Hauptinhalt

Stimmen aus dem Projekt

"Ich bin so froh, in dieser Schule zu sein!"


Eine Schülerin der Bondeko-Kintambo-Schule in Kinshasa bedient eine Nähmaschine.

Das sagt der 21-jährige Lembi auf die Frage der Besucher, ob es ihm in der Schule gefalle. Der freundliche junge Erwachsene ist einer der älteren Schüler in der Sonderschule für Kinder und Jugendliche mit auditivem oder geistigem Handicap der Einrichtung "Village Bondeko" in Kinshasa. "Hier lernen wir in einem guten Gebäude und wir sind in Sicherheit."

Sein Lehrer, Antoine Luzayadio Vita, übersetzt nun auch die Gebärdensprache des 13-jährigen taubstummen Batadikia, der die fünfte Klasse besucht und mitteilen möchte: "Meine Eltern waren außer sich vor Freude und sehr beruhigt, diese Schule für mich gefunden zu haben. Ich selbst bin auch sehr glücklich hier." Tatsächlich kommt die Sonderschule für viele dieser Kinder und ihre Eltern einer Rettung gleich.

Während es in Deutschland darum geht, Kinder mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen in die normale Schule zu integrieren, statt sie getrennt in Sonderschulen zu unterrichten, geht es in der Demokratischen Republik Kongo darum, ihnen überhaupt eine medizinische Versorgung und Ausbildung zu gewähren. Das ist zum Teil der herrschenden Armut geschuldet – nur zwei Drittel aller Kinder schließen überhaupt die Grundschule ab. Und fast jedes zehnte im Kongo geborene Kind stirbt, bevor es fünf Jahre alt ist , meist als Folge von Unterernährung oder an einer vermeidbaren Infektionskrankheit.

Menschen mit Behinderungen werden stigmatisiert

Hinzu kommt, dass im Kongo noch immer der Aberglaube verbreitet ist, dass ein Kind mit Behinderung verhext sei, ein böser Fluch über ihm liege, der eventuell übertragen werden könne. Kinder mit Behinderungen werden daher oft aus Scham versteckt, besonders auf dem Land, und ihre Mütter ausgegrenzt. Das macht es vielen Frauen sehr schwer, zu ihren Kindern zu stehen. Hilfe oder Förderung für ihre Kinder bekommen sie kaum.

"Kinder mit Handicap werden von der Gesellschaft abgelehnt, da man sie als unproduktiv und als Last empfindet", diese schmerzliche Erfahrung hat auch Nganzio Lameguyo gemacht. Der Vater eines Schülers mit motorischen Schwierigkeiten will heute mithelfen, das Tabuthema "Behinderung" aufzubrechen: "Viele Eltern wollen ihre behinderten Kinder gar nicht erst zeigen, auch nicht den Sozialarbeitern dieser Schule. Ich ermutige sie, sie ihnen zu zeigen und sich nicht zu schämen. Denn dieses Projekt macht es möglich, dass unsere Kinder etwas lernen können."


Ein Platz in dieser Schule kommt einer Rettung gleich

Das "Village Bondeko" liegt wie eine Insel der Zuflucht für diese Kinder und ihre Familien mitten im chaotischen Kinshasa, tief in einem Armenviertel. 2.500 Kinder erhalten in der Einrichtung der katholischen Erzdiözese Kinshasa therapeutische Hilfe und pädagogische Betreuung, ihre Eltern Zuspruch und Unterstützung.

Auf dem Gelände hat der Friedensfonds der KfW gemeinsam mit der Christoffel-Blindenmission eine Schule für gehörlose und geistig beeinträchtigte Kinder gebaut und ausgestattet. Die vier Schulgebäude mit 28 Klassenzimmern bieten 500 Schülerinnen und Schülern Platz.

In einer Zimmerei und einer Nähwerkstatt werden Jugendliche ausgebildet. "Mehr Autonomie" lautet das Ziel. Das funktioniert über das Erlernen einer handwerklichen Fähigkeit, die ihnen später beim Überleben hilft – und ihnen die Eingliederung in die Gesellschaft erleichtert.

Nzita Elysée ist im ersten Jahr ihrer Schneiderlehre. Das junge Mädchen, das mit seiner motorischen Einschränkung klarkommen muss, sagt: "Ich bin sehr glücklich über diese Einrichtung. Sie hilft mir, eine gute Ausbildung zu machen und damit ein nützliches Mitglied der Gesellschaft zu werden."


Lexikon der Entwicklungspolitik

Fenster schließen

 

Seite teilen