Politische Situation Demokratischer Neu­anfang von Gewalt über­schattet

27 Jahre lang, von 1987 bis 2014, wurde Burkina Faso von Präsident Blaise Compaoré regiert. Sein Versuch, sich durch eine Verfassungs­änderung eine weitere Amts­zeit zu sichern, löste 2014 heftige Proteste aus, sodass Compaoré schließlich vom Präsidenten­amt zurücktrat. Seitdem hat Burkina Faso deutliche Fort­schritte beim Aufbau von Demokratie und Rechts­staatlichkeit erzielt.

Straßenverkehr in Ouagadougou

Straßenverkehr in Ouagadougou

Straßenverkehr in Ouagadougou

In frei und fair verlaufenen Präsident­schafts­wahlen siegte 2015 Roch Kaboré. 2020 wurde er im Amt bestätigt. Aufgrund der kritischen Sicher­heits­lage konnten allerdings nicht alle Wahl­berecht­igten ihre Stimme abgeben.

Seit 2015 wird Burkina Faso in steigendem Maße von terroristi­schen Anschlägen islamis­tischer Gruppier­ungen erschüttert. Mehr als 2.000 Menschen sind ihnen bereits zum Opfer gefallen, rund 1,4 Millionen Menschen waren im Herbst 2021 inner­halb des Landes auf der Flucht. Besonders betroffen von den Angriffen und der daraus folgenden humani­tären Krise sind die länd­lichen Gebiete im Norden und Osten (aber zunehmend auch der Südwesten, in dem die Ent­wicklungs­zusammen­arbeit neben dem Osten hauptsächlich aktiv ist) an der Grenze zu Mali und Niger – Länder, die ebenfalls stark unter islamis­tischem Terror leiden.

Trotz politischer und militärischer Bemüh­ungen und hoher Investi­tionen in den Sicherheits­sektor ist bislang keine Besserung der Lage zu verzeichnen. Der burkinische Staat ist zu schwach, um die Grenz­regionen zu kontrollieren und den Schutz und die Versorg­ung der Bevölkerung zu gewähr­leisten (siehe auch: Soziale Situation). Die wachsende Unzu­friedenheit der Bevölkerung mit der politischen und wirtschaft­lichen Situation und ihr sinkendes Vertrauen in den Staat wird von den islamis­tischen Gruppen gezielt genutzt, um ihr Einfluss­gebiet auszu­weiten und neue Anhänger zu gewinnen.

Entwicklungs­orien­tierung

Die Politik der Regierung ist entwicklungs­orientiert. Sie bekennt sich zu den Zielen der Agenda 2030 (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) der Vereinten Nationen und der Agenda 2063 der Afrikani­schen Union. Angestrebt wird unter anderem eine Moderni­sierung der Verwaltung, eine Reform des Justiz­wesens, eine bessere Aus­schöpfung des wirtschaft­lichen Potenzials der sehr jungen Bevöl­kerung, die Schaffung von Arbeits­plätzen und die Förderung der privaten Wirtschaft. Die steigenden Sicherheits­kosten sorgen allerdings dafür, dass bei anderen Haushalts­posten Mittel gestrichen werden. Das betrifft insbesondere den Gesund­heitsbereich, in dem nun Gelder fehlen, die dringend für die Bekämpf­ung der Corona-Pandemie benötigt würden. Gehemmt wird die Entwick­lung des Landes außerdem durch das starke Bevölkerungs­wachstum und eine krisen­anfällige Wirtschafts­struktur (siehe auch: Wirtschaftliche Situation). 

Engagement für regionale Integration

Burkina Faso engagiert sich für die politische und wirtschaft­liche Integration Afrikas. Das Land ist Mitglied in verschiedenen Regional­organisationen, unter anderem in der West­afrikanischen Wirtschafts- und Währungs­gemeinschaft (UEMOA) sowie der Westafri­kanischen Wirtschafts­gemeinschaft (ECOWAS). 

Burkina Faso ist außerdem Gründungs­mitglied des Regional­bündnisses "G5 du Sahel", dem auch Mali, Mauretanien, Niger und Tschad angehören. 2017 wurde die Sahel-Allianz von Deutschland, Frankreich und der Europä­ischen Union gegründet, um die G5 zu unter­stützen.