Internationale Ab­kommen zum Schutz von Kindern und Jugend­lichen

In der All­ge­mei­nen Er­klä­rung der Men­schen­rech­te (Externer Link) von 1948 ha­ben die Ver­ein­ten Na­tio­nen be­tont, dass Kin­der ei­nen An­spruch auf be­son­de­re Für­sor­ge und Un­ter­stüt­zung ha­ben. Die ele­men­ta­ren Rech­te der Kin­der sind – gleich­falls völ­ker­recht­lich ver­bind­lich – in der UN-Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on von 1989 fest­ge­schrie­ben.

Auf in­ter­na­tio­na­ler Ebe­ne ist die­se Kon­ven­ti­on das zen­tra­le Ab­kom­men, das ei­nen Rechts­an­spruch auf men­schen­wür­di­ge Ent­wick­lungs­chan­cen für Kin­der ga­ran­tiert. Dar­über hin­aus ha­ben Kin­der­rech­te und die be­son­de­ren Schutz- und För­der­be­dürf­nis­se Ju­gend­li­cher Ein­gang in zahl­rei­che wei­te­re in­ter­na­tio­na­le Ab­kom­men und Er­klä­run­gen ge­fun­den.

UN-Kinder­rechts­kon­vention

Teilnehmerinnen des Projekts "Sport für Entwicklung" in Jordanien

Teilnehmerinnen des Projekts "Sport für Entwicklung" in Jordanien

Teilnehmerinnen des Projekts Sport für Entwicklung in Jordanien

Durch die UN-Kon­ven­ti­on über die Rech­te des Kin­des (Externer Link) (Re­so­lu­ti­on 44/25 der Ge­ne­ral­ver­samm­lung vom 20. No­vem­ber 1989) wur­den die Kin­der­rech­te aus­drück­lich in den Rang von Men­schen­rech­ten (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) ge­ho­ben und völ­ker­recht­lich ver­bind­lich for­mu­liert. Die Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on gilt für al­le Kin­der und Ju­gend­li­chen, die jün­ger als 18 Jah­re sind. Sie um­fasst 54 Ar­ti­kel, die welt­weit gül­ti­ge Maß­stä­be für ei­ne kind­ge­rech­te Ge­sell­schaft und auch die Auf­ga­ben von Staat und Ge­sell­schaft zur Durch­set­zung die­ser Rech­te be­schrei­ben. Da­bei ste­hen Schutz, För­de­rung und Teil­ha­be von Kin­dern in al­len Le­bens- und Ge­sell­schafts­be­rei­chen im Vor­der­grund.

Das Kin­der­hilfs­werk der Ver­ein­ten Na­tio­nen (UNICEF) fasst die zehn grund­le­gen­den Rech­te der Kin­der wie folgt zu­sam­men:

  1. Recht auf Gleich­be­hand­lung
  2. Recht auf Ge­sund­heit
  3. Recht auf Bil­dung
  4. Recht auf Spiel und Frei­zeit
  5. Recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung und Be­tei­li­gung
  6. Recht auf ge­walt­freie Er­zie­hung
  7. Recht auf Schutz im Krieg und auf der Flucht
  8. Recht auf Schutz vor wirt­schaft­li­cher und se­xu­el­ler Aus­beu­tung
  9. Recht auf el­ter­li­che Für­sor­ge
  10. Recht auf be­son­de­re Für­sor­ge und För­de­rung bei Be­hin­de­rung

Welt­weit ha­ben 196 Staa­ten, dar­un­ter auch Deutsch­land, die Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on ra­ti­fi­ziert. Sie ist da­mit die UN-Kon­ven­ti­on mit der grö­ß­ten in­ter­na­tio­na­len Zu­stim­mung. Mit der Ra­ti­fi­zie­rung der Kon­ven­ti­on ha­ben sich die Län­der ver­pflich­tet, die Kin­der­rech­te in na­tio­na­les Recht zu über­füh­ren und kon­kre­te Maß­nah­men zur För­de­rung des Kin­des­wohls zu er­grei­fen. Da­zu müs­sen die Staa­ten ih­re na­tio­na­le Rechts­ord­nung und Ge­setz­ge­bung über­prü­fen und ge­ge­be­nen­falls an­pas­sen.

