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Peru

Situation und Zusammenarbeit

Die Kathedrale von Lima, Peru

Peru blickt auf eine sehr bewegte jüngere Geschichte zurück. Die 1980er Jahre waren vom Terror der Guerillabewegungen maoistischer Prägung (Leuchtender Pfad) geprägt, darauf folgte die autoritäre bis diktatorische Regierung unter Präsident Alberto Fujimori. Doch 2001 kehrte Peru auf den demokratischen Weg zurück. Das Land hat sich von einem nahezu gescheiterten Staat mit internem bewaffnetem Konflikt zu einem Modell für demokratische Stabilisierung, wirtschaftlichen Aufschwung und Armutsreduzierung entwickelt.

Bei freien Wahlen im Jahr 2001 wurde Alejandro Toledo zum Staatsoberhaupt gewählt. Seine Regierung erzielte beachtliche Erfolge bei der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung Perus. Die derzeitige Regierung unter Präsident Ollanta Humala will die Demokratie weiter festigen und die Armut im Land durch eine Politik der "sozialen Inklusion" noch entschiedener bekämpfen.

Die demokratische Konsolidierung Perus geht mit einem beeindruckenden wirtschaftlichen Aufschwung einher. Zwischen 2002 und 2012 ist die peruanische Wirtschaft durchschnittlich um 6,5 Prozent pro Jahr gewachsen. Von den Folgen der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2008 hat sie sich schnell erholt. 2013 betrug das Wirtschaftswachstum 5,8 Prozent, für 2014 und 2015 werden vom Internationalen Währungsfonds (IWF) geringere Wachstumsraten erwartet.

Hauptverantwortlich für die gute wirtschaftliche Entwicklung sind der Außenhandel und die umfangreichen Investitionen in Bergbau und Erdgasförderung. Peru profitiert hier von hohen Weltmarktpreisen für seine Exportgüter, vor allem für mineralische Rohstoffe wie Gold, Kupfer, Silber und Zink. Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 6.270 US-Dollar pro Jahr hat sich Peru mittlerweile als Land mit höherem mittlerem Einkommen (upper-middle-income country) etabliert.

Erfolge in der Armutsreduzierung bei weiterhin hoher sozialer Ungleichheit

Straßenszene in Lima, Peru

Auch wenn sich die Armut und die Ungleichheit im Land verringern, sind sie nach wie vor das größte Problem Perus. Vermögen und Einkommen sind sehr ungleich verteilt. Besonders stark ausgeprägt ist die Armut in den ländlichen Regionen des Andenhochlandes, am Ostabhang der Anden, in Amazonien und unter der indigenen Bevölkerung. Ein Großteil der Peruanerinnen und Peruaner lebt von Subsistenzlandwirtschaft (Selbstversorgung) und von schlecht bezahlten Tätigkeiten im informellen Sektor.

Erklärtes Ziel der Regierung von Präsident Humala ist es, die Armut zu verringern und die Sozialpolitik auszuweiten. Zugleich soll aber die durch Haushaltsdisziplin geprägte liberale Wirtschaftspolitik beibehalten werden. Gestützt durch die positive wirtschaftliche Entwicklung konnte die peruanische Regierung in den vergangenen Jahren signifikante Erfolge bei der Armutsbekämpfung vorweisen: 2004 lebten nach Angaben der Weltbank noch 58,7 Prozent der Bevölkerung unterhalb der nationalen Armutsgrenze, 2013 waren es nur noch 23,9 Prozent. Die extreme Ungleichheit zwischen städtischen und ländlichen Gebieten verringerte sich zwar, besteht jedoch weiter fort. Auf dem Land leben 48 Prozent der Bevölkerung in Armut, in den Städten sind es nur rund 16 Prozent.

Bedingt durch das hohe Wirtschaftswachstum stiegen die Einnahmen des peruanischen Staates, der daraufhin deutlich mehr Mittel für Sozialprogramme einsetzte. Dazu zählen das neue steuerfinanzierte Rentenprogramm Pensión 65, ein Stipendienprogramm für arme Schulabsolventen, ein staatliches Programm zur Förderung von Kleinkindern, ein Programm für Schulspeisungen und das konditionierte Cash-Transferprogramm JUNTOS. Ein wichtiger Schritt der Regierung Humala zur Verbesserung der sozialen Situation war auch die Gründung des Ministeriums für soziale Entwicklung und Inklusion (Ministerio de Desarrollo e Inclusión Social, MIDIS) im Oktober 2011. Es soll die Sozialpolitik sektorübergreifend steuern und ihre Wirksamkeit verbessern.

