Arbeiter auf der Baustelle des Azadi-Krankenhauses in Dohuk, April  2018

Irak Deutschland unterstützt Wiederaufbau und Reformen

Aufgrund seines Ent­wick­lungs­standes und seiner großen Öl- und Gas­vorkommen ist der Irak kein klassisches Ent­wick­lungs­land. Das Bundes­ministerium für wirt­schaft­liche Zusammen­arbeit und Ent­wick­lung (BMZ) arbeitet jedoch seit 2014 mit dem krisen­geschüttelten Land zusammen, um es politisch, sozial und wirt­schaft­lich zu stabilisieren und Grund­lagen für ein fried­liches Zusammen­leben zu schaffen.

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Wiederaufbau am zerstörten Al Shifaa Hospital in Mosul

Die aktuelle politische Situation im Irak ist weiterhin instabil, wirt­schaft­lich steckt das Land tief in der Krise. Mehr als sechs Millionen Menschen waren 2014 durch die Terror­orga­ni­sa­tion "Islamischer Staat" (IS) beziehungs­weise als Folge der Kämpfe zwischen IS und irakischen Regierungs­truppen vertrieben worden. Die meisten sind zwar wieder in ihre Heimat­orte zurück­gekehrt, jedoch gibt es immer noch 1,2 Millionen Binnen­vertriebene im Irak. Mehr als vier Millionen Menschen sind auf huma­ni­täre Hilfe an­ge­wiesen. Zusätz­lich belastet wird der Irak durch die Covid-19-Pandemie. In der Region gilt das Land nach Iran als am schwersten betroffen.

Der Irak zählt zu den sogenannten Nexus- und Friedens­partnern der deutschen Ent­wick­lungs­zusammen­arbeit. Das deutsche Engage­ment konzentrierte sich zunächst auf die Unter­stützung von syrischen Flücht­lingen, irakischen Binnen­ver­trie­be­nen und Gemeinden im Nord- und Zentral­irak, die besonders viele Vertriebene und Flücht­linge aufgenommen hatten. Nach Zurück­drängung des IS sind mittler­weile der Wieder­aufbau des Landes und die Förderung lang­fristiger Reform­prozesse stärker in den Mittel­punkt der Zusammen­arbeit gerückt.


Deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit mit dem Irak

Titelblatt: Die Übergangshilfe des BMZ im Irak

Die strukturbildende Übergangshilfe im Irak

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 12/2019 | Dateigröße 469 KB, Seiten 3 Seiten

Deutschland hat auf die Flücht­lings­krise im Irak schnell und bedarfs­orientiert reagiert und dem Land seit 2014 mehr als zwei Milliarden Euro zur Ver­fügung gestellt. Damit ist Deutsch­land zweit­größter inter­na­tio­naler Geber nach den USA.

Rund 1,7 Milliarden Euro der Mittel stammen aus dem Haus­halt des Bundes­entwick­lungs­ministe­riums. 2020 stellte das BMZ fast 325 Millionen Euro für die Ent­wick­lungs­zusammen­arbeit mit dem Irak bereit und auch 2021 sind Neu­zusagen von mehr als 300 Millionen Euro geplant.

screenshot video infrastruktur aufbauen
Video: Infrastruktur für den Frieden aufbauen 

Ziele des deutschen Engagements

Siehe auch
Minister Müller besucht ein Cash-for-Work-Projekt in der Region Kurdistan-Irak.

Anhaltende Stabilität und eine erfolg­reiche Rück­kehr aller Binnen­vertriebenen können nur durch eine transparente Regie­rungs­führung und ein fried­liches Zusammen­leben der unter­schied­lichen Be­völ­ke­rungs­gruppen erreicht werden. Um lang­fristig Einkommens­perspek­tiven und Beschäfti­gung zu schaffen, muss die Wirt­schaft ihre starke Ab­hängig­keit vom Erdöl deutlich verringern und der Staat andere Einnahme­quellen erschließen.

Die deutsch-irakische Zusammen­arbeit kon­zen­triert sich daher auf die Unter­stützung bei der Krisen­bewältigung und -prävention, auf die Förderung guter Regie­rungs­führung und die Hilfe bei der Entwicklung des Privat­sektors. Derzeit finanziert das BMZ im Irak 58 Einzel­maßnahmen.

Das deutsche Engagement im Überblick

BMZ-Programm "Perspektive Heimat"

Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter des deutsch-gha­nai­schen Be­ra­tungs­zen­trum für Mi­gran­ten und Rück­keh­rer in Ac­cra, Gha­na. Das Be­ra­tungs­zen­trum wur­de im De­zem­ber 2017 er­öff­net und hat seit­dem mehr als 7.000 Maß­nah­men zur Job­ver­mitt­lung, Exis­tenz­grün­dung und Qua­li­fi­zie­rung ge­för­dert.

