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MDG 1

Beseitigung der extremen Armut und des Hungers

Die Welt hat bei der Verringerung der Armut be­acht­liche Fort­schritte erzielt. Das Millenniums­ziel, den Anteil der extrem armen Menschen zu halbieren, wurde fünf Jahre vor Frist­ablauf erreicht. Hunger bleibt jedoch weiter eine globale He­raus­for­de­rung: Die Ziel­vor­gabe, bis 2015 den Anteil der hun­gern­den Menschen gegen­über 1990 zu halbieren, kann noch erreicht werden. Dazu sind aller­dings zu­sätz­liche An­stren­gun­gen erforderlich.


Eine Frau umringt von ihren Waren auf dem morgendlichen Markt in Kathmandu, Nepal. 75 Prozent der Bevölkerung Nepals arbeiten in der Landwirtschaft.

Zielvorgaben und Indikatoren auf einen Blick

ZielvorgabenIndikatoren
1.A: Zwischen 1990 und 2015 den Anteil der Menschen halbieren, deren Einkommen weniger als einen US-Dollar pro Tag beträgt

1.1 Anteil der Bevölkerung mit weniger als einem US-Dollar pro Tag (umgerechnet in Kaufkraftparität)

1.2 Armutslückenverhältnis: Armutsinzidenz (Zahl der extrem Armen) multipliziert mit der Armutstiefe (gibt an, um wie viel Prozent das Einkommen der Armen unterhalb der Armutsgrenze liegt)

1.3 Anteil, den das ärmste Fünftel der Bevölkerung am gesamten nationalen Konsum hat

1.B: Produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle, einschließlich Frauen und junger Menschen, verwirklichen

1.4 Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) pro Erwerbstätigen

1.5 Verhältnis Beschäftigung - Bevölkerung

1.6 Anteil der Erwerbstätigen, die mit weniger als einem US-Dollar pro Tag (Kaufkraftparität) auskommen müssen

1.7 Anteil der Selbstständigen und der mithelfenden Familienangehörigen an der Gesamtbeschäftigung

1.C: Zwischen 1990 und 2015 den Anteil der Menschen halbieren, die Hunger leiden

1.8 Anteil der untergewichtigen Kinder unter fünf Jahren

1.9 Anteil der Bevölkerung unter dem Mindestniveau der Nahrungsenergieaufnahme

Was wurde wo erreicht?

1. Unterziel: Zwischen 1990 und 2015 den Anteil der Menschen halbieren, deren Einkommen weniger als einen US-Dollar pro Tag beträgt

Indikator: Extreme Einkommensarmut

Die Millenniumszielvorgabe wurde bereits fünf Jahre vor Ablauf der Frist im Jahr 2015 erreicht. Der Anteil der Menschen, die von weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag leben, sank zwischen 1990 und 2010 von 47 auf 22 Pro­zent. Im Jahr 2010 lebten damit etwa 700 Mil­lio­nen weniger Menschen in ex­tre­mer Ein­kommens­armut als noch im Jahr 1990.

Insgesamt ist das ein gutes Ergebnis. Die Fort­schritte bei der Armuts­min­de­rung sind jedoch ungleich verteilt. Einige Regionen, darunter Ost­asien und Süd­ost­asien, haben die Ziel­vor­gabe erreicht, während andere Regionen wie Afrika südlich der Sahara und Südasien noch zurück­liegen. Prognosen der Welt­bank zufolge wird die Region Afrika südlich der Sahara das Ziel bis 2015 vor­aus­sicht­lich nicht erreichen.

Die meisten (ein Drittel) der weltweit 1,2 Milliarden extrem armen Menschen lebten 2010 in Indien. China folgte trotz großer Fort­schritte bei der Armuts­min­de­rung mit einem Anteil von rund 13 Prozent an zweiter Stelle. Dahinter lagen Nigeria (9 Prozent), Bangladesch (5 Prozent) und die Demo­kra­ti­sche Republik Kongo (5 Prozent). Neben diesen be­völ­ke­rungs­reichen Ländern mit einer hohen Zahl von extrem armen Menschen finden sich hohe Armuts­quoten häufig in kleinen, instabilen und von Konflikten betroffenen Ländern.

Die Quote extremer Armut ist halbiert, doch bestehen weiter große Herausforderungen

2. Unterziel: Produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle, einschließlich Frauen und junger Menschen, verwirklichen

Indikator: Beschäftigungsquote und Produktivität

Dieses Unterziel wurde erst im Jahr 2008 ergänzt. In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich das Gefälle der Arbeits­pro­duk­ti­vi­tät zwischen den entwickelten und den Ent­wick­lungs­ländern verringert, ist aber nach wie vor aus­ge­prägt: Die Qualität von Be­schäf­ti­gungs­ver­hält­nis­sen stieg ebenso wie die Produktivität im Zeitraum 2008-2013 in den meisten Ent­wick­lungs­ländern langsamer an. Im Durchschnitt ver­lang­samte sich der Pro­duk­ti­vi­täts­zuwachs in den Ent­wick­lungs­regionen von 5,6 auf 4,0 Prozent pro Jahr. Diese Ver­lang­sa­mung betraf ins­be­son­dere den Kaukasus und Zentral­asien und Westasien. Nur in Ozeanien war im jüngsten Zeitraum ein stärkerer Pro­duk­ti­vi­täts­zuwachs zu verzeichnen.