Der UN-Aus­schuss für die Rech­te des Kin­des prüft in re­gel­mä­ßi­gen Ab­stän­den die Re­gie­rungs­be­rich­te über den Um­set­zungs­stand der Kon­ven­ti­on, die von den Un­ter­zeich­ner­staa­ten al­le fünf Jah­re vor­ge­legt wer­den müs­sen. Die Er­geb­nis­se hält der Aus­schuss in so­ge­nann­ten Ab­schlie­ßen­den Be­mer­kun­gen fest. Fer­ner ver­ab­schie­det der Aus­schuss re­gel­mä­ßig all­ge­mei­ne Be­mer­kun­gen zur Aus­le­gung und Um­set­zung ein­zel­ner Rech­te. Der­zeit gibt es 24 All­ge­mei­ne Be­mer­kun­gen (zum Bei­spiel zu­letzt zum The­ma Kin­der im Rechts­sys­tem, erschienen im  September 2019).

Dar­über hin­aus hat der Men­schen­rechts­rat ei­ne Son­der­be­richt­erstat­te­rin zu den The­men Kin­der­han­del, Kin­der­pro­sti­tu­ti­on und Kin­der­por­no­gra­phie ein­ge­setzt, die ih­re Ar­beits­er­geb­nis­se in öf­fent­lich zu­gäng­li­chen Jah­res­be­rich­ten do­ku­men­tiert. Au­ßer­dem hat der UN-Ge­ne­ral­se­kre­tär zwei Son­der­be­auf­trag­te be­nannt: zu Ge­walt ge­gen Kin­der und für Kin­der in be­waff­ne­ten Kon­flik­ten. Seit 2013 gibt es zu­sätz­lich ei­nen Son­der­ge­sand­ten für die Ju­gend.

Zusatz­pro­to­kolle zur UN-Kinder­rechts­kon­vention

Ein afghanischer Junge blickt zwischen zwei deutschen Soldaten der Friedenstruppe hindurch.

Ein afghanischer Junge blickt zwischen zwei deutschen Soldaten der Friedenstruppe hindurch.

Ein afghanischer Junge blickt zwischen zwei deutschen Soldaten der Friedenstruppe hindurch.

Zwei wich­ti­ge Zu­satz­pro­to­kol­le aus dem Jahr 2000 er­gän­zen die Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on: Im ers­ten Zu­satz­pro­to­koll (Externer Link) wur­den Maß­nah­men ge­gen die Be­tei­li­gung von Kin­dern an be­waff­ne­ten Kon­flik­ten ver­ein­bart. Es ver­bie­tet, un­ter 18-Jäh­ri­ge an krie­ge­ri­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen teil­neh­men zu las­sen. Das zwei­te Zu­satz­pro­to­koll (Externer Link) ver­bie­tet Kin­der­han­del, Kin­der­pro­sti­tu­ti­on und Kin­der­por­no­gra­phie und ver­pflich­tet die Un­ter­zeich­ner­staa­ten zu vor­beu­gen­den Maß­nah­men ge­gen die se­xu­el­le Aus­beu­tung von Kin­dern und Ju­gend­li­chen und zur Re­ha­bi­li­ta­ti­on von be­trof­fe­nen Kin­dern. Die Bun­des­re­pu­blik hat bei­de Zu­satz­pro­to­kol­le ra­ti­fi­ziert.

Ein drit­tes Zu­satz­pro­to­koll (Externer Link) ver­ab­schie­de­te die UN-Ge­ne­ral­ver­samm­lung im De­zem­ber 2011. Es er­öff­net die Mög­lich­keit ei­ner In­di­vi­du­al­be­schwer­de bei Kin­der­rechts­ver­let­zun­gen. Kin­der kön­nen sich dem­nach dann, wenn sie al­le in­ner­staat­li­chen Rechts­we­ge er­folg­los aus­ge­schöpft ha­ben, mit ih­rer Be­schwer­de an den UN-Aus­schuss für die Rech­te des Kin­des wen­den. Die­ser kann zwar kei­ne Sank­tio­nen ge­gen Län­der ver­hän­gen, die Kin­der­rech­te miss­ach­ten. Aber er kann zum ei­nen De­fi­zi­te be­nen­nen und Emp­feh­lun­gen ab­ge­ben, zum an­de­ren ei­ne öf­fent­li­che Rü­ge aus­spre­chen. Die Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on war das ein­zi­ge Men­schen­rechts­ab­kom­men, für das ein sol­ches Be­schwer­de­ver­fah­ren zu­vor nicht mög­lich war.

