Orangenindustrie in Südafrika

Wirtschaftliche Situation Großes Potenzial, schwaches Wachs­tum

Südafrika zeigt sowohl typische Merkmale eines Schwellen­landes (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen), als auch eines Ent­wicklungs­landes (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen): Einerseits gilt der Staat als Vorreiter auf dem afrika­nischen Kontinent – mit einer hoch­entwickelt­en Volks­wirtschaft, einem Finanz­sektor auf Weltniveau, großen Rohstoff­reserven, einer vergleichs­weise guten Infras­truktur, einer teils exzellenten Wissen­schafts­landschaft und einem unab­hängigen, verlässlichen Rechts­system. Andererseits kann die soziale Ent­wicklung noch nicht mit den wirt­schaftlichen Fort­schritten mit­halten.

Dynamik hat nach­gelas­sen

In den vergangenen Jahren hat sich die wirtschaft­liche Dynamik deutlich abgeschwächt: Seit 2014 liegen die Wachs­tums­raten unter zwei Prozent, 2020 schrumpfte die Wirtschaft corona­bedingt um 6,4 Prozent.  In den kommenden Jahren erwartet der Inter­nationale Währungs­fonds (IWF) eine leichte Erholung der Wirt­schaft mit Wachs­tums­raten zwischen 1,3 und 2,2 Prozent. Voraussetzung dafür ist eine aktiv vorangetriebene Reform­politik der Regierung.

Die aktuellen Werte reichen bei Weitem nicht aus, um die sozialen Probleme dauerhaft zu lösen. Vor allem private Unter­nehmen halten sich mit Investi­tionen zurück. Zu den Gründen zählen die Un­sicher­heit über den wirtschafts­politischen Kurs der Regierung, der Fach­kräfte­mangel, die Energie­knappheit, häufige Arbeits­kämpfe und die hohe Krimi­nalität im Land.

Mangel an Fach­kräften

Die meisten Menschen aus den benach­teiligten Bevölker­ungs­gruppen haben während des Apart­heid-Regimes keine Berufs­ausbildung erhalten, die den Ansprüchen des modernen Arbeits­markts entspricht. Der Mangel an gut ausge­bildeten Fach­kräften bremst nun die ehr­geizigen Wachstums­pläne von Regierung und Unter­nehmen.

Jobsuchende stehen zudem in Konkurrenz zu Millionen Arbeits­migranten aus den Nachbar­staaten, die sich in Südafrika Verdienst­möglich­keiten erhoffen. Ein Anzeichen für wachsende soziale Span­nungen  ist, dass es in den vergangenen Jahren immer wieder zu aus­länder­feindlichen Aus­schreit­ungen gekommen ist, zuletzt verstärkt 2019. 

Entwicklungspotenz­iale

Südafrika hat große Ent­wicklungs­potenziale. Wirtschaft­liches Wachstum ist vor allem in der verarbeit­enden Industrie, im Bergbau, im Tourismus und im Bereich der Solar- und Wind­energie  möglich.

Das größte – bisher noch unzu­reichend genutzte – Potenzial sind jedoch die Menschen im Land. Südafrika hat durch seine Verfas­sung die not­wendigen Voraus­setzungen geschaffen, um beim Zugang zu Bildung sowie zu materiellen und natür­lichen Res­sourcen Chancen­gleich­heit herzustellen. Damit ist die Basis für eine erfolgreiche demo­kratische und pluralis­tische Ent­wick­lung der Gesell­schaft gelegt.