indem es die strukturschwachen Grenzregionen zu Afghanistan bei der Versorgung von Flüchtlingen unterstützt, kommunale Infrastruktur in Gemeinden mit hohem Migrantenanteil verbessert und die Wiedereingliederung von pakistanischen Binnenvertriebenen in den Stammesgebieten fördert. Nach Möglichkeit werden in allen Vorhaben die Förderung von Frauen sowie der Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel unterstützt.

Geografisch konzentriert sich die Entwicklungszusammenarbeit auf den Nordwesten Pakistans. Deutschland gehört zu den wenigen Gebern, die mit eigenen Strukturen und Personal in der Provinz Khyber-Pakhtunkhwa und den Stammesgebieten aktiv sind. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der bevölkerungsreichen Provinz Punjab, in der unter anderem viele Unternehmen der Textilwirtschaft ansässig sind.

Schäfer im Naran-Tal in der pakistanischen Provinz Khyber-Pakhtunkhwa

Dezentralisierung erhöht Mit­wir­kungs­mög­lich­kei­ten der Bevölkerung Interner Link

In den vier pakistanischen Provinzen wurden 2013 neue Lokalregierungssysteme eingeführt, die zahlreiche Aufgaben an zum Teil neu gegründete Kommunen übertragen. Die Verwaltungsreform bietet den Gemeinden die Chance, öffentliche Dienstleistungen künftig bedarfsgerechter, effektiver und transparenter zu erbringen und die Bürgerinnen und Bürger stärker in Entscheidungsprozesse, etwa in die lokale Entwicklungs- und Haushaltsplanung, einzubinden.

Das Textilunternehmen Crescent Textile Mills in Faisalabad, Pakistan, stellt aus Rohbaumwolle Garne und Stoffe her.

Berufliche Bildung, Beschäftigungsförderung, soziale Sicherung Interner Link

Der Arbeitsschwerpunkt nachhaltige Wirtschaftsentwicklung wurde 2015 neu mit Pakistan vereinbart. Die erfolgreiche Kooperation in den Bereichen Berufsbildung und Beschäftigungsförderung wird seitdem mit Themen wie Privatwirtschaftsförderung und soziale Sicherung verknüpft. Ein Schwerpunkt ist die Verbesserung der Arbeits-, Sozial- und Umweltstandards in der Textilindustrie.

Mit Unterstützung der GIZ werden in Sindh, Pakistan, Solaranlagen installiert.

Wasser, Wind und Sonne statt Erdöl Interner Link

Eine anhaltende Energiekrise hemmt die Entwicklung Pakistans. Es wird zu wenig Strom erzeugt und es geht zu viel Energie durch ineffiziente Netze und Anlagen oder mangelhaftes Energiemanagement verloren. Um diese Situation zu verbessern und um die Abhängigkeit von importiertem Erdöl zu mindern, baut Pakistan die Nutzung erneuerbarer Energien aus.