Solar- und batteriebetriebene Schädlingsfalle. Die Insekten werden vom Licht der Falle angezogen und in ihrem Inneren getötet.

Son­der­initia­ti­ve "EI­NEWELT oh­ne Hun­ger" Grü­nes In­no­va­ti­ons­zen­trum In­di­en

Kartoffeln spielen auf dem indischen Speiseplan eine wichtige Rolle. Doch viele Kartoffelpflanzen leiden an einer Pilzerkrankung, der sogenannten Kraut- und Knollenfäule. Der Klimawandel und die daraus resultierenden steigenden Durchschnittstemperaturen sowie unregelmäßige Regenfälle verstärken die Anfälligkeit der Kartoffeln zusätzlich. Die Kleinbäuerinnen und -bauern verlieren dadurch immer wieder einen großen Teil ihrer Ernte.

Viele der Kleinbäuerinnen und -bauern bearbeiten ihre Felder mit Ochsen und ernten mit der Hand. Mit dieser Technik schöpfen sie die Möglichkeiten ihrer Äcker bei Weitem nicht aus. Außerdem werden die Saatkartoffeln häufig über weite Distanzen transportiert, was wiederum zu höheren Kosten für Saatgut und zu Qualitätsverlusten führt.

Auch die Tomatenbäuerinnen und -bauern erzielen geringere Erträge als möglich wären. Tomaten benötigen viel Wasser, doch vielerorts sinkt der Grundwasserspiegel und die Bewässerung der Kulturen wird zunehmend schwieriger. Zusätzlich werden viele Pflanzen durch einen Schädling, die Tomaten-Miniermotte, zerstört. Mit neuen Technologien will das Grüne Innovationszentrum in Indien diese Herausforderungen bewältigen.

Was ist in­no­va­tiv?

Lokale Saatkartoffelproduktion: Gemeinsam mit dem Internationalen Forschungszentrum für Kartoffeln (International Potato Center (Externer Link), CIP) wird die Umstellung des Saatgutversorgungssystems in der Kartoffel-Wertschöpfungskette umgesetzt. Um zukünftig weite Transportwege der Saatkartoffeln und daraus resultierend schlechte Qualität zu vermeiden, wird mit einer speziellen Technologie (Rooted Apical Cutting, RAC) auf eine lokale Produktion von Saatkartoffeln gesetzt.

Mot­ten­fal­len und Be­wäs­se­rung: Mit so­l­ar­be­trie­be­nen Fal­len rü­cken die Bäuerinnen und Bau­ern der To­ma­ten-Mi­nier­mot­te zu Lei­be. Die Mot­ten wer­den vom Licht der Fal­len an­ge­zo­gen und dort ab­ge­tö­tet. Und durch Tröpf­chen­be­wäs­se­rung wird der Was­ser­ver­brauch ver­rin­gert: Die To­ma­ten­pflan­zen er­hal­ten durch ei­ne ziel­ge­rich­te­te Was­ser­ver­tei­lung ge­nau die Was­ser­men­ge, die sie be­nö­ti­gen, und kön­nen da­durch op­ti­mal ge­dei­hen.

Ma­schi­nell statt ma­nu­ell: Gemeinsam mit einem indischen Landmaschinenhersteller sowie Kartoffelbäuerinnen und -bauern werden verschiedene Modelle von Kartoffelpflanzern und Erntemaschinen entwickelt und mit der Zielgruppe auf den Feldern getestet. Diese angepassten Mechanisierungslösungen erhöhen nachweislich die Produktivität und führen so zu mehr Einkommen für die bäuerlichen Betriebe.

Apfelanbau und -verarbeitung: Durch die Analyse von Umwelt- und Wetterdaten erhalten Apfelbäuerinnen und -bauern über eine Smartphone-App Informationen zu potenziell auftretenden Krankheiten und können diese zielgerichtet bekämpfen. Auch die Verarbeitung der Äpfel soll verbessert werden: In einem Schulungsprogramm durchlaufen vor allem Frauen und junge Menschen ein Training zur Lebensmittelverarbeitung und erlernen die Zubereitung von Gelees, Chutneys und vielem mehr. Zusätzlich erhalten sie Schulungen zur Gründung eigener Betriebe.

Un­se­re Zie­le

  • Steigerung von Produktivität und Einkommen bei insgesamt 111.300 kleinbäuerlichen Betrieben um 30 Prozent (Tomate, Kartoffel und Apfel)
  •  1.800 neue Ar­beits­plät­ze
  •  Aus- und Fort­bil­dun­gen für 139.000 Klein­bäue­rin­nen und Klein­bau­ern

We­ge zum Er­folg

Die Möglichkeit des preiswerten Einkaufs von Dünger, Saatgut oder Pflanzenschutzmitteln und der Einsatz von landwirtschaftlichen Maschinen ist ein Erfolgsfaktor, der zu höheren Einkommen der Bäuerinnen und Bauern führt. Verbessern lassen sich die Arbeits- und Lebensbedingungen jedoch nur gemeinsam: Die Kleinbäuerinnen und -bauern müssen sich in Produktionsgemeinschaften zusammenschließen, über die sie ihre Speisekartoffeln, Tomaten und Äpfel vermarkten. Die indische Nichtregierungsorganisation APMAS baut in Kooperation mit dem Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband im Grünen Innovationszentrum vier derartige Produktionsgemeinschaften auf, in denen insgesamt bis zu 8.000 Tomatenbäuerinnen und -bauern organisiert sind.

Die meisten Kleinbäuerinnen und -bauern hatten nie die Chance, eine landwirtschaftliche Ausbildung zu absolvieren. Sie bearbeiten die Felder so, wie sie es von ihren Eltern gelernt haben. Effiziente Anbau-, Ernte- und Nacherntetechniken setzen sich darum in der kleinbäuerlichen Agrarwirtschaft Indiens nur langsam durch. Die Deutsche Welthungerhilfe baut als Partner des Grünen Innovationszentrums in Indien zwei landwirtschaftliche Trainingsinstitutionen auf – die sogenannten Green Colleges. In Kursen zwischen zehn Tagen und sechs Monaten erwerben die Teilnehmenden Wissen über nachhaltige Techniken und Anbaumethoden in der Landwirtschaft.


Bauern in Nigeria dreschen Reis.
Flagge von Indien

Stand: 20.06.2022