Symbolbild: Brücke in Hanoi, Vietnam

Dreieckskooperation Neue Wege der Zusammenarbeit gehen

Globale Herausforderungen erfordern gemeinsame An­stren­gungen. Die Agenda 2030 für nach­haltige Ent­wick­lung fordert deshalb mehr inter­nationale Partner­schaften und widmet ihnen mit SDG 17 ein eigenes Ent­wick­lungs­ziel. Dreieckskooperationen leisten einen Beitrag zur Um­set­zung dieses Ziels.

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Cover Dreieckskooperation

Drei­ecks­kooper­ation in der deut­schen Ent­wick­lungs­zusam­men­arbeit

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 01/2022 | Dateigröße 790 KB, Seiten 20 Seiten

Eine Dreieckskooperation ist ein gemeinsam geplantes, finanziertes und durchgeführtes Entwicklungsprojekt von drei Partnern:

  1. einem begünstigten Entwicklungsland (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen), das Unter­stützung bei der Bewältigung einer konkreten Ent­wick­lungs­her­aus­forde­rung an­gefragt hat
  2. einem Hauptpartner, der im eigenen Land Er­fah­rungen bei der Be­wäl­ti­gung einer solchen Her­aus­for­de­rung ge­sammelt hat und seine finanziellen Res­sour­cen und sein Wissen teilt,
  3. einem unterstützenden Partner, der dabei helfen kann, die anderen Partner zu verbinden, sowie diese Partner­schaft finanziell und/oder mit fachlicher Expertise unterstützt.

So definiert es auch die Globale Part­ner­schafts­initia­tive für effektive Drei­ecks­koope­ration (Externer Link) (Global Partnership Initiative on Effective Triangular Co-operation, GPI). Haupt- und unter­stützen­der Partner können sowohl Industrie- als auch Ent­wickl­ungs­länder sein.


"Win-win-win"-Situation

Die Rollen in einer Drei­ecks­koopera­tion sind nicht starr festgelegt, jeder der beteiligten Partner kann sowohl Begünstigter als auch Wissens­träger oder Unter­stützer sein.

Im Verlauf der Zu­sammen­arbeit entwickeln die drei Partner ihre Rollen dyna­misch weiter. Damit schaffen sie einen Mehr­wert gegenüber der bilateralen Zusammenarbeit (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen): Alle lernen, alle bringen ihre Erfahrungen und Kennt­nisse ein und alle übernehmen Verant­wor­tung. So entsteht im Ideal­fall eine "Win-win-win"-Situ­ation.

Zum Beispiel beim Schutz von Korallen­riffen: In einer Dreiecks­ko­ope­ration mit Costa Rica und Deutschland hat die Domi­ni­kanische Republik von der Erfahrung Costa Ricas im Bereich von Finan­zierungs­mechanis­men für den Küsten­schutz profitiert. Umgekehrt stießen die domini­kani­schen Ansätze zur aktiven Nachzucht von Korallen und späteren Aus­bringung am Meeres­boden auf großes Interesse in Costa Rica und Deutschland.

In einer weiteren Dreiecks­koope­ration hat Honduras das Thema gemeinsam mit Costa Rica und der Domi­ni­ka­nischen Republik auf­gegriffen.

Dreiecks­ko­opera­tio­nen entfalten nachweislich Wirkung auf Projektebene, aber vor allem auch auf Ebene der Part­ner­schaften. Die gemeinsame Durchführung von Projekten bietet ein ideales Lernfeld für viele praktische Fragen zur Koordination der Ent­wicklungs­zusammen­arbeit.

Mögliche Partner

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Stadtansicht von Sao Paulo

Mögliche Partner in einer Drei­ecks­koope­ra­tion können neben den verant­wort­lichen Agenturen der beteilig­ten Länder auch Fach­ministerien und -organi­sationen, lokale und regionale Verwal­tungen, privat­wirtschaft­liche, zivil­gesell­schaft­liche (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) und wissen­schaft­liche Organi­sationen, multilaterale und Regional­organisationen und private wohltätige Organi­sationen, wie zum Beispiel Stiftungen, sein.

Insgesamt ergibt sich daraus eine größere Zahl von po­ten­zi­ellen Akteuren, und auch die Zahl der Länder muss sich nicht auf drei beschränken.

Der deutsche Ansatz

Das BMZ stärkt gemeinschaftliches Handeln von Gebern. Dazu gehören auch Dreiecks­koope­ratio­nen, mit denen die deutsche Ent­wick­lungs­zusam­men­arbeit

  • zum Aufbau von weltweiten strategischen Partnerschaften für nachhaltige Entwicklung und
  • zur Verbesserung der Wirksamkeit entwicklungspolitischer Maßnahmen in den Empfängerländern

beiträgt.

Deutschland versteht sich dabei auch als lernender Partner und möchte diese Rolle künftig noch weiter ausbauen. Durch das Engagement in Dreiecks­koopera­tio­nen kann Deutschland poli­tisch-strate­gische Glaub­würdig­keit und Legiti­mation gewinnen und dazu beitragen, Ent­wick­lung partizipativer (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen), nachhaltiger (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) und wirksamer zu gestalten.

