Flüchtlinge aus Syrien in einem Flüchtlingslager des UNHCR

Naher Osten Die Syrienkrise

Der 2011 als Bürgerkrieg begonnene und seither an­dauern­de Konflikt in Syrien hat in der Region zur größten hu­ma­ni­tären Krise seit Gründung der Ver­ein­ten Nationen geführt. Schätzungen zu­folge haben die heftigen Kämpfe in weiten Teilen des Landes schon mehrere Hundert­tausend Todes­opfer und mehr als eine Million Ver­letzte gefordert; mehr als 5,6 Millionen Syrerinnen und Syrer sind aus dem Land geflohen, darunter sehr viele Kinder. 

Besonders viele Menschen aus Syrien sind in den Libanon (855.000 registrierte syrische Flüchtlinge bei rund vier Millionen libanesischen Einwohnern) und nach Jordanien (668.000 registrierte Flüchtlinge bei 9,5 Millionen Einwohnern) geflohen. Zu den Aufnahme­ländern zählen außerdem die Türkei (3,688 Millionen Flüchtlinge), der Irak (246.000 Flüchtlinge) und Ägypten (133.000 Flüchtlinge). (Alle Zahlen: Juli 2021)

Einen aktuellen Überblick des Flücht­lings­hilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) über die syrischen Flüchtlinge in der Region finden Sie hier (Externer Link) (englisch).


Deutsche Unterstützung für die vom Konflikt betroffenen Menschen

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller im Gespräch mit Flüchtlingen aus Syrien in einem Flüchtlingslager des UNHCR

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller im Gespräch mit Flüchtlingen aus Syrien in einem Flüchtlingslager des UNHCR

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller im Gespräch mit Flüchtlingen aus Syrien in einem Flüchtlingslager des UNHCR

Seit Beginn der Krise in Syrien unterstützt das Bundes­ent­wick­lungs­minis­terium (BMZ) die vom Konflikt be­troffenen Menschen in er­heb­lichem Um­fang und vor allem über Maß­nahmen in den Nach­bar­ländern Türkei, Libanon, Jordanien und Irak. Dabei stimmt sich das BMZ eng mit dem Aus­wärtigen Amt ab. So soll die Ver­bindung zwischen humanitärer Hilfe – für die das Aus­wärtige Amt ver­ant­wort­lich ist – und der struktur­bil­den­den, mittel- bis lang­fristig orientierten Unter­stützung des BMZ sicher­gestellt werden.

Zwei Kinder tragen ein Familien-Hygienepaket von UNICEF zu ihrem Zelt im Lager Fafin in der Nähe von Aleppo.

Zwei Kinder tragen ein Familien-Hygienepaket von UNICEF zu ihrem Zelt im Lager Fafin in der Nähe von Aleppo.

Zwei Kinder tragen ein Familien-Hygienepaket von UNICEF zu ihrem Zelt im Lager Fafin in der Nähe von Aleppo.

Hauptziel des umfangreichen Engage­ments des BMZ ist es, über die humanitäre Hilfe hinaus den Menschen eine Lebens­perspek­tive zu geben und es ihnen zu er­mög­li­chen, sich lang­fristig selber zu ver­sorgen. Ver­deutlicht wird dies durch den Dreiklang "Bildung für Kinder – Berufs­bildung für Jugendliche – Be­schäf­tigung für Erwachsene", welcher einen Großteil der BMZ-Maß­nahmen leitet. Neben den syrischen Flüchtlingen werden aber auch die aufneh­menden Gemeinden in den Nach­bar­ländern gefördert, da diese die Haupt­last des großen Flücht­lings­zu­stroms schultern. Somit wird die gesamte Region unterstützt und der soziale Zusammen­halt zwischen den syrischen Flüchtlingen und den Einwohnern der aufnehmenden Gemeinden gestärkt.

Über das Auswärtige Amt und das BMZ stellt die Bundesregierung Geld zur Bewältigung der Krise zur Verfügung und ist einer der größten bilateralen (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) Geldgeber. Zwischen 2012 und 2021 stammten rund 8,5 Milliarden Euro aus dem Haushalt des BMZ.

