Zu früh geborenes Kind in einer Neugeborenenstation im Nyangya General Hospital in Nigeria

Gesundheit – ein Menschenrecht

Laut der Allgemeinen Erklärung der Menschen­rechte der Vereinten Nationen hat jeder Mensch das Recht auf einen Lebens­standard, der Gesund­heit und Wohl­ergehen gewähr­leistet. Zu einem solchen Lebens­standard gehören ausreichende und gute Nahrung, Kleidung, eine Wohnung, ärztliche Versorgung und die not­wendigen sozialen Leistungen.

Gesundheit ist aber nicht nur eine persön­liche Angelegen­heit, sie betrifft die gesamte Gesell­schaft und ist Voraus­setzung für soziale und wirt­schaft­liche Entwicklung. Viele Menschen werden durch Krank­heiten arm und gleich­zeitig sind Arme besonders stark von Krank­heiten bedroht. Erfolge bei der Armuts­bekämpfung sind darum eine wichtige Grund­lage dafür, dass sich die gesund­heit­liche Situation der Menschen in den Ent­wick­lungs­ländern bessert.


Logo der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen.
Verfassung der Weltgesundheitsorganisation

Deutsches Engagement

Um das Ziel der allgemeinen Gesund­heits­versor­gung zu ver­wirk­lichen, konzentriert sich die deutsche Ent­wick­lungs­politik auf vier inhaltliche Schwer­punkte: die Stärkung von Gesund­heits­systemen, die Reduzierung der Mütter- und Kinder­sterb­lich­keit, die Bekämpfung von HIV (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)/Aids und die Vorbeugung von über­trag­baren Krank­heiten und Epidemien. Der regionale Schwer­punkt liegt auf Partner­ländern in Subsahara-Afrika.

Trinkwasserspender in einer Schule in Burkina Faso

Die Gesundheitssituation in Entwicklungsländern Interner Link

Die gu­te Nach­richt: Seit 1980 ist die Le­bens­er­war­tung der Men­schen welt­weit von 63 auf rund 72 Jah­re an­ge­stie­gen. 

Die Daten einer Patientin werden in der Universitätsklinik in Accra, Ghana, aufgenommen.

Das deutsche Engage­ment für Gesund­heit Interner Link

Gesundheit ist gleich­zeitig Ziel, Voraus­setzung und Ergebnis von nach­haltiger Ent­wick­lung. Ihre Förderung ist ein Gebot der Mensch­lich­keit.

Nothilfeversorgung durch UNICEF und lokale Partner für Geflüchtete in der Demokratischen Republik Kongo

Das internationale Engagement Interner Link

Vie­le in­ter­na­tio­na­le und na­tio­na­le In­sti­tu­tio­nen und Or­ga­ni­sa­ti­onen setzen sich weltweit für Gesundheit ein.

Hintergrund Situation ist inakzeptabel

Kinder in einem Fischerdorf in Brasilien

Im Internationalen Pakt über wirt­schaft­liche, soziale und kulturelle Rechte der Vereinten Nationen (UN-Sozial­pakt) heißt es in Artikel 12:

"Die Vertrags­staaten erkennen das Recht eines jeden auf das für ihn erreich­bare Höchst­maß an körper­licher und geistiger Gesund­heit an. Die von den Vertrags­staaten zu unter­nehmenden Schritte zur vollen Ver­wirk­lichung dieses Rechts umfassen die erforder­lichen Maß­nahmen
a) zur Senkung der Zahl der Tot­geburten und der Kinder­sterb­lich­keit sowie zur gesunden Entwicklung des Kindes;
b) zur Verbesserung aller Aspekte der Umwelt- und der Arbeits­hygiene;
c) zur Vorbeugung, Behandlung und Bekämpfung epidemischer, endemischer, Berufs- und sonstiger Krankheiten;
d) zur Schaffung der Voraus­setzungen, die für jeder­mann im Krank­heits­fall den Genuss medi­zi­ni­scher Ein­rich­tungen und ärzt­licher Betreuung sicher­stellen."

Diese eindeutig definierten Rechte werden bisher nicht umfassend ver­wirk­licht. Auch wenn sich die Situation in den vergangenen Jahr­zehnten schon enorm verbessert hat, ist sie noch inakzeptabel: Jeden Tag sterben welt­weit fast 15.000 Kinder im Alter von unter fünf Jahren – die meisten an Krank­heiten, die vermieden oder behandelt werden könnten.

