Arbeiterinnen und Arbeiter in einer Textilfabrik in Bangladesch, in der besonders auf die Einhaltung der gesetzlichen Sozial- und Umweltstandards geachtet wird

Umwelt- und Sozialstandards in der Textilproduktion verbessern

Welt­weit ar­bei­ten mehr als 60 Mil­lio­nen Men­schen in der Tex­til- und Be­klei­dungs­bran­che, die meis­ten von ih­nen in Ent­wick­lungs- und Schwel­len­län­dern. Der Wirt­schafts­zweig ist in­ter­na­tio­nal stark ver­floch­ten, die Lie­fer­ket­ten sind kom­plex.

Der Bei­trag zum Wirt­schafts­wachs­tum und zur Ent­wick­lung ist groß. Je­doch ent­spre­chen in man­chen Län­dern die Pro­duk­ti­ons- und Ar­beits­be­din­gun­gen noch nicht in­ter­na­tio­nal de­fi­nier­ten Um­welt- und So­zi­al­stan­dards.

In vie­len Pro­duk­ti­ons­län­dern gibt es noch im­mer 16-Stun­den-Ar­beits­ta­ge, Löh­ne, die kaum zum Le­ben rei­chen, Kün­di­gung bei Schwan­ger­schaft oder Krank­heit und Ver­schmut­zung von Luft und Was­ser.

Die Si­cher­heits­maß­nah­men in den Tex­til­fa­bri­ken sind oft un­ge­nü­gend, was mit dem Ein­sturz der ma­ro­den Ra­na-Pla­za-Tex­til­fa­brik in Ban­gla­desch 2013 mehr als deut­lich wur­de. Da­mals star­ben über 1.000 Nä­he­rin­nen und Nä­her. Ei­ne sol­che Tra­gö­die darf sich nicht wie­der­ho­len.


Bundesentwicklungsminister Gerd Müller beim Besuch einer Textilfabrik Bangladesch, Dhaka, 25.2.2020
Ein paar Cent Stun­den­lohn, le­bens­ge­fähr­li­che Ar­beits­be­din­gun­gen, das ist nicht nach­hal­tig. Oder mit an­de­ren Wor­ten: das kann so nicht wei­ter­ge­hen.
Bun­des­ent­wick­lungs­mi­nis­ter Dr. Gerd Mül­ler

Deut­sches En­ga­ge­ment

Deutsch­lands Ent­wick­lungs­po­li­tik hat das Ziel, wirt­schaft­li­ches Wachs­tum zu för­dern und zu­gleich welt­weit men­schen­wür­di­ge Ar­beits- und Le­bens­be­din­gun­gen und den Schutz und die nach­hal­ti­ge Nut­zung der Um­welt durch­zu­set­zen.

Im Be­reich der Tex­til­wirt­schaft setzt sich die Bun­des­re­pu­blik auf ver­schie­de­nen Ebe­nen und mit un­ter­schied­li­chen Maß­nah­men für Um­welt- und So­zi­al­stan­dards ein:

Der Grüne Knopf – das Siegel für sozial und ökologisch produzierte Textilien

Der Grüne Knopf Interner Link

Da­mit Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­cher be­wusst nach­hal­ti­ge Klei­dung kau­fen kön­nen, gibt es jetzt den Grü­nen Knopf: das staat­li­che Tex­til­sie­gel. Der Grü­ne Knopf zeich­net Tex­ti­li­en wie Klei­dung, Bett­wä­sche oder Ruck­sä­cke aus, die nach be­son­ders an­spruchs­vol­len So­zi­al- und Um­welt­stan­dards her­ge­stellt wur­den. Er wur­de vom Bun­des­ent­wick­lungs­mi­nis­te­ri­um (BMZ) ins Le­ben ge­ru­fen.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (rechts) stellt gemeinsam mit (von links) Christiane Schnura, Koordinatorin der Kampagne für Saubere Kleidung (CCC), Antje von Dewitz, Geschäftsführerin der VAUDE Sport GmbH & Co. KG und Reiner Hoffmann, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), den Aktionsplan des Textilbündnisses vor.

Das Bündnis für nachhaltige Textilien Interner Link

Am 16. Ok­to­ber 2014 wur­de auf In­itia­ti­ve von Bun­des­ent­wick­lungs­mi­nis­ter Dr. Gerd Mül­ler der of­fi­zi­el­le Start­schuss für das Bünd­nis für nach­hal­ti­ge Tex­ti­li­en ge­ge­ben. Es soll da­zu bei­tra­gen, die so­zia­le, öko­lo­gi­sche und öko­no­mi­sche Nach­hal­tig­keit ent­lang der ge­sam­ten Tex­til-Lie­fer­ket­te kon­ti­nu­ier­lich zu stei­gern. Mit rund 140 Mit­glie­dern, da­von zwei Drit­tel Un­ter­neh­men, deckt das Tex­til­bünd­nis rund die Hälf­te des deut­schen Tex­til­ein­zel­han­dels ab.