Internationale Ge­ber­kon­fe­ren­zen zur Syrienkrise

Entwicklungsminister Gerd Müller mit Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai auf der Geberkonferenz "Supporting the Future of Syria and the Region" 2016 in London

Entwicklungsminister Müller mit Friedens­nobel­preis­trägerin Malala Yousafzai auf der Konferenz "Supporting the Future of Syria and the Region" 2016 in London

Entwicklungsminister Müller mit Friedens­nobel­preis­trägerin Malala Yousafzai auf der Konferenz Supporting the Future of Syria and the Region 2016 in London

Am 30. März 2021 fand die fünfte Brüsseler Geber­kon­ferenz Supporting the Future of Syria and the Region (Externer Link) virtuell statt. Nach ähnlichen Konfe­renzen in Kuwait (2013–2015), London (2016) und Brüssel (seit 2017) war dies bereits die neunte Geberkonferenz. Gast­geber waren die Euro­päische Union (EU) und die Verein­ten Nationen (UN). Wie bereits in den vergangenen Jahren hat die Bundes­regierung eine wichtige Rolle bei der Vor­bereitung und Durch­füh­rung der Konferenz über­nommen.

Die voran­gegan­genen Syrien-Kon­feren­zen haben bereits die Bedeutung des politi­schen Prozesses zur Lösung der Syrien­krise unter Führung der UN unter­strichen. Auch die Konferenz von 2021 hat dazu gedient, einen kohärenten und bedarfs­orien­tierten Umgang mit der Flücht­lings­krise international abzustimmen. Kurzfristig geht es dabei vor allem um die konkrete Verbesserung der Lebens­situation der Geflüchteten und ihrer Gast­geber in den Auf­nahme­ländern. Länger­fristiges Ziel ist es, die Flucht­ursachen zu bekämpfen und den Menschen in der Region eine Bleibe­pers­pektive zu geben.

Mit den inter­natio­nalen Mitteln sollen die Lebens­bedin­gungen in und um Syrien verbessert werden. Die größten Bedarfe hat die inter­nationale Gemeinschaft in den Bereichen Bildung und Beschäf­tigung, Ernäh­rungs­sicherung und bei der Deckung der Grund­bedürf­nisse identi­fiziert. In Anbetracht der anhal­tenden Corona-Pan­demie bedarf es einer gesteigerten Unterstützung im Bereich Wasser, Sanitäts­versor­gung und Hygiene. Auch in Bereichen des rechtlichen Schutzes, Gesundheit und Obdach sollen die Menschen weiterhin unterstützt werden.

Um diese Bedürfnisse decken zu können, haben die Vereinten Nationen für 2021 einen Bedarf von 3,6 Milliarden Euro für Syrien und 4,9 Milliarden Euro für die Nachbar­länder Syriens ermittelt. Auf der fünften Syrien­kon­ferenz am 30. März 2021 kamen Zusagen über 5,3 Milliarden Euro zusammen. Allein 2021 hat Deutschland mit 1,73 Milliarden Euro den größten Betrag eines einzelnen Staates bereit­gestellt, zu dem das BMZ 1,07 Milliarden Euro beitrug. Von 2017 bis 2020 war Deutschland zweit­größter bilateraler Geld­geber und das BMZ sagte 2020 1,352 Milliarden Euro zu.

Beispiele für das deutsche Engagement in der Region

Siehe auch

Die Krisen­bewäl­tigung des BMZ konzentriert sich auf die ent­wicklungs­orientierte mittel- und langfristig angelegte Stärkung der Wider­stands­fähigkeit (Resilienz (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) be­troffener Menschen und örtlicher Strukturen.

Durch die ressort­über­greifende Zu­sammen­arbeit zwischen dem Auswärtigen Amt und dem BMZ wird im Libanon die Gesundheit von 59.400 syrischen Flüchtlingen und 16.900 vulnerablen (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) Libanesinnen und Libanesen verbessert. Neben der humanitären Hilfe ergänzt die struktur­bildende Übergangs­hilfe die Maß­nahmen um Be­hand­lungen zu re­pro­duk­tiver Gesundheit und stärkt die Kapa­zität und die Qualität von sechs Ge­sund­heits­zentren im Libanon.

Neben der struktur­bilden­den Übergangs­hilfe unter­stützt das BMZ die Arbeit der Vereinten Nationen in den Nach­bar­ländern Syriens vor allem in den Be­reichen Bildung/Aus­bildung, Be­schäf­tigung, Kinder­schutz, Nah­rungs­mittel­sicherung sowie kommunale Infra­struktur (ins­be­sondere Wasser­ver- und Ab­wasser­ent­sorgung).