Deutsch­land ge­hör­te zu den ers­ten Staa­ten, die die­ses drit­te Pro­to­koll ra­ti­fi­ziert ha­ben. Es ist am 14. April 2014 in Kraft ge­tre­ten (nach Ra­ti­fi­ka­ti­on durch zehn Staa­ten).

Weitere inter­na­tio­nale Men­schen­rechts­ab­­kommen

Zwei Kinder mit Behinderung in einem Flüchtlingslager im Irak

Zwei Kinder mit Behinderung in einem Flüchtlingslager im Irak

Zwei Kinder mit Behinderung in einem Flüchtlingslager im Irak

Ein­zel­ne Kin­der- und Ju­gend­rech­te sind in wei­te­ren in­ter­na­tio­na­len Men­schen­rechts­ab­kom­men ver­an­kert:

Der In­ter­na­tio­na­le Pakt über bür­ger­li­che und po­li­ti­sche Rech­te (Externer Link) (1966) legt in Ar­ti­kel 6 fest, dass kei­ne To­des­stra­fe ver­hängt wer­den darf, wenn die straf­ba­ren Hand­lun­gen von Ju­gend­li­chen un­ter 18 Jah­ren be­gan­gen wur­den. Ar­ti­kel 10 be­sagt, dass ju­gend­li­che Straf­fäl­li­ge im Straf­voll­zug von Er­wach­se­nen zu tren­nen und ih­rem Al­ter und ih­rer Rechts­stel­lung ent­spre­chend zu be­han­deln sind. In Ar­ti­kel 23 ist fest­ge­schrie­ben, dass im Fall ei­ner Ehe­auf­lö­sung für den nö­ti­gen Schutz der Kin­der zu sor­gen ist.

Dem Kind in sei­nen ers­ten Le­bens­jah­ren wid­met sich Ar­ti­kel 24: Al­le Min­der­jäh­ri­gen ha­ben ein Recht auf Schutz­maß­nah­men durch die Fa­mi­lie, die Ge­sell­schaft und den Staat. Dar­über hin­aus hat das Kind ein Recht dar­auf, un­ver­züg­lich nach sei­ner Ge­burt in ein Re­gis­ter ein­ge­tra­gen zu wer­den und ei­nen Na­men zu er­hal­ten, so­wie das Recht, ei­ne Staats­an­ge­hö­rig­keit zu er­wer­ben.

Im In­ter­na­tio­na­len Pakt über wirt­schaft­li­che, so­zia­le und kul­tu­rel­le Rech­te (Externer Link) (1966) er­ken­nen die Ver­trags­staa­ten in Ar­ti­kel 10 an, dass Son­der­maß­nah­men zum Schutz und Bei­stand für al­le Kin­der und Ju­gend­li­chen oh­ne Dis­kri­mi­nie­rung ge­trof­fen wer­den sol­len. Fer­ner sol­len sie vor wirt­schaft­li­cher und so­zia­ler Aus­beu­tung ge­schützt wer­den. Die Ver­trags­staa­ten sind auf­ge­for­dert, die er­for­der­li­chen Maß­nah­men zu er­grei­fen, um die Zahl der Tot­ge­bur­ten und die Kin­der­sterb­lich­keit zu sen­ken und ei­ne ge­sun­de Ent­wick­lung der Kin­der zu ge­währ­leis­ten (Recht auf Ge­sund­heit, Ar­ti­kel 12). Die Ar­ti­kel 13 und 14 wid­men sich um­fas­send dem Recht auf Bil­dung.

Laut Über­ein­kom­men zur Be­sei­ti­gung je­der Form von Dis­kri­mi­nie­rung der Frau (Externer Link) aus dem Jahr 1979 sol­len die Ver­trags­staa­ten si­cher­stel­len, dass die Er­zie­hung in der Fa­mi­lie zur An­er­ken­nung der ge­mein­sa­men Ver­ant­wor­tung von Mann und Frau für die Er­zie­hung und Ent­wick­lung ih­rer Kin­der bei­trägt (Ar­ti­kel 5). Da­bei wird da­von aus­ge­gan­gen, dass das In­ter­es­se der Kin­der in al­len Fäl­len vor­ran­gig zu be­rück­sich­ti­gen ist. In Ar­ti­kel 10 ist der gleich­be­rech­tig­te Zu­gang zu Bil­dung für Frau­en und Mäd­chen um­fas­send fest­ge­schrie­ben. Ar­ti­kel 16 legt fest, dass die Ver­lo­bung und Ehe­schlie­ßung ei­nes Kin­des kei­ne Rechts­wirk­sam­keit hat.