Die Regierung schafft es bisher jedoch nur ansatzweise sicherzustellen, dass auch und vor allem die armen Bevölkerungsteile vom Wirtschaftswachstum profitieren. Sozialprogramme und ein Finanzausgleich zwischen Nationalstaat und Regionen können nur einen begrenzten Beitrag zur Entwicklung der ländlichen Räume leisten.

Die wirtschaftliche Entwicklung wird stark vom Bergbau getragen – Rohstoffe sind mit Abstand das wichtigste Exportgut Perus. Doch der Sektor schafft nur wenig direkte Arbeitsplätze. Bergbauvorhaben sind zudem oft von sozialen Konflikten begleitet. Diese entzünden sich vor allem an Umweltfragen und an der Verteilung der Erlöse. Die indigene Bevölkerung profitiert nur in geringem Maße vom wirtschaftlichen Aufschwung – und hat sogar unter ihm zu leiden: Landwirtschaft, Holzeinschlag und Bergbau dringen immer weiter in die Siedlungsgebiete indigener Völker und Gemeinschaften ein und bedrohen ihre Lebensräume. Um der indigenen Bevölkerung die Mitsprache bei Investitionsentscheidungen für Großprojekte zu ermöglichen, hat die peruanische Regierung 2011 ein Konsultationsgesetz verabschiedet.


Drogenhandel und illegaler Bergbau

Eines der größten Probleme für den weiteren Ausbau des Rechtsstaats und die Stabilisierung Perus ist der Drogenanbau. Das Land ist neben Kolumbien und Bolivien einer der größten Kokaproduzenten und weltweit Hauptexporteur von Kokain. Der Anbau von Kokasträuchern ist für viele Bauern die einzige Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu sichern. Dem Staat gelingt es in einigen Regionen nicht, das staatliche Gewaltmonopol durchzusetzen und wirksam gegen die schwer bewaffnete Drogenmafia vorzugehen.

Problematisch sind auch der illegale Holzeinschlag und der unkontrollierte, illegale Goldbergbau. Die Goldgewinnung wird durch attraktive Weltmarktpreise forciert und hat vor allem im Amazonasgebiet verheerende Konsequenzen für die Natur und die dort lebenden Menschen. Solange keine alternativen Einkommensquellen zur Verfügung stehen, spielen diese hochproduktiven illegalen Wirtschaftszweige vor allem für die arme Landbevölkerung eine wichtige Rolle. Viele ländliche Entwicklungsvorhaben konzentrieren sich deshalb darauf, die Produktion und Vermarktung von alternativen landwirtschaftlichen Produkten wie Kaffee und Kakao zu fördern.


Fortschritte beim Um­welt­schutz, Risiken durch Klimawandel

Die peruanischen Anden, von einem Flugzeug aus gesehen

Das ökologische Bewusstsein der Peruanerinnen und Peruaner ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Im Mai 2008 gründete die peruanische Regierung – auch mit deutscher Unterstützung – ein Umweltministerium. Bei der Abwägung von wirtschaftlichen und ökologischen Interessen wird die Position des Umweltministers mehr und mehr von einer breiten Öffentlichkeit unterstützt.

Auch bei der Umweltschutzgesetzgebung sind große Fortschritte zu verzeichnen. Es wurden neue Schutzgebiete ausgewiesen. Der Holzeinschlag soll durch ein überarbeitetes Forstgesetz nachhaltiger und umweltverträglicher werden. Außerdem wurden die Strafen für illegales Goldschürfen verschärft. Die Durchsetzung der strengen Gesetze muss allerdings noch verbessert werden.

Den Menschen wird zunehmend bewusst, dass Peru aufgrund seiner geografischen Lage eines der weltweit am stärksten vom Klimawandel betroffenen Länder sein wird. Die globale Klimaerwärmung sorgt bereits jetzt für unregelmäßige Niederschläge, große Temperaturschwankungen und ein Abschmelzen der Andengletscher.

