Schul­un­ter­richt für Mäd­chen in ei­ner Kin­der- und Fa­mi­li­en­schutz­zo­ne für sy­ri­sche Flücht­lin­ge in Hashe­mi al-Shi­ma­li in Jor­da­ni­en

Kinderrechte und Jugendrechte Schutz vor allen Formen der Gewalt

Jedes Kind hat ein Recht darauf, vor Gewalt geschützt zu werden, so steht es in Artikel 19 der UN-Kinder­rechts­konvention. Mit der Rati­fi­zie­rung dieser Kon­ven­tion hat sich Deutsch­land dazu ver­pflichtet, alle geeigneten juristischen, sozialen und päda­go­gischen Maß­nahmen zu ergreifen, um Kinder vor jeglicher Form der Gewalt­anwendung, Miss­hand­lung und Ver­wahr­losung zu bewahren.

Viele Kinder sind aufgrund ihrer Herkunft, ihres Ge­schlechts, Alters, einer Be­hinderung oder ihres sozialen Status besonders gefährdet, Opfer von Gewalt zu werden. Mit dem Leit­prinzip der Agenda 2030 (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) "Leave No One Behind" ("niemanden zurücklassen") hat sich die Staaten­gemein­schaft das Ziel gesetzt, die am meisten benach­teiligten und diskriminierten Personen als erste zu erreichen. Ent­wick­lungs­ziel 16.2 verpflichtet die Staaten, bis zum Jahr 2030 Miss­brauch, Aus­beutung, Kinder­handel, Folter und alle Formen der Gewalt gegen Kinder abzuschaffen.

Weltweites Problem

Hintergrund
Ein junger Mann in Eastleigh, einem Vorort von Nairobi, Kenia

Gewalt gegen Kinder ist ein globales Problem und wird häufig gerade durch die Personen ausgeübt, die für den Schutz von Kindern verantwortlich sind. Gewalt äußert sich auf verschiedene Art und Weise. Neben körper­licher, verbaler und psychischer Gewalt erfahren Kinder auch Gewalt in digitalen Räumen, etwa durch Mobbing, Bloß­stellung und durch Inhalte, die für ihre moralische Ent­wick­lung schädlich sind. Psychische Gewalt können Kinder auch durch Ver­nach­lässi­gung und fehlende Zu­wendung oder durch Liebes­entzug erfahren. Viele Formen der Ge­walt finden im Ver­bor­gen­en statt – die Dunkel­ziffern sind hoch.

Folgen von Gewalt

Siehe auch
Kin­der spie­len ne­ben Was­ser­tanks in der Flücht­lings­un­ter­kunft 'Has­ans­ham U3' na­he Has­ans­ham im Irak

Wiederholte Gewalt­erfahrungen be­ein­träch­tigen die Gesund­heit und die Entwicklung von Kindern. Sie führen zum Beispiel zu gesund­heit­lichen Ein­schränkungen, Lern­problemen und zum Scheitern in der Schule. Betroffene Kinder entwickeln oft nur ein geringes Selbst­vertrauen oder leiden unter Depressionen – mit Alkohol- und Drogen­konsum als häufiger Folge. Hinzu kommt, dass Kinder, die in ihrem familiären und sozialen Umfeld immer wieder Zeuge von Gewalt werden, dieses Verhalten verinner­lichen. Gewalt als gelernte Strategie der Konflikt­lösung wird dann später oft gegen die eigenen Partner oder Kinder eingesetzt.


Das deutsche Engagement Aufklärung, Vorbeugung, Weiterbildung

Ein jun­ges Mäd­chen im Nord­os­ten Ke­ni­as, wo weib­li­che Ge­ni­tal­ver­stüm­me­lung wei­ter­hin ei­ne gän­gi­ge Pra­xis ist.

Ein jun­ges Mäd­chen im Nord­os­ten Ke­ni­as, wo weib­li­che Ge­ni­tal­ver­stüm­me­lung wei­ter­hin ei­ne gän­gi­ge Pra­xis ist.

Ein jun­ges Mäd­chen im Nord­os­ten Ke­ni­as, wo weib­li­che Ge­ni­tal­ver­stüm­me­lung wei­ter­hin ei­ne gän­gi­ge Pra­xis ist.

Deutschland trägt in ver­schie­de­nen ent­wick­lungs­poli­ti­schen Arbeits­feldern dazu bei, Gewalt gegen Kinder und Jugend­liche vor­zubeugen, zum Beispiel in den Bereichen Bildung, Beschäfti­gungs­förderung, Stadt­entwick­lung, Sicher­heit und Jugend­sozial­arbeit.

