Flüchtlinge aus Syrien in einem Flüchtlingslager des UNHCR

Naher Osten Die Syrienkrise

Der 2011 als Bürgerkrieg begonnene und seither andauernde Konflikt in Syrien hat in der Region zur größten humanitären Krise seit Gründung der Vereinten Nationen geführt. Schätzungen zufolge haben die heftigen Kämpfe in weiten Teilen des Landes schon mehrere Hunderttausend Todesopfer und mehr als eine Million Verletzte gefordert; mehr als 5,6 Millionen Syrerinnen und Syrer sind aus dem Land geflohen, darunter sehr viele Kinder.

Ein Kind blickt aus einem Zelt im Lager Kafr Losin im Nordwesten Syriens im Januar 2021.

Besonders viele Menschen aus Syrien sind in den Libanon (855.000 registrierte syrische Flüchtlinge bei rund vier Millionen libanesischen Einwohnern) und nach Jordanien (668.000 registrierte Flüchtlinge bei 9,5 Millionen Einwohnern) geflohen. Zu den Aufnahmeländern zählen außerdem die Türkei (3,688 Millionen Flüchtlinge), der Irak (246.000 Flüchtlinge) und Ägypten (133.000 Flüchtlinge). (Alle Zahlen: Juli 2021)

Einen aktuellen Überblick des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) über die syrischen Flüchtlinge in der Region finden Sie hier (Externer Link) (englisch).


Deutsche Unterstützung für die vom Konflikt betroffenen Menschen

Seit Beginn der Krise in Syrien unterstützt das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) die vom Konflikt betroffenen Menschen in erheblichem Umfang und vor allem über Maßnahmen in den Nachbarländern Türkei, Libanon, Jordanien und Irak. Dabei stimmt sich das BMZ eng mit dem Auswärtigen Amt ab. So soll die Verbindung zwischen humanitärer Hilfe – für die das Auswärtige Amt verantwortlich ist – und der strukturbildenden, mittel- bis langfristig orientierten Unterstützung des BMZ sichergestellt werden.

Zwei Kinder tragen ein Familien-Hygienepaket von UNICEF zu ihrem Zelt im Lager Fafin in der Nähe von Aleppo.

Zwei Kinder tragen ein Familien-Hygienepaket von UNICEF zu ihrem Zelt im Lager Fafin in der Nähe von Aleppo.

Zwei Kinder tragen ein Familien-Hygienepaket von UNICEF zu ihrem Zelt im Lager Fafin in der Nähe von Aleppo.

Hauptziel des umfangreichen Engagements des BMZ ist es, über die humanitäre Hilfe hinaus den Menschen eine Lebensperspektive zu geben und es ihnen zu ermöglichen, sich langfristig selber zu versorgen. Verdeutlicht wird dies durch den Dreiklang „Bildung für Kinder – Berufsbildung für Jugendliche – Beschäftigung für Erwachsene“, welcher einen Großteil der BMZ-Maßnahmen leitet. Neben den syrischen Flüchtlingen werden aber auch die aufnehmenden Gemeinden in den Nachbarländern gefördert, da diese die Hauptlast des großen Flüchtlingszustroms schultern. Somit wird die gesamte Region unterstützt und der soziale Zusammenhalt zwischen den syrischen Flüchtlingen und den Einwohnern der aufnehmenden Gemeinden gestärkt.

Über das Auswärtige Amt und das BMZ stellt die Bundesregierung Geld zur Bewältigung der Krise zur Verfügung und ist einer der größten bilateralen (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) Geldgeber. Zwischen 2012 und 2021 stammten rund 8,5 Milliarden Euro aus dem Haushalt des BMZ.

Internationale Ge­ber­kon­fe­ren­zen zur Syrienkrise

Ein Kind blickt aus einem Zelt im Lager Kafr Losin im Nordwesten Syriens im Januar 2021.

Syrienkonferenz BMZ sagt 623 Millionen Euro zur Unter­stützung der Region zu Interner Link

10. Mai 2022 |

Deutschland bleibt größter bilateraler Geber in der Syrienkrise. Bei der sechsten Brüsseler Syrienkonferenz machten Bundesentwicklungsministerium (BMZ) und Auswärtiges Amt heute eine gemeinsame mehrjährige Gesamtzusage in Höhe von insgesamt 1,05 Milliarden Euro. Davon entfallen 623 Millionen Euro auf das BMZ.