Im UN-Über­ein­kom­men über Rech­te von Men­schen mit Be­hin­de­run­gen (Externer Link) aus dem Jahr 2006 wird in ver­schie­de­nen Ar­ti­keln dar­auf hin­ge­wie­sen, dass Kin­der mit Be­hin­de­run­gen gleich­be­rech­tigt mit an­de­ren Kin­dern al­le Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten in vol­lem Um­fang ge­nie­ßen sol­len, so zum Bei­spiel in Ar­ti­kel 7 (Kin­der mit Be­hin­de­run­gen), Ar­ti­kel 8 (Be­wusst­seins­bil­dung), Ar­ti­kel 18 (Frei­zü­gig­keit und Staats­an­ge­hö­rig­keit), Ar­ti­kel 23 (Ach­tung der Woh­nung und der Fa­mi­lie), Ar­ti­kel 24 (Bil­dung) und Ar­ti­kel 25 (Ge­sund­heit).

ILO-Konventionen

Ein Junge in Dhaka in Bangladesch stellt Backsteine her.

Ein Junge in Dhaka in Bangladesch stellt Backsteine her.

Ein Junge in Dhaka in Bangladesch stellt Backsteine her.

Die In­ter­na­tio­na­le Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on (ILO) hat zwei Ab­kom­men zur Ab­schaf­fung und Re­gu­lie­rung von Kin­der­ar­beit ver­ab­schie­det:

Die ILO-Kon­ven­ti­on 138 (Externer Link) von 1973 ver­pflich­tet die Mit­glieds­staa­ten, die Ab­schaf­fung der Kin­der­ar­beit si­cher­zu­stel­len und das Min­dest­al­ter für die Zu­las­sung zur Be­schäf­ti­gung oder Ar­beit fort­schrei­tend auf ei­nen Stand an­zu­he­ben, bei dem die vol­le kör­per­li­che und geis­ti­ge Ent­wick­lung der Ju­gend­li­chen ge­si­chert ist.

Die ILO-Kon­ven­ti­on 182 (Externer Link) von 1999 ver­pflich­tet die Mit­glieds­staa­ten, un­ver­züg­li­che und wirk­sa­me Maß­nah­men für Ver­bot und Be­sei­ti­gung der schlimms­ten For­men der Kin­der­ar­beit zu er­grei­fen. Zu die­sen For­men zäh­len un­ter an­de­rem Ver­skla­vung, Schuld­knecht­schaft, Kin­der­han­del, Pro­sti­tu­ti­on, Por­no­gra­phie, Zwangs­re­kru­tie­rung als Kin­der­sol­da­tin­nen oder -sol­da­ten, der Ein­satz von Kin­dern zu un­er­laub­ten Tä­tig­kei­ten wie bei­spiels­wei­se Dro­gen­han­del so­wie die Ar­beit von Kin­dern, die für ih­re Ge­sund­heit, Si­cher­heit oder Sitt­lich­keit schäd­lich ist.

Die Kon­ven­ti­on schreibt den Staa­ten, die das Ab­kom­men un­ter­zeich­net ha­ben, vor, na­tio­na­le Ak­ti­ons­plä­ne zur Be­kämp­fung der Kin­der­ar­beit zu ver­ab­schie­den. Die­se sol­len vor­beu­gen­de Maß­nah­men zum Schutz der Kin­der, Hil­fe bei der Re­ha­bi­li­ta­ti­on und Auf­klä­rungs­kam­pa­gnen über die Schäd­lich­keit von Kin­der­ar­beit um­fas­sen.

Deutsch­land hat bei­de ILO-Ab­kom­men un­ter­zeich­net und ra­ti­fi­ziert.

Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung

Die Agen­da 2030 für nachhaltige Entwicklung ist seit ih­rer Ver­ab­schie­dung im Sep­tem­ber 2015 in New York der neue Re­fe­renz­rah­men für die in­ter­na­tio­na­le Zu­sam­men­ar­beit und da­mit auch für die deut­sche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit.