Das Gletscherwasser wird in weiten Teilen des Landes zur Bewässerung der Felder und für die Trinkwasserversorgung gebraucht. Falls die Gletscher weiter zurückgehen, kann es zu einer bedrohlichen Wasserknappheit kommen. Davon betroffen ist auch die Trinkwasserversorgung der Küstenstädte. Denn die Küste Perus ist eine Wüstenregion, deren Wasserversorgung vollständig aus den Zuflüssen aus den Anden gespeist wird. Lima ist nach Kairo die zweitgrößte in einer Wüste gelegene Stadt der Welt. Neben der Trinkwasserversorgung ist auch die Stromversorgung durch Wasserkraft durch das Schrumpfen der Gletscher gefährdet. Dürren, Überschwemmungen, Erdrutsche und Schlammlawinen bedrohen die Menschen in der Küsten- und Andenregion und sorgen für zunehmende Ernterisiken.


Schwerpunkte der deutschen Zu­sam­men­ar­beit mit Peru

Im Mai 2014 fanden in Lima deutsch-peruanische Regierungsverhandlungen statt. Im Jahr2015 sagte Deutschland seinem Partnerland Mittel in Höhe von 122,5 Millionen Euro neu zu. Von dieser Summe entfallen 92 Millionen Euro auf die finanzielle und 30,5 Millionen Euro auf die technische Zusammenarbeit. Da 2013 bereits eine Zwischenzusage erfolgte, ergibt sich insgesamt eine Unterstützung in Höhe von 201,8 Millionen Euro für die Jahre 2014 und 2015. Angesichts der eigenen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Perus handelt es sich bei den Zusagen überwiegend um zinsverbilligte Kredite.

Die Entwicklungszusammenarbeit zwischen Deutschland und Peru konzentriert sich auf drei Schwerpunkte:

  • ​Demokratie, Zivilgesellschaft und öffentliche Verwaltung
  • ​Trinkwasser und Abwasser
  • ​Management der natürlichen Ressourcen und Klimawandel

Zusätzlich engagiert sich die deutsche Entwicklungszusammenarbeit in den Bereichen erneuerbare Energien/Energieeffizienz, Gewalt gegen Frauen und Vorschulbildung. Deutschland unterstützt überdies vielfältige Kooperationen mit der Privatwirtschaft und fördert Dreieckskooperationen, um Erfahrungen aus der deutsch-peruanischen Zusammenarbeit an andere Entwicklungsländer weiterzugeben.

Eine enge Abstimmung erfolgt mit dem Bundesumweltministerium, das sich im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) ebenfalls umfangreich in Peru engagiert.


Demokratie, Zivil­ge­sell­schaft und öffentliche Verwaltung

Beim Klimagipfel 2014 in Lima, Peru, spricht Bundesentwicklungsminister Gerd Müller mit Vertreterinnen und Vertretern von Nichtregierungsorganisationen.

Deutschland unterstützt die peruanische Regierung dabei, den Staat grundlegend zu modernisieren und die Leistungsfähigkeit der staatlichen Institutionen zu erhöhen. Die Zusammenarbeit hat zum Ziel, den Zugang der ärmeren Bevölkerungsgruppen zu effizienten öffentlichen Dienstleistungen zu verbessern.

Um dies zu erreichen, arbeitet die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit staatlichen Einrichtungen auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene sowie mit der Zivilgesellschaft zusammen. Im Mittelpunkt steht die Umsetzung wichtiger Reformprozesse in den Regionen, etwa die Verbesserung des ergebnisbasierten öffentlichen Finanzmanagements, die Umstrukturierung von Sozialprogrammen und die Bereitstellung von sozialen Leistungen. Das deutsche Engagement trägt dazu bei, die Transparenz öffentlichen Handelns zu erhöhen und staatliche Kontrollmechanismen zu stärken. Auch die Reform des Strafrechts und der Justiz wird begleitet.