Im Rahmen des BMZ-Pro­gramms "Pers­pek­tive Heimat" wurden Zentren für Jobs, Migration und Re­inte­gra­tion in Erbil und Bagdad eingerichtet. Diese dienen Rück­kehre­rinnen und Rück­kehrern als erste Anlauf­stellen, stehen aber auch der lokalen Bevölkerung offen. Die Zentren informieren über Angebote zur gesell­schaft­lichen Wieder­eingliede­rung und unter­stützen bei der Arbeits­platz­suche oder Unter­nehmens­gründung. Auch über Möglich­keiten der psycho­sozialen Unter­stützung wird informiert. Seit Beginn der Covid-19-Krise werden digitale Trainings und Online-Beratungs­gespräche angeboten.

Weitere Informationen zu den Angeboten des Programms in Deutschland und im Irak finden Sie auf der Online-Plattform "Startfinder" (Externer Link)

Erfahrungsberichte

Titelbild: BMZ-Programm "Perspektive Heimat": Eine neue Perspektive mit Überbrückungsjob durch die Coronazeit – Zhyan F. aus Irak

Eine neue Perspektive mit Überbrückungsjob durch die Coronazeit – Zhyan F. aus Irak

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 02/2021 | Dateigröße 169 KB, Seiten 1 Seite
Titelbild: BMZ-Programm "Perspektive Heimat": Perspektive nach der Rückkehr mit Existenzgründung als Landwirt*in – Sarwar K. und Salwa M. aus Irak

Perspektive nach der Rückkehr mit Existenzgründung als Landwirt*in – Sarwar K. und Salwa M. aus Irak

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 01/2021 | Dateigröße 169 KB, Seiten 1 Seite
titelbild irak zahra

Gründerin eines Telefonreparaturgeschäfts – Zahra J. aus Irak

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 01/2021 | Dateigröße 430 KB, Seiten 1 Seite

Reaktion auf Corona-Krise

Die Corona-Pandemie hat die Lage im Irak weiter ver­schlimmert. Zu Beginn der Pandemie standen für die rund 40 Millionen Ein­woh­nerinnen und Einwohner nur 45.000 Kranken­haus­betten und rund 850 Intensiv­behand­lungs­betten in öffent­lichen Kranken­häusern zur Verfügung. Mit Unter­stützung der inter­nationalen Gemein­schaft investierte die irakische Regierung massiv in die Gesund­heits­versorgung. Eine kurz­fristige Über­forderung des Gesund­heits­systems ist dadurch un­wahr­schein­licher geworden.

Den wirt­schaft­lichen und sozialen Folgen der Krise kann die Regierung aller­dings nur wenig ent­gegen­setzen. Aufgrund des Ölpreis­verfalls und der daraus folgenden angespannten Haus­halts­lage ist ihr finan­zieller Spiel­raum für wirt­schaft­liche Impulse begrenzt.

Deutsche Unterstützung

Logo der Weltgesundheitsorganisation (WHO)

In Reaktion auf die Gesundheits- und Ein­kommens­krise hat das BMZ laufende Vorhaben angepasst und neue gestartet. Dafür wurden mehr als 61 Millionen Euro bereit­gestellt (Stand: März 2021). Um die Folgen für Flücht­linge und Binnen­vertriebene zu lindern, wurde unter anderem in die Gesund­heits­infra­struktur der Region Kurdistan-Irak investiert. Dort war auch die "Schnell Einsetz­bare Experten­gruppe Gesund­heit" (SEEG) im Einsatz, um die Diagnostik­möglich­keiten für das Corona-Virus zu verbessern.

In den Städten Bagdad, Sulaimania, Mossul und Basra werden mit deutscher Unter­stützung Behelfs­kliniken mit Intensiv­stationen gebaut. Die intensiv­medi­zi­ni­schen Behand­lungs­möglich­keiten im Irak werden durch diese Investition signifikant erhöht. Im Rahmen von zwei GIZ (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)-Vorhaben erhielten besonders bedürftige Haus­halte Bar­geld­transfers beziehungs­weise temporäre Unter­stützungs­gelder. Auch Neu­zusagen für das UN-Entwick­lungs­programm (UNDP (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) und die Inter­na­tio­nale Orga­ni­sa­tion für Migration (IOM) werden in Teilen für Beschäf­ti­gungs­pro­gramme genutzt, um die wirt­schaft­lichen Folgen der Pandemie ab­zu­federn.