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Senegal

Situation und Zusammenarbeit

Flugzeug auf dem Leopold-Sedar-Senghor Flughafen in Dakar, Senegal. Im Hintergrund ist das African Renaissance Monument zu sehen.

Im Frühjahr 2012 festigte Senegal seinen Ruf als stabile Demokratie in einer unruhigen Region Afrikas. In einer friedlichen und transparenten Wahl wurde Macky Sall zum neuen Präsidenten des Landes gewählt. Der Wahlkampf wurde durch heftige, teils gewalttätige Proteste gegen Amtsvorgänger Abdoulaye Wade begleitet, der auf verfassungswidrige Weise eine dritte Amtszeit anstrebte. Insbesondere junge Wähler demonstrierten außerdem gegen Korruption und Misswirtschaft, die Wades Präsidentschaft zuletzt geprägt hatten. Die Wahlen selbst verliefen dann jedoch ruhig und der friedliche Machtwechsel gelang. Die Parlamentswahlen im Juni 2017 hat das Parteienbündnis von Präsident Macky Sall mit großer Mehrheit gewonnen.

Der senegalesische Präsident steht vor großen innenpolitischen Herausforderungen: Fast die Hälfte der Menschen lebt in Armut, mehr als zehn Prozent der Bevölkerung gelten als unterernährt. 17 Prozent sind nach Angaben des Welternährungsprogramms (WFP) ​von Ernährungsunsicherheit betroffen. Die Einkommen sind sehr ungleich verteilt, besonders groß ist die Armut in den ländlichen Regionen, insbesondere im vorwiegend trockenen Osten und Norden des Landes. Die Gesundheitsversorgung ist unzureichend. Die Analphabetenrate liegt deutlich über 50 Prozent. Auf dem Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen (HDI 2015) nimmt die Republik Senegal Rang 162 von 188 Ländern ein. Sie gehört zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt (LDCs).

Die Gleichberechtigung der Geschlechter ist verfassungsrechtlich garantiert. Vor allem in den ländlichen Regionen ist die Situation der Frauen jedoch noch durch ein traditionelles Rollenverständnis bestimmt. Weibliche Genitalverstümmelung ist bei einigen Ethnien weiterhin verbreitet. Bei den Parlamentswahlen wird ein Gesetz zur Geschlechtergerechtigkeit angewendet. Es führt dazu, dass aktuell 69 der 165 Abgeordneten Frauen sind. Mit dieser Quote belegt Senegal weltweit einen Spitzenplatz.


Wirtschaft

Fischer und ihre Boote am Strand von Dakar, Senegal

Die senegalesische Wirtschaft ist durch eine starke Importabhängigkeit, einen kleinen Binnenmarkt und eine geringe Exportbreite geprägt. Der Großteil der Bevölkerung arbeitet in der Landwirtschaft und im Fischfang. Die Produktivität des Agrarsektors ist allerdings gering, nur etwa 17 Prozent des Bruttoinlandproduktes werden dort erzeugt. Hauptursachen sind die schlechte Qualität der Böden, die unregelmäßigen Regenfälle sowie Überweidung und Abholzung – mit einer fortschreitenden Verödung der Böden als Folge. Die Küstengewässer werden nicht verantwortungsvoll bewirtschaftet und sind daher überfischt.

Der Klimawandel verschärft die ohnehin schwierige Situation in der Landwirtschaft. Eine zunehmende Zahl von Dürren und Überschwemmungen zerstört Ernten und bedroht die Nutztierhaltung.

Im Jahr 2016 wuchs die senegalesische Wirtschaft um beachtliche 6,75 Prozent. In den vergangenen Jahren unterlag die wirtschaftliche Entwicklung jedoch großen Schwankungen. Angesichts des starken Bevölkerungswachstums (2016: 2,9 Prozent) ist für eine wirkungsvolle Bekämpfung der Armut ein Wirtschaftswachstum von dauerhaft sechs bis sieben Prozent notwendig.

Um private Investitionen zu fördern, müssen noch viele Barrieren abgebaut werden. Ein erhebliches Problem ist zum Beispiel die Stromknappheit. Zurzeit sind mehrere Kraftwerke im Bau, die im Laufe der nächsten Jahre ans Netz gehen sollen, darunter ein durch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit finanziertes Solarkraftwerk bei Dakar. Dadurch soll sich die Stromversorgung deutlich verbessern, was sich auch auf das Wirtschaftswachstum auswirken würde.

