Zwei Jungen mit Gehbehinderungen in Daressalam, Tansania

Rechte von Menschen mit Behinderungen

Nach Schätzungen leben weltweit über eine Milliarde Menschen mit Behinderungen, 80 Prozent von ihnen in Entwicklungsländern. Dort werden Menschen mit Behinderungen häufig diskriminiert und ausgegrenzt. Sie sind vom politischen, wirtschaftlichen und sozialen Leben ausgeschlossen – ein Verstoß gegen ihre grundlegenden Menschenrechte

Ursachen für Behinderungen

Ursachen für Behinderungen sind unter anderem Krankheiten, Ernährungsmängel, falsche oder fehlende Behandlung, physische und psychische Gewalt, Krieg, Umweltbelastungen, Unfälle aufgrund unzureichender Schutzbestimmungen am Arbeitsplatz und im Straßenverkehr und zunehmend auch altersbedingte Erkrankungen. Experten gehen davon aus, dass die Hälfte aller Behinderungen vermieden werden könnte und als direkte Folge von Armut anzusehen ist. So gelten etwa 75 Prozent der weltweiten Fälle von Blindheit als vermeidbar, weil sie beispielsweise durch behandelbare Augeninfektionen oder Vitamin-A-Mangel verursacht werden.

Armut und Behinderung bilden einen Teufelskreis, der aufgrund gesellschaftlicher Barrieren nur schwer zu durchbrechen ist: Arme Menschen können sich und ihre Familien oft nicht ausreichend ernähren, in Krankheitsfällen können sie sich keine medizinische Behandlung leisten. Wer in Armut lebt, ist dadurch einem höheren gesundheitlichen Risiko ausgesetzt, dadurch steigt auch das Risiko einer Behinderung.

Und: Behinderungen erhöhen das Armutsrisiko. Menschen mit Behinderungen haben oft keinen Zugang zu Gesundheits- und Bildungssystemen, sie finden keine Arbeit und sind nicht sozial abgesichert. Werden sie durch Angehörige gepflegt, haben diese – meist handelt es sich hierbei um Frauen und Mädchen – weniger Zeit zur Schule zu gehen oder Einkommen für die Familie zu erwirtschaften. Zugleich steigen jedoch die Lebenshaltungskosten, da Menschen mit Behinderungen spezielle Hilfsmittel benötigen.

Ein Bettler an einer Straße in Jakarta, Indonesien

Inklusion von Menschen mit Behinderung – Grundsatz der deutschen Entwicklungs­politik Interner Link

Bei Menschen mit Behinderungen handelt es sich um eine heterogene Gruppe, die unterschiedliche Bedarfe hat (unter anderem Zugang zu öffentlichen Angeboten und Einrichtungen