Setzling auf einem Acker im Norden Kenias

Boden erhalten – Existenz sichern Bodenschutz in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit

Die na­tür­li­chen Le­bens­grund­la­gen zu er­hal­ten, ist ei­ne Vor­aus­set­zung für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung. Bo­den­schutz ist ein Schlüs­sel­be­reich im welt­wei­ten Kampf ge­gen Ar­mut und Hun­ger, beim Schutz des Kli­mas und der Bio­di­ver­si­tät. Dar­um en­ga­giert sich die Bun­des­re­pu­blik bei der Zu­sam­men­ar­beit mit ih­ren Part­ner­län­dern und mit in­ter­na­tio­na­len Or­ga­ni­sa­tio­nen seit vie­len Jah­ren da­für.

Dabei werden die meisten deutschen Maßnahmen nicht als Einzelprojekte durchgeführt, sondern der Bodenschutz ist ein übergreifendes Anliegen ("Querschnittsthema") nahezu aller Projekte und Programme in den Bereichen ländliche Entwicklung, Schutz von Wassereinzugsgebieten, Schutz der Biodiversität und Klimaschutz.

Das Bundes­minis­terium für wirt­schaft­liche Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wicklung (BMZ) hat darüber hinaus Anfang 2014 die Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" ins Leben gerufen. Für ihr zentrales Ziel – Kampf gegen Hunger und Mangelernährung – bündelt die Initiative Maßnahmen aus den Bereichen Ernährungssicherung, ländliche Entwicklung und Landwirtschaftsförderung. Im Rahmen dieser Sonderinitiative wurde unter anderem das Vorhaben "Bodenschutz und Boden­rehabili­tierung für Er­nährungs­sicherheit" gestartet. Zentrales Anliegen des Vorhabens ist es, weltweit Acker­flächen von klein­bäuerlichen Betrieben wieder fruchtbar zu machen oder zu schützen.

Deutschland ist Sitzstaat sowie größter direkter Beitragszahler der UNCCD und bringt sich aktiv in den Konventionsprozess ein. Des weiteren hat Deutschland mit über 500 Millionen Euro (2017) auch das größte bilaterale Portfolio entwicklungspolitischer Maßnahmen im Themenfeld nachhaltiges Landmanagement und Desertifikation. Die geförderten Maßnahmen werden sowohl von staatlichen Durchführungsorganisationen als auch von Nichtregierungsorganisation umgesetzt. Sie leisten einen wichtigen und erfolgreichen Beitrag zur dauerhaften Verbesserung der Lebensbedingungen von Millionen von Menschen. Das BMZ allein förderte Bodenschutz zwischen 2014 und 2018 in 70 Projekten in rund 40 Ländern.

Die Förderung konzentriert sich auf vier Dimensionen:

  • Die ökologische Dimension:
    Es gilt, die Umweltbedingungen, in denen die Menschen leben, zu verbessern, zum Beispiel mit Hilfe von angepassten Bewässerungstechniken und Maßnahmen zum Schutz vor Bodenerosion.
  • Die wirtschaftliche Dimension:
    Bauern und Viehzüchter müssen dabei unterstützt werden, ihr Land effektiv zu nutzen, ohne es zu stark zu belasten. Wirtschaftsförderungsprogramme können ihnen helfen, neue Einkommensquellen zu erschließen, indem sie ihre Produkte weiterverarbeiten und auch außerhalb der Heimatregion vermarkten. Dazu muss der Besitz von Grund und Boden rechtlich abgesichert sein.
  • Die soziale Dimension:
    An den Maßnahmen müssen alle relevanten Akteure der Zivilgesellschaft beteiligt werden. Gleiches gilt für die Programme zur Armutsbekämpfung.
  • Die politische Dimension:
    Um die politische Teilhabe der Menschen zu erhöhen, müssen ihnen Möglichkeiten eröffnet werden, auf politische und gesellschaftliche Entscheidungen Einfluss zu nehmen, die ihr Leben direkt betreffen. Dazu müssen dezentrale Verwaltungsstrukturen aufgebaut werden.

Entsprechend wird die deutsche Entwicklungszusammenarbeit auf allen politischen Ebenen tätig: lokal bei den Betroffenen vor Ort, national und überregional auf Ebene der Regierungen der betroffenen Staaten sowie international, zum Beispiel im Rahmen der Europäischen Union, der Weltbank und der Vereinten Nationen.

Video: Was ist Landdegradationsneutralität?