Fabrikhalle in Bangladesch

In­ter­na­tio­na­le Or­ga­ni­sa­tio­nen un­ter­stüt­zen Interner Link

Deutsch­land setzt sich da­für ein, dass in­ter­na­tio­na­le Or­ga­ni­sa­tio­nen wie die Welt­bank, der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds (IWF) und das UN-Ent­wick­lungs­pro­gramm (UN­DP) im Dia­log mit den Ent­wick­lungs­län­dern Um­welt- und So­zi­al­stan­dards för­dern. Ins­be­son­de­re die In­ter­na­tio­na­le Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on (ILO) wird von Deutsch­land un­ter­stützt. Sie ist die fe­der­füh­ren­de In­sti­tu­ti­on zur welt­wei­ten Durch­set­zung der Kern­ar­beits­nor­men.

Schulung von Näherinnen und Nähern in Bangladesch

Dia­log mit den Part­ner­län­dern füh­ren Interner Link

Das BMZ för­dert die Ein­füh­rung und An­er­ken­nung von Um­welt- und So­zi­al­stan­dards in den Ko­ope­ra­ti­ons­län­dern der deut­schen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit. Im Be­reich der Tex­til­pro­duk­ti­on gibt es ent­spre­chen­de Pro­gram­me zum Bei­spiel in Ban­gla­desch, Pa­ki­stan und Kam­bo­dscha. Un­ter an­de­rem wer­den die Re­gie­run­gen die­ser Län­der bei der Aus­ge­stal­tung der Ar­beits- und Um­welt­ge­setz­ge­bung be­ra­ten.

Frauen pflücken Baumwolle.

Mit der Wirt­schaft ko­ope­rie­ren Interner Link

Wenn es um die Durch­set­zung von Um­welt- und So­zi­al­stan­dards geht, ist die Pri­vat­wirt­schaft ein wich­ti­ger Part­ner der Po­li­tik. Das BMZ ar­bei­tet dar­um in viel­fäl­ti­ger Wei­se mit ihr zu­sam­men. Im Rah­men von Ko­ope­ra­ti­on zwi­schen deut­scher Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit und pri­va­ten Un­ter­neh­men wer­den zum Bei­spiel die Pro­duk­ti­ons­un­ter­neh­men in Ent­wick­lungs­län­dern da­bei un­ter­stützt, die Zie­le des Tex­til­bünd­nis­ses um­zu­set­zen.

Näherinnen und Näher in einem Frauen-Café in Bangladesch

Zu­sam­men­ar­beit mit der Zi­vil­ge­sell­schaft Interner Link

Bei der Ein­füh­rung, Ein­hal­tung und Kon­trol­le von Um­welt- und So­zi­al­stan­dards in Ent­wick­lungs­län­dern spie­len Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen ei­ne wich­ti­ge Rol­le. Sie ver­fü­gen meist über gu­te Kon­tak­te zur Be­völ­ke­rung und ge­nie­ßen auf­grund ih­rer Un­ab­hän­gig­keit von staat­li­chen Stel­len ho­hes Ver­trau­en. Sie neh­men Kon­takt zum Bei­spiel zu den Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mern auf, or­ga­ni­sie­ren Fort­bil­dun­gen und Work­shops und set­zen sich in Be­trie­ben und bei öf­fent­li­chen Stel­len für die Be­lan­ge der Be­leg­schaft ein.

Kundin mit Einkaufstüten

Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­cher auf­klä­ren Interner Link

Durch ihr Kon­sum­ver­hal­ten tra­gen deut­sche Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­cher Mit­ver­ant­wor­tung für die Ar­beits­be­din­gun­gen in der Be­klei­dungs­in­dus­trie. Das hei­ßt aber auch: Sie kön­nen durch be­wuss­te Kauf­ent­schei­dun­gen da­für sor­gen, dass nach und nach im­mer mehr um­welt- und so­zi­al­ver­träg­lich her­ge­stell­te Pro­duk­te auf den Markt kom­men. Da­für braucht es Trans­pa­renz – die Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten müs­sen er­ken­nen kön­nen, un­ter wel­chen Be­din­gun­gen ih­re Klei­dungs­stü­cke her­ge­stellt wur­den.

