Soziale Situation Bedeutende Fortschritte in den Bereichen Gesund­heit und Bildung

Burkina Faso hat seit den 1990er Jahren bedeutende Entwicklungsfortschritte erzielt. Der Anteil der Kinder, die eine Grundschule besuchen, hat sich deutlich erhöht – von 32,5 Prozent (1990) auf 92,6 Prozent (2020). Dabei ist insbesondere der Anteil der eingeschulten Mädchen stark angestiegen.

Schulmädchen in Burkina Faso

Schulmädchen in Burkina Faso

Schulmädchen in Burkina Faso

Fortschritte zeigen sich entsprechend bei der Alphabetisierungsrate: In der Gesamtbevölkerung über 15 Jahren fehlt es noch rund 60 Prozent an Grundkenntnissen im Lesen und Schreiben. In der Altersklasse der 15- bis 24-Jährigen ist der Anteil inzwischen auf rund 40 Prozent gesunken.

Die Müttersterblichkeit wurde stark reduziert und auch bei der Kindersterblichkeit sind Fortschritte zu verzeichnen: Die Sterberate der Kinder unter fünf Jahren sinkt seit 1990 kontinuierlich, von knapp 200 pro 1.000 Lebendgeburten auf zuletzt 88 (2019). Sie ist damit allerdings immer noch sehr hoch. Auch die Absenkung der HIV-Infektionsrate von zwei Prozent (2000) auf 0,7 Prozent (2020) der 15- bis 49-Jährigen kann als großer Erfolg betrachtet werden. Die Lebenserwartung liegt bei 62 Jahren.

Große Herausforderungen

Trotz der Fortschritte gehört Burkina Faso zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt (LDCs (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)). Auf dem aktuellen Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen (HDI (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) liegt das Land auf Rang 184 von 191 bewerteten Staaten. Etwa 40 Prozent der rund 20 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner gelten als arm. Die meisten Menschen leben von der Landwirtschaft und sind damit besonders anfällig für die Folgen des Klimawandels.

Bevölkerungswachstum

Die Bevölkerung Burkina Fasos wächst jährlich um fast drei Prozent. Mehr als 40 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner sind unter 15 Jahre alt. Wird das Bevölkerungswachstum nicht gebremst, wird sich die Einwohnerzahl bis 2050 mehr als verdoppeln. Um die Grundbildung zu gewährleisten und Einkommensperspektiven für die junge Generation zu schaffen, müsste das Land massiv in den Bau von Schulen und die Ausbildung von Lehrkräften investieren und jährlich rund 300.000 neue Arbeitsplätze schaffen.

Humanitäre Krise

Die Sicherheitslage in Burkina Faso hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich verschlechtert. Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) wurden knapp 1,5 Millionen Menschen aus den nördlichen und östlichen Regionen in andere Landesteile vertrieben (Stand: November 2021). In den Krisenregionen mussten zahlreiche Gesundheitszentren und Schulen geschlossen werden – mehr als 300.000 Kinder und Jugendliche sind dadurch vom Unterrichtsbesuch ausgeschlossen.

Die Ernährungslage im Land ist kritisch. Nach Angaben des Welternährungsprogramms (WFP) waren im Sommer 2021 mehr als 2,8 Millionen Menschen von Ernährungsunsicherheit betroffen. 25 Prozent der Kinder unter fünf Jahren sind chronisch unterernährt. Gestiegene Lebensmittelpreise und die Corona-Pandemie haben die ohnehin schon heikle Lage noch weiter verschärft.