Aufnahmen aus einem Computertomografen

E-Health Digi­ta­li­sie­rung: Große Chancen zur Ver­besse­rung der Gesund­heits­ver­sor­gung

Moderne Infor­ma­tions- und Kommu­ni­ka­tions­tech­no­lo­gien (IKT) werden immer wichtiger für das Gesund­heits­wesen. Sie er­mög­lichen es, Unter­suchungs­ergeb­nisse und Patienten­daten elektro­nisch zu erfassen, zu analysieren, zu ver­arbeiten und aus­zu­tauschen.

Das verbessert die Mög­lich­keiten der Behand­lung und Betreuung von Patien­tinnen und Patienten. Besonders in Ent­wick­lungs- und Schwellen­ländern können IKT-gestützte Anwendungen helfen, ein gut funk­tio­nie­rendes Gesund­heits­system auf­zu­bauen.

Für das große Spektrum verschiedener An­wen­dungs­möglich­keiten von IKT im Gesund­heits­wesen hat sich der Begriff "E-Health" etabliert (Abkürzung für Electronic Health, sinn­gemäße Über­setzung: auf elek­tro­nischer Daten­ver­arbei­tung basierende Gesund­heit). 

Darunter fallen die Bereiche Tele­medizin, mobile Gesund­heits­anwendungen (Mobile Health, M-Health) sowie computer­gestützte Bildungs­angebote (E-Learning).

Anwendungs­bereiche

Medikamentenraum in einem Krankenhaus in Nigeria

Medikamentenraum in einem Krankenhaus in Nigeria

Medikamentenraum in einem Krankenhaus in Nigeria

E-Health in Entwicklungs- und Schwellen­ländern

Binärcode auf einem Computerbildschirm

Die fort­schreitende Digi­ta­li­sie­rung bietet Ent­wick­lungs- und Schwellen­ländern die Chance, moderne Management- und Informa­tions­systeme aufzubauen, etwa in der Kranken­haus­ver­wal­tung, bei Kranken­versiche­rungen, Logistik von Medi­ka­menten oder zur Krank­heits­über­wachung.

So hat sich zum Beispiel in der HIV/Aids- und Tuber­ku­lose­therapie gezeigt, dass die Ein­führung elektro­nischer Patienten­akten zu einer Ver­besse­rung der Ver­sor­gung führt: Der Anteil falscher Ver­ord­nungen nimmt nach­weis­lich ab und der Medi­ka­menten­bedarf lässt sich genauer beurteilen. Das wiederum beugt Eng­pässe bei der Versorgung mit Medi­kamenten vor.

Das Global Observatory for eHealth (Externer Link) der Welt­gesund­heits­orga­ni­sa­tion (WHO) hat 2014 eine Studie zu E-Health-Anwendungen in der Mütter- und Kinder­gesund­heit sowie 2015 einen Atlas zu E-Health-Strategien (Externer Link) von 125 WHO-Mitglieds­staaten erstellt. In diesem Atlas wird das Potenzial von E-Health speziell zur Erreichung einer allgemeinen, flächen­deckenden Gesund­heits­versor­gung für alle hervor­gehoben.

Einige Fragen sind aller­dings noch offen. So gibt es bislang nur wenige Nach­weise, wie positiv sich ver­schie­dene E-Health-Anwendungen tat­säch­lich auf die Gesund­heits­ver­sor­gung auswirken. Auch Unter­suchungen zur Mach­bar­keit und zur Kosten­effizienz fehlen noch.

In vielen Koopera­tions­ländern der deutschen Ent­wick­lungs­zusammen­arbeit stellt sich zudem die Frage, ob Investitionen in E-Health finanzielle Mittel binden, die für andere Maß­nahmen dringender benötigt würden, und ob Inves­ti­tio­nen in andere Bereiche größere Wirkungen erzielen könnten.

Potenziale von E-Health-Anwendungen

Vorteile von E-Health-Anwendungen werden vor allem in folgenden Bereichen gesehen:

  • Unterstützung von lokalen und internationalen Datensammlungen und schnellere Nutzung dieser Daten zum Beispiel bei Krankheitsausbrüchen; Erhöhung der Transparenz und Rechenschaft
  • Vermeidung von Diagnose- und Behandlungsfehlern durch Informationsaustausch, Zugang zu Fachwissen und Expertenunterstützung
  • Geld- und Materialeinsparung, etwa durch elektronische Patientenakten und verringerten Reiseaufwand; Effizienzgewinne, zum Beispiel durch IKT-gestützte Krankenhausmanagementsysteme
  • Fortbildungsangebote und Wissenstransfer auch in abgelegenen Regionen ohne häufige und lange Abwesenheit des Gesundheitspersonals
  • Chance, die Abwanderung von Fachpersonal ("brain drain") zu vermeiden, da die Arbeitsmotivation durch die neuen Möglichkeiten steigt

Deutsches Engagement

Kinderkrankenhaus in Eritrea
Kinderkrankenhaus in Eritrea

Das Bundes­ent­wick­lungs­ministe­rium (BMZ) sieht große Poten­ziale in der Zusammen­arbeit mit der Digital- und der Gesund­heits­wirt­schaft. Thema­tische An­knüpfungs­punkte an die Ent­wick­lungs­zusammen­arbeit bestehen vor allem in den Bereichen Gesund­heits­informa­tions­systeme, Per­so­nal­ent­wick­lung, Kranken­haus­manage­ment sowie bei der Politik­beratung (Entwicklung und Um­setzung von E-Health-Strategien).

