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Fallstudie Ukraine: HIV/Aids-Prävention

Aufklärung tut Not!


Gruppenbild: Jugendliche Sportler mit Urkunden

Der Beitrag des Projektes "HIV/Aids -Prävention in der Ukraine" zur Erreichung des Mil­len­ni­ums­ent­wick­lungs­ziels Nummer 6

Man spricht von einer Epidemie: Kein Land in Europa ist so stark von Aids betroffen wie die Ukraine. 22.000 Men­schen­leben forderte die Krank­heit allein im Jahr 2011. Nach Angaben der Ver­einten Na­tionen ist mehr als ein Pro­zent der sexuell ak­tiven ukrainischen Be­völke­rung mit dem HI-Virus infi­ziert, eine zehn­mal höhere Rate als in Deutsch­land. In Zah­len aus­ge­drückt sind das schät­zungs­weise 360.000 Men­schen, zu rund 60 Prozent männ­lichen und zu rund 40 Prozent weib­lichen Ge­schlechts. Während anderswo die Zahl der Neu­in­fek­tionen stagniert oder zurück­geht, steigt sie in der Ukraine von Jahr zu Jahr - und folgt damit einem in Ost­europa und Zen­tral­asien ver­brei­teten, töd­lichen Trend.

Wie konnte die Epidemie entstehen?

Die ersten HIV-Infek­tionen traten in der Ukraine Anfang der 1990er Jahre auf. Der Be­ginn der Epi­demie fiel damit in die Zeit des ge­sell­schaft­lichen Um­bruchs. Die Aus­brei­tung der Krank­heit war Folge einer zu­nehmen­den Drogen­sucht: Nach dem Zusammen­bruch der Sowjet­union kam es zu massen­hafter Arbeits­losigkeit, die Menschen verloren ihre Per­spek­tive, ihre Orien­tierung. Nar­ko­tika waren relativ leicht zu be­schaffen, und so experi­men­tier­ten viele Jugend­lichen mit Drogen. Die ge­fähr­lichste In­fek­tions­quelle war die ge­mein­same Rausch­gift­spritze, die die Runde macht. Seit einigen Jahren ist aber un­ge­schütz­ter Sex zwischen Mann und Frau der häufigste Über­tra­gungs­weg.

Warum breitet sich die Epidemie so schnell aus?

Unkenntnis und Verdrängung sind heute die Ur­sachen der Ver­brei­tung: Aids ist noch immer ein ge­sell­schaft­liches Tabu­thema in der Ukraine, ​HIV-positive Men­schen werden stig­ma­ti­siert und dis­kri­miniert. Aus Angst vor Aus­gren­zung lassen sich viele nicht testen. Gesund­heit­lich würde es ihnen auch nur be­dingt nutzen, da Medi­ka­mente und Be­hand­lungs­möglich­keiten in der Ukraine nur für 25 Prozent aller Er­krank­ten zur Ver­fügung stehen. Aber es würde helfen, die Epi­demie ein­zu­dämmen, wenn Prä­ven­tions­maß­nahmen wie die Kennt­nis des eigenen Status und der Ge­brauch von Kon­domen besser greifen würden.

Gib AIDS keine Chance in der Ukraine!

Die deutsche Bundesregierung hat in Abstimmung mit der ukra­inischen Re­gierung ​HIV/Aids zu einem Schwer­punkt der Ent­wick­lungs­zu­sammen­arbeit mit der Ukraine erklärt. Das BMZ unter­stützt die ukrainische Re­gie­rung finan­ziell und durch die Ver­mitt­lung von Wissen in ihrem natio­nalen Aktions­plan, die Epidemie durch ver­stärk­te Auf­klä­rung ein­zu­dämmen. Im Auftrag des BMZ wird das Pro­jekt von der GIZ in enger Zu­sammen­ar­beit mit dem Ge­sund­heits­mini­ste­rium des Landes aus­ge­führt. Ein­ge­bunden in das Netz­werk zur HIV/Aids Prä­ven­tion sind natio­nale Be­hörden, regio­nale Ver­wal­tungen sowie inter­na­tionale staat­liche und nicht­staat­liche Orga­ni­sa­tionen. Ziel­gruppen sind:

  • Hochrisikogruppen: Rund ein Prozent der ukrainischen Be­völke­rung lebt nach An­gaben des Ge­sund­heits­mini­steriums mit einem höheren Risiko, sich mit HIV/Aids zu infi­zieren. Dazu zählen Drogen­ge­brauchende, Sex­arbei­ter/innen und Männer, die Sex mit Männern haben. Organi­sa­tionen, die sich um diese Gruppen kümmern, wurden finan­ziell unter­stützt und be­raten.
  • Risikogruppen: Hafenarbeiter, Bahnangestellte und LKW-Fahrer sind häufig auf Reisen und, fernab von ihrem sozia­len Um­feld, stärker dem Risiko einer ​HIV-Infek­tion aus­ge­setzt. Es gibt Hin­weise, dass die HIV-Rate bei Hafen­ar­beitern weit über der der All­ge­mein­be­völ­kerung liegt. Das Pro­jekt berät Füh­rungs­kräfte und An­ge­stellte in Be­trieben, die von der Epidemie be­sonders be­troffen sind. Ge­mein­sam mit dem Mini­sterium für Soziales und Arbeit, Arbeit­geber­verbänden und Gew­erk­schaften wurden Pro­gramme zur·​HIV/Aids Vor­beugung am Ar­beits­platz entwickelt.
  • Jugendliche: Sie stehen im Fokus, weil sie das Leben und die Liebe gerade erst kennen­lernen und starkes Inte­resse zeigen, wie sie sich vor einer Infek­tion schützen können. Junge Menschen nehmen auch mora­lische Werte wie "Zero Discri­mination!" leichter an. Darum schulte das Projekt Lehrer, ent­wickelte Lehr­material und regt Dis­kus­sionen unter Jugend­lichen an. Mit der Kampagne "Fair Play - Jugend­ent­wick­lung durch Fuß­ball" werden Kinder und Jugend­liche an­ge­sprochen: So gelingt es "spiele­risch", ihnen einen gesunden Lebens­stil und sozial ver­ant­wort­liches Handeln zu ver­mitteln.
  • die allgemeine Bevölkerung: Aus­gehend von der Frage, wie Ver­drän­gung in einer Gesell­schaft funk­tio­niert und wie man ihr ent­gegen­wirken kann, wurden Auf­klä­rungs­aktionen ent­wickelt und um­ge­setzt. Das Pro­jekt hat pro­minente Stars und Poli­tiker ge­wonnen und die Massen­medien ge­nutzt, um nach dem Vor­bild der deutschen "Gib AIDS keine Chance"- Kampagne die Epidemie ein­zu­dämmen. Damit er­reicht man die Menschen, wie ein Groß­er­eig­nis an­lässlich der UEFA Fußball-Europameisterschaft 2012 zeigte.

Anpfiff: Kickt HIV und Aids ins Abseits!

Mit dem Fußball rollte die Aufklärung an: Der Kapitän der ukra­inischen Fuß­ball­national­mann­schaft Anatolij Timoschtschuk konnte als Stürmer für die Kampagne ge­wonnen wer­den. Allein 7 Mil­lionen Men­schen haben in einer landes­weiten Fern­seh­über­tra­gung seine Bot­schaft zum Start der Kampagne ver­nommen. Auch viele andere Promi­nente wie be­kannte Sänge­rinnen oder TV- Kommen­ta­toren enga­gieren sich und treten vor Zu­schauern in Kon­zer­ten und Fern­seh­sen­dungen als Anti-Aids-Bot­schaf­ter auf.
Stars können eine große Rolle im sozia­len Wan­del spielen: Junge Leute schauen zu ihnen auf und be­wun­dern sie, wollen wie ihr Vor­bild sein. Die Stimme der Stars kann helfen, wichtige Bot­schaf­ten über die Ver­meidung von ​HIV/Aids zu trans­por­tieren. In der Gesell­schaft ver­ankerte Vor­ur­teile lassen sich so über­winden. Damit werden die Vor­aus­set­zungen, die ​HIV/Aids Epidemie in der Ukraine zu stoppen und das Millenniums­ziel 6 zu er­reichen, ge­schaffen: Wenn die Abwehr steht wie eine Mauer!

Auf Wunsch der ukrainischen Regierung setzt das BMZ das Projekt 2013 bis 2015 fort.

Auf einen Blick

Land: Ukraine
Auftraggeber: Bun­des­mi­nis­te­ri­um für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Förderbereich: Gesundheit
Bezeichnung des Vorhabens: "Reform des Gesundheitswesens mit Schwerpunkt·​HIV/AIDS-Prä­vention", ab 2013: "HIV-Primär­prä­vention in der Ukraine"
Politischer Träger: Gesundheitsministerium der Ukraine
Durchführungsorganisationen: GIZ
Budget: 3,5 Millionen Euro
Laufzeit: 2006 bis 2012, 2013 bis 2015

Lexikon der Entwicklungspolitik

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