Fußgänger mit Mobiltelefon in Windhuk, Namibia

Wirtschaftliche Situation Schwieriger Weg aus der Krise

Nach Jahren des Wachstums befindet sich die namibische Wirtschaft seit 2016 in einer anhaltenden Rezession. Zu den Ursachen zählen sinkende Preise für Diamanten und andere Mineralexporte sowie eine rückläufige industrielle und landwirtschaftliche Produktion aufgrund geringer Wettbewerbsfähigkeit und einer Serie von Dürren. Auch das langsame Wirtschaftswachstum wichtiger Handelspartner wie Angola und Südafrika beeinträchtigt die wirtschaftlichen Aussichten Namibias.

Die Corona-Pandemie hat die Lage noch verschärft: Das Bruttoinlandsprodukt ging 2020 um 8,5 Prozent zurück, der für das Land besonders wichtige Tourismus brach weitgehend zusammen. Die Staatsverschuldung stieg aufgrund Pandemie-bedingter Maßnahmen und wird voraussichtlich in den kommenden drei Jahren weiter zunehmen. Die großen Ratingagenturen haben entsprechend negative Prognosen zur Kreditwürdigkeit des Landes veröffentlicht.

Im Jahr 2021 wurde eine leichte wirtschaftliche Erholung von 0,8 Prozent verzeichnet. Für das Jahr 2022 wird mit einem Wirtschaftswachstum von 2,7 Prozent gerechnet. Aufgrund der weiterhin angespannten Wirtschafts- und Haushaltslage hat die Regierung jedoch nur geringe Spielräume, um Wachstumsimpulse zu setzen.

Hohe Arbeitslosigkeit

Auf dem namibischen Arbeitsmarkt fehlen gut ausgebildete Fachkräfte, gleichzeitig ist die Wirtschaft nicht in der Lage, ausreichend Arbeitsplätze zu schaffen: Offiziell liegt die Arbeitslosenquote bei 20,4 Prozent (2020), bei den 15- bis 24-Jährigen sogar bei etwa 38 Prozent. Die Corona-Krise sorgt für einen weiteren Anstieg. Verlässliche Zahlen liegen nicht vor, Schätzungen gehen aber von einem Anstieg auf bis zu 70 Prozent aus. Ein großer Teil der Einkommen wird im informellen Sektor (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) erwirtschaftet.


Entwicklungspotenziale

Namibia bietet vergleichsweise gute Voraussetzungen für eine nachhaltige Entwicklung. Dazu zählen der gefestigte rechtsstaatliche Rahmen, die geografische Lage mit Zugang zum Meer, der Reichtum an natürlichen Ressourcen und die im regionalen Vergleich gut ausgebaute Infrastruktur, etwa im Bereich der Telekommunikation. Entwicklungschancen liegen unter anderem in der Förderung von mineralischen Rohstoffen, in der Fischerei, im Tourismus.

Der Bergbau bildet das Rückgrat der namibischen Volkswirtschaft: Diamanten, Gold, Kupfer, Uran und andere Bodenschätze machen einen Großteil des Exportvolumens aus. Allerdings schafft ihr Abbau bislang im Land nur wenige Arbeitsplätze. Weitaus mehr Beschäftigungsmöglichkeiten könnten langfristig entstehen, wenn die Bodenschätze vor Ort aufbereitet und weiterverarbeitet würden.

Darüber hinaus bieten das Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (Economic Partnership Agreement, EPA) mit der Europäischen Union und die Afrikanische Freihandelszone (African Free Trade Area, AfCFTA) Chancen für die Erschließung neuer Märkte und die Ausweitung von Exporten.

Aufgrund seiner landschaftlichen Schönheit, der reichen Tier- und Pflanzenwelt und der kulturellen Vielfalt hat auch Namibias Tourismussektor, besonders im Bereich des Ökotourismus, große Wachstumspotenziale. Durch die Einrichtung und das nachhaltige Management von Nationalparks entstehen dauerhafte Arbeitsplätze und neue Einkommensmöglichkeiten.