International beteiligt sich Deutschland an verschie­denen multilateralen Foren zur Drei­ecks­koope­ration, insbesondere bei den Verein­ten Nationen, der Organisation für wirt­schaft­liche Zusammen­arbeit und Entwicklung (OECD), der Globalen Part­nerschafts­initiative für effektive Dreiecks­kooperation (GPI) sowie dem Ibero­amerikani­schen Pro­gramm zur Stärkung der Süd-Süd-Ko­ope­ra­tion (PIFCSS) des Ibero­amerika­ni­schen General­sekre­tariats (SEGIB).
 

Aus der Praxis

Deutschland ist einer der größten bilateralen Geber im Bereich der Drei­ecks­ko­opera­tio­nen. Durch die inzwischen mehr als 150 Projekte mit deutscher Beteili­gung sind viele ent­wick­lungs­politi­sche Prozesse angestoßen und sichtbare Wirkungen erzielt worden.

Trainingskurs für Cashew-Verarbeitung durch brasilianische Expertinnen und Experten in Ghana

Ghana | Brasilien | Deutschland Effizien­tere Cashew-Pro­duk­tion in Ghana

In Ghana wurden im Rahmen einer Dreiecks­ko­ope­ration mit Brasilien und Deutsch­land ertrag­reichere und qua­li­ta­tiv bessere Cashew-Sor­ten sowie effizientere Cashew-Ver­arbeitungs­metho­den eingeführt.

Dadurch konnte das Einkommen von ghanai­schen Bäuerinnen und Bauern gesteigert und ihre Ernäh­rungs­siche­rheit erhöht werden. Durch das Pflanzen von Bäumen trug das Projekt außer­dem zum Klima­schutz bei, und es ent­standen zusätzliche Arbeits­möglich­keiten.

Symbolbild: Messgeräte in einem Holzkasten

Mosambik | Brasilien | Deutschland Bessere Quali­täts­infra­struk­tur in Mosambik

Um die Qualitäts­infra­struktur in Mosambik zu verbessern, wurde das mosam­bika­ni­sche Nationale Institut für Nor­mung und Quali­tät (INNOQ) im Rahmen einer Drei­ecks­ko­opera­tion mit Brasilien und Deutschland unter­stützt. Der Schwer­punkt der Zu­sam­men­arbeit lag auf der Aus­bil­dung und Beratung des Instituts durch Fach­leute des na­ti­o­nalen Staats­insti­tuts für Mess­wesen in Brasilien (INMETRO).

Die Maß­nah­men wurden von der bra­silia­ni­schen Ent­wick­lungs­agentur Agência Brasileira de Cooperação (ABC) und dem BMZ finan­ziert.

Näherin in der Textilfabrik der Firma Desta Garment in Addis Abeba, die für eine deutsche Handelskette produziert, Äthiopien, 2.12.2019

Äthiopien | Deutschland | China Höhere Standards für die Textilindustrie Äthiopiens

In Äthiopien kamen 2019 rund 60 Prozent der neuen aus­län­di­schen Direkt­investitionen aus China, ein großer Teil floss in die Textil­industrie. Im Rahmen einer Drei­ecks­ko­ope­ration von Äthiopien, Deutsch­land und China sollen die Umwelt-, Sozial- und Arbeits­standards des äthio­pi­schen Textil­sektors verbessert werden. Dies geschieht durch Kapazitäts­ent­wick­lung und Bewusst­seins­bildung bei chinesischen Investoren und Fabrik­managern sowie ihren lokalen Geschäfts­partnern.

Neben den äthio­pi­schen und chine­sischen Textil­industrie­verbän­den ist auch die Organi­sation der Ver­ein­ten Natio­nen für indus­trielle Ent­wick­lung (UNIDO) Partner des Projekts. Von den Erfahrungen aus der Dreiecks­koopera­tion sollen auch andere Länder Afrikas und Asiens profi­tieren.

Zentraler Großmarkt in Mexiko-Stadt

Mexiko | Guatemala | Honduras | Deutschland Besserer Zu­gang zum mexi­ka­ni­schen Markt für zen­tral­ame­ri­ka­ni­sche Zu­lieferer

Mexiko, Guatemala, Honduras und Deutschland haben von 2015 bis 2019 kleine und mittel­stän­dische zentral­ame­ri­ka­nische Zu­lieferer von mexi­kani­schen Lebens­mittel­läden gefördert. Über die Platt­form ANTAD.biz (Externer Link) des mexi­kani­schen Einzel­handels­verbands bekamen mehr als 500 Partner­unter­neh­men einen besseren Zugang zum mexi­kani­schen Markt.

Die Unter­neh­men haben sich zur Ein­haltung öko­logi­scher Standards verpflichtet und ihre Position inner­halb der Wert­schöp­fungs­kette aus­gebaut. Die Platt­form er­mög­licht zudem Erfah­rungs­aus­tausch, gegen­seitiges Lernen und die Ent­wick­lung gemein­sa­mer Lösun­gen zur Ver­besse­rung der Wett­bewerbs­fähig­keit des Einzel­han­dels. Ein neues auf wirt­schaft­liche, öko­logi­sche und soziale Nach­haltig­keit gerichtetes Geschäfts­modell entsteht.