Zweige eines Olivenbaums mit Früchten
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Palästinensische Gebiete
Aktualisiert am 13. August 2025 Aktuelle Informationen zum BMZ-Engagement
Die durch die Terrorangriffe der Hamas ausgelöste neuerliche Eskalation des Nahostkonflikts und die darauf folgende israelische Militäroperation im Gazastreifen haben dazu geführt, dass sich die Lebensbedingungen in allen Teilen der Palästinensischen Gebiete drastisch verschlechtert haben.
Die Bundesregierung setzt sich unermüdlich für ein Ende des Krieges, die Verbesserung der katastrophalen humanitären Lage im Gazastreifen und die Freilassung der Geiseln ein. Darüber hinaus hat Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan angekündigt, dass Deutschland einen Beitrag zum Wiederaufbau des Gazastreifens leisten wird, sobald die Bedingungen vor Ort dies zulassen. Diese Aufgabe ist gewaltig und wird sich über Jahrzehnte erstrecken. Sie kann nur bewältigt werden, wenn die Last fair auf den Schultern internationaler und regionaler Partnerländer und Organisationen verteilt wird. Klar ist: Ein Wiederaufbau des Gazastreifens kann nur gelingen, wenn er eingebettet ist in einen politischen Prozess, der zu einer verhandelten Zweistaatenlösung führt. Und: die Hamas darf in Gaza keine Rolle mehr spielen. Aus Gaza darf keine Bedrohung für Israel mehr ausgehen.
Im Schatten des Krieges in Gaza spitzt sich auch die Lage im Westjordanland und Ost-Jerusalem zu. Wirtschaftliches Leben wird durch regelmäßige Straßensperren und Blockaden israelischer Sicherheitskräfte erschwert und Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Immer häufiger kommt es zu Angriffen und Überfällen gewalttätiger israelischer Siedler auf palästinensische Dörfer. Dabei werden Palästinenser und Palästinenserinnen verletzt, getötet oder ihre Lebensgrundlage zerstört. Im Zusammenspiel mit rasant zunehmendem illegalem Siedlungsbau werden immer mehr Palästinenser und Palästinenserinnen ihres Zuhauses beraubt.
Diese Geschehnisse sind eine Herausforderung für die nachhaltige Entwicklung der Palästinensischen Gebiete. Und: Sie entziehen der Zweistaatenlösung ihre Grundlage und untergraben somit eine Lösung des Nahostkonfliktes, in der Israelis und Palästinenser und Palästinenserinnen friedlich Seite an Seite leben können.
Unmittelbar nach dem terroristischen Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) das Engagement in den Palästinensischen Gebieten auf den Prüfstand gestellt.
Nach Überprüfung der Kontrollmechanismen wurde keine Zweckentfremdung der Mittel festgestellt und die Entwicklungszusammenarbeit wurde fortgesetzt.
Auf der Suche nach einer Friedensperspektive
Seit mehr als sieben Jahrzehnten prägt der ungelöste Konflikt das Leben in der Region. Mit dem ersten Oslo-Abkommen von 1993 zwischen Israel und der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) wurde die Grundlage für eine palästinensische Selbstverwaltung im Westjordanland und im Gazastreifen geschaffen. Im Jahr 1994 folgte die Gründung der Palästinensische Behörde.
Trotz internationaler Vermittlungsanstrengungen führten die Friedensgespräche zwischen Israel und der Palästinensischen Behörde bisher nicht zum Erfolg. Im Zuge des Oslo-Prozesses hatten die beiden Konfliktparteien „Endstatus-Themen“ wie Grenzverlauf, den Status Jerusalems, die Verteilung der Wasserressourcen und das Rückkehrrecht der Flüchtlinge definiert. Eine Einigung über diese Themen steht weiter aus.
Völkerrechtswidriger Siedlungsbau gefährdet zunehmend die territoriale Grundlage eines künftigen palästinensischen Staates. Auch die innerpalästinensische Spaltung, Gewaltakte sowie ein Mangel an Vertrauen auf beiden Seiten tragen zu einer sich weiter verschlechternden Ausgangslage zwischen den Gesprächspartnern bei.