In den 17 Nach­hal­tig­keits­zie­len (Sus­tain­able De­vel­op­ment Goals, SDGs) und 169 Un­ter­zie­len sind die Be­lan­ge von Kin­dern und Ju­gend­li­chen sek­tor­über­grei­fend ver­an­kert. Kin­der­ar­mut, Man­gel- und Un­ter­ernäh­rung, Kin­der­sterb­lich­keit, Zu­gang zu Sa­ni­tär­an­la­gen, Bil­dung, Kin­der­hei­rat, Kin­der­ar­beit und Ju­gend­ar­beits­lo­sig­keit, Ge­bur­ten­re­gis­trie­rung und der Schutz vor al­len For­men der Ge­walt und Aus­beu­tung – dies sind nur ei­ni­ge der kin­der­recht­li­chen Be­zü­ge der Agen­da 2030.

Durch den Leit­satz "Leave No One Be­hind" (frei über­setzt: "Nie­man­den zu­rück­las­sen") spricht die Agen­da au­ßer­dem die men­schen­recht­li­chen Prin­zi­pi­en Chan­cen­gleich­heit und Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot an. Jun­ge Men­schen wer­den als ei­ne der Ziel­grup­pen ge­nannt, die be­son­ders be­nach­tei­ligt sind und des­halb stär­ker ge­för­dert wer­den müs­sen. Zu­dem hebt die Agen­da 2030 in Zif­fer 51 ih­rer Prä­am­bel jun­ge Men­schen ex­pli­zit als "crit­i­cal agents of change" her­vor, er­kennt sie da­mit al­so als zen­tra­le Ak­teu­re für den po­li­ti­schen und ge­sell­schaft­li­chen Wan­del und die Um­set­zung der Nach­hal­tig­keits­zie­le an.

Standbild aus dem Video "Lasst niemanden zurück"
Video: Lasst niemanden zurück

Schon in der Vor­be­rei­tung der Agen­da 2030 spiel­ten jun­ge Men­schen ei­ne be­deu­ten­de Rol­le. Seit der Agen­da 21 der Ver­ein­ten Na­tio­nen, die im Jahr 1992 in Rio de Ja­nei­ro ver­ab­schie­det wur­de, ha­ben Kin­der und Ju­gend­li­che ein Teil­nah­me- und Mit­spra­che­recht bei in­ter­na­tio­na­len Ver­hand­lun­gen und wer­den als Trä­ger ei­ner nach­hal­ti­gen Ent­wick­lung an­er­kannt. Für die Um­set­zung, das Mon­i­tor­ing und die Re­chen­schafts­le­gung der Agen­da 2030 sind die Ide­en und das En­ga­ge­ment jun­ger Men­schen un­ver­zicht­bar – sie wer­den es sein, die den Wan­del ma­ß­geb­lich ge­stal­ten und die Fol­gen er­fah­ren wer­den.

Weltaktionsprogramm für die Jugend

Ausbildungszentrum in Soweto, Südafrika

Ausbildungszentrum in Soweto, Südafrika

Ausbildungszentrum in Soweto, Südafrika

Das von der UN-Ge­ne­ral­ver­samm­lung 1995 ver­ab­schie­de­te und 2007 er­wei­ter­te Welt­ak­ti­ons­pro­gramm für die Ju­gend (World Pro­gramme of Ac­tion for Youth (Externer Link)) zielt dar­auf ab, die Le­bens­be­din­gun­gen von Ju­gend­li­chen zu ver­bes­sern. Da­bei legt das Ak­ti­ons­pro­gramm be­son­de­res Ge­wicht auf Maß­nah­men zur Stär­kung na­tio­na­ler Ka­pa­zi­tä­ten im Ju­gend­be­reich. Die Chan­cen jun­ger Men­schen auf wirk­sa­me Teil­ha­be an ge­sell­schaft­li­chen Pro­zes­sen sol­len ge­stei­gert wer­den.

