Mitarbeiter in einem Betrieb in Ghana, der Cashewnüsse verarbeitet

Ländliche Entwicklung Beschäftigung und existenzsichernde Löhne und Einkommen auf dem Land sichern

In vielen Entwicklungsländern, insbesondere in den afrikanischen Staaten südlich der Sahara, stellen junge Menschen den größten Anteil an der Bevölkerung. Bis zum Jahr 2030 werden in Afrika 440 Millionen junge Männer und Frauen eine Beschäftigung suchen.

Die kleinbäuerliche Landwirtschaft stellt in Afrika südlich der Sahara mit fast zwei Dritteln aller Erwerbstätigen weiterhin die mit Abstand wichtigste Einkommens- und Beschäftigungsquelle dar. Für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung dieser Länder spielt die Landwirtschaft in dreifacher Hinsicht eine entscheidende Rolle: Sie dient der Existenzsicherung der ländlichen Bevölkerung, sie muss genügend Nahrungsmittel für die wachsende Stadtbevölkerung bereitstellen und gleichzeitig die Ansprüche einer wachsenden globalen Mittelschicht befriedigen, die mehr Kaffee, Kakao, Fleisch, tierische Produkte und exotische Früchte konsumiert.

Gleichzeitig bietet die Struktur der afrikanischen Agrar- und Ernährungswirtschaft momentan keine ausreichenden Beschäftigungsmöglichkeiten. So arbeiten drei Viertel aller Beschäftigten in Subsahara-Afrika in informellen Beschäftigungsverhältnissen, zum Teil unter sehr schlechten Bedingungen. Viele Menschen erhalten bislang keinen angemessenen Lohn beziehungsweise kein angemessenes Einkommen für die geleistete Arbeit. Laut Internationaler Arbeitsorganisation (ILO) lebt jeder dritte Arbeiter in Schwellen (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)- und Entwicklungsländern trotz formaler Anstellung in Armut. 

Internationale Abkommen erkennen die Notwendigkeit gerechter Löhne und Einkommen zwar an, sie sind aber weder rechtlich bindend noch einklagbar. Nationale Gesetze, etwa zum Mindestlohn, garantieren häufig keinen Lohn, der ein menschenwürdiges Leben sicherstellt. Zusätzlich gilt der Mindestlohn nicht für selbstständig wirtschaftende Kleinbauern, die stattdessen vom Weltmarktpreis abhängig sind. 

Deutsches Engagement

Mit der Sonderinitiative “EINEWELT ohne Hunger“ und dem Marshallplan mit Afrika hat das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) die nachhaltige Entwicklung ländlicher Räume in den Mittelpunkt seiner Arbeit gerückt. Eines der zentralen Ziele ist, die Einkommenssituation zu verbessern und neue Arbeitsplätze in der Agrar- und Ernährungswirtschaft zu schaffen.

Um die Produktivität und das Einkommen kleinbäuerlicher Betriebe zu steigern, wurden unter anderem Grüne Innovationszentren gegründet. Sie bieten insbesondere auch Jugendlichen und Frauen Beratung und Ausbildungsmöglichkeiten an. Dies trägt zur Sicherung von Beschäftigungsmöglichkeiten, zur Reduzierung von Unterbeschäftigung und zur Erhöhung der Arbeitsproduktivität und Einkommen bei. Mehr zum Thema erfahren Sie hier.

Im Rahmen des Programms Agricultural Value Chains for Sustainable Development (A4SD (Externer Link)) werden ausgewählte Wertschöpfungsketten (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) in Subsahara-Afrika gefördert und Landwirte in verantwortungsvoller Landbewirtschaftung und Tierhaltung geschult. Innerhalb der Projekte sind in den Wertschöpfungsketten Cashew, Kakao, Baumwolle und Reis seit 2009 2,1 Millionen Bauern trainiert worden, 500.000 davon Frauen. Daraus sind bereits 850.000 zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten entstanden. 
 

Die 'Berlin-Charta' wird an Bundesentwicklungsminister Gerd Müller im Rahmen der Konferenz "EINEWELT ohne Hunger - Die Zukunft des ländlichen Raums" im April 2017 in Berlin übergeben.

