Weizenfeld im Norden der Mongolei

Hilfsmaßnahmen koordinieren Das Bündnis für globale Ernährungs­sicher­heit

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat die durch den Klimawandel und die Corona-Pandemie ohnehin angespannte Lage auf den globalen Agrarmärkten dramatisch verschärft. Rund 30 Prozent der weltweiten Weizenexporte und 20 Prozent der Maisexporte stammten bisher aus Russland und der Ukraine. Russland ist zudem ein wichtiger Exporteur von Dünger. Viele Länder aus Afrika und dem Nahen Osten sind von diesen Lieferungen abhängig. Doch die Ausfuhr stockt. Die Preise steigen. Steigende Energiekosten verschärfen die Situation. Es droht die schlimmste Hungersnot seit dem Zweiten Weltkrieg.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Treffens der G7-Entwicklungsminister*innen in Berlin bei einer Arbeitssitzung

Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze hat deshalb im Mai 2022 zusammen mit Weltbank-Präsident David Malpass im G7-Kreis ein Bündnis für globale Ernährungssicherheit gestartet, um die Welt gegen die drohende Hungerkrise zu wappnen. Ein Sekretariat bei der Weltbank unterstützt das Bündnis.

Das neue Bündnis soll dafür sorgen, dass die Hilfe dort ankommt, wo sie am dringendsten benötigt wird. Dazu unterstützt es die Globale Krisenreaktionsgruppe für Ernährung, Energie und Finanzen (Externer Link) der Vereinten Nationen und koordiniert Hilfsmaßnahmen im Bereich der Ernährungssicherung.

Neben der direkten Reaktion auf die aktuelle Krise bleibt die langfristige Umgestaltung der globalen Agrar- und Ernährungssysteme hin zu mehr Resilienz (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) und Nachhaltigkeit ein Kernanliegen.

Durch nachhaltige Agrar- und Ernährungssystem sollen die Länder mittel- und langfristig widerstandsfähiger gegen künftige Krisen werden. Lokale Produktion und regionaler Handel sollen gestärkt, einseitige Abhängigkeiten und Protektionismus vermieden werden, um weder von Naturkatastrophen wie Dürren und Starkregen noch vom Wegfall einzelner Importländer unverhältnismäßig getroffen zu werden.


Cover: Berlin Ministerial Conference "Uniting for Global Food Security" | Conclusions by the Chairs

Berlin Ministerial Conference „Uniting for Global Food Security“ on 24 June 2022

Conclusions by the Chairs

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 06/2022 | Dateigröße 659 KB, Seiten 3 Seiten
Titelblatt: Deutsche G7-Präsidentschaft 2022: Ergebnisse des Treffens der Entwicklungsminister*innen vom 18. bis 19. Mai 2022 in Berlin

Deutsche G7-Präsidentschaft: Ergebnisse des Treffens der Ent­wick­lungs­mi­nis­ter*in­nen vom 18. bis 19. Mai 2022 in Berlin

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 06/2022 | Dateigröße 616 KB, Seiten 4 Seiten
Titelblatt: Gemeinsam für globale Ernährungssicherheit

Gemeinsam für globale Ernährungssicherheit

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 05/2022 | Dateigröße 706 KB
cover chairs summary food security

Chair’s Summary – „Response to Multiple Crises on the African Continent – focusing on Food Security“

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 05/2022 | Dateigröße 126 KB, Seiten 5 Seiten
Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze besucht das Lagerhaus für Lebensmittel des UN-Welternährungsprogramms (WFP) in Beirut, Libanon.
Wir müssen neben kurzfristiger Hilfe den globalen Süden gemeinsam mit den betroffenen Ländern dringend unabhängiger machen von Weizenimporten, aber auch von Einfuhren anderer Agrarprodukte wie Mais, Öl und Düngemitteln. Die Länder müssen ihre Nahrungsmittel verstärkt selbst produzieren und lagern können, um widerstandsfähiger gegen Krisen zu werden.
Svenja Schulze Bundesentwicklungsministerin

Schwerpunkte der Arbeit des Bündnisses

  • Beratungsangebote und Informationsaustausch zu den aktuellen Entwicklungen auf dem Weltmarkt für Getreide, Saatgut, Düngemittel und andere Agrarprodukte
  • Koordinierung von Finanzierungen und Unterstützung
  • Wissenschaftliche Vorausschau zur Abschätzung der weiteren Entwicklung der Krise

Neben der Globalen Krisenreaktionsgruppe der Vereinten Nationen, der Weltbank, den G7-Staaten und der EU-Kommission gehören weitere gleichgesinnte Regierungen, die Afrikanische Union, das UN-Welternährungsprogramm (WFP), die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) und der Internationale Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD) zu den Unterstützern.

Das Bündnis ist auch für die Privatwirtschaft und zivilgesellschaftliche (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) Organisationen offen.