Am 30. März 2021 fand die fünfte Brüsseler Geberkonferenz Supporting the Future of Syria and the Region (Externer Link) virtuell statt. Nach ähnlichen Konferenzen in Kuwait (2013–2015), London (2016) und Brüssel (seit 2017) war dies bereits die neunte Geberkonferenz. Gastgeber waren die Europäische Union (EU) und die Vereinten Nationen (UN). Wie bereits in den vergangenen Jahren hat die Bundesregierung eine wichtige Rolle bei der Vorbereitung und Durchführung der Konferenz übernommen.

Die vorangegangenen Syrien-Konferenzen haben bereits die Bedeutung des politischen Prozesses zur Lösung der Syrienkrise unter Führung der UN unterstrichen. Auch die Konferenz von 2021 hat dazu gedient, einen kohärenten und bedarfsorientierten Umgang mit der Flüchtlingskrise international abzustimmen. Kurzfristig geht es dabei vor allem um die konkrete Verbesserung der Lebenssituation der Geflüchteten und ihrer Gastgeber in den Aufnahmeländern. Längerfristiges Ziel ist es, die Fluchtursachen zu bekämpfen und den Menschen in der Region eine Bleibeperspektive zu geben.

Mit den internationalen Mitteln sollen die Lebensbedingungen in und um Syrien verbessert werden. Die größten Bedarfe hat die internationale Gemeinschaft in den Bereichen Bildung und Beschäftigung, Ernährungssicherung und bei der Deckung der Grundbedürfnisse identifiziert. In Anbetracht der anhaltenden Corona-Pandemie bedarf es einer gesteigerten Unterstützung im Bereich Wasser, Sanitätsversorgung und Hygiene. Auch in Bereichen des rechtlichen Schutzes, Gesundheit und Obdach sollen die Menschen weiterhin unterstützt werden.

Um diese Bedürfnisse decken zu können, haben die Vereinten Nationen für 2021 einen Bedarf von 3,6 Milliarden Euro für Syrien und 4,9 Milliarden Euro für die Nachbarländer Syriens ermittelt. Auf der fünften Syrienkonferenz am 30. März 2021 kamen Zusagen über 5,3 Milliarden Euro zusammen. Allein 2021 hat Deutschland mit 1,73 Milliarden Euro den größten Betrag eines einzelnen Staates bereitgestellt, zu dem das BMZ 1,07 Milliarden Euro beitrug. Von 2017 bis 2020 war Deutschland zweitgrößter bilateraler Geldgeber und das BMZ sagte 2020 1,352 Milliarden Euro zu.

Beispiele für das deutsche Engagement in der Region

Siehe auch
Provisorische Grundschule in einer informellen Zeltsiedlung für syrische Flüchtlinge in Zahlé, Libanon
Flüchtlingslager Zaatari in Jordanien
Lehrerin und Schüler der UNICEF-Schule in Adana

Die Krisenbewältigung des BMZ konzentriert sich auf die entwicklungsorientierte mittel- und langfristig angelegte Stärkung der Widerstandsfähigkeit (Resilienz (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) betroffener Menschen und örtlicher Strukturen.

Durch die ressortübergreifende Zusammenarbeit zwischen dem Auswärtigen Amt und dem BMZ wird im Libanon die Gesundheit von 59.400 syrischen Flüchtlingen und 16.900 vulnerablen (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) Libanesinnen und Libanesen verbessert. Neben der humanitären Hilfe ergänzt die strukturbildende Übergangshilfe die Maßnahmen um Behandlungen zu reproduktiver Gesundheit und stärkt die Kapazität und die Qualität von sechs Gesundheitszentren im Libanon.

Neben der strukturbildenden Übergangshilfe unterstützt das BMZ die Arbeit der Vereinten Nationen in den Nachbarländern Syriens vor allem in den Bereichen Bildung/Ausbildung, Beschäftigung, Kinderschutz, Nahrungsmittelsicherung sowie kommunale Infrastruktur (insbesondere Wasserver- und Abwasserentsorgung).

