Gemüse auf dem Kandal-Markt in Phnom Penh, Kambodscha

Agrobiodiversität Ernährung sichern durch landwirtschaftliche Vielfalt

Einen wichtigen Bereich der biologischen Vielfalt stellt die Agrobiodiversität dar. Sie umfasst die zahlreichen landwirtschaftlich genutzten Pflanzen- und Tierarten sowie die Agrarökosysteme. Dabei handelt es sich zu großen Teilen um ein von Menschen geschaffenes Kulturgut und somit um eine Sonderform der Biodiversität.

Artenschwund in der Landwirtschaft

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SDG 2: Kein Hunger

Die ursprünglich vorhandene Vielzahl von regionalen Nutzpflanzensorten und Haustierrassen ist seit mehr als hundert Jahren weltweit stark rückläufig. In den Industrieländern fand dieser Prozess hauptsächlich im 20. Jahrhundert statt. Während sich diese Entwicklung hier inzwischen abgeschwächt hat, ist die Dynamik in den Entwicklungs- (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) und Schwellenländern (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) nach wie vor ungebremst. So wurden beispielsweise in China im Jahr 1949 noch 10.000 lokale Weizensorten angebaut, heute sind es weniger als 1.000, die in großem Umfang genutzt werden. Mit anderen Worten: 90 Prozent der dortigen Weizensorten wurden innerhalb eines halben Jahrhunderts aus dem Anbau verdrängt.

Die Gründe für den Verlust von Artenvielfalt in der Landwirtschaft sind vielfältig und komplex. In erster Linie hat die moderne Landwirtschaft selbst durch Intensivierung, Rationalisierung und Spezialisierung der Produktion maßgeblich zur Verringerung der landwirtschaftlichen Vielfalt beigetragen. Auch die Einführung gentechnisch veränderter Sorten, fehlende ökonomische Anreize für den Biodiversitätserhalt sowie die zunehmende Privatisierung genetischer Ressourcen sind wichtige Gründe für den Arten- und Sortenschwund.

Deutsches Engagement Agrobiodiversität und ländliche Entwicklung fördern

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit fördert den Erhalt der landwirtschaftlichen Vielfalt und ländlichen Ressourcen durch zahlreiche Maßnahmen im Bereich der ländlichen Entwicklung. 

Kartoffelsorten auf einem Markt in Cusco, Peru

Kartoffelsorten auf einem Markt in Cusco, Peru

Kartoffelsorten auf einem Markt in Cusco, Peru

Dabei sind agrarökologische Elemente und die Orientierung an lokalen Er­nähr­ungs­ge­wohn­heiten und regionale Kreisläufe wichtige Leitlinien. So wird zum Beispiel die ländliche Bevölkerung in den Partnerländern dabei unterstützt, traditionelle, an die örtlichen Bedingungen angepasste Methoden der Landwirtschaft und Viehzucht anzuwenden. Diese sind in der Regel umweltgerecht und auch der ärmeren Bevölkerung zugänglich.

Außerdem wird das Recht der Bäuerinnen und Bauern gestärkt, ihr lokales Saatgut zu erhalten, selbst zu vermehren und zu verbreiten. Vor allem kleinbäuerliche Betriebe werden bei der Pflanzenzüchtung und Saatgutproduktion unterstützt.

Deutschland fördert die Sicherung des Zugangs zu Land

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Ein Bauer in den bolivianischen Anden bei Cochabamba legt einen Erosionsschutzwall an.

Die deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit fördert die Sicherung eines gleich­berechtigten Zugangs zu Land und dessen natürlichen Ressourcen – insbesondere für marginalisierte Gruppen wie Frauen, klein­bäuerliche Familien und Indigene – als Voraussetzung für die nachhaltige ökonomische, ökologische und soziale Entwicklung des ländlichen Raums.

