Überschwemmung in der Stadt Barisal in Bangladesch

Bangladesch: Zusammenarbeit konkret Anpassung von Städten an den Klimawandel

Bangladesch gehört zu den Ländern, die weltweit am meisten vom Klimawandel betroffen sind. Durch den steigenden Meeresspiegel droht ein Fünftel der Landesfläche dauerhaft überflutet zu werden. Im August 2022 stand nach heftigen Regenfällen ein Drittel des Landes unter Wasser. Zugleich hat das Land mit rund 1.300 Menschen pro Quadratkilometer schon heute eine der höchsten Bevölkerungsdichten der Welt.

Um die Anfälligkeit der Menschen zu verringern, unterstützt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit Städte in Bangladesch dabei, sich an die Auswirkungen des Klimawandels anzupassen.


Beispiel Khulna

Die Stadt Khulna liegt im Südwesten von Bangladesch, umgeben von den Flüssen Bhairab und Rupsha, nur zwei bis vier Meter über dem Meeresspiegel. Aufgrund ihrer Lage wird sie in Monsunzeiten meist stark überschwemmt. Darunter leiden in der Stadt etwa 1,5 Millionen Menschen, von denen rund 40 Prozent in Armut leben. Auf den Straßen fahren zu 80 Prozent Fahrzeuge ohne Motor wie Rikschas. Weil jedoch selbst diese für arme Bevölkerungsschichten oft zu teuer sind, gehen viele Menschen zu Fuß. Das ist in Bangladesch ein Risiko, denn Bürgersteige oder angemessene Fußwege gibt es meist nicht. Gleichzeitig dienen die Straßen in Bangladesch häufig als Dämme und schützen Städte vor Hochwasser.

Arbeiter beim Bau einer neuen Dammstraße in Khulna

Arbeiter beim Bau einer neuen Dammstraße in Khulna, Bangladesch

Arbeiter beim Bau einer neuen Dammstraße in Khulna, Bangladesch

Mit Unterstützung der KfW Entwicklungsbank (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) und der Asiatischen Entwicklungsbank (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) konnten in Khulna zehn Kilometer Zugangsstraßen in den ärmeren Stadtteilen gebaut und so rund 200.000 Menschen dauerhaft an das Verkehrsnetz angebunden werden. Darüber hinaus wurden die Straßen mit Drainagen und Entwässerungskanälen versehen, sodass die Stadtgebiete während der Monsunzeit nicht mehr wochenlang unter Wasser stehen. Die Flutgefahr ist nun deutlich verringert, die Lebensqualität der ansässigen Bevölkerung stark gestiegen. Ein Anwohner berichtete, dass die Straßen früher bis zu sechs Monate im Jahr überschwemmt gewesen seien, die neuen Zugangsstraßen jedoch noch nicht ein einziges Mal. Zudem eröffnen die Straßen neue wirtschaftliche Möglichkeiten.

Auf den positiven Erfahrungen aufbauend, wird aktuell durch die KfW Entwicklungsbank im Auftrag des BMZ und zusammen mit der Stadtverwaltung von Khulna die weitere Zusammenarbeit geplant. Dafür stehen bis zu 30 Millionen Euro zur Verfügung. Zu dem Zweck wird analysiert, wie man die städtische Infrastruktur besser an den Klimawandel anpassen und gleichzeitig die arme und besonders vulnerable (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) Bevölkerung erreichen kann.

Beispiel Barisal

Auch Barisal, die zweitgrößte Küstenstadt Bangladeschs, wird durch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels unterstützt. Barisal ist in den letzten Jahrzehnten rapide gewachsen. Mit der Stadt wuchsen die informellen Siedlungen: Schätzungen zufolge wohnen heute 110.000 Menschen in Slums. Um mehr Wohnraum zu schaffen, wurden Teiche und Kanäle in Barisal zugeschüttet. In der Küstenregion Bangladeschs hat dies ernste Folgen, denn es fehlt an Möglichkeiten für die Entwässerung. In Zeiten des Monsuns oder bei Sturmfluten werden die informellen Siedlungen Barisals als erste überschwemmt. Überflutungen durch Zyklone oder Windschäden stellen zusätzliche Gefahren für die Bevölkerung dar.

Bau einer Uferbefestigung am Ufer des Mayur River in der Stadt Khulna im Südwesten von Bangladesch

Bau einer Uferbefestigung am Ufer des Mayur River in der Stadt Khulna im Südwesten von Bangladesch

Bau einer Uferbefestigung am Ufer des Mayur River in der Stadt Khulna im Südwesten von Bangladesch
Menschen überqueren über eine schmale Fußgängerbrücke und per Boot einen Fluss in Bangladesch.

Daher wurden Maßnahmen zur klimaangepassten Stadtentwicklung unter besonderer Berücksichtigung der armen Bevölkerung identifiziert. So wird mit deutscher Unterstützung unter anderem das Entwässerungsnetz erweitert und das Fassungsvermögen der Regenwasserkanäle erhöht. Entwässerungs- und Flutschutzsysteme können die klimabedingten Probleme Barisals entschärfen und Überflutungszeiten auf wenige Tage verkürzen. Wichtige Straßen sowie Häuser in den Slums werden angehoben. Straßen und Schulen sind somit deutlich länger nutzbar und infrastrukturschwache Stadtteile sind weniger gefährdet. Dadurch sind Wirtschaftskreisläufe weniger gestört, die arme Bevölkerung kann insgesamt besser mit den Auswirkungen des Klimawandels umgehen und sich besser vor seinen Folgen schützen.

Stand: 02.04.2024