So hat das BMZ zum Beispiel über das Kinderhilfswerk UNICEF seit 2014 knapp 357 Millionen Euro für das libanesische Schulprogramm „Reaching all Children with Education“ (RACE, deutsch: Alle Kinder mit Bildung erreichen) zur Verfügung gestellt. Es ist Teil der internationalen Initiative No lost Generation (Externer Link) (deutsch: Keine verlorene Generation). Durch diese substanzielle Unterstützung des BMZ konnte sichergestellt werden, dass allein im Schuljahr 2019/2020 rund 123.000 libanesische und syrische Kinder im Libanon die Schule besuchen konnten – ein wichtiger Beitrag zur sozialen Inklusion und zum Erhalt ihrer Zukunftsperspektiven.

Durch das Engagement des BMZ wurde in Jordanien bisher die Trinkwasserversorgung für über 1,8 Millionen Menschen verbessert, was auch langfristig der Gesundheit der syrischen und jordanischen Menschen dient. Einen Beitrag zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung konnte das BMZ auch im Irak leisten, wo 2020 neun Gesundheitseinrichtungen instand gesetzt wurden und 22.000 Menschen psychosoziale Unterstützung erhielten.

In der Türkei unterstützt das BMZ die Arbeit von internationalen und lokalen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern. Diese fördern das friedliche und vertrauensvolle Zusammenleben zwischen syrischen Flüchtlingen und Einheimischen, durch die Ausbildung und Arbeit mit türkischen und syrischen Jugendlichen, welche sich aktiv in das Gemeindeleben einbringen durch die Organisation von sozialen, kulturellen und sportbezogenen Aktivitäten für Kinder und Jugendliche.

Über diese Maßnahmen konnten über 189.100 Flüchtlinge, Binnenvertriebene, Rückkehrende und Bewohnerinnen und Bewohner von aufnehmenden Gemeinden unterstützt werden. Außerdem finanziert das BMZ die Gehälter von 12.000 syrischen Lehrerinnen und Lehrern, damit syrische Kinder in der Türkei zur Schule gehen können.

In Syrien selbst unterstützt das BMZ vor allem die Arbeit der Vereinten Nationen und damit die Umsetzung des UN-Hilfsaufrufs für Syrien. In Oppositionsgebieten werden auch Projekte der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) sowie deutscher Nichtregierungsorganisationen gefördert.

Die Mittel werden für Maßnahmen in lebenswichtigen Bereichen wie Landwirtschaft, Ernährungssicherung sowie Basisinfrastruktur und Dienstleistungen (Wasser/Abwasser, Abfallentsorgung, Bildung, Gesundheit) zur Verfügung gestellt. Weitere Bereiche sind die Stärkung der Zivilgesellschaft, die Förderung kommunaler Strukturen in Oppositionsgebieten, Beschäftigungsförderung und einkommensschaffende Maßnahmen. Auch politische Dialogprozesse werden über die Wirtschafts- und Sozialkommission für Westasien der Vereinten Nationen (UNESCWA) unterstützt.

Be­schäf­ti­gungs­of­fen­si­ve Nahost

Im Rahmen eines Cash-for-Work-Projekts in Mossul wird eine Schule instandgesetzt.

Um Zukunftsperspektiven für Flüchtlinge und Einheimische in der Region zu schaffen, hat Deutschland eine Beschäftigungsoffensive ins Leben gerufen. Über sogenannte Cash-for-Work-Programme (deutsch: „Bargeld für Arbeit“) werden Arbeitsplätze geschaffen, die Flüchtlingen und Einheimischen in der Region ein schnell verfügbares Einkommen bieten, damit sie ihre Lebensbedingungen selbstbestimmt verbessern können. Gleichzeitig wird der Aufbau dringend benötigter Infrastruktur (zum Beispiel Straßen und Gebäude) unterstützt.

2020 wurden rund 88.000 Jobs geschaffen. Zählt man die Familienangehörigen der Arbeitskräfte mit, verbessern sich dadurch die Lebensbedingungen und -perspektiven von rund 470.000 Menschen. Zudem ermöglichte die Beschäftigungsoffensive bis 2017 den Unterricht für über 473.000 Kinder.