Soziale Situation Spaltung zwischen Arm und Reich

Die Apartheid-Politik hat in Südafrika tiefe Spuren hinterlassen. Zwar konnte sich mittlerweile eine schwarze Mittel- und Oberschicht herausbilden. Doch für einen großen Teil der Bevölkerung haben sich die Lebensverhältnisse bis heute nicht spürbar gebessert.

Menschen in einem Armenviertel am Stadtrand von Kapstadt

Menschen in einem Armenviertel am Stadtrand von Kapstadt

Menschen in einem Armenviertel am Stadtrand von Kapstadt

Die sozialen Strukturen sind instabil und die Kriminalität liegt im internationalen Vergleich auf erschreckend hohem Niveau. Südafrika zählt zu den Ländern mit den weltweit höchsten Mord- und Vergewaltigungsraten.  2010 rief die Regierung eine nationale Planungskommission ins Leben. Sie hat in einem offenen, dialogorientierten Prozess bestehende Entwicklungsdefizite analysiert und eine langfristige Strategie für das Land erarbeitet. Im Sommer 2012 legte die Kommission einen nationalen Entwicklungsplan bis 2030 vor. Sein Ziel ist, Armut und soziale Ungleichheit zu überwinden.

Armut und Arbeitslosigkeit

Mehr als die Hälfte der Einwohnerinnen und Einwohner Südafrikas leben unterhalb der nationalen Armutsgrenze. Betroffen ist vor allem die schwarze Bevölkerung. In kaum einem anderen Land weltweit sind Einkommen und Vermögen so ungleich verteilt wie in Südafrika. 2014 verfügten laut Weltbank (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) die reichsten 20 Prozent der Bevölkerung über fast 70 Prozent des Gesamteinkommens, die ärmsten 20 Prozent über weniger als drei Prozent.

Die Arbeitslosenrate liegt mit 29 Prozent auf Rekordniveau, unter den 15- bis 24-Jährigen findet nach Angaben der Weltbank sogar mehr als jeder zweite keine Arbeit.

Landbesitz ungleich verteilt

Trotz beachtlicher Fortschritte bei der Versorgung der Bevölkerung mit Wasser, Strom und einfachen Wohnhäusern sind vor allem in den Siedlungsgebieten der schwarzen Bevölkerung, in den ehemaligen Homelands und Townships, weiterhin Defizite bei den öffentlichen Basisdienstleistungen zu verzeichnen. Eine seit vielen Jahren angestrebte umfassende Landreform zugunsten der schwarzen Bevölkerungsmehrheit kommt nur schleppend voran. Der größte Teil des fruchtbaren Ackerlands ist weiterhin im Besitz weißer Farmer. Aktuelle Diskussionen darüber, Land ohne Entschädigung zu enteignen, sorgen für Verunsicherung vor allem bei der Wirtschaft.

Schild einer Kampagne zur Aids-Prävention an der Nelson Mandela Metropolitan University in Port Elizabeth, Südafrika

Schild einer Kampagne zur Aids-Prävention an der Nelson Mandela Metropolitan University in Port Elizabeth, Südafrika

Schild einer Kampagne zur Aids-Prävention an der Nelson Mandela Metropolitan University in Port Elizabeth, Südafrika

Hohe HIV-Rate

Ein enormes Problem für Südafrikas Gesellschaft und Wirtschaft ist die Verbreitung von HIV und Aids. Etwa 7,9 der rund 58 Millionen Menschen im Land sind mit HIV infiziert, in der Bevölkerungsgruppe der 15- bis 49-Jährigen ist jeder Fünfte HIV-positiv. Damit verbunden ist eine Tuberkulose-Epidemie: Die Infektionskrankheit zählt zu den häufigsten Todesursachen von Aids-Kranken in Südafrika.

Defizite in der medizinischen Versorgung und eine über Jahre hinweg unentschlossene HIV/Aids-Politik der Regierung gelten als mitverantwortlich für die immensen sozial- und gesundheitspolitischen Probleme. Erst seit einigen Jahren wird die Bekämpfung von HIV ernsthaft vorangetrieben. Inzwischen verfügt Südafrika über das weltweit größte Programm zur Ausgabe spezieller Medikamente, die den Ausbruch von Aids verzögern (sogenannte antiretrovirale Therapie). Etwa 4,8 Millionen Infizierte werden nach Angaben der UN-Organisation UNAIDS mit solchen Medikamenten behandelt.

Erfolge der Präventions- und Behandlungsmaßnahmen sind bereits festzustellen: Die Zahl der Neuinfektionen ist zwischen 2010 und 2018 um 40 Prozent gesunken, die Zahl der Todesfälle um 50 Prozent. Auch die HIV-Übertragungsrate von Müttern auf ihre Neugeborenen ist zurückgegangen. Die Lebenserwartung ist in den vergangenen Jahren wieder gestiegen: Nachdem sie zwischenzeitlich auf unter 53 Jahre gesunken war, liegt sie aktuell bei 63 Jahren.