Straßenverkehr auf der N1 zwischen Pretoria und Johannesburg in Südafrika

Politische Situation Reformprozess in Gang gesetzt

Nach Jahrzehnten der internationalen Isolation kehrte Südafrika 1994 mit freien und allgemeinen Wahlen in die Völkergemeinschaft zurück. Erster schwarzer Präsident wurde Nelson Mandela – Symbolfigur des Kampfes gegen das Apartheid-System. Die Aufarbeitung der bitteren Vergangenheit des Landes durch eine Kommission für Wahrheit und Versöhnung fand international große Anerkennung.

Vertrauen wiedergewinnen

Seit 1994 stellt der Afrikanische Nationalkongress (African National Congress, ANC) die Regierung. Bei den sechsten freien Parlamentswahlen im Mai 2019 musste der ANC zwar Verluste hinnehmen, gewann aber wieder die absolute Mehrheit der Stimmen. Der ANC-Vorsitzende Cyril Ramaphosa wurde am 22. Mai 2019 erneut zum Präsidenten gewählt. Er hatte das Amt im Februar 2018 übergangsweise übernommen, nachdem Jacob Zuma auf Druck seiner eigenen Partei zurückgetreten war.

Unter Zuma hatte die Korruption stark zugenommen; politische Entscheidungsprozesse wurden massiv durch private Interessen und illegale Bereicherungspraktiken beeinflusst. Diese gezielte Untergrabung der Staatsgewalt hat entscheidend mit zur Verschlechterung der ökonomischen Rahmenbedingungen beigetragen. Im Ergebnis wurde die Kreditwürdigkeit Südafrikas mehrfach herabgestuft. Zumas Nachfolger Ramaphosa stellte 2018 ein ambitioniertes Reformpaket vor, das unter anderem Investitionen in die Infrastruktur und in den ländlichen Raum vorsieht. Der Regierung gelingt es jedoch nur langsam, das Vertrauen potenzieller Investoren zurückzugewinnen. Die Reformanstrengungen verlaufen zäh, der Aufschwung lässt auf sich warten.

Internationales Engagement

Südafrika nimmt heute eine führende politische und wirtschaftliche Rolle auf dem afrikanischen Kontinent ein. Das Land engagiert sich für die Beilegung innerafrikanischer Konflikte und für die Stärkung regionaler Organisationen wie der Afrikanischen Union (AU) und der Entwicklungsgemeinschaft Südliches Afrika (Southern African Development Community, SADC).

In der Weltwirtschaft übernimmt das Land eine vermittelnde Rolle zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern. In internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen, der G20 und der Welthandelsorganisation (WTO) versteht Südafrika sich selbst als Fürsprecher der Interessen Afrikas.