Aktenordner im Finanzministerium in Accra, Ghana

Dezentralisierung, Verwaltungsreform und Kommunalentwicklung

Von der Was­ser­ver­sor­gung und der Müll­ab­fuhr über Schu­len und Kran­ken­häu­ser bis zur Si­che­rung von Gren­zen – ei­ne funk­ti­ons­fä­hi­ge Ver­wal­tung stellt den Zu­gang zu zen­tra­len Dienst­leis­tun­gen für al­le Bür­ger si­cher und ist da­her ei­ne grund­le­gen­de Vor­aus­set­zung für die Hand­lungs­fä­hig­keit ei­nes je­den Staa­tes.

Deutschland als Vorreiter

Verwaltungsangestellter in Mosambik

De­zen­tra­li­sie­rung er­for­dert ei­nen tief grei­fen­den Wan­del des Staats­auf­baus. Nicht nur Auf­ga­ben wer­den neu ver­teilt, son­dern auch Macht­be­fug­nis­se und fi­nan­zi­el­le Mit­tel. Ent­spre­chen­de Re­for­men müs­sen da­her mit gro­ßer Sen­si­bi­li­tät vor­an­ge­trie­ben und auf je­des Land in­di­vi­du­ell zu­ge­schnit­ten wer­den.

Deutsch­land nimmt ei­ne in­ter­na­tio­nal an­er­kann­te Vor­rei­ter­rol­le bei der För­de­rung von De­zen­tra­li­sie­rungs­pro­zes­sen ein. Die Bun­des­re­pu­blik kann zum ei­nen auf ei­ge­ne Er­fah­run­gen bei der Ge­stal­tung ei­nes fö­de­ra­len Staa­tes zu­rück­grei­fen. Zum an­de­ren ver­fügt sie in­zwi­schen über reich­hal­ti­ge Er­fah­run­gen aus der bi­la­te­ra­len Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit in die­sem Be­reich.

De­zen­tra­li­sie­rungs­pro­zes­se füh­ren zu ei­ner neu­en Rol­len- und Auf­ga­ben­ver­tei­lung zwi­schen Re­gie­rungs- und Ver­wal­tungs­ebe­nen. Dar­aus ent­wi­ckeln sich neue Be­zie­hun­gen zwi­schen die­sen Ebe­nen und ein ver­än­der­tes Ver­hält­nis zwi­schen Bür­ger und Staat.

Im Rah­men der deut­schen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit er­folgt die Be­ra­tung zu De­zen­tra­li­sie­rungs­pro­zes­sen im­mer auf al­len be­tei­lig­ten Ebe­nen. Be­stehen­de und neu ent­ste­hen­de Ver­wal­tungs­ein­hei­ten so­wie na­tio­na­le, re­gio­na­le und kom­mu­na­le Par­la­men­te wer­den da­bei un­ter­stützt, ih­re Auf­ga­ben wahr­zu­neh­men und ak­tiv zur Kom­mu­nal­ent­wick­lung bei­zu­tra­gen. Da­bei wer­den auch die po­li­ti­schen, ver­wal­tungs­tech­ni­schen und steu­er­recht­li­chen As­pek­te von De­zen­tra­li­sie­rung be­rück­sich­tigt. So wird si­cher­ge­stellt, dass lo­ka­le Selbst­ver­wal­tun­gen nicht nur zu­sätz­li­che Auf­ga­ben er­hal­ten, son­dern auch fi­nan­zi­ell und per­so­nell an­ge­mes­sen aus­ge­stat­tet wer­den.

Ei­ne Mit­ar­bei­te­rin des Bür­ger­bü­ros der Ge­mein­de Te­la­vi (Ge­or­gi­en) be­rät ei­ne Bür­ge­rin.

Hintergrund Mehr Bürgernähe und Transparenz durch dezentrale Verwaltungen Interner Link

Vie­le Ko­ope­ra­ti­ons­län­der der deut­schen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit zeich­nen sich durch ei­ne po­li­ti­sier­te, zen­tra­lis­ti­sche und we­nig leis­tungs­fä­hi­ge Ver­wal­tung aus, wo­durch die Um­set­zung ar­muts­ori­en­tier­ter Vor­ha­ben be­hin­dert wird.

Deutsch­land un­ter­stützt des­halb Part­ner­län­der dar­in, ei­ne ef­fi­zi­en­te, trans­pa­ren­te und re­chen­schafts­pflich­ti­ge öf­fent­li­che Ver­wal­tung auf­zu­bau­en. Sie bil­det die Grund­la­ge da­für, dass der Staat sei­ne Kern­funk­tio­nen, et­wa die Da­seins­vor­sor­ge oder die Schaf­fung in­ne­rer und äu­ße­rer Si­cher­heit, er­fül­len kann.

Förderansätze der deutschen Entwicklungszusammenarbeit

Die deut­sche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit hat ver­schie­de­ne An­sät­ze er­ar­bei­tet, um De­zen­tra­li­sie­rungs­pro­zes­se zu för­dern. Wel­che In­stru­men­te zum Ein­satz kom­men, rich­tet sich nach der je­wei­li­gen Aus­gangs­si­tua­ti­on im Part­ner­land.

