Arbeiterinnen und Arbeiter in einer Textilfabrik in Bangladesch, in der besonders auf die Einhaltung der gesetzlichen Sozial- und Umweltstandards geachtet wird
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Umwelt- und Sozialstandards in der Textilwirtschaft verbessern
Die Textilproduktion ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen. Extrem beschleunigte Konsum- und Produktionsmodelle wie „Fast Fashion“ und „Ultra-Fast Fashion“ haben erhebliche negative Auswirkungen auf Klima, Umwelt und die Arbeitsbedingungen entlang globaler Lieferketten.
Die Arbeitsbedingungen in der Textilproduktion sind häufig prekär. Arbeitstage von bis zu 18 Stunden (Externer Link) sowie Löhne, die kaum oder gar nicht zum Leben reichen, sind in vielen Produktionsstätten Realität. So arbeiten Beschäftigte beim Online-Modehändler Shein Berichten zufolge bis zu 75 Stunden pro Woche (Externer Link) und verdienen lediglich rund vier Cent (Externer Link) pro produziertem Kleidungsstück; auch Kinderarbeit wurde nachgewiesen.
Besonders betroffen sind Frauen, die den Großteil der Beschäftigten in der Textilproduktion stellen. Ihnen werden häufig grundlegende Rechte wie Mutterschutz, eine angemessene Gesundheitsversorgung und das Recht auf gewerkschaftliche Organisation systematisch vorenthalten. Sie sind zudem besonders häufig von geschlechterspezifischer Gewalt (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) am Arbeitsplatz betroffen.
In den Produktionsländern gefährden fehlender Arbeitsschutz sowie der unsachgemäße Einsatz von Chemikalien die Gesundheit der Beschäftigten und belasten Böden und Gewässer.
Der Textilsektor trägt mit seinen Kohlendioxid-Emissionen maßgeblich zum Klimawandel bei. Generell sind die ökologischen Belastungen weitreichend: Jährlich entstehen weltweit etwa 120 Millionen Tonnen Textilabfälle (Externer Link), eine Menge, die mehr als 200 olympische Stadien bis zum Rand füllen könnte. Zudem ist der Sektor für etwa elf Prozent (Externer Link) aller Plastikabfälle verantwortlich. Auch natürliche Ressourcen werden stark belastet, insbesondere das Wasser. Neben einer weitreichenden Verschmutzung von Frischwasser ist der Wasserverbrauch besonders hoch: Die Herstellung eines einzigen T-Shirts erfordert etwa 2700 Liter Frischwasser (Externer Link), was dem Inhalt von 15 Badewannen entspricht.
Wir tragen Verantwortung
Durch unseren Konsum beeinflussen wir mit, unter welchen Bedingungen Menschen in den Produktionsländern unsere Kleidung herstellen. Daraus erwächst Verantwortung. Wir können ihr gerecht werden, indem wir bei Kaufentscheidungen auf glaubwürdige soziale und ökologische Kriterien achten – zum Beispiel auf das staatliche Siegel Grüner Knopf (Externer Link).
Das trägt dazu bei, menschenwürdige Arbeitsbedingungen und ein angemessenes Einkommen in den Produktionsländern zu stärken. Faire Löhne leisten zudem einen wichtigen Beitrag zur Armutsprävention. Auch für den Umweltschutz können wir etwas bewirken: durch bewusstere Kauf- und Nutzungsentscheidungen beim eigenen Textilkonsum lassen sich Treibhausgasemissionen (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) senken, Wasserressourcen schonen und der Einsatz gefährlicher Chemikalien reduzieren.
Große Potenziale, bestehenden Missständen entgegenzuwirken, liegen in der nachhaltigen Transformation der industriellen Textilproduktion – zum systemischen Schutz von Klima, Umwelt und Menschen. Ziel der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ist es deshalb, gemeinsam mit Akteuren in den Produktionsländern, der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft Umwelt- und Sozialstandards in der Textilwirtschaft langfristig zu verbessern.
Dabei fördert das BMZ soziale und ökologische Ansätze in Zusammenarbeit mit den Beteiligten der Lieferkette und bindet dabei vor allem die Perspektive von Beschäftigten in Produktionsländern ein.
