Soziale Situation Spaltung zwischen Arm und Reich

Die Apartheid-Politik hat in Südafrika tiefe Spuren hinter­lassen. Zwar konnte sich mittler­weile eine schwarze Mittel- und Ober­schicht heraus­bilden. Doch für einen großen Teil der Bevöl­kerung haben sich die Lebens­verhält­nisse bis heute nicht spürbar gebessert.

Menschen in einem Armenviertel am Stadtrand von Kapstadt

Menschen in einem Armenviertel am Stadtrand von Kapstadt

Menschen in einem Armenviertel am Stadtrand von Kapstadt

Die sozialen Strukturen sind instabil und die Krimi­nalität liegt im inter­nationalen Vergleich auf erschreckend hohem Niveau. Südafrika zählt zu den Ländern mit den welt­weit höchsten Mord- und Ver­gewaltigungs­raten. Die gewalt­samen Unruhen im Jahr 2021 waren ein Schock für das Land und haben die großen sozialen Probleme Südafrikas noch einmal deutlich gemacht.

2010 rief die Regierung eine nationale Plan­ungs­kom­mis­sion ins Leben. Sie hat in einem offenen, dialog­orien­tierten Prozess bestehende Ent­wick­lungs­defizite analysiert und eine lang­fristige Strategie für das Land er­arbeitet. Im Sommer 2012 legte die Kommis­sion einen nationalen Ent­wick­lungs­plan bis 2030 vor. Sein Ziel ist, Armut und soziale Un­gleich­heit zu über­winden.

Armut und Arbeits­losig­keit

Mehr als die Hälfte der Einwohner­innen und Einwohner Südafrikas leben unterhalb der nationalen Armuts­grenze. Betroffen ist vor allem die schwarze Bevöl­kerung. In kaum einem anderen Land welt­weit sind Einkom­men und Vermögen so ungleich verteilt wie in Südafrika.

Die Arbeits­losen­rate lag schon vor der Corona-Pandemie mit 29 Prozent auf Rekord­niveau, unter den 15- bis 24-Jährigen fand nach Angaben der Welt­bank (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) sogar mehr als jeder zweite keine Arbeit. Durch die Pandemie ist die allge­meine Arbeits­losen­rate auf rund 35  Prozent ange­stiegen, die Jugend­arbeits­losigkeit liegt bei fast 66,5 Prozent.

Landbesitz ungleich verteilt

Trotz beachtlicher Fort­schritte bei der Versorg­ung der Bevöl­kerung mit Wasser, Strom und einfachen Wohn­häusern sind vor allem in den Siedlungs­gebieten der schwarzen Bevöl­kerung, in den ehemaligen Homelands und Townships, weiterhin Defizite bei den öffentlichen Basis­dienst­leistungen zu verzeichnen. Eine seit vielen Jahren angestrebte um­fassende Land­reform zugunsten der schwarzen Bevöl­kerungs­mehrheit kommt nur schleppend voran. Der größte Teil des frucht­baren Acker­lands ist weiterhin im Besitz weißer Farmer.

Aktuelle Diskussionen darüber, Land ohne Ent­schädigung zu ent­eignen, sorgen für Verun­sicher­ung vor allem bei der Wirt­schaft. Im Oktober 2020 hat die Regierung einen Gesetz­entwurf vorgelegt, der die Entschä­digung für Land­enteig­nungen "im öffent­lichen Interesse" und zum "öffentlichen Nutzen" regeln soll. 

Schild einer Kampagne zur Aids-Prävention an der Nelson Mandela Metropolitan University in Port Elizabeth, Südafrika

Schild einer Kampagne zur Aids-Prävention an der Nelson Mandela Metropolitan University in Port Elizabeth, Südafrika

Schild einer Kampagne zur Aids-Prävention an der Nelson Mandela Metropolitan University in Port Elizabeth, Südafrika

Hohe HIV-Rate

Ein enormes Problem für Südafrikas Gesell­schaft und Wirt­schaft ist die Verbreitung von HIV. Etwa 7,8 der rund 59 Millionen Menschen im Land sind mit dem Virus infiziert, in der Bevöl­kerungs­gruppe der 15- bis 49-Jährigen ist fast jeder Fünfte HIV-positiv. Damit verbunden ist eine Tuber­kulose-Epidemie: Die Infektions­krankheit zählt zu den häufigsten Todes­ursachen von Aids-Kranken in Südafrika.

Defizite in der medizi­nischen Versorgung und eine über Jahre hinweg unent­schlossene HIV/Aids-Politik der Regierung gelten als mit­verantwort­lich für die immensen sozial- und gesundheits­politischen Probleme. Erst seit einigen Jahren wird die Bekämpfung von HIV ernsthaft vorange­trieben. Inzwischen verfügt Südafrika über das weltweit größte Programm zur Ausgabe spezieller Medika­mente, die den Ausbruch von Aids verzögern oder verhindern können (sogenannte anti­retro­virale Therapie). Knapp die Hälfte der Infizierten werden nach Angaben der UN-Organisation UNAIDS mit solchen Medika­menten behandelt.

Erfolge der Präven­tions- und Behandlungs­maßn­ahmen sind bereits festzu­stellen: Die Zahl der Neu­infektionen ist zwischen 2010 und 2018 um 40 Prozent gesunken, die Zahl der Todes­fälle um 50 Prozent. Auch die HIV-Über­tragungs­rate von Müttern auf ihre Neuge­borenen ist zurückgegangen. Die durchschnitt­liche Lebens­erwartung von Menschen in Südafrika ist in den vergang­enen Jahren wieder gestiegen: Nachdem sie zwischen­zeitlich auf unter 53 Jahre gesunken war, liegt sie aktuell bei 64 Jahren.