Zedern im Libanon
Urheberrecht© tiffany, via flickr, CC BY-NC 2.0
Libanon
Als unmittelbarer Nachbar Syriens hat das Land während des syrischen Bürgerkriegs rund 1,5 Millionen syrische Flüchtlinge aufgenommen – bei einer libanesischen Gesamtbevölkerung von etwa 4,5 Millionen. Zudem hat im Libanon eine signifikante Zahl palästinensischer Flüchtlinge Zuflucht gefunden. Damit beherbergt der Libanon pro-Kopf die größte Flüchtlingspopulation weltweit.
Seit 2019 befindet sich der Libanon in einer schweren Wirtschafts- und Finanzkrise. Die Landeswährung verlor mehr als 95 Prozent ihres Wertes; das Land befindet sich seitdem in einer sozioökonomischen Abwärtsspirale. Die Explosion im Hafen von Beirut im Jahr 2020 legte zudem den Zusammenbruch staatlicher Strukturen offen. Im Jahr 2022 verschärfte sich die Lage durch eine Ernährungskrise infolge des Ukrainekriegs.
Zwischen Oktober 2023 und November 2024 kam es zu einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen Israel und der Hisbollah, die die humanitäre Lage zugespitzt und Schätzungen zufolge mehr als eine Millionen Menschen intern vertrieben hat. Die Weltbank (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) bezifferte Wiederaufbaubedarfe nach dem Krieg mit elf Milliarden US-Dollar.
Anfang 2025 wurde unter Präsident Joseph Aoun und Premierminister Nawaf Salam erstmals seit vielen Jahren eine funktionierende, reformorientierte Regierung gewählt. Sie erbte ein von politischen Blockaden geprägtes System, einen ausgehöhlten Staatsapparat und eingebrochene Staatseinnahmen. Dennoch gelang der Regierung in ihrem ersten Amtsjahr ein, in Teilen langsamer aber sichtbarer Reformfortschritt.
Doch mit dem Beginn des erneuten Hisbollah-Israel Kriegs im März 2026 hat sich die ohnehin angespannte wirtschaftliche und soziale Lage im Land weiter verschärft. Massive Vertreibungen, zahlreiche zivile Opfer und erhebliche Zerstörungen von Dörfern, Landstrichen und ziviler Infrastruktur sind die Folge. Weite Gebiete – insbesondere im Süden des Landes – sind nur sehr eingeschränkt zugänglich.
Das Land steht an der Grenze seiner Belastungsfähigkeit. Eine hohe Staatsverschuldung, weit verbreitete Armut, steigende Lebensmittelpreise, anhaltende Stromausfälle, ein überlastetes Gesundheitssystem und eine stark beeinträchtigte öffentliche Daseinsvorsorge machen den Alltag für große Teile der Bevölkerung zu einer täglichen Herausforderung.
Die erneute Eskalation der Gewalt bringt die libanesische Regierung in eine schwierige Lage. Sie muss die öffentliche Grundversorgung für alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen sicherstellen, zugleich das konfessionelle Gleichgewicht wahren und den bereits begonnenen Reformprozess weiterführen. All dies, während der bewaffnete Konflikt zusätzliche politische und administrative Ressourcen bindet und die Handlungsfähigkeit der Regierung zunehmend infrage stellt. Hinzu kommen gesellschaftliche Spannungen, die sich durch die schwierige wirtschaftliche Situation und fortlaufende Kriegshandlungen verschärfen.
Deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit dem Libanon
Zu Beginn des syrischen Bürgerkriegs im Jahr 2011 weitete Deutschland die Entwicklungszusammenarbeit mit dem Libanon aus, um dem Land bei der Versorgung der Geflüchteten zu helfen und Aufnahmegemeinden zu unterstützen. Seit 2020 zählt der Libanon wieder zu den offiziellen Partnerländern des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).
Die heutige deutsch-libanesische Entwicklungszusammenarbeit stützt sich auf drei Säulen:
- Die Stärkung staatlicher Strukturen und Reformen soll den libanesischen Staat als handlungsfähigen und verlässlichen Akteur festigen – vor allem dort, wo bisher Lücken durch Akteure wie die Terrororganisation Hisbollah gefüllt wurden. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit setzt hierfür auf gute Regierungsführung, Rechenschaftspflicht und Transparenz sowie den Aufbau öffentlicher Kapazitäten und die gezielte Begleitung von Reformen.
- Eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung schafft konkrete Perspektiven für Menschen aus allen Bevölkerungsgruppen. Dafür wird berufliche Bildung gestärkt und die Privatsektorentwicklung unterstützt. Unter anderem werden Beschäftigungschancen durch die Unterstützung von Kleinst-, kleinen und mittleren Unternehmen, den Ausbau von Mikrofinanzangeboten sowie durch Vorhaben in der Landwirtschaft und im Agrarsektor geschaffen.
- Die Unterstützung der Grundversorgung und Existenzsicherung zielt darauf ab, vulnerable Bevölkerungsgruppen – Libanesinnen und Libanesen, Geflüchtete und Binnenvertriebene – in Krisenzeiten zu unterstützen.
2025 hat das BMZ dem Libanon insgesamt 150 Millionen Euro für Entwicklungszusammenarbeit bereitgestellt. Um die Notlage durch den bewaffneten Konflikt zwischen Hisbollah und Israel zu adressieren, wurden 2026 bisher weitere 70 Millionen Euro für den Libanon bereitgestellt.
Entwicklungspolitische Kennzahlen
- Libanon
- Deutschland
Allgemeine Informationen
Hinweise für die Nutzung
Klicken Sie sich durch die oben angeordneten verschiedenen Rubriken und finden Sie aktuelle Zahlen aus dem Libanon sowie – zum Vergleich – aus Deutschland.
Weitere Informationen zu den einzelnen Daten und die Quellenangabe können Sie mithilfe des i-Zeichens abrufen.
Gesamtbevölkerung
Erläuterung und Quellenangabe
Die Angabe zur Gesamtbevölkerung basiert auf der faktischen Definition von Bevölkerung, die alle Einwohnerinnen und Einwohner, die in einem Land ansässig sind, unabhängig von ihrem rechtlichen Status oder ihrer Staatsangehörigkeit umfasst. Die Zahlen geben die Schätzungen zur Jahresmitte wieder.
Quelle: Globale Entwicklungsdaten der Weltbank (Externer Link)
Fläche
Erläuterung und Quellenangabe
Gesamtfläche eines Landes (in Quadratkilometern) einschließlich der Gebiete unter Binnengewässern und einigen Küstenwasserstraßen.
Quelle: Globale Entwicklungsdaten der Weltbank (Externer Link)
Rang im HDI
Erläuterung und Quellenangabe
Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) veröffentlicht jährlich einen Bericht über die menschliche Entwicklung. Der darin enthaltene Index der menschlichen Entwicklung (englisch: Human Development Index, HDI) erfasst die durchschnittlichen Werte eines Landes in grundlegenden Bereichen der menschlichen Entwicklung. Dazu gehören zum Beispiel die Lebenserwartung bei der Geburt, das Bildungsniveau sowie das Pro-Kopf-Einkommen. Aus einer großen Zahl solcher Einzelindikatoren wird eine Rangliste errechnet.
SDG-Trends für den Libanon
- Auf Kurs oder Bewahrung
- Leichte Verbesserung
- Stillstand
- Abnehmend
- Informationen nicht verfügbar