30 %

Anstieg der Preise für Weizen und Mais seit Anfang 2022

Mehr als

800 Millionen

Menschen hatten 2020 nicht genug zu essen



345 Millionen

Menschen sind aktuell von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen

Um

200 Millionen

ist die Zahl der Menschen, die von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen sind, in den letzten zwei Jahren angestiegen

1 US-Dollar

Investition in Widerstandsfähigkeit von Gesellschaften reduziert künftige humanitäre Hilfe um 4 US-Dollar

60 %

der Menschen, die Hunger leiden, leben in Konfliktregionen

Deutsches Engagement Zusätzliche Mittel zur Bewältigung der Ernährungskrise

Cover Sachstand Umsetzung der Sondermittel für globale Ernährungssicherheit

Sachstand: Umsetzung der Sondermittel für globale Ernährungssicherheit

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 07/2022 | Dateigröße 206 KB, Seiten 6 Seiten | Zugänglichkeit barrierefrei

Deutschland engagiert sich gegen Hunger und Mangelernährung. Die Bundesrepublik ist der zweitgrößte Geber von humanitärer Hilfe und für das Welternährungsprogramm.

Das Bundesentwicklungsministerium hat in den vergangenen Jahren jährlich rund zwei Milliarden Euro in Ernährungssicherung und ländliche Entwicklung investiert.

Deutschland hat frühzeitig die Initiative ergriffen und bereits zu Beginn des Jahres zusätzliche 430 Millionen Euro zur Bekämpfung der weltweiten Ernährungskrise zugesagt, um die am stärksten betroffenen Länder rechtzeitig und wirksam zu unterstützen.

Unter der deutschen Präsidentschaft haben die G7 auf ihrem Gipfel Ende Juni 2022 weitere umfangreiche Finanzhilfen angekündigt: Gemeinsam werden sie zusätzliche 4,5 Milliarden Dollar bereitstellen, um unter anderem die Allianz für globale Ernährungssicherheit zu unterstützen, wobei Deutschland insgesamt 880 Millionen Euro an zusätzlichen Mitteln beisteuert.

Das BMZ setzt diese zusätzlichen Mittel ein für:

Blick auf einen Wassergraben im Flüchtlingslagers Kutupalong, Cox Bazar in Bangladesch

Strukturbildende Übergangshilfe Interner Link

Um die Widerstandsfähigkeit von Menschen zu stärken, die von Krisen betroffen oder bedroht sind, stellt Deutschland zusätzliche 588 Millionen Euro für strukturbildende Übergangshilfe zur Verfügung. Das Geld wird zum Beispiel für den Aufbau sozialer Sicherungssysteme, für Ernährungssicherung und für Basisdienstleistungen im Gesundheits- und Bildungsbereich eingesetzt.

Eine Frau in Togo erntet Salat. Sie trägt ein Kleinkind auf dem Rücken.

Sonderinitiative EINEWELT ohne Hunger Interner Link

Für Maßnahmen dieser Sonderinitiative stehen über das bisherige Budget hinaus zusätzlich 250 Millionen Euro zur Verfügung. Ziel ist, die landwirtschaftliche Produktion zu sichern, den Agrarhandel aufrechtzuerhalten und die Armuts- und Hungerrisiken zu reduzieren. Die Maßnahmen konzentrieren sich vor allem auf Afrika, den Nahen Osten und Länder, die von den aktuellen Preissteigerungen für Nahrungsmittel besonders betroffen sind.

Lagerhaus für Lebensmittel des UN-Welternährungsprogramms (WFP) in Beirut, Libanon: Logo des WFP auf dem Rücken einer Mitarbeiterin oder eines Mitarbeiters

UN-Welt­ernäh­rungs­pro­gramm Interner Link

Deutschland erhöht als Reaktion auf die aktuell drohende Hungerkrise den deutschen Grundbeitrag zum Welternährungsprogramm (WFP) um 42 Millionen Euro. Mit diesen zusätzlichen Mitteln kann das WFP laufende Aktivitäten zur Ernährungssicherung und Basisversorgung in Krisenländern fortsetzen.

Weitere Arbeitsbereiche des deutschen Engagements für globale Ernährungssicherheit

Eine Frau zeigt das Ergebnis nach dem Stampfen von Hirse auf einer kleinen Bauernfarm in Ishiara, Kenia.
Züchtung von Weizen im Gewächshaus des Agrarforschungsinstitutes CIMMYT in Texcoco, Mexiko
Eine Bäuerin in Malawi vor einer Solaranlage, die den Strom für die Pumpe eines Tröpfchenbewässerungssystems liefert
Gemüse auf dem Kandal-Markt in Phnom Penh, Kambodscha
Junge Maispflanze in einem Forschungslabor
Drei Fischer mit Fischernetz in Bangladesch