So hat das BMZ zum Beispiel über das Kinderhilfswerk UNICEF seit 2014 knapp 357 Millionen Euro für das libane­sische Schul­programm "Reaching all Children with Education" (RACE, deutsch: Alle Kinder mit Bildung erreichen) zur Verfügung gestellt. Es ist Teil der internationalen Initiative No lost Generation (Externer Link) (deutsch: Keine verlorene Generation). Durch diese substanzielle Unterstützung des BMZ konnte sicher­gestellt werden, dass allein im Schuljahr 2019/2020 rund 123.000 libanesische und syrische Kinder im Libanon die Schule besuchen konnten – ein wichtiger Beitrag zur sozialen Inklusion und zum Erhalt ihrer Zukunftsperspektiven.

Durch das Engagement des BMZ wurde in Jordanien bisher die Trinkwasserversorgung für über 1,8 Millionen Menschen verbessert, was auch lang­fristig der Ge­sund­heit der syrischen und jorda­nischen Menschen dient. Einen Beitrag zur Ver­besserung der Gesund­heits­ver­sorgung konnte das BMZ auch im Irak leisten, wo 2020 neun Gesund­heits­einrich­tungen instand gesetzt wurden und 22.000 Menschen psychosoziale Unterstützung erhielten.

In der Türkei unterstützt das BMZ die Arbeit von inter­nationalen und lokalen Sozial­arbeite­rinnen und Sozial­arbeitern. Diese fördern das friedliche und vertrauens­volle Zusammen­leben zwischen syrischen Flüchtlingen und Einheimi­schen, durch die Ausbildung und Arbeit mit türkischen und syrischen Jugendlichen, welche sich aktiv in das Gemeinde­leben einbringen durch die Organisation von sozialen, kulturellen und sportbezogenen Aktivitäten für Kinder und Jugendliche.

Über diese Maßnahmen konnten über 189.100 Flüchtlinge, Binnen­vertriebene, Rück­keh­rende und Be­wohnerinnen und Be­wohner von aufnehmenden Gemeinden unterstützt werden. Außerdem finanziert das BMZ die Gehälter von 12.000 syrischen Lehre­rinnen und Lehrern, damit syrische Kinder in der Türkei zur Schule gehen können.

In Syrien selbst unterstützt das BMZ vor allem die Arbeit der Vereinten Nationen und damit die Umsetzung des UN-Hilfs­auf­rufs für Syrien. In Oppo­sitions­gebieten werden auch Projekte der Deutschen Gesell­schaft für Inter­natio­nale Zusammen­arbeit (GIZ) sowie deutscher Nicht­regierungs­organi­sationen gefördert.

Die Mittel werden für Maß­nahmen in lebens­wichtigen Bereichen wie Land­wirtschaft, Ernährungs­sicherung sowie Basis­infra­struktur und Dienst­leistungen (Wasser/Abwasser, Abfall­ent­sorgung, Bildung, Gesund­heit) zur Verfü­gung gestellt. Weitere Bereiche sind die Stärkung der Zivil­gesell­schaft, die Förderung kommu­naler Strukturen in Oppo­sitions­gebieten, Be­schäf­tigungs­förderung und einkommens­schaffende Maßnahmen. Auch politische Dialog­prozesse werden über die Wirtschafts- und Sozial­kommission für West­asien der Vereinten Nationen (UNESCWA) unterstützt.

Be­schäf­ti­gungs­of­fen­si­ve Nahost

Im Rahmen eines Cash-for-Work-Projekts in Mossul wird eine Schule instandgesetzt.

Um Zukunfts­perspek­tiven für Flücht­linge und Ein­heimische in der Region zu schaffen, hat Deutsch­land eine Be­schäf­tigungs­offensive ins Leben gerufen. Über so­genannte Cash-for-Work-Pro­gram­me (deutsch: "Bargeld für Arbeit") werden Arbeits­plätze ge­schaffen, die Flüchtlingen und Ein­heim­ischen in der Region ein schnell ver­füg­bares Ein­kommen bieten, damit sie ihre Lebens­bedin­gungen selbst­bestimmt ver­bessern können. Gleichzeitig wird der Aufbau dringend benötigter Infra­struktur (zum Beispiel Straßen und Gebäude) unter­stützt.

2020 wurden rund 88.000 Jobs ge­schaffen. Zählt man die Familien­an­ge­hörigen der Arbeits­kräfte mit, ver­bessern sich dadurch die Lebens­be­dingungen und -per­spek­tiven von rund 470.000 Menschen. Zudem ermöglichte die Beschäftigungsoffensive bis 2017 den Unterricht für über 473.000 Kinder.