Die Bundesregierung setzt sich nachdrücklich für die Wiederaufnahme von Verhandlungen zwischen beiden Seiten ein. Ein nachhaltiger Frieden kann aus Sicht der Bundesregierung nur erreicht werden, wenn der Staat Israel und ein souveräner, demokratischer und lebensfähiger palästinensischer Staat Seite an Seite in Frieden und Sicherheit leben.
Bisheriges Engagement Deutsch-palästinensische Entwicklungszusammenarbeit
Die Entwicklungszusammenarbeit will als Teil des deutschen Engagements zu einer Friedenslösung im Nahen Osten beitragen. Ziel des BMZ ist es zum einen, bessere Lebensbedingungen und umfassende Entwicklungsperspektiven für die Menschen vor Ort zu schaffen. Zum anderen soll durch die Entwicklungszusammenarbeit ein aktiver Beitrag zum Aufbau eines zukünftigen palästinensischen Staates mit leistungsfähigen Institutionen im Sinne einer Zweistaatenlösung geleistet werden.
Deutschland betrachtet sein Engagement für Stabilität und Perspektiven in den Palästinensischen Gebieten auch als Ausdruck seiner besonderen historischen Verantwortung für die Sicherheit Israels.
Kernthemen der Zusammenarbeit
Mit großer Verlässlichkeit unterstützt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit die Palästinensischen Gebiete seit Anfang der 1980er Jahre unter schwierigen, sich oft verändernden Rahmenbedingungen. Dabei kommen nahezu alle Instrumente der Entwicklungszusammenarbeit zum Einsatz – vom Wiederaufbau kriegszerstörten Wohnraums über den Bau großer Kläranlagen bis hin zum Aufbau eines Berufsbildungssystems und zur Förderung dialogorientierter Zivilgesellschaft (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) und lokaler Verwaltungsstrukturen.
Die Zusammenarbeit konzentriert sich auf folgende Kernthemen:
- Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Ausbildung und Beschäftigungsförderung
- Frieden und gesellschaftlicher Zusammenhalt mit einem Fokus auf der Stärkung kommunaler Strukturen und der Förderung der Zivilgesellschaft (gute Regierungsführung)
- Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen mit einem Fokus auf Wasser/ Abwassermanagement
Darüber hinaus unterstützt das BMZ Entwicklungsprojekte von Kirchen, Kommunen, Nichtregierungsorganisationen (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) und politischen Stiftungen.
Blutuntersuchung durch Mitarbeiterinnen der nationalen Blutbank in Ramallah, mit der die Physikalisch-Technische Bundesanstalt im Rahmen eines Vorhabens zur Unterstützung der nationalen Qualitätsinfrastruktur kooperiert.
Regierungsverhandlungen
Das BMZ arbeitet in den Palästinensischen Gebieten projektbezogen. Die Durchführung von Vorhaben erfolgt über deutsche, staatliche Durchführungsorganisationen (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) sowie Nichtregierungsorganisationen. Eine direkte Finanzierung der Palästinensischen Behörde findet nicht statt.
Deutschland hat bisher insgesamt mehr als 1,5 Milliarden Euro für bilaterale Entwicklungszusammenarbeit (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) zugesagt und ist damit einer der größten Geber in den Palästinensischen Gebieten. Zuletzt fanden im Mai 2023 deutsch-palästinensische Regierungsverhandlungen statt. Dabei hat das BMZ rund 125 Millionen Euro für Vorhaben der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit zugesagt. Diese Zusagen für Vorhaben mit mehrjähriger Laufzeit decken den Zeitraum von zwei Jahren – also die Jahre 2023 und 2024 – ab. Die nächsten Regierungsverhandlungen sind für Herbst 2025 geplant.
Hinzu kommen Vorhaben in Zusammenarbeit mit UN-Organisationen und Nichtregierungsorganisationen. Beispielsweise unterstützt Deutschland über das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) palästinensische Flüchtlinge in den Palästinensischen Gebieten, Jordanien, Libanon und Syrien.
- Informationen des Auswärtigen Amts über die Palästinensischen Gebiete Externer Link
- Informationen der KfW Entwicklungsbank zu ihrem Engagement in Nordafrika und Nahost Externer Link
- Informationen der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) über die Palästinensischen Gebiete Externer Link
Stand: 13.08.2025