Frieden Krisenprävention: Gewalt verhindern, bevor sie ausbricht

Im Jahr 2019 wurden nach Untersuchungen der Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung der Universität Hamburg weltweit 27 bewaffnete Konflikte und Kriege geführt. Seit Ende der 1990er Jahre sind innerstaatliche Gewaltkonflikte deutlich häufiger als zwischenstaatliche Kriege. Die meisten dieser Konflikte werden innerhalb von Entwicklungsländern ausgetragen.

Generalversammlung der Vereinten Nationen im UN-Hauptquartier in New York

Generalversammlung der Vereinten Nationen im UN-Hauptquartier in New York

Generalversammlung der Vereinten Nationen im UN-Hauptquartier in New York

Ein Krieg kann die Entwicklung eines Landes oder einer Region um Jahrzehnte zurückwerfen. Im Vordergrund steht dabei das unermessliche Leid, das ein Krieg verursacht; je schlimmer es ist, umso schwerer fällt die Versöhnung. Dazu kommen die enormen Kosten für den Wiederaufbau. Nicht nur Häuser und Straßen, auch soziale Strukturen und kulturelles Leben werden durch Krieg zerstört.

Gewalt zu verhindern, bevor sie ausbricht, ist daher ein wichtiges Ziel der deutschen und internationalen Friedens- und Entwicklungspolitik. Damit eine solche Krisenprävention gelingt, müssen die Faktoren erkannt werden, die in den betroffenen Ländern zu Konflikten führen können – zum Beispiel extreme Einkommens- und Vermögensunterschiede, die ungerechte Verteilung knapper Ressourcen oder die Missachtung der Menschenrechte.

Dass sich langfristig angelegte Krisenprävention auszahlt, zeigt die Studie Pathways for Peace (Externer Link), die mit Unterstützung des Bundesentwicklungsministeriums und des Auswärtigen Amts von der Weltbank und den Vereinten Nationen Anfang 2018 veröffentlicht wurde: Krisenprävention ist wirksam, rettet Leben, schützt Entwicklungserfolge und ist deutlich kostengünstiger als das spätere Eingreifen in gewaltsame Konflikte. Die Studie hebt die Bedeutung der Entwicklungszusammenarbeit für die Krisenprävention hervor. Politischer Anspruch müsse sein, politisch instabile Staaten vor dem Ausbruch einer Krise stärker und wirksamer zu unterstützen und strukturelle Ursachen von Konflikten zu beseitigen.

Projekte zur Vorbeugung gegen Krisen können in allen thematischen Bereichen der Entwicklungszusammenarbeit Wirkung entfalten.

Wichtige Arbeitsfelder der Krisenprävention sind zum Beispiel:

Menschen warten in einer Schlange vor einem Wahllokal in Watumu, Kenia.
Ar­bei­ter in ei­ner Wolf­ram-Mi­ne in Ru­an­da
Afri­ka­ni­sche Wal­dele­fan­ten im Dzan­ga-Sang­ha-Na­tio­nal­park im Drei­län­der­eck Re­pu­blik Kon­go, Ka­me­run und Zen­tral­afri­ka­ni­sche Re­pu­blik
Un­ter­richt in ei­ner Schu­le in Am­man, Jor­da­ni­en. Hier wer­den jor­da­ni­sche und sy­ri­sche Kin­der in Dop­pel­schich­ten un­ter­rich­tet.
Mit­glie­der ei­nes lo­ka­len Ju­gend­par­la­ments in ei­nem Slum im Stadt­vier­tel See­ma­pu­ri in De­lhi, In­di­en
Ar­bei­ter beim Stra­ßen­bau in Er­bil in der Re­gi­on Kur­di­stan-Irak, im Rah­men ei­ner Cash-for-Work-Maß­nah­me

Ein wirkungsvolles Instrument der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ist die Entsendung von Fachkräften des Zivilen Friedensdienstes (ZFD). Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

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