Das Pro­gramm ent­hält ei­nen grund­satz­po­li­ti­schen Rah­men und Richt­li­ni­en zur Er­rei­chung die­ser Zie­le und ist nach 15 the­ma­ti­schen Schwer­punk­ten ge­glie­dert: Bil­dung, Be­schäf­ti­gung, Hun­ger und Ar­mut, Ge­sund­heit, Um­welt, Drogenmissbrauch,  Ju­gend­kri­mi­na­li­tät, Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten, Mäd­chen und jun­ge Frau­en, Par­ti­zi­pa­ti­on in Ent­schei­dungs­pro­zes­sen, Glo­ba­li­sie­rung, In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gi­en, HIV/Aids, be­waff­ne­ter Kon­flikt so­wie ge­ne­ra­ti­ons­über­grei­fen­de An­ge­le­gen­hei­ten.

Europäische Union

Zwei Mädchen im südlichen Kirgisistan

Zwei Mädchen im südlichen Kirgisistan

Zwei Mädchen im südlichen Kirgisistan

Die Eu­ro­päi­sche Uni­on hat die Kin­der­rech­te in der Eu­ro­päi­schen Char­ta der Grund­rech­te (Externer Link) an­er­kannt. Sie hat sich zur Ein­hal­tung der Kin­der­rech­te ver­pflich­tet, un­ter an­de­rem durch das UN-Über­ein­kom­men über die Rech­te des Kin­des und die da­zu­ge­hö­ri­gen Fa­kul­ta­tiv­pro­to­kol­le, durch die Agen­da 2030 für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung und die Eu­ro­päi­sche Kon­ven­ti­on zum Schutz der Men­schen­rech­te (Externer Link). In­ner­halb der Kom­mis­si­on gibt es zu­dem di­ver­se Ge­ne­ral­di­rek­tio­nen, die Kin­der­rech­te be­han­deln. Als ers­te Re­gio­nal­or­ga­ni­sa­ti­on hat die EU zu­dem im De­zem­ber 2010 die UN-Be­hin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on ra­ti­fi­ziert.

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren hat die Eu­ro­päi­sche Uni­on ver­schie­de­ne Leit­li­ni­en und Maß­stä­be zum Schutz der Rech­te des Kin­des for­mu­liert:

Die neu for­mu­lier­ten Leit­li­ni­en zur För­de­rung und Wah­rung der Rech­te des Kin­des (Externer Link) von 2017 tra­gen zur durch­gän­gi­gen Be­rück­sich­ti­gung der Rech­te des Kin­des im Rah­men der Po­li­tik und der Maß­nah­men der EU bei.

Be­reits im eu­ro­päi­schen Kon­sens über Ent­wick­lungs­po­li­tik von 2005 wur­de die För­de­rung der Rech­te von Kin­dern als Quer­schnitts­the­ma iden­ti­fi­ziert, das durch­gän­gig in al­le Tä­tig­kei­ten mit ein­zu­be­zie­hen ist. Auch im über­ar­bei­te­ten EU-Ent­wick­lungs­kon­sens von 2017 (Externer Link) setzt sich die EU zum Ziel, den Be­dürf­nis­sen, Rech­ten und Wün­schen von Kin­dern Rech­nung zu tra­gen und de­ren Schutz, För­de­rung und Be­tei­li­gung zu ver­bes­sern.

Die Mit­tei­lung "Für ei­ne Kin­der­rechts­stra­te­gie" (To­wards an EU-Strat­egy on the Right of the Child (Externer Link)) von 2006 sieht ei­ne För­de­rung der Kin­der­rech­te im Po­li­tik­dia­log und durch be­stehen­de und neue In­stru­men­te und Ko­ope­ra­tio­nen vor.

Die EU-Leit­li­nie zu Kin­dern in be­waff­ne­ten Kon­flik­ten (Externer Link) von 2003 be­leuch­tet die Si­tua­ti­on von Kin­dern in be­waff­ne­ten Kon­flik­ten und de­fi­niert zu­sätz­lich auch die Zie­le, Grund­sät­ze und Leit­li­ni­en der EU zu Kin­der­rech­ten. Dar­über hin­aus wer­den In­stru­men­te und Maß­nah­men zur Um­set­zung von Kin­der­rech­ten in Dritt­län­dern ge­nannt. Die Leit­li­nie wur­de 2008 ak­tua­li­siert.

