Duale Studiengänge an der Al-Quds Universität in Ost-Jerusalem: Diplomverleihung und -feier der ersten Absolventinnen und Absolventen, die im Februar 2020 Ihr Studium in den Fächern Elektrotechnik und Informationstechnologie abgeschlossen haben

Schwerpunkt Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Ausbildung und Beschäftigungsförderung Perspektiven ermöglichen

Ausbildung und Qualifizierung sowie die Entwicklung eines leistungsfähigen privatwirtschaftlichen Sektors sind Grundvoraussetzung für Wirtschaftswachstum und die Schaffung von sozialen und wirtschaftlichen Perspektiven durch Arbeitsplätze. 

In den palästinensischen Gebieten sind rund 65 Prozent der Menschen unter 30 Jahre alt. Jedes Jahr treten mehr als 50.000 Absolventen neu in den Arbeitsmarkt ein. Die palästinensischen Gebiete sind stark von der israelischen Volkswirtschaft anhängig: 90 Prozent der verarbeiteten Güter stammen aus Israel und 180.000 Palästinenser aus dem Westjordanland erzielen durch Arbeit in Israel ihr Einkommen. Eine wichtige wirtschaftliche und gesellschaftliche Rolle spielen außerdem Palästinenserinnen und Palästinenser, die in anderen Staaten leben und regelmäßig Geld in ihre Heimatregion überweisen.

Ausbau der Berufsausbildung angestrebt

Die Bedeutung von Bildung und Ausbildung und des gleichberechtigten Bildungszugangs von Jungen und Mädchen wird gesellschaftlich sehr stark betont. Das Bildungsniveau ist im regionalen Vergleich überdurchschnittlich hoch. Die Palästinensische Behörde strebt an, dass neben den stark nachgefragten akademischen Abschlüssen auch die Berufsausbildung gesellschaftlich stärker akzeptiert und nachgefragt wird. Denn der palästinensische Privatsektor ist in erster Linie durch Familienbetriebe und Kleinfirmen mit geringer Mitarbeiterzahl gekennzeichnet, die qualifizierte Fachkräfte benötigen.

Neben der Ausbildung besteht in weiteren Bereichen Handlungsbedarf, etwa bei der Finanzierung, der Wettbewerbsfähigkeit und der Wertschöpfung. Diese Handlungsfelder müssen von der Politik gezielt adressiert werden, damit die Kleinbetriebe zu mehr Beschäftigung beitragen können.

Zudem fehlen palästinensische Produkte, die die Nachfrage auf dem eigenen Markt befriedigen können. Im Westjordanland dominieren israelische, im Gaza-Streifen ägyptische und türkische Produkte.

Deutsches Engagement

Das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) engagiert sich auf vielfältige Weise:

  • Unterstützung von Ausbildung und Qualifikation als Basis für jegliche künftige Beschäftigung und ein wirtschaftlich erfolgreiches Erwachsenenleben;
  • Förderung temporärer Beschäftigung durch den arbeitsintensiven Aufbau von Infrastruktur;
  • Aufbau eines Systems der Berufsbildung, das die Bedürfnisse privater Unternehmen bei der Berufsausbildung künftiger Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer berücksichtigt;
  • Einführung berufsbildender Ansätze in akademische Studiengänge;
  • Arbeitsvermittlung;
  • Stärkung der Fähigkeit zur Gründung eigener Betriebe; 
  • Stärkung aussichtsreicher Nischen privatwirtschaftlichen Handeln, zum Beispiel Tourismus, IT-Dienstleistungen und Verarbeitung von Nahrungsmitteln;
  • Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen durch den Aufbau einer Einlagensicherung und eines Kreditgarantiefonds, um beispielsweise Kreditvergaben zur Unternehmensgründung abzusichern;
  • Verbesserung der finanziellen Bildung der Bevölkerung und Unterstützung der Behörden bei Kreditvergaben.

Beispiel: Duale Studiengänge an der Al-Quds Universität

Duale Studiengänge an der Al-Quds Universität in Ost-Jerusalem: Gruppenfoto der ersten Absolventinnen und Absolventen vom Februar 2020

Duale Studiengänge an der Al-Quds Universität in Ost-Jerusalem: Gruppenfoto der ersten Absolventinnen und Absolventen im Februar 2020

Duale Studiengänge an der Al-Quds Universität in Ost-Jerusalem: Gruppenfoto der ersten Absolventinnen und Absolventen im Februar 2020

Ein Leuchtturmvorhaben der deutsch-palästinensischen Zusammenarbeit ist die Einrichtung dualer Studiengänge an der Al-Quds Universität in Ost-Jerusalem in den Fächern Elektrotechnik, Informationstechnologie, Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsingenieurwesen. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit begleitet den Aufbau der dualen Studiengänge durch Beratung und Ausstattung der Fakultät und die Entwicklung eines Lehrkonzepts. Außerdem wird die Zusammenarbeit der Universität mit 220 Ausbildungsbetrieben unterstützt. Im Februar 2020 haben die ersten 29 Absolventen der Studiengänge Elektrotechnik und Informationstechnologie ihre Diplome erhalten. Einige hatten schon vorher ihre Arbeitsverträge unterschrieben.