Ein Mit­ar­bei­ter der Kom­mu­nal­ver­wal­tung in Ou­ad Na­ga, Mau­re­ta­ni­en

Gute Regierungsführung fördern – Entwicklung voranbringen

Die För­de­rung von gu­ter Re­gie­rungs­füh­rung ist ein zen­tra­ler Be­stand­teil der deut­schen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit. Ziel des deut­schen En­ga­ge­ments ist, dass der Staat ver­ant­wor­tungs­voll mit po­li­ti­scher Macht und öf­fent­li­chen Res­sour­cen um­geht. Staat­li­che Ak­teu­re und In­sti­tu­tio­nen sol­len in die La­ge ver­setzt wer­den, ih­re Po­li­tik ar­muts­ori­en­tiert und nach­hal­tig zu ge­stal­ten. Die Be­völ­ke­rung soll in al­len Pha­sen des po­li­ti­schen Pro­zes­ses be­tei­ligt wer­den.

Unterstützung der Partnerländer bei Reformprozessen

Verwaltungsangestellter in Mosambik

Durch fi­nan­zi­el­le und tech­ni­sche Zu­sam­men­ar­beit un­ter­stützt Deutsch­land sei­ne Part­ner­län­der bei der Um­set­zung von Re­form­pro­zes­sen. Die För­de­rung von po­li­ti­scher Teil­ha­be, Men­schen­rech­ten, Rechts­staat­lich­keit, De­zen­tra­li­sie­rung und Kom­mu­nal­ent­wick­lung, der Auf­bau von leis­tungs­fä­hi­gen In­sti­tu­tio­nen im öf­fent­li­chen Sek­tor und die Be­kämp­fung von Kor­rup­ti­on sind ver­schie­de­ne An­sät­ze, die auf das Ziel ei­ner gu­ten Re­gie­rungs­füh­rung aus­ge­rich­tet sind.

Da­bei ar­bei­tet Deutsch­land nicht nur mit staat­li­chen In­sti­tu­tio­nen wie Mi­nis­te­ri­en, Par­la­men­ten, Om­buds­ein­rich­tun­gen, An­ti­kor­rup­ti­ons­be­hör­den und Ge­mein­de­ver­bän­den zu­sam­men, son­dern auch mit zahl­rei­chen zi­vil­ge­sell­schaft­li­chen Or­ga­ni­sa­tio­nen.

Gu­te Re­gie­rungs­füh­rung kann nicht von au­ßen und ge­gen den Wil­len ein­fluss­rei­cher po­li­ti­scher und ge­sell­schaft­li­cher Kräf­te er­zwun­gen wer­den. Um po­li­ti­sche Re­form­pro­zes­se zu er­mög­li­chen, müs­sen kon­struk­ti­ve und be­last­ba­re Be­zie­hun­gen zwi­schen Staat und Ge­sell­schaft auf­ge­baut wer­den. Da­für braucht es ei­ne star­ke Zi­vil­ge­sell­schaft, die ih­re In­ter­es­sen for­mu­liert und sich in po­li­ti­sche Ent­schei­dungs­pro­zes­se ein­bringt. Und es braucht leis­tungs­fä­hi­ge staat­li­che In­sti­tu­tio­nen, die be­reit sind, ge­nug Raum für ak­ti­ve Teil­ha­be zu ge­ben.

Ei­nem Wäh­ler in Bu­run­di wird der Fin­ger mit Tin­te mar­kiert.

Hintergrund und Definitionen Gute Regierungsführung – Rahmenbedingung für Entwicklung Interner Link

En­de der 1980er Jah­re setz­te sich welt­weit die Er­kennt­nis durch, dass Fort­schritt nicht nur ei­ne Fra­ge wirt­schaft­li­cher Er­fol­ge ist, son­dern dass auch "schwa­che" Re­gie­run­gen, will­kür­li­che Rechts- und Jus­tiz­sys­te­me, schlecht funk­tio­nie­ren­de Ver­wal­tun­gen und Kor­rup­ti­on Ent­wick­lung be­hin­dern. Nur leis­tungs­fä­hi­ge und recht­mä­ßi­ge staat­li­che Ein­rich­tun­gen kön­nen po­li­ti­sche, wirt­schaft­li­che, so­zia­le und öko­lo­gi­sche Re­form­pro­zes­se steu­ern und dau­er­haft ver­an­kern.