Das Bundes­ministerium für wirt­schaft­liche Zusammen­arbeit und Entwicklung (BMZ) prüft derzeit die Einführung einer Kindes­schutz-Policy. Diese soll Standards definieren, wie Kinder und Jugend­liche im Einfluss­bereich der deutschen Ent­wick­lungs­zusammen­arbeit und ihrer Insti­tu­tio­nen vor physischer, emotionaler und sexueller Gewalt und Aus­beutung geschützt werden können.

Jugendgewalt vorbeugen

Ein Arbeitsfeld des deutschen Engage­ments ist "Schutz vor Gewalt", welches sich vor allem auf Jugend­gewalt­prävention und die Zusammen­arbeit mit Jugend­lichen konzentriert. Im Vorder­grund steht dabei das positive Potenzial der Jugend­lichen, Gewalt­strukturen selbst zu durch­brechen und neue Gewalt zu verhindern. Wichtige Ansprech­partner der ent­wick­lungs­poli­ti­schen Programme sind außerdem Menschen, die großen Einfluss auf die Jugend­lichen ausüben, also Eltern, Lehr­kräfte, Sozial­arbeiterinnen und Sozial­arbeiter, aber zum Beispiel auch Polizistinnen und Polizisten.

So unterstützt ein Regional­programm der GIZ (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) die zuständigen Ministerien in Guatemala, Honduras und El Salvador dabei, Maß­nahmen zur Gewalt­prävention umzusetzen. Auf Gemeinde­ebene arbeitet das Programm mit Schulen, Gesundheits- und Jugend­zentren zusammen, die sich in lokalen Gewalt­präventions­komitees zusammen­schließen. In enger Zusammen­arbeit mit Jugend­lichen analysieren die Komitees, welche Formen von Jugend­gewalt in ihrer Gemeinde auftreten und worin die Ursachen dafür liegen. Im zweiten Schritt entwickeln sie konkrete Schritte, um künftiger Gewalt vorzubeugen. Ein Beispiel ist die Schaffung von Freizeit­angeboten und Beschäfti­gungs­möglich­keiten für Jugendliche.

Im Rahmen des Arbeits­bereichs "Sport für Entwicklung" fördert das BMZ in Jordanien die gleich­berechtigte Teilhabe von Kindern und Jugend­lichen an Sport- und Freizeit­angeboten. Sie lernen auf spielerische Art und Weise, Konflikte gewaltfrei zu lösen, und bekommen Werte wie Respekt und Fairness vermittelt.

Schutz vor sexueller Ausbeutung und schädlichen Praktiken

Siehe auch
Symbolfoto: Eine Frau hält abwehrend ihre Hände vor ihren Kopf um sich zu schützen

Das BMZ unterstützt zudem Programme, die das Ziel verfolgen, ins­besondere Mädchen vor Gewalt, sexueller Aus­beutung und schäd­lichen tradi­tio­nellen Praktiken wie Genital­verstümme­lung oder Kinder­heirat zu schützen.

Im Rahmen einer Ent­wick­lungs­partner­schaft mit der Kinder­rechts­orga­ni­sa­tion ECPAT und inter­nationalen Tourismus­unter­nehmen hat das BMZ ein Pilot­projekt in Thailand umgesetzt: Thailändische Tourismus­betriebe testeten ein E-Learning-System, um ihre Mit­arbeite­rinnen und Mitarbeiter zum Thema sexuelle Ausbeutung von Kindern zu sensibilisieren und zu schulen.

Ziel der Partnerschaft ist, möglichst viele Reise­ver­ans­talter dazu zu er­muti­gen, den Ver­haltens­kodex zum Schutz von Kindern vor sexueller Aus­beu­tung im Reise- und Touris­mus­ge­werbe (Code of Conduct for the Protection of Children from Sexual Exploitation in Travel and Tourism) zu unter­zeichnen und um­zu­setzen. Der Kodex wurde 1997 von ECPAT in Zu­sam­men­arbeit mit der Welt­touris­mus­orga­ni­sa­tion (UNWTO) und skan­di­na­vischen Reise­ver­an­staltern er­stellt und bildet die bisher größte Initiative der Reise­in­dus­trie zur Be­kämpfung des sexuellen Miss­brauchs von Kindern im Touris­mus­gewerbe.