Mehr als 800 Mädchen und Frauen sterben jeden Tag im Zusammen­hang mit einer Schwanger­schaft oder Geburt, weil es in ihrem Land keine ausreichende medizinische Betreuung für sie gibt. Sehr viele Menschen sterben noch immer an den Folgen von Aids (rund 690.000 im Jahr 2019). Und viele Millionen müssen noch immer unter hygienischen Bedingungen leben, die Krank­heiten verursachen.

Ein Kind in Vieng Phouka, Laos, befüllt an einem öffentlichen Brunnen eine Flasche.
Ein Kind in Vieng Phouka, Laos, befüllt an einem öffentlichen Brunnen eine Flasche.

So hatten 2017 rund 785 Millionen Menschen nicht einmal Zugang zu einer Basis-Trink­wasser­versorgung und rund zwei Milliarden Menschen lebten ohne eine sanitäre Basis­versorgung.

Das Menschenrecht auf Gesundheit wird durch diese Verhältnisse verletzt. Für die betroffenen Ent­wick­lungs­länder ist das eine humanitäre Katastrophe – und für den Rest der Mensch­heit eine große moralische Heraus­forderung.

Allgemeine Gesund­heits­ver­sor­gung

Tisch mit Operationsbesteck
Tisch mit Operationsbesteck

Die Verwirk­lichung des Menschen­rechts auf Gesund­heit kann nur auf Grund­lage einer allgemeinen Gesund­heits­versorgung (englisch: Universal Health Coverage, UHC) erfolgen. Sie stellt sicher, dass jeder Mensch Zugang zu gesund­heits­bezogenen Informationen, zu grund­legenden Gesund­heits­diensten sowie zu wirk­samen, hoch­wertigen und bezahl­baren Arz­nei­mitteln und Impf­stoffen hat. Außerdem muss jede und jeder die Mög­lich­keit haben, sich gegen finanzielle Risiken im Krank­heits­fall abzusichern.

Die Erreichung einer all­gemeinen Gesund­heits­versorgung ist in Ziel 3 der Agenda 2030 für nach­haltige Entwicklung (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) verankert und steht im Mittel­punkt des gesund­heits­politischen Engagements des Bundes­ministeriums für wirt­schaft­liche Zusammen­arbeit und Ent­wick­lung (BMZ).

Gesundheit in der Agenda 2030

SDG 3: Gesundheit und Wohlergehen

Mit der Agenda 2030 für nach­haltige Ent­wick­lung und ihren 17 Zielen (Sustainable Develop­ment Goals, SDGs) hat die inter­nationale Staaten­gemein­schaft im Jahr 2015 ihren Willen aus­gedrückt, globale Heraus­forderungen gemeinsam zu lösen und auf eine sozial, wirt­schaft­lich und öko­lo­gisch nach­haltige Entwicklung hinzuwirken.

Das dritte Ziel der Agenda lautet: "Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewähr­leisten und ihr Wohl­ergehen fördern." Es umfasst 13 Unter­ziele.

Handlungsleitend für die deutsche Ent­wick­lungs­zusammen­arbeit sind vor allem die Unter­ziele zur

  • Reduzierung der Mütter­sterb­lich­keit (SDG 3.1),
  • zur Senkung der Neu­geborenen- und Kinder­sterb­lich­keit (SDG 3.2),
  • zur Beendigung von Epidemien wie HIV, Tuber­ku­lose und Malaria und zur Bekämpfung anderer über­trag­barer Krank­heiten (SDG 3.3),
  • zur Verwirk­lichung sexueller und repro­duk­tiver Gesund­heit (SDG 3.7)
  • und zur Erreichung einer all­gemeinen Gesund­heits­versorgung (SDG 3.8).

Der Text der Agenda 2030 betont ausdrücklich die Quer­bezüge zwischen den verschiedenen Lebens­bereichen. Darum zählt ein sektor­über­greifendes Handeln zu den Prinzipien der deutschen Ent­wick­lungs­politik. In allen Gesund­heits­programmen und -projekten werden Anknüpfungs­punkte zu Bereichen wie Bildung, soziale Sicherung, Ernährung, Wasser, Gleich­stellung der Geschlechter, Klima und Umwelt, Wirtschaft und Beschäfti­gung sowie gute Regierungs­führung berück­sichtigt.