Kaffeebäuerin bei der Ernte

Das Prinzip des Fairen Handels

In der Praxis funktioniert Fairer Handel folgendermaßen: Die beteiligten Handelsorganisationen vereinbaren mit den Erzeugern (Produktionsgenossenschaften, Kooperativen, sozial engagierte Unternehmen und andere) bestimmte Mindestabnahmemengen. Außerdem wird ein Preis für die Ware bestimmt, der die Kosten einer sozial und ökologisch verträglichen Produktion abdeckt. Dieser Mindestpreis wird auch dann gezahlt, wenn die Weltmarktpreise für das Produkt zwischenzeitlich sinken. Liegt der Marktpreis über dem vereinbarten Mindestpreis, muss der Importeur oder Händler den Erzeugern diesen höheren Preis zahlen.

Viele Fair-Handels-Unternehmen arbeiten direkt mit den Produzierenden zusammen und garantieren so eine nachhaltige Partnerschaft, die auf existenzsichernden Löhnen und Einkommen basiert.

Siehe auch
Cashew-Verarbeitungsunternehmen in Ghana

Die Vereinbarung mit den Händlern garantiert den Erzeugern eine verlässliche Abnahme ihrer Produkte und eröffnet Kleinbäuerinnen und -bauern aus benachteiligten Regionen des Südens den Zugang zu den Märkten der Industriestaaten. Dort bezahlen die Verbraucherinnen und Verbraucher für fair gehandelte Produkte bewusst einen etwas höheren Preis als für konventionell vertriebene Ware.

Produkte aus Fairem Handel werden in Deutschland sowohl über den herkömmlichen Einzelhandel als auch über mehr als 900 Fachgeschäfte (sogenannte Weltläden) verkauft. Mittlerweile sind fair gehandelte Produkte im Sortiment von fast allen deutschen Supermärkten, Naturkostläden, Biomärkten, Kaufhäusern, Drogeriemärkten sowie im Versand- und Onlinehandel zu finden. Auch in sehr vielen gastronomischen Betrieben werden fair gehandelte Produkte angeboten.


Kaffeeautomat mit Fairtrade-Kaffee

Kaffeeautomat mit Fairtrade-Kaffee

Kaffeeautomat mit Fairtrade-Kaffee

Mehr als 7.000 Produkte am Siegel erkennbar

Bio- und Fairtrade-Siegel
Bio- und Fairtrade-Siegel

Produkte aus Fairem Handel sind besonders gekennzeichnet, damit der Kunde sie problemlos erkennen kann. Das weitaus wichtigste und bekannteste Siegel in Deutschland und weltweit ist das Fairtrade-Siegel der Vereinigung Fairtrade International (FLO). In Deutschland wird es durch den Verein TransFair (Externer Link) vergeben (siehe auch Standards für fair gehandelte Produkte).

Einzelne Unternehmen oder Verbände wie GEPA („fair plus“), Rapunzel Naturkost („Hand in Hand“) oder Naturland („Naturland fair“) haben zudem eigene Richtlinien und Logos für ihr fair gehandeltes Sortiment entworfen. Produzenten und Händler haben bestimmte Standards einzuhalten – nur dann dürfen ihre Produkte mit einem entsprechenden Siegel ausgezeichnet werden.

Auf dem deutschen Markt sind inzwischen mehr als 7.000 fair gehandelte Produkte erhältlich. Das traditionell wichtigste Produkt im Fairen Handel ist Kaffee, weitere Beispiele sind Tee, Orangensaft, Schokolade, Bananen, Honig und Zucker, Wein, Reis, Fußbälle, Kosmetikprodukte, Blumen, Holz und Baumwollkleidung.

Im Jahr 2020 wurden in Deutschland fair gehandelte Waren im Wert von 1,8 Milliarden Euro verkauft, davon entfielen 1,45 Milliarden Euro auf Produkte mit dem Fairtrade-Siegel.

Vom Fairen Handel profitieren weltweit 2,5 Millionen Kleinbauernfamilien und Beschäftigte in Kooperativen und Plantagen in über 70 Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas.

Eine Kundin wird in einem Weltladen beraten.

Eine Kundin wird in einem Weltladen beraten.

Eine Kundin wird in einem Weltladen beraten.

Kampagnen des Fairen Handels

Städte und Gemeinden sind wichtige Partner in der Entwicklungspolitik. Seit 2009 können sich Kommunen in Deutschland um den Titel Fairtrade-Town (Externer Link) bewerben. Weltweit gibt es bereits mehr als 2.000 Fairtrade-Towns, davon rund 730 „faire“ Kommunen in Deutschland. Die Bewerber müssen verschiedene Kriterien erfüllen, um den Titel zu erhalten, unter anderem müssen in öffentlichen Einrichtungen Produkte aus Fairem Handel (zum Beispiel Kaffee, Tee, Zucker) verwendet werden.

Seit 2012 gibt es die Kampagne Fairtrade-Schools (Externer Link). Schüler, Eltern und Lehrkräfte gründen gemeinsam ein Fairtrade-Schulteam und erarbeiten einen Fairtrade-Kompass für ihre Schule. Er soll sicherstellen, dass das Thema Fairer Handel in verschiedenen Klassenstufen und Unterrichtsfächern behandelt wird, regelmäßig Aktionen zum Thema stattfinden und dass zum Beispiel in der Schulkantine fair gehandelte Produkte verarbeitet werden. Bundesweit haben bereits 774 Schulen den Titel Fairtrade-School erworben.

2014 hat TransFair außerdem die Kampagne Fairtrade-Universities (Externer Link) gestartet. Studierende, Verwaltung, gastronomische Betriebe und Geschäfte der Hochschule sollen gemeinsam Bewusstsein für die Bedeutung des Fairen Handels schaffen. Bereits 32 Fairtrade-Universities gibt es in Deutschland (Stand: März 2021).

Das Forum Fairer Handel

Mehrere deutsche Organisationen, die im Fairen Handel arbeiten oder ihn fördern, haben sich zu einem Netzwerk zusammengeschlossen, dem Forum Fairer Handel (Externer Link). Ihr Ziel ist es, gemeinsame Forderungen gegenüber Politik und Handel durchzusetzen und eine stärkere Ausweitung des Fairen Handels zu erreichen. Zusätzlich zu den Mitgliedern gibt es zahlreiche Organisationen, die die Arbeit des Forums unterstützen und begleiten, darunter zum Beispiel die kirchlichen Hilfswerke und Jugendorganisationen.

Das Forum Fairer Handel gilt als Dachverband wichtiger Träger des Fairen Handels und ist zusammen mit dem Weltladen-Dachverband und TransFair für das BMZ ein wichtiger strategischer Partner bei der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit im Bereich Fairer Handel.