Partnerländer werden dabei unterstützt, die Rahmen­bedingungen für eine verant­wortungs­volle Landpolitik zu schaffen. Eine entscheidende Rolle als Referenz­rahmen spielen hierbei die Freiwilligen Leitlinien für die verantwortungs­volle Regulierung von Eigentums-, Besitz- und Nutzungsrechten an Land, Fischgründen und Wäldern (Externer Link) der Welternährungsorganisation (FAO (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)). Deutschland setzt sich dafür ein, die Leitlinien in internationalen Prozessen und Initiativen zu verankern.

Unterstützung von Saatgutbanken und Wissenstransfer

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Deutschland ist größter Geber des Welttreuhandfonds für Kulturpflanzenvielfalt (Global Crop Diversity Trust, GCDT) der 2004 von der FAO und der Beratungsgruppe für Internationale Agrarforschung (CGIAR (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) als unabhängiger Fonds nach internationalem Recht gegründet wurde. Der Treuhandfonds soll Saatgutbanken beim Erhalt der weltweiten Saatgutvielfalt unterstützen und dadurch zu einer nachhaltigen Landwirtschaft und langfristigen Ernährungssicherung beitragen.

Neben der landwirtschaftlichen Vielfalt fördert die deutsche Entwicklungszusammenarbeit auch das Wissen um den Wert und die Nutzung traditioneller Nahrungspflanzen in einer nachhaltigen und gesunden Ernährung. Aktivitäten wie Kochdemonstrationen mit lokalen Nahrungsmitteln und das Anlegen biodiverser Hausgärten fördern beispielsweise die Vielfalt auf dem Teller.

Gewässerschutz

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Nordpolarmeer bei Spitzbergen

Auch die Biodiversität in Meeren, Küsten­zonen und Binnen­gewässern dient, ähnlich wie die Agrobiodiversität, in hohem Maße der menschlichen Er­näh­rungs­sicherung.

Deutschland fördert daher inter­national die nach­haltige Nutzung von Meeren, Flüssen und Seen und Vorhaben zum Erhalt von Mangroven­wäldern und Korallen­schutzgebieten. Diese bieten zahlreichen Pflanzen- und Tierarten einen Lebens­raum und dienen als Wasser­reservoire für die Landwirtschaft. Gleichzeitig schützen sie die Küsten auf natürliche Weise vor Sturmfluten und Erosion.

Hintergrund Agrobiodiversität als wichtiger Beitrag zur Ernährungssicherung

Der Mensch ist auf die Agrobiodiversität angewiesen. Sie leistet einen entscheidenden Beitrag zur Sicherung einer gesunden und vielseitigen Ernährung, vor allem in den Entwicklungsländern.

Auf weniger fruchtbaren Böden sind regionale Pflanzensorten oft leistungsfähiger als Hochertragssorten. Mischkulturen verhindern die Risiken von Ertragsausfällen. Sie eröffnen der ländlichen Bevölkerung langfristige Einkommensmöglichkeiten und damit auch eine Chance, Armut und Hunger zu überwinden. Auch das Wissen um essbare Wildpflanzen und regionaltypische Nutzpflanzen muss in Anbetracht von Missernten und Krisenzeiten erhalten werden, um die Nahrungsgrundlage der ländlichen Bevölkerung zu sichern.

Ein großer Genpool erleichtert die Anpassung der Landwirtschaft an globale Umweltveränderungen wie den Klimawandel und die Wüstenbildung. Große genetische Vielfalt erhöht zudem die Wahrscheinlichkeit, dass ausreichend Pflanzen- und Tierarten vorhanden sind, die zum Beispiel längere Hitze- und Trockenperioden überstehen können.

Von zunehmender Bedeutung ist die Agrobiodiversität auch für die Industrie, etwa bei der Produktion von Lebensmitteln und pflanzlichen Rohstoffen für Medikamente, Kosmetika, Baumaterialien und zur Erzeugung erneuerbarer Energien.