Gu­te Re­gie­rungs­füh­rung (Good Gov­er­nance) wur­de da­her zu ei­nem Syn­onym für ent­wick­lungs­för­dern­de Rah­men­be­din­gun­gen.

Wichtige Arbeitsfelder des deutschen Engagements

In Ke­nia sit­zen Män­ner am Stra­ßen­rand und le­sen Zei­tung.

Kenia: Män­ner am Stra­ßen­rand le­sen Zei­tung.

Kenia: Män­ner am Stra­ßen­rand le­sen Zei­tung.

Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für wirt­schaft­li­che Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (BMZ) för­dert in mehr als der Hälf­te sei­ner Ko­ope­ra­ti­ons­län­der Pro­jek­te im Be­reich "De­mo­kra­tie, Zi­vil­ge­sell­schaft und öf­fent­li­che Ver­wal­tung".

Wich­ti­ge Hand­lungs­fel­der des deut­schen En­ga­ge­ments in die­sem Schwer­punkt­be­reich sind:

  • Ach­tung, Schutz und Ge­währ­leis­tung al­ler Men­schen­rech­te
  • De­mo­kra­tie, Rechts­staat­lich­keit, Mei­nungs- und Pres­se­frei­heit
  • Gleich­be­rech­ti­gung der Ge­schlech­ter
  • Trans­pa­renz staat­li­chen Han­delns, Ver­wal­tungs­re­form und De­zen­tra­li­sie­rung
  • Good Fi­nan­cial Gov­er­nance
  • Kor­rup­ti­ons­be­kämp­fung und -vor­beu­gung
  • Trans­pa­renz im Roh­stoff­sek­tor

Bei der För­de­rung von gu­ter Re­gie­rungs­füh­rung kön­nen kei­ne vor­ge­fer­tig­ten Kon­zep­te an­ge­wandt wer­den. Es geht dar­um, die so­zio­kul­tu­rel­le, his­to­ri­sche, po­li­ti­sche und wirt­schaft­li­che Si­tua­ti­on und die Be­dürf­nis­se des je­wei­li­gen Part­ner­lan­des zu be­ach­ten und die dort vor­han­de­nen Fä­hig­kei­ten zur Pro­blem­lö­sung zu ver­bes­sern ("Ca­pac­ity De­vel­op­ment").

As­pek­te gu­ter Re­gie­rungs­füh­rung wer­den zu­sätz­lich ge­zielt in Vor­ha­ben aus an­de­ren ent­wick­lungs­po­li­ti­schen Ar­beits­fel­dern ein­ge­bet­tet – und das auch in Län­dern, mit de­nen kein Gov­er­nance-Schwer­punkt ver­ein­bart wur­de. So kön­nen zum Bei­spiel in Ge­sund­heits- oder Bil­dungs­vor­ha­ben die Rech­te ver­schie­de­ner Be­völ­ke­rungs­grup­pen ge­stärkt und staat­li­che Ak­teu­re da­bei un­ter­stützt wer­den, trans­pa­rent und re­chen­schafts­pflich­tig zu han­deln. Dies för­dert lang­fris­tig den Er­folg sol­cher Maß­nah­men – die Wirk­sam­keit der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit wird ge­stei­gert.

Im Rah­men der mul­ti­la­te­ra­len Zu­sam­men­ar­beit setzt sich Deutsch­land eben­falls für die För­de­rung von Good Gov­er­nance ein. Un­ter­stützt wer­den zum Bei­spiel ent­spre­chen­de Pro­gram­me der Eu­ro­päi­schen Uni­on, des Ent­wick­lungs­pro­gramms der Ver­ein­ten Na­tio­nen (UN­DP) und der Afri­ka­ni­schen Uni­on.