Auch die veraltete Transportinfrastruktur, langwierige Verwaltungsverfahren, ein unattraktiver Steuerrahmen, überholte Bodenrechte und komplexe Auflagen der Behörden behindern die Entwicklung des Landes.

Präsident Sall hat umfassende Reformvorhaben formuliert, um diese Hemmnisse abzubauen und die Lebensbedingungen der Menschen im Land zu verbessern. 2014 stellte er den "Plan Sénégal Emergent" (PSE) vor, der die Entwicklungsschritte der nächsten zehn Jahre formuliert. Dazu gehören auch große Infrastrukturprojekte wie der Bau eines neuen Flughafens und einer neuen Bahnlinie zwischen Dakar und Bamako, der Hauptstadt von Mali.


Landflucht und Migration

In einem Projekt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit in Kayar, Senegal, wird Solartechnik zum Betreiben von Wasserpumpen eingesetzt.

Da sich viele Menschen nicht mehr durch die Landwirtschaft ernähren können, wandern sie in die Städte ab. Das führt dort zu großen Problemen, besonders bei der Trinkwasserversorgung und der Abwasser- und Abfallentsorgung. Auch die sozialen Konflikte verschärfen sich, da die städtischen Arbeitsmärkte den Bevölkerungszustrom nicht aufnehmen können. Die offizielle Arbeitslosenquote liegt bei 9,5 Prozent, laut Schätzungen sind jedoch rund 40 Prozent der Erwerbstätigen arbeitslos oder unterbeschäftigt.

Pro Jahr verlassen mehr als 100.000 Senegalesinnen und Senegalesen ihr Land, weil sie sich in anderen Ländern bessere Einkommenschancen und Lebensbedingungen erhoffen. Die meisten bleiben in der Region der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (Economic Community of West African States, ECOWAS), doch auch Europa übt eine große Anziehungskraft aus. Die Rücküberweisungen senegalesischer Migranten erreichen inzwischen umgerechnet mehr als zwei Milliarden US-Dollar im Jahr und stellen damit einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar.

Seit 2017 ist Senegal Zielland des BMZ-Programms "Migration und Entwicklung". Eine Beratung erfolgt in den Bereichen Diasporakooperation, Migration und Existenzgründung. Außerdem ist Senegal Partnerland des BMZ-Rückkehrerprogramms "Perspektive Heimat". Im Dezember 2017 nahm ein Migrationsberatungszentrum in Dakar seine Arbeit auf. In Verbindung mit örtlichen Projekten der deutschen Entwicklungszusammenarbeit soll es Rückkehrer bei der Berufsbildung und Arbeitsplatzsuche unterstützen.


Konfliktregion Casamance

Ein Schild warnt vor Landminen an der Grenze zwischen Senegal und Guinea-Bissau

Der Südteil ​Senegals, die Casamance, ist geografisch weitgehend vom übrigen Staatsgebiet getrennt. Er ist zudem historisch, kulturell, wirtschaftlich und ethnisch-religiös anders geprägt als der Norden. In der Region kam es drei Jahrzehnte lang immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen, weil Rebellengruppen für eine größere Autonomie der Casamance eintreten.

Seit dem Machtwechsel 2012 hat sich die Lage in der Region weitgehend beruhigt, ein Großteil der während des Konflikts verlegten Landminen wurde entfernt. In jüngster Zeit gemeldete gewalttätige Zwischenfälle standen meist im Zusammenhang mit illegalem Holzhandel.

Präsident Sall misst dem Friedensprozess in der Region eine hohe politische Bedeutung bei. Unter anderem hat er die Casamance zur Pilotregion für den Dezentralisierungsprozess erklärt. Die Europäische Union hat ein Sonderprogramm aufgelegt, um die Lebensbedingungen der Bevölkerung, die stark unter dem Konflikt zu leiden hatte, zu verbessern.

Die Casamance verfügt über bedeutende natürliche Ressourcen und hat damit die größten Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb des Landes. Voraussetzung ist jedoch eine dauerhafte Lösung des Konflikts.


Entwicklungspotenziale

Senegal bietet Investoren stabile politische Verhältnisse. Die Regierung gilt als reform- und entwicklungsorientiert, die Wirtschaftsordnung ist marktfreundlich. Zu den Wachstumsbranchen zählen Bauwirtschaft, Telekommunikation, Forstwirtschaft, Tourismus sowie der Obst- und Gemüseanbau für den Export.