Beispielsweise in Kambodscha fördern wir eine nachhaltige Textilindustrie, indem wir Textilabfälle für Recycling nutzbar machen und zugleich die Gleichberechtigung und Teilhabe von Frauen durch Trainings zu Arbeitsrechten, finanzieller Bildung und digitalen Kompetenzen stärken.
Der Grüne Knopf (Externer Link) ist ein staatliches Siegel für nachhaltig produzierte Textilien und unterstützt Unternehmen dabei, Menschenrechte und Umweltstandards entlang der Lieferkette zu stärken. Gleichzeitig schafft er Transparenz für Verbraucher*innen und erleichtert verantwortungsbewusste Kaufentscheidungen.
Das Multi-Stakeholder-Netzwerk Dialogue and Impact for Sustainable Textiles (DST) (Externer Link) bietet eine Plattform für konstruktiven Austausch, gegenseitiges Lernen, Zusammenarbeit und gemeinsames Handeln und bringt zahlreiche Akteure aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen), Standardorganisationen, Wissenschaft und Politik zusammen. Das DST zielt darauf ab, einen Raum zu schaffen, in dem engagierte Akteure gemeinsam Initiativen, Arbeitsgruppen und Projekte entwickeln – einschließlich Kooperationsaktivitäten in Partnerländern – mit dem gemeinsamen Ziel, die Umweltstandards sowie die Lebens- und Arbeitsbedingungen in textilproduzierenden Ländern zu verbessern.
Nachhaltige öffentliche Beschaffung (Externer Link) (NÖB) ist ein wirkungsvoller Hebel zur Transformation von nachhaltigen Lieferketten: Durch ihre hohe Nachfrage kann die öffentliche Hand soziale und ökologische Kriterien in Vergabeverfahren verankern und so nachhaltige Produktionsweisen fördern. Das gilt auch für die Textilindustrie, deren globale Lieferketten häufig mit Risiken für Menschenrechte und Umwelt verbunden sind – hier kann öffentliche Beschaffung konkrete Verbesserungen entlang der Lieferkette anstoßen.
Deutsches Engagement – Hebel der Lieferkettengesetze
Das Ziel ist klar: Wirtschaftswachstum soll Hand in Hand mit dem Schutz von Menschen und Natur gehen. Dafür braucht es menschenwürdige Arbeitsbedingungen einschließlich existenzsichernder Löhne, umweltschonender Produktionsmethoden und einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft.
Das BMZ stärkt Verantwortung in Lieferketten durch einen wirksamen Mix aus verbindlichen gesetzlichen Regelungen und freiwilligen Unterstützungsangeboten. Mit dem Lieferkettensorgfaltspflichtgesetz (LkSG), kurz Lieferkettengesetz, hat Deutschland frühzeitig Maßstäbe für verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln gesetzt.
Gesetzliche Regelungen wie das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) und die europäische Lieferkettenrichtlinie (Corporate Sustainability Due Diligence Directive – CSDDD) sowie weitere EU-Vorgaben, etwa zur Kreislaufwirtschaft, setzen verbindliche Anforderungen für große Unternehmen. Sie zielen darauf, menschenrechtliche (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) und umweltbezogene Risiken in Lieferketten systematisch zu identifizieren und zu mindern. So werden faire Arbeitsbedingungen gestärkt sowie Umweltbelastungen, Ressourcenverbrauch und Abfälle reduziert
Die CSDDD schafft erstmals EU-weit einheitliche Sorgfaltspflichten und stärkt damit Wettbewerbsgleichheit sowie Rechts- und Planungssicherheit. Der risikobasierte Ansatz ermöglicht es, Maßnahmen dort zu priorisieren, wo menschenrechtliche und umweltbezogene Risiken besonders schwerwiegend sind häufig am Anfang der Lieferkette. Für Unternehmen, die bereits nach dem deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz arbeiten, bedeutet die CSDDD vor allem Kontinuität: Bestehende Prozesse und Investitionen bilden eine solide Grundlage für die künftige EU-Umsetzung, da sich die CSDDD in wichtigen Punkten an das deutsche LkSG anlehnt.