G20-Initiative "Ländliche Jugendbeschäftigung"

Unter deutscher G20-Präsidentschaft wurde 2017 die “G20-Initiative für Jugendbeschäftigung im ländlichen Raum“ verabschiedet. Im Zuge der Jugendinitiative sollen unter anderem bis zum Jahr 2022 fünf Millionen Jugendliche von Ausbildungsprogrammen profitieren und eine Million Arbeitsplätze für junge Menschen entstehen.

Aus- und Fortbildung

Trotz großer Fortschritte im Bildungssystem mangelt es vielen jungen Menschen auf dem Land an spezifischen Qualifikationen für den Agrarsektor sowie an notwendiger unternehmerischer Kompetenz, um neue Marktchancen nutzen und erfolgreich Geschäftsmodelle entwickeln zu können.

Aus diesem Grund ist die Aus- und Fortbildung ein wichtiger Bestandteil der deutschen entwicklungspolitischen Programme zur Beschäftigungsförderung im ländlichen Raum. Neben fachlichem Wissen werden auch methodische, soziale und unternehmerische Fähigkeiten vermittelt. Zusätzlich zu Ausbildungsgängen an Hochschulen, Universitäten oder landwirtschaftlichen Berufsschulen fördert das BMZ auch zahlreiche Weiterbildungsangebote an nicht-formalen Ausbildungseinrichtungen. 

So erreicht das BMZ mit den sogenannten “Farmer Business Schools“ eine hohe Anzahl ländlicher Haushalte. Dort lernen die Bäuerinnen und Bauern nicht nur verbesserte Anbautechniken kennen, sie erwerben auch Kenntnisse im Bereich Geschäftsentwicklung und Marktpositionierung. Bislang wurden 1,4 Millionen kleinbäuerliche Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter – rund ein Drittel sind Frauen – durch Farmer Business Schools zu sogenannten Agripreneuren weitergebildet. Sie können ihre Kenntnisse über Ackerbau und Viehwirtschaft nun mit neu erlernten professionellen Geschäftsansätzen verbinden. 
 

Reisbauern in Nigeria

Reisbauern in Nigeria

Reisbauern in Nigeria

Standardorganisationen bei der Verbesserung der Einkommen unterstützen

Die Einbindung von Kleinbäuerinnen und -bauern und anderen ländlichen Kleinunternehmern in globalisierte Wertschöpfungs- und Lieferketten gibt internationalen Unternehmen, etwa der Lebensmittel- oder Textilwirtschaft, die Möglichkeit, unmittelbar Einfluss auf deren Bezahlung und Arbeitsbedingungen zu nehmen. Das zeigen zum Beispiel die Bemühungen des Bündnisses für nachhaltige Textilien, das vom BMZ initiiert wurde.

Standardsetzende Organisationen wie Fairtrade International (Externer Link) (Fairer Handel), FSC (Externer Link) (nachhaltige Waldbewirtschaftung) und UTZ/Rainforest Alliance (Externer Link) (nachhaltiger Anbau von Kaffee, Kakao und Tee) haben eine existenzsichernde Bezahlung in ihre Kriterienkataloge für soziale Nachhaltigkeit aufgenommen. Zusätzlich bemüht sich besonders Fairtrade (Externer Link) auch um das Erreichen von fairen Einkommen, etwa für Kleinbauern.

Fünf standardsetzende Organisationen und die Dachorganisation ISEAL (Externer Link) haben sich zur Global Living Wage Coalition (Externer Link) zusammengeschlossen. Ihr Ziel ist es, existenzsichernde Löhne für verschiedene Branchen und Länder zu berechnen und die Arbeitsbedingungen für die Arbeiterinnen und Arbeiter zu verbessern. Die ISEAL Alliance vereint mehr als 20 Standardorganisationen unter ihrem Dach, die sich gemeinsam für glaubwürdige Nachhaltigkeitsstandards einsetzen. Darunter sind auch Mitglieder aus den Bereichen Landwirtschaft, Lebensmittel, Biokraftstoffe und Fischerei. 

Zu fairen Einkommen gibt es seit 2017 eine internationale Arbeitsgruppe, die Living Income Community of Practice, die von ISEAL, dem Sustainable Food Lab (Externer Link) und der GIZ im Auftrag des BMZ initiiert wurde. Die Arbeitsgruppe will Organisationen auf dem Weg zur Verbesserung der Einkommen unterstützen und so den kleinbäuerlichen Produzenten und ihren Familien einen angemessenen Lebensstandard ermöglichen.

Standbild aus dem Video "Faires Einkommen erreichen"
Video: Faire Einkommen erreichen