Bunte Garnrollen
Wir ma­chen je­den Tag Über­stun­den. In Spit­zen­zei­ten ar­bei­ten wir bis 2 oder 3 Uhr mor­gens. Ob­wohl wir er­schöpft sind, ha­ben wir kei­ne an­de­re Wahl. Wir kön­nen die Über­stun­den nicht ab­leh­nen. Un­ser Grund­lohn ist ein­fach zu nied­rig.
Phan, 22-jäh­ri­ge Tex­til­ar­bei­te­rin in Thai­land

Hintergrund Ar­beits­be­din­gun­gen in der glo­ba­li­sier­ten Tex­til­wirt­schaft

Mitmachen Tipps für ver­ant­wor­tungs­vol­len Klei­dungs­kauf

Wer Klei­dung kauft, trägt Mit­ver­ant­wor­tung für die Ar­beits­be­din­gun­gen in den Pro­duk­ti­ons­län­dern – und kann durch be­wuss­te Kauf­ent­schei­dun­gen dar­auf Ein­fluss neh­men.

Jeans-Hosen auf einem Stapel
Jeans-Hosen auf einem Stapel

Hier ein paar Tipps für den ver­ant­wor­tungs­vol­len Klei­dungs­kauf:

  • Kau­fen Sie in Lä­den, Ver­sand­häu­sern oder über In­ter­net­por­ta­le, die sich auf öko­lo­gi­sche und fair ge­han­del­te Klei­dung spe­zia­li­siert ha­ben.
  • Ach­ten Sie auf Gü­te­sie­gel, die die Ein­hal­tung öko­lo­gi­scher und/oder so­zia­ler Stan­dards be­stä­ti­gen. Da­zu ge­hö­ren zum Bei­spiel das Fair­tra­de-Sie­gel so­wie die La­bel "GOTS" und "IVN Best". Wer so­zi­al und öko­lo­gisch pro­du­zier­te Mo­de kau­fen möch­te, soll­te auf den "Grü­nen Knopf" (www.gruener-knopf.de (Externer Link)) ach­ten. Sie­gel­in­ha­ber ist das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für wirt­schaft­li­che Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (BMZ).
  • Nut­zen Sie das In­ter­net­por­tal www.siegelklarheit.de (Externer Link) und die da­zu­ge­hö­ri­ge App "Sie­gel­klar­heit". Die­se be­wer­ten die Glaub­wür­dig­keit von Um­welt- und So­zi­al­sie­geln für Tex­ti­li­en.
  • Kau­fen Sie we­ni­ger, aber hoch­wer­ti­ge­re Klei­dung, die län­ger als nur ei­ne Sai­son hält.
  • Kau­fen Sie Se­cond­hand-Klei­dung.
  • In­for­mie­ren Sie sich und äu­ßern Sie Ih­re Mei­nung. Fra­gen Sie in Ih­rem Lieb­lings­ge­schäft oder bei Ih­rer Lieb­lings­mar­ke nach, un­ter wel­chen Be­din­gun­gen die an­ge­bo­te­ne Wa­re her­ge­stellt wird. Kein Un­ter­neh­men kann es sich auf Dau­er leis­ten, die Wün­sche der Kun­din­nen und Kun­den zu igno­rie­ren.
  • Ver­mei­den Sie Fehl­käu­fe, in­dem Sie sich be­wusst dar­über Ge­dan­ken ma­chen, in wel­chen Far­ben, For­men und Ma­te­ria­li­en Sie sich er­fah­rungs­ge­mäß am wohls­ten füh­len.

BMZ-Publikationen

Sidi hat Ferien!

Wo kommt unsere Kleidung her?

Ein Fall für den Grünen Knopf

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 02/2021 | Dateigröße 3 MB, Seiten 20 Seiten
Beitrag der Bundesregierung zur Förderung von nachhaltigen Textilien

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Textil-Maßnahmenplan der Bundesregierung 2019 und Fortschrittsbericht zu den Maßnahmen aus 2018

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 08/2019 | Dateigröße 984 KB, Seiten 15 Seiten
Beitrag der Bundesregierung zur Förderung von nachhaltigen Textilien

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Textil-Maßnahmenplan der Bundesregierung 2018 und Fortschrittsbericht zu den Maßnahmen aus 2017

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 08/2018 | Dateigröße 1 MB, Seiten 14 Seiten | Zugänglichkeit barrierefrei
Nachhaltige Textilien

Nachhaltige Textilien | Eine Frage der Verantwortung

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 08/2019 | Dateigröße 2 MB, Seiten 40 Seiten | Zugänglichkeit barrierefrei
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Wo kommt unsere Kleidung her?

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 04/2019 | Dateigröße 13 MB, Seiten 20 Seiten
Das Bündnis für nachhaltige Textilien

Das Bündnis für nachhaltige Textilien

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 08/2015 | Dateigröße 1 MB, Seiten 20 Seiten | Zugänglichkeit barrierefrei