Im Rahmen dieses Schwerpunkts förderte die deutsche Entwicklungszusammenarbeit auch den Aufbau einer nationalen Gedenkstätte für die Opfer des internen bewaffneten Konflikts zwischen 1980 und 2000. Sie soll zur Aufarbeitung der traumatischen Erlebnisse dieser Zeit beitragen. Der Hörsaal der Gedenkstätte wurde im Juni 2014 eröffnet.


Trinkwasser und Abwasser

Laut Weltbank haben rund 87 Prozent der Peruanerinnen und Peruaner Zugang zu sauberem Trinkwasser, 73 Prozent verfügen über eine geregelte Abwasserentsorgung. Dabei besteht aber weiterhin ein großes Ungleichgewicht zwischen Land und Stadt. Die Regierung unternimmt jedoch erhebliche Anstrengungen, die Situation zu verbessern. Unter anderem hat sie verschiedene Investitionsprogramme gestartet und stimmt sich eng mit der internationalen Gebergemeinschaft ab. Es wird daher erwartet, dass die Millenniumsziele zur Trinkwasserversorgung erreicht werden können.

Dennoch bestehen weiterhin Probleme: Abwassersysteme und vor allem Kläranlagen sind nicht überall vorhanden. Insbesondere auf dem Land ist die Qualität der Wasserversorgung noch nicht flächendeckend gesichert. Die finanzielle Situation der Wasserunternehmen verbessert sich nur langsam. Die Ausbildung der technischen Fachkräfte im Sektor ist unzureichend.

Vorrangiges Ziel der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ist es, die Versorgung ärmerer Bevölkerungsschichten mit Trinkwasser und Sanitäranlagen zu verbessern. Dazu berät die deutsche Entwicklungszusammenarbeit die peruanische Regierung bei der Umsetzung eines neuen Wassergesetzes. Versorgungsunternehmen werden dabei unterstützt, ihre Technik zu erneuern, Wasserverluste zu reduzieren, ein effizientes Management einzuführen, ihr Tarifsystem zu reformieren und die Ausbildungssituation zu verbessern. Außerdem fördert das BMZ den Bau, Ausbau und die Erneuerung von Trinkwasserleitungen, Abwassernetzen und Kläranlagen. Die Nutzung von geklärtem Wasser ist ein wichtiger Beitrag zum Schutz der Wasserressourcen und zur Anpassung Perus an den Klimawandel.


Management der natürlichen Ressourcen und Klimawandel

Kaffeebauer Leoncio Parisaca von der COCLA-Kooperative Mateo Pumacahua

Die armutsbedingte und unkontrollierte Ausdehnung der Landwirtschaft, der illegale Holzeinschlag und der informelle Bergbau gefährden den Tropenwald in Peru – und damit sowohl die Lebensgrundlage vieler Menschen als auch das globale Klima.

Der Schutz globaler öffentlicher Güter ist ein zentraler Aspekt der deutsch-peruanischen Zusammenarbeit in diesem Schwerpunkt. Das deutsche Engagement konzentriert sich auf das Management von Schutzgebieten, den Waldschutz, die Förderung einer nachhaltigen Forstwirtschaft und das Ressourcenmanagement.

Dabei geht es zum Beispiel darum, die Wettbewerbsfähigkeit der peruanischen Tropenholzproduktion zu steigern. Dazu soll der Anteil des zertifizierten Holzes aus nachhaltiger Bewirtschaftung gesteigert und der illegale Handel mit Tropenholz bekämpft werden. Um die Handlungs- und Kontrollfähigkeiten der Regierung auszubauen, berät Deutschland das peruanische Umweltministerium und seine nachgeordneten Behörden für Umweltgenehmigungen und Umweltprüfungen.

Die peruanischen Schutzgebiete sind ein weiteres wichtiges Arbeitsfeld. Deutschland unterstützt das peruanische Schutzgebietssystem, indem es zum Beispiel die Infrastruktur in Nationalparks finanziert, die Verwaltung von Schutzgebieten und Pufferzonen verbessert und die nachhaltige Finanzierung von Schutzgebieten fördert. Neben der Zentralregierung unterstützt Deutschland auch mehrere Regionalregierungen dabei, Fachwissen für das Management natürlicher Ressourcen aufzubauen.


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Bericht über die klimapolitische Reise von Entwicklungsminister Müller nach Kolumbien und Peru

Lexikon der Entwicklungspolitik

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