Entscheidend ist, Techno­lo­gien und Inhalte so auszuwählen, dass sie dem Bedarf der Ziel­gruppen und den Rahmen­bedingungen im jeweiligen Land, einschließlich der vorhandenen Infra­struktur, gerecht werden. Folge­kosten, etwa für die System­pflege und Software-Updates, müssen mit­berück­sich­tigt werden. Dies gilt ins­besondere für Lösungen, die von Unter­nehmen aus Industrie­ländern zunächst kosten­günstig angeboten werden, jedoch teuer in der Wartung und Instand­haltung sind. Insel­lösungen, die zum Beispiel technisch nicht kompatibel mit vorhandenen Systemen sind, müssen vermieden werden. Einen allgemeinen Orien­tie­rungs­rahmen bieten hierbei die Prinzipien für Investitionen in digitale Gesundheit (Externer Link), die von Deutsch­land mit­entwickelt wurden.

Zusammenarbeit mit der Wirtschaft

Digitalisierung für Entwicklung

Digitalisierung für Entwicklung Dateityp pdf Sachstandsdatum 05/2019 Dateigröße 3 MB Seiten 32 Zugänglichkeit barrierefrei

Den digitalen Wandel gemeinsam gestalten | BMZ fundiert

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 05/2019 | Dateigröße 3 MB, Seiten 32 Seiten | Zugänglichkeit barrierefrei

Im Auftrag des BMZ entwickelt die Deutsche Gesell­schaft für Inter­natio­nale Zusammen­arbeit (GIZ (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) gemeinsam mit Partnern aus Deutsch­land und den Koope­ra­tions­ländern digitale Modelle zur Ver­besse­rung der Gesund­heits­ver­sor­gung.

In ihrer Veranstaltungs­reihe "lab of tomorrow (Externer Link)" arbeitet die GIZ unter anderem mit dem Wissen­schafts- und Techno­lo­gie­unter­nehmen Merck zusammen. Im Mai und November 2016 fanden jeweils drei­tägige Work­shops bei Merck in Darmstadt und in Nairobi statt. Dabei ging es um logistische Lösungen für einen besseren Zugang zu Medi­ka­menten und Diagnostik in Kenia. 50 Teil­nehmende, davon 31 Unter­nehmen, entwickelten neun Lösungs­modelle – vom Treue­punkt­system über einen Online-Markt­platz für Apotheken und Kliniken bis zum Medi­ka­men­ten­trans­port per Drohne. Sieben der Modelle befinden sich nun in der Umsetzung.

Im Frühjahr 2017 ging es in einem weiteren "lab of tomorrow" um die Ver­mei­dung chronischer Krank­heiten in Kenia. Daraus ging die Idee von "Health.Games.Org" hervor: Per Online-Quiz wird auf spielerische Weise ein gesunder Lebens­stil ver­mittelt. Eine erste Version wurde zum Welt-Diabetes-Tag am 14. November 2017 in Eschborn und Nairobi vorgestellt.

Beispiele aus der Praxis

openIMIS
Arbeit am Computer

Gesundheitsversorgung für alle – eine Software schafft die technische Grundlage Interner Link

openIMIS ist eine Open-Source-Software für das Management von Systemen zur sozialen Absicherung im Krankheitsfall. Das heißt, dass ihr Quelltext öffentlich verfügbar ist und gemeinschaftlich genutzt und weiterentwickelt wird. openIMIS ermöglicht es, die Daten von Patienten, Dienstleistern und Beitragszahlern zu verbinden.

Indien
Besitzerin eines kleinen Ladens in einem Slum in Neu-Delhi

Eine Krankenversicherung für arme Menschen Interner Link

Viele der in Indien existierenden sozialen Dienstleistungen, wie Krankenversicherung oder Altersrente, stehen nur den Erwerbstätigen im formalen Sektor zur Verfügung. Deutschland unterstützt Indien bei der Entwicklung und Umsetzung einer nationalen Krankenversicherung für arme Familien.

Kenia
Logo: Hacking for Global Health

Digitale Lösungen für die Kinder- und Jugendgesundheit Interner Link

Im November 2016 fand in Kenia ein Wettbewerb ("Hackathon") zum Thema "Hacking for Global Health" statt. Aufgabe war es, digitale Lösungen für die Kinder- und Jugendgesundheit zu entwickeln.

Westafrika
Intensivstation für Frühgeborene im Nyangya General Hospital in Nyangya, Nigeria

Unterstützung der Pandemieprävention Interner Link

Im Rahmen der BMZ-Initiative "Digitales Afrika" wird die West African Health Organisation (WAHO) beim Einsatz von Informationstechnologien unterstützt. Sie dienen dazu, die Bevölkerung über Gesundheitsrisiken aufzuklären und frühzeitig vor Seuchenausbrüchen zu warnen.

Bangladesch
Krankenhaus in Bangladesch

Moderne Soft­ware für Kliniken Interner Link

In mehreren Stadtverwaltungen in Bangladesch wurde mit deutscher Unterstützung eine Computersoftware zum Aufbau eines Gesundheitsinformationssystems eingeführt.