Fabrikhalle in Bangladesch
Urheberrecht© Florian Oellers für BMZ
Deutsches Engagement für bessere Umwelt- und Sozialstandards in der Textilwirtschaft Umweltschutz und Kreislaufwirtschaft
Ziel der Kreislaufwirtschaft ist es, den Lebenszyklus von Produkten und Materialien zu verlängern, ihren Wert möglichst lange zu erhalten und den Verbrauch von neu abgebauten Rohstoffen (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen), wie beispielsweise wasserintensive Baumwolle, deutlich zu reduzieren. Durch langlebiges Design, Wiederverwendung, Reparatur, Weiterverarbeitung und Recycling sollen Abfälle vermieden sowie Energie- und Ressourcenverbrauch gesenkt werden.
Gerade in der Textilindustrie ist dieser Ansatz zentral. Der Trend zu immer kürzeren Modezyklen durch „Fast Fashion“ führt zu einem stark steigenden Energie- und Rohstoffverbrauch in der Produktion, während Qualität und Nutzungsdauer vieler Textilien sinken. In der Folge werden große Mengen kaum getragener Kleidung entsorgt, wodurch die Textilabfallmengen kontinuierlich wachsen.
Der Textilsektor ist von einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft jedoch noch weit entfernt. Durch beschleunigte Produktions- und Vermarktungsmodelle von Fast- und Ultra-Fast-Fashion-Anbietern wie dem Onlinehändler Shein hat sich die weltweite Textilfaserproduktion in den vergangenen zwei Jahrzehnten fast verdoppelt. Sie lag 2024 bei 132 Millionen Tonnen (Externer Link) und könnte bis 2030 auf rund 169 Millionen Tonnen (Externer Link) ansteigen. Bereits heute trägt die Branche erheblich zu den globalen CO₂-Emissionen und zur Frischwasserverschmutzung bei; rund 70 Prozent (Externer Link) der Treibhausgasemissionen entstehen in vorgelagerten Produktionsschritten, insbesondere bei der Materialherstellung.
Trotz dieser erheblichen Umweltbelastungen werden bislang nur etwa ein Prozent (Externer Link) aller Textilfasern in den 27 EU-Mitgliedsstaaten und der Schweiz recycelt. Stattdessen landen Alttextilien auf Deponien, werden verbrannt oder gelangen in Gewässer. Jährlich gehen dadurch weltweit über 150 Milliarden US-Dollar (Externer Link) an Materialwert verloren, weil Kleidung zu kurz genutzt und kaum im Kreislauf geführt wird.
Hier bestehen auch wichtige Ansatzpunkte für Konsumländer wie Deutschland: bei der Förderung langlebiger und hochwertiger Materialien in der Textilproduktion, der Reduktion von Fast-Fashion-Konsum sowie dem Ausbau von Sammel-, Sortier- und Recyclingstrukturen.
Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit setzt hier an und arbeitet gemeinsam mit Unternehmen, Zulieferern und Partnerländern an Lösungen. So unterstützt das BMZ unter anderem den Aufbau eines Sortierzentrums in Ghana, um Textilabfälle einer Weiterverwertung zuzuführen, sowie Recyclingbetriebe in Pakistan, die durch Schulungen und technische Innovationen die Qualität recycelter Fasern verbessern und den Chemikalieneinsatz reduzieren.
Die textile Kreislaufwirtschaft
In einer textilen Kreislaufwirtschaft wird Textilmüll möglichst vermieden und dort, wo er entsteht, so aufbereitet, dass er als Rohmaterial wieder in den Produktionskreislauf zurückgeführt werden kann. Ziel ist es, den Wert von Textilien über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg zu erhalten und den Einsatz von Primärrohstoffen (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen), Energie und Chemikalien deutlich zu reduzieren. Eine textile Kreislaufwirtschaft ist damit ein wichtiges Element eines sozialverträglichen Wandels hin zu einer klimagerechten (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) Wirtschafts- und Lebensweise (Just Transition (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)).