Ergänzend unterstützt das BMZ Unternehmen mit freiwilligen Instrumenten bei der praktischen Verankerung von Menschenrechts- und Umweltstandards und der schrittweisen nachhaltigen Weiterentwicklung ihrer Textillieferketten. Im Fokus stehen unter anderem die Stärkung der Rechte von Beschäftigten und ihrer Gewerkschaften sowie die Förderung nachhaltiger Produktions- und Konsummuster.
Zudem adressiert die deutsche Entwicklungspolitik zentrale Herausforderungen in Textillieferketten:
Im Rahmen der Team Europe Initiative (TEI) entwickelt das BMZ gemeinsam mit TEI-Partnern den EU Due Diligence Navigator (Externer Link). Das digitale Instrument unterstützt Akteure in Partnerländern bei der Umsetzung der CSDDD, bietet grundlegende Informationen zu europäischen Sorgfaltspflichten, zeigt Vorteile für Unternehmen in Partnerländern auf und verweist auf Unterstützungsangebote der EU-Mitgliedstaaten und internationaler Organisationen.
Die Responsible Business Helpdesks (Externer Link) (RBH) bieten in derzeit zehn Partnerländern Rechtsberatung, Schulungen und internationale Vernetzung an, um Lieferanten gezielt bei der Erfüllung ihrer Sorgfaltspflichten zu stärken.
In Deutschland berät der Helpdesk Wirtschaft & Menschenrechte (Externer Link) Unternehmen kostenfrei zu ersten Schritten und verweist auf passende Unterstützungsangebote.
So begleitet das BMZ aktiv die Umsetzung von LkSG und CSDDD und nutzt Lieferkettenregulierung gezielt als Hebel für nachhaltige Entwicklung sowie den Schutz von Menschenrechten und Umwelt.
Unsere Instrumente
Um Umwelt- und Sozialstandards in der Textilwirtschaft durchzusetzen, nutzen wir verschiedene Instrumente, unter anderem die beiden BMZ-Initiativen „Grüner Knopf“ und „Bündnis für nachhaltige Textilien“. Diese bringen wichtige Akteure zusammen und setzen als Vorreiter Impulse für eine sozial gerechte Transformation globaler Textillieferketten.
Als Lizenznehmer des Grünen Knopfs und als Mitglieder des Bündnisses für nachhaltige Textilien engagieren sich Unternehmen für bessere Arbeitsbedingungen und Umweltschutz in der Textillieferkette.
Das vom BMZ 2014 gegründete Textilbündnis vereint Unternehmen, Verbände, Nichtregierungsorganisationen, Standardorganisationen, Gewerkschaften und die deutsche Bundesregierung. Die Bündnis-Mitglieder setzen sich gemeinsam für eine soziale, ökologische und korruptionsfreie Textil- und Bekleidungsbranche ein.
Das staatliche Siegel „Grüner Knopf“ kennzeichnet Textilien von verantwortungsvollen Unternehmen, die entlang ihrer Lieferkette ihren menschenrechtlichen und ökologischen Sorgfaltspflichten nachkommen. Zusätzlich bestätigen die Unternehmen durch anerkannte Siegel, dass die Produkte sozial und ökologisch hergestellt wurden. So können Verbraucherinnen und Verbraucher bewusstere und nachhaltigere Kaufentscheidungen treffen.
Unsere Partner
Wir arbeiten eng mit unseren Partnerländern sowie mit Unternehmen, Zulieferern, der Zivilgesellschaft und internationalen Organisationen zusammen, um die sozialen und ökologischen Bedingungen für die Menschen in globalen Lieferketten zu verbessern. Gemeinsam setzen wir uns dafür ein, dass grundlegende Arbeits- und Menschenrechte eingehalten werden – dazu zählen sichere und gesunde Arbeitsbedingungen, faire Löhne und der Schutz vor Kinder- und Zwangsarbeit. Unsere Arbeit orientiert sich an internationalen Standards, insbesondere den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte (Externer Link) (UNGPs) Kernarbeitsnormen (Externer Link) der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und den OECD-Leitsätzen für multinationale Unternehmen (Externer Link).
Stand: 17.07.2026