Zu­sätz­lich zu den ver­schie­de­nen Leit­li­ni­en ha­ben die EU-Au­ßen­mi­nis­ter be­reits im Mai 2008 die Be­deu­tung ei­nes um­fas­sen­den men­schen­rechts­ori­en­tier­ten An­sat­zes be­kräf­tigt. In ih­rer Schluss­fol­ge­rung mit dem Ti­tel För­de­rung und Schutz der Rech­te des Kin­des im au­ßen­po­li­ti­schen Han­deln der Eu­ro­päi­schen Uni­on – Ent­wick­lungs­di­men­si­on und hu­ma­ni­tä­re Di­men­si­on (Externer Link) ver­pflich­tet sich die EU, die­ses Ziel mit al­len ver­füg­ba­ren In­stru­men­ten zu ver­wirk­li­chen.

Die EU-Agen­da für die Rech­te des Kin­des (Externer Link) (2011) baut auf der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tei­lung EU-Au­ßen­maß­nah­men: Ein be­son­de­rer Platz für Kin­der (Externer Link) (2008) auf. Kin­der­rech­te sol­len stra­te­gisch in den po­li­ti­schen Dia­log mit Or­ga­ni­sa­tio­nen und Nicht-EU-Staa­ten ein­be­zo­gen wer­den.

Im EU-Ak­ti­ons­plan für Men­schen­rech­te und De­mo­kra­tie (Externer Link) (2015–2019) spricht ei­ne von 34 Ak­tio­nen zu Men­schen­rechts­schutz die För­de­rung, den Schutz und die Er­fül­lung von Kin­der­rech­ten an und dis­ku­tiert Kin­der­schutz­sys­te­me. Auch in der Stra­te­gie ge­gen Men­schen­han­del (Externer Link) (2011) wer­den Kin­der ex­pli­zit er­wähnt.

Als Ori­en­tie­rungs­hil­fe zur Um­set­zung von Kin­der­rech­ten in der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit hat die EU-Kom­mis­si­on in Zu­sam­men­ar­beit mit UNICEF das pra­xis­ori­en­tier­te Toolkit "In­te­grat­ing child rights in de­vel­op­ment co­op­er­a­tion" ver­öf­fent­licht, in­klu­si­ve E-Learn­ing-Pro­gramm und auf In­itia­ti­ve des BMZ auch mit Über­set­zung in die deut­sche Spra­che:  www.childrightstoolkit.com (Externer Link)

Regionale Initiativen

Kinder auf einem Spielplatz in der Favela Mangueira in Rio de Janeiro

Kinder auf einem Spielplatz in der Favela Mangueira in Rio de Janeiro

Kinder auf einem Spielplatz in der Favela Mangueira in Rio de Janeiro

In An­leh­nung an die UN-Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on trat 1999 die Afri­ka­ni­sche Char­ta über die Rech­te und das Wohl des Kin­des in Kraft (African Char­ter on the Rights and Wel­fare of the Child (Externer Link)). Vie­le Ar­ti­kel der bei­den Kon­ven­tio­nen äh­neln sich. In der afri­ka­ni­schen Kin­der­rechts­char­ta gibt es al­ler­dings kei­nen An­spruch auf so­zia­le Ab­si­che­rung. Da­für ga­ran­tiert sie ei­ni­ge zu­sätz­li­che Rech­te, zum Bei­spiel das Ver­bot ge­fähr­li­cher kul­tu­rel­ler Prak­ti­ken, wel­che die Ge­sund­heit des Kin­des be­ein­träch­ti­gen (Ar­ti­kel 21).

2006 nahm die Afri­ka­ni­sche Uni­on die Afri­ka­ni­sche Ju­gend­char­ta (African Youth Char­ter (Externer Link)) an. Sie trat 2009 in Kraft und for­dert den Schutz und die För­de­rung der Rech­te jun­ger Men­schen zwi­schen 15 und 35 Jah­ren. Gleich­zei­tig ver­weist sie auf die Pflich­ten jun­ger Men­schen ge­gen­über der Fa­mi­lie, der Ge­sell­schaft, dem Staat und der in­ter­na­tio­na­len Ge­mein­schaft.

Die Pa­zi­fi­sche Ju­gend­char­ta (Pacific Youth Charter (Externer Link)) von 2006 und die Ibe­ro­ame­ri­ka­ni­sche Ju­gend­rechts­kon­ven­ti­on (Convención Iberoamericana de Derechos de los Jóvenes (Externer Link)) von 2008 ori­en­tie­ren sich eben­falls an den Vor­ga­ben der UN-Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on.