Auch in einem Konsumland wie Deutschland bestehen zentrale Hebel zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft: Bereits bei Materialauswahl und Produktgestaltung kann durch höhere Qualität, langlebiges Design und recyclingfähige Materialien der sinkenden Nutzungsdauer vieler Textilien entgegengewirkt werden. Auf der Konsumebene führt der anhaltende Trend zur Fast Fashion zu einem steigenden Ressourcenverbrauch und wachsenden Textilabfallmengen. Gleichzeitig bleibt das textile Recycling bislang auf einem sehr niedrigen Niveau – derzeit werden lediglich rund ein Prozent der Textilfasern wiederverwertet.
Unser Engagement
Gemeinsam mit der EU arbeitet das BMZ – als Teil der Bundesregierung – daran, die Kreislaufwirtschaft als zentralen Hebel für Ressourcenschonung und Umweltschutz weiter zu verankern. Die von der Europäischen Kommission entwickelte „EU-Strategie für nachhaltige und kreislauffähige Textilien“ umfasst über 20 Gesetzesinitiativen, die die Transformation des Textilsektors vorantreiben.
Ziel ist es, dass Textilprodukte künftig langlebiger, reparierbar und recyclingfähig sind und energie- sowie ressourceneffizienter hergestellt werden. Über einen digitalen Produktpass sollen Konsumentinnen und Konsumenten mehr Informationen über die von ihnen gekauften Textilien erhalten. Zudem sollen die Sammlung, Sortierung und Weiterverwendung von Textilien gefördert werden, um Textilmüll zu reduzieren.
Um die Ziele der EU-Textilstrategie zu erreichen, arbeiten wir bereits heute gemeinsam mit Unternehmen und ihren Zulieferern an den erforderlichen Veränderungen. Dabei unterstützen wir Partnerländer, den rechtlichen Rahmen für kommende EU-Nachhaltigkeitsanforderungen an umweltgerechte Produktgestaltung zu schaffen.
Die Mitglieder der Multi-Stakeholder-Plattform Dialogue and Impact for Sustainable Textiles (DST) tauschen sich zu Ansätzen für einen nachhaltigeren Textilsektor aus und bringen unterschiedliche Perspektiven für gemeinsame Lösungen ein. Dabei können Ansätze für eine stärker kreislauforientierte Gestaltung von Lieferketten angestoßen werden, um Umweltstandards sowie Lebens- und Arbeitsbedingungen in Produktionsländern weiter zu verbessern.
Das Logo des Dialogue and Impact for Sustainable Textiles.
Auch die Zuschneidetechnik kann verbessert werden. Schnittreste, fehlerhafte Ware oder zu große Lagerbestände gelten bisher als Abfall. Wir arbeiten mit Unternehmen daran, diesen Textilmüll als Ressource zu nutzen, zu recyceln und nochmal in neuen Materialien zu verspinnen.
Ein großer Teil der in Deutschland entsorgten Textilien wird exportiert und als Secondhandware in Ländern wie Ghana oder Kenia verkauft. Dort werden viele der importierten Altkleidungsstücke nur für kurze Zeit genutzt. Andere landen direkt auf Müllhalden, werden verbrannt oder in Flüssen oder Meeren entsorgt. In vielen Importländern unserer Alttextilien fehlt die Infrastruktur, um Textilabfall weiterzuverarbeiten oder zu recyceln.
Unser Ziel ist es, gemeinsam mit der Wirtschaft, Zulieferern und Beschäftigten in der Textillieferkette zu finden, um Recycling- und Entsorgungsstrukturen zu verbessern. Durch diese Zusammenarbeit können zudem innovative und umweltschonende Praktiken vor Ort eingebracht und verbreitet werden, sodass Alttextilien im Sinne der Kreislaufwirtschaft als wertvolle Ressource weiter genutzt werden können.
Stand: 17.07.2026