Großes wirtschaftliches Potenzial hat der 50 Kilometer östlich von Dakar liegende Flughafen, der im Dezember 2017 in Betrieb gegangen ist. Er könnte dazu beitragen, Senegal zu einem Drehkreuz für die Region Westafrika und darüber hinaus zu entwickeln.

Der wichtigste Wachstumsbereich ist der Dienstleistungssektor. Er macht inzwischen knapp 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus.


Schwerpunkte der deutschen Zusammenarbeit mit dem Senegal

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller trifft den Präsidenten Senegals, Macky Sall, beim G7-Gipfel in Elmau

Deutschland und Senegal arbeiten seit Jahrzehnten entwicklungspolitisch zusammen. Die letzte Drei-Jahres-Zusage erfolgte 2015 in Höhe von 53,66 Millionen Euro. Zusätzlich bewilligte das Bundesentwicklungsministerium 2016 und 2017 Mittel in Höhe von insgesamt 29,6 Millionen Euro.

Die Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich auf den Bereich erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Vorhaben in den früheren Schwerpunkten nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und Dezentralisierung wurden 2015 abgeschlossen und in senegalesische Verantwortung übergeben.

Deutschland unterstützt Senegal auch über die African Risk Capacity Insurance Company (ARC). Es handelt sich um eine Klimarisikoversicherung für afrikanische Länder, die vom BMZ mit 50 Millionen Euro mitfinanziert wird. 2015 erhielt Senegal als erstes Land eine Auszahlung von 16,5 Millionen US-Dollar aus dieser Versicherung.


Erneuerbare Energien und Energieeffizienz

In Senegal fördert Deutschland den Bau von dezentralen Solaranlagen im ländlichen Raum.

Energiemangel gehört zu den großen Entwicklungshemmnissen in Senegal. Angesichts der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, die importiert werden müssen, zeigt die Regierung großes Interesse daran, verstärkt Sonnen- und Windenergie zu nutzen. Deutschlands Kenntnisse und Erfahrungen in diesem Bereich werden in Senegal sehr geschätzt. Ziel der Zusammenarbeit ist, den Zugang zu Energie in ländlichen Gebieten zu erhöhen und die Energieversorgung insgesamt sicherer, effizienter und umweltfreundlicher zu gestalten.

Im Rahmen der finanziellen Zusammenarbeit fördert Deutschland den Bau eines Photovoltaikkraftwerks südlich von Dakar und mehrerer dezentraler, ländlicher Inselnetze mit kleineren Photovoltaik- und Hybridanlagen. In neun Städten werden die Stromverteilungsnetze modernisiert und Stromzähler installiert, die eine Bezahlung per Vorkasse ermöglichen.

Um die Energieversorgung in ländlichen Regionen zu verbessern, fördert Deutschland eine öffentlich-private Partnerschaft (Public Private Partnership, PPP): Die KfW Entwicklungsbank unterstützt eine von der staatlichen Agentur für ländliche Elektrifizierung vergebene Konzession für den Bau und Betrieb von Stromversorgungssystemen. Ein privates Unternehmen soll in den vier ländlichen Projektregionen 27.000 neue Stromanschlüsse schaffen.

Die GIZ berät die senegalesischen Partner dabei, Aus- und Fortbildungsangebote im Bereich der erneuerbaren Energien und Energieeffizienz sowie solarbasierte Lösungen speziell für kleinste, kleine und mittlere Unternehmen staatlich zu fördern.

Ein weiteres Programm der technischen Zusammenarbeit macht sich die neuen Optionen zunutze, die sich aus der flexiblen, dezentralen Verfügbarkeit von Strom aus erneuerbaren Energien ergeben. Es unterstützt die Entwicklung von neuen Berufsprofilen, Einkommens- und Beschäftigungsmöglichkeiten, die insbesondere für junge Erwachsene in strukturschwachen Regionen zugänglich und attraktiv sind. Auf diese Weise soll die junge Generation Chancen und Zukunftsperspektiven entdecken, die sich ihr im eigenen Land bieten.

Neue Beschäftigungsperspektiven soll auch ein innovatives Vorhaben zur Hochschulbildung schaffen, das 2016 gestartet wurde und schrittweise auf die Berufsbildung ausgeweitet werden soll. Es werden praxisrelevante Studiengänge und nachfrageorientierte Fortbildungsangebote entwickelt sowie die unternehmerischen Fähigkeiten der Studierenden gestärkt.


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Bericht über die Reise von Bundesminister Müller nach Niger, Ruanda und in den Senegal im August 2016

Lexikon der Entwicklungspolitik

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