Indikator: Selbstständigenanteil

Der Anteil unsicherer Be­schäf­ti­gungs­ver­hält­nisse, definiert als Anteil der Selbst­stän­di­gen und der un­be­zahl­ten Familien­arbeits­kräfte an der Gesamt­be­schäf­ti­gung, lag 2013 in den Ent­wick­lungs­re­gio­nen bei schät­zungs­weise 56 Prozent (gegen­über 10 Prozent in den entwickelten Regionen). Er sank damit im Zeit­raum von 2008 bis 2013 um nur 2,8 Prozent­punkte. Im vor­an­ge­gan­ge­nen Fünf­jahres­zeit­raum (2003 bis 2008) hatte der Rückgang noch 4,0 Prozent­punkte betragen.

Erwerbstätige in unsicheren Be­schäf­ti­gungs­ver­hält­nissen haben in der Regel keine an­ge­mes­se­nen sozialen Sicher­heiten und leiden unter nied­ri­gen Ein­kom­men und harten Arbeits­be­din­gun­gen, die unter Um­stän­den sogar ihre Grund­rechte verletzen.

Die Verlangsamung der Ab­nah­me un­si­cher­er Be­schäf­ti­gungs­ver­hält­nisse betraf die meisten Ent­wick­lungs­regionen und war in West­asien am stärksten ausgeprägt.

Unsichere Beschäftigung betrifft noch immer mehr Frauen als Männer: 2013 waren in den Ent­wick­lungs­regionen 60 Prozent der Frauen gegen­über 54 Prozent der Männer in unsicheren Be­schäf­ti­gungs­ver­hält­nissen tätig.

3. Unterziel: Zwischen 1990 und 2015 den Anteil der Menschen halbieren, die Hunger leiden

Indikator: Mindestniveau der Energieaufnahme

Hunger bleibt eine globale He­raus­for­de­rung. Im Zeitraum 2011 bis 2013 litten insgesamt schätzungs­weise 842 Millionen Menschen – fast ein Achtel der Welt­be­völ­ke­rung – unter chro­ni­schem Hunger. Der Anteil der unter­er­nähr­ten Menschen – also derjenigen, die nicht regel­mäßig aus­rei­chen­de Nahrung für ein aktives, gesundes Leben zur Ver­fü­gung haben – sank in den Ent­wick­lungs­regionen von 23,6 Prozent in den Jahren 1990 bis 1992 auf 14,3 Prozent in den Jahren 2011 bis 2013.

Die folgende Tabelle zeigt, dass die Ziel­vor­gabe, den Anteil der hun­gern­den Menschen zwischen 1990 und 2015 zu hal­bie­ren, noch erreicht werden kann. Dies wird aller­dings nur mög­lich sein, wenn zu­sätz­liche An­stren­gun­gen unter­nom­men werden, ins­be­son­dere in den Ländern, in denen bislang wenig Ver­bes­se­rung erreicht werden konnte.

Stark unterschiedliche Erfolgsbilanz der Regionen und Länder im Kampf gegen Unterernährung

In den verschiedenen Regionen geht die Unter­er­näh­rung nach wie vor sehr unter­schied­lich zurück. Die Fort­schritte in Süd­ost­asien, Ostasien, im Kau­ka­sus sowie in Zentral­asien, Latein­amerika und der Karibik sind ver­gleichs­weise gut. In anderen Regionen, besonders in Afrika süd­lich der Sahara, ist der Rück­gang des Hungers noch zu langsam, um die Ziel­vor­gabe zu erreichen. In West­asien hat die Unter­er­näh­rung sogar zu­ge­nom­men und auch in Süd­asien und Ozeanien reichen die Fort­schritte noch nicht aus, um die Mil­len­ni­ums­ziel­vor­gabe bis 2015 zu erreichen.

Indikator untergewichtige Kinder

Der Anteil der unter­ge­wich­ti­gen Kinder unter fünf Jahren konnte gegenüber 1990 um bisher 38 Prozent reduziert werden. Die Mil­len­ni­ums­ziel­vor­gabe wird in diesem Bereich vor­aus­sicht­lich nicht erreicht. Die folgende Tabelle zeigt, dass im Jahr 2012 Schätzungen zufolge welt­weit immer noch 99 Millionen Kinder unter fünf Jahren, das entspricht 15 Prozent oder etwa einem Siebtel aller Kinder, unter­ernährt waren.

Weltweit ist jedes siebte Kind unter fünf Jahren untergewichtig

Noch deutlicher als das Untergewicht zeigt der Indikator Wachs­tums­hem­mung die Auswirkung einer chronischen Mangel­er­näh­rung und von Infektionen bei Kindern. Von Wachs­tums­hemmung spricht man, wenn Kinder zu klein für ihr Alter sind. 2012 war weltweit bei jedem vierten Kind eine solche Wachs­tums­ver­zö­ge­rung zu beobachten. Das ist eine deutliche Ver­bes­se­rung gegenüber 1990, als schät­zungs­weise 40 Prozent der Kinder be­trof­fen waren. Dennoch bedeutet es, dass nach wie vor die kognitive und körper­liche Ent­wick­lung von rund 162 Millionen Kindern unter fünf Jahren gefährdet ist.

Mehr erfahren

Wenn Sie mehr über die Fortschritte zur Erreichung des Mil­len­ni­ums­ent­wick­lungs­ziels 1 "Beseitigung der extremen Armut und des Hungers" erfahren möchten, lesen Sie im aktuellen Mil­len­ni­ums­ent­wick­lungs­ziele-Bericht 2014 die Seiten 8 bis 15 – abrufbar hier (PDF 2,7 MB).

Lexikon der Entwicklungspolitik

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