Deutsches Engagement in allen Teilen der Welt

Die För­de­rung gu­ter Re­gie­rungs­füh­rung spielt in al­len Welt­re­gio­nen, in de­nen das BMZ tä­tig ist, ei­ne zen­tra­le Rol­le.

Ei­ni­ge Bei­spie­le:

  • In Asi­en en­ga­giert sich das BMZ un­ter an­de­rem für mehr de­mo­kra­ti­sche Teil­ha­be so­wie für die Ach­tung, den Schutz und die Ge­währ­leis­tung der Men­schen­rech­te, ins­be­son­de­re der Rech­te von Mäd­chen und Frau­en.
  • Mit der Sonderinitiative Sta­bi­li­sie­rung und Ent­wick­lung in Nord­afri­ka und Nah­ost leis­tet das BMZ ei­nen Bei­trag zur Kri­sen­prä­ven­ti­on und Frie­dens­si­che­rung in der Re­gi­on. Die För­de­rung von gu­ter Re­gie­rungs­füh­rung ist ei­ner der vier Schwer­punk­te die­ser Son­der­initia­ti­ve.
  • In La­tein­ame­ri­ka för­dert Deutsch­land die Schaf­fung bür­ger­na­her Re­gie­rungs- und Ver­wal­tungs­struk­tu­ren und ei­ne ver­ant­wor­tungs­vol­le Steu­er­po­li­tik.

Herausforderungen des deutschen Engagements

Part­ner­län­der mit nied­ri­gem Gov­er­nance-Ni­veau und au­to­ri­tä­ren po­li­ti­schen Struk­tu­ren stel­len ei­ne be­son­de­re Her­aus­for­de­rung für die deut­sche Ent­wick­lungs­po­li­tik dar. Von schlech­ter Re­gie­rungs­füh­rung und man­geln­der Ent­wick­lungs­ori­en­tie­rung geht man dann aus, wenn Re­gie­run­gen sich in ih­rer Po­li­tik nicht aus­rei­chend am All­ge­mein­wohl ori­en­tie­ren, wenn sie we­der re­form­ori­en­tiert noch dia­log­be­reit sind und wenn sie da­durch den Zer­fall des Staa­tes ris­kie­ren.

Bei Staa­ten mit schlech­ter Re­gie­rungs­füh­rung müs­sen ent­wick­lungs­po­li­ti­sche In­stru­men­te so ein­ge­setzt wer­den, dass be­stehen­de Macht­struk­tu­ren nicht un­ge­wollt ge­recht­fer­tigt oder ge­fes­tigt wer­den. Die zen­tra­le Her­aus­for­de­rung liegt dar­in, den Staat so zu stär­ken, dass er sei­ne Kern­auf­ga­ben in Über­ein­stim­mung mit den Er­war­tun­gen der Be­völ­ke­rung wahr­neh­men kann und po­li­ti­sche Teil­ha­be er­mög­licht.

Bei sol­chen Maß­nah­men der Staats­ent­wick­lung ist ei­ne be­son­de­re Sen­si­bi­li­tät er­for­der­lich, denn es wer­den lang­fris­ti­ge in­ner­ge­sell­schaft­li­che Ver­än­de­rungs­pro­zes­se an­ge­sto­ßen.

Im An­satz des BMZ spielt der Dia­log zwi­schen staat­li­chen und ge­sell­schaft­li­chen Ak­teu­ren ei­ne wich­ti­ge Rol­le. So un­ter­stützt Deutsch­land Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter der Zi­vil­ge­sell­schaft zum Bei­spiel da­bei, ih­re po­li­ti­schen In­ter­es­sen zu ar­ti­ku­lie­ren, sich in die Er­stel­lung von Ent­wick­lungs­plä­nen und Ar­muts­be­kämp­fungs­stra­te­gi­en ein­zu­brin­gen, sich an der Auf­stel­lung kom­mu­na­ler Haus­hal­te zu be­tei­li­gen und Re­chen­schaft über die Ver­wen­dung öf­fent­li­cher Gel­der ein­zu­for­dern.

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