Wich­ti­ge An­sät­ze sind:

  • Be­ra­tung der na­tio­na­len staat­li­chen Ein­rich­tun­gen bei der Aus­ge­stal­tung, Um­set­zung und An­pas­sung von De­zen­tra­li­sie­rungs­re­for­men
  • Fort­bil­dung der Be­diens­te­ten von na­tio­na­len, re­gio­na­len und lo­ka­len Ver­wal­tun­gen so­wie ge­wähl­ten Volks­ver­tre­te­rin­nen und -ver­tre­tern in den re­gio­na­len und lo­ka­len Par­la­men­ten
  • Re­for­men des Haus­halts-, Fi­nanz- und Steu­er­we­sens zur Stei­ge­rung der Ei­gen­stän­dig­keit und Leis­tungs­fä­hig­keit der Re­gio­nen und Kom­mu­nen
  • Klä­rung der Auf­ga­ben­ver­tei­lung und Schaf­fung ge­re­gel­ter Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Ko­ope­ra­ti­ons­for­men zwi­schen al­len Be­tei­lig­ten auf den ver­schie­de­nen Ebe­nen
  • Ein­füh­rung von Auf­sichts- und Kon­troll­me­cha­nis­men, um Miss­wirt­schaft und Kor­rup­ti­on zu ver­hin­dern und zu be­kämp­fen
  • Fi­nan­zie­rung wich­ti­ger lo­ka­ler In­fra­struk­tur zur För­de­rung der Kom­mu­nal­ent­wick­lung, zum Bei­spiel Bau von Markt­plät­zen, Schu­len und Kran­ken­sta­tio­nen

Ei­ne we­sent­li­che Auf­ga­be öf­fent­li­cher Ver­wal­tung ist die Er­brin­gung von Dienst­leis­tun­gen für die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger so­wie für die pri­va­te Wirt­schaft.

In den meis­ten Fäl­len wer­den die­se di­rekt (zum Bei­spiel Per­so­nen­stands­we­sen, Ge­wer­be­we­sen) oder in­di­rekt (zum Be­spiel Bil­dung, Ge­sund­heit, En­er­gie­ver­sor­gung) auf kom­mu­na­ler Ebe­ne er­bracht.

Für den Bür­ger sind vor al­lem Ver­bes­se­run­gen im Ver­wal­tungs­han­deln auf re­gio­na­ler und lo­ka­ler Re­gie­rungs- und Ver­wal­tungs­ebe­ne sicht­bar. För­der­an­sät­ze zur Stär­kung der Ver­wal­tung auf die­sen sub-na­tio­na­len Ebe­nen bil­den da­her ei­ne wich­ti­ge Schnitt­stel­le zwi­schen De­zen­tra­li­sie­rung und Ver­wal­tungs­re­form.

Zusammenarbeit mit Partnern

Mit­ar­bei­te­rin­nen in der Kom­mu­nal­ver­wal­tung von Ou­ad Na­ga, Mau­re­ta­ni­en

Mit­ar­bei­te­rin­nen in der Kom­mu­nal­ver­wal­tung von Ou­ad Na­ga, Mau­re­ta­ni­en

Mit­ar­bei­te­rin­nen in der Kom­mu­nal­ver­wal­tung von Ou­ad Na­ga, Mau­re­ta­ni­en

De­zen­tra­li­sie­rungs­vor­ha­ben des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für wirt­schaft­li­che Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (BMZ) wer­den in ers­ter Li­nie durch die staat­li­chen Durch­füh­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen GIZ (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) (Be­ra­tung) und KfW Ent­wick­lungs­bank (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) (Fi­nan­zie­rung) rea­li­siert. Da­ne­ben sind nicht­staat­li­che Ak­teu­re wie die po­li­ti­schen Stif­tun­gen und kirch­li­chen Ent­wick­lungs­diens­te wich­ti­ge Part­ner. Ih­re Pro­jek­te zie­len vor al­lem dar­auf ab, die de­mo­kra­ti­sche Teil­ha­be der Be­völ­ke­rung auf kom­mu­na­ler Ebe­ne zu stär­ken.

Auch vie­le deut­sche Städ­te und Ge­mein­den en­ga­gie­ren sich in der Ent­wick­lungs­po­li­tik, et­wa im Rah­men kom­mu­na­ler Part­ner­schaf­ten. Ih­re Ak­ti­vi­tä­ten wer­den durch die Ser­vice­stel­le En­ga­ge­ment Glo­bal ge­för­dert, die das BMZ 2012 ins Le­ben ge­ru­fen hat.

Um in­ter­na­tio­nal Er­fah­run­gen über die För­de­rung von De­zen­tra­li­sie­rungs­pro­zes­sen aus­zu­tau­schen, wur­de 2006 die Dia­log- und Lern­platt­form De­LoG (Externer Link) (De­vel­op­ment Part­ners Net­work on De­cen­tral­i­sa­tion and Lo­cal Gov­er­nance) ge­grün­det. An dem Netz­werk sind 43 bi- und mul­ti­la­te­ra­le Ent­wick­lungs­part­ner und Institutionen be­tei­ligt. Das Se­kre­ta­ri­at ist bei der GIZ in Bonn an­ge­sie­delt.

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