Standbild aus dem Video zum Thema Landdegrationsneutralität
Video in englischer Sprache

Die Schlüsselrolle der Frauen

In den ländlichen Gebieten der Entwicklungsländer haben Frauen eine Schlüsselrolle bei der Nutzung der natürlichen Ressourcen: Sie produzieren den Hauptteil der Nahrungsmittel und sammeln Holz zum Kochen und Heizen. Meistens sind auch sie es, die den gesamten Haushalt mit Wasser versorgen. In den von Bodendegradation betroffenen Regionen wird ihre Arbeitsbelastung noch erhöht, denn Erosion, abnehmende Bodenfruchtbarkeit und versiegende Wasserquellen machen die Grundversorgung der Familien immer aufwändiger. Wandern die Männer auf der Suche nach Einkommensmöglichkeiten in die Städte ab, bleiben die Frauen häufig als Alleinversorgerinnen in den Dörfern zurück.

Teepflückerinnen in Nuwara Eliya, Sri Lanka

Teepflückerinnen in Nuwara Eliya, Sri Lanka

Teepflückerinnen in Nuwara Eliya, Sri Lanka

Doch trotz ihrer vielfältigen Aufgaben und besonderen Leistungen haben die Frauen nur stark eingeschränkte Mitspracherechte und Entscheidungsbefugnisse bei der Verteilung und Nutzung von Ressourcen. Die Entwicklungszusammenarbeit muss deshalb der besonderen Rolle und den speziellen Bedürfnissen der Frauen Rechnung tragen. Die Vertragsparteien der Konvention der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Desertifikation (UNCCD) haben sich daher verpflichtet, Frauen umfassend in lokale Maßnahmen zur Desertifikationsbekämpfung einzubeziehen.

Nomaden in Nordkenia bei der Feldarbeit

Unterstützung der Kleinbauern vor Ort Interner Link

Die Aus­wir­kun­gen von Land­de­gra­dati­on be­ein­träch­ti­gen vor al­lem Klein­bau­ern und no­ma­disch le­ben­de Vieh­züch­ter. Die­se Ent­wick­lun­gen las­sen sich nur dann er­folg­reich be­kämp­fen, wenn die be­trof­fe­nen Men­schen vor Ort in die La­ge ver­setzt wer­den, die Ur­sa­chen ih­rer Pro­ble­me selbst zu er­ken­nen und an ih­rer Lö­sung mit­zu­wir­ken. Die deut­sche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit ist seit den 1980er Jah­ren in die­sem Be­reich ak­tiv.

Blick auf Felder in einer landwirtschaftlich genutzten Region in der Nähe von Johannesburg, Südafrika

Politische und institutionelle Rahmenbedingungen schaffen Interner Link

Die Unterstützung der betroffenen Kleinbäuerinnen und -bauern vor Ort ist wichtig. Doch das Bekämpfen lokaler "Symptome" reicht nicht aus, um Bodendegradation und Desertifikation aufzuhalten. Einzelne Projekte wirken zwar unmittelbar vor Ort, sie müssen jedoch in umfassendere Strategien eingebettet werden, um landesweite volkswirtschaftlich messbare Effekte zu erzielen.

Tröpfchenbewässerung auf einem Feld in Äthiopien

Zusammenarbeit über Grenzen hinweg Interner Link

Probleme wie der Klimawandel, der Verlust der Artenvielfalt und der Verlust von intakten Böden machen nicht an Landesgrenzen halt. Um einen grenzüberschreitenden Erfahrungsaustausch zu fördern, unterstützt Deutschland länderübergreifende Ansätze der Desertifikationsbekämpfung und für nachhaltiges Landmanagement.

Flaggen vor den Vereinten Nationen in  New York

Förderung über inter­nationale Organi­sationen Interner Link

Ein erheblicher Teil der deutschen Mittel für Entwicklungszusammenarbeit wird für multilaterale Programme internationaler Organisationen bereitgestellt. Dazu zählen die Vereinten Nationen und ihre Unterorganisationen, die Weltbank und die Europäische Union. Auch auf diesem Weg fördert die Bundesrepublik wirksame Programme zur Bekämpfung der Desertifikation.

Abgeholzte Flächen im tropischen Regenwald auf Borneo in Indonesien

Ökonomische Kosten von Landdegradation bewerten Interner Link

Stu­di­en von Ent­wick­lungs­ban­ken, For­schungs­in­sti­tu­tio­nen und öko­no­mi­schen Kom­mis­sio­nen wie der Welt­bank oder der UN-Wirt­schafts­kom­mis­si­on für La­tein­ame­ri­ka und die Ka­ri­bik (ECLAC) be­le­gen die ne­ga­ti­ven Aus­wir­kun­gen der Land­de­gra­dati­on auf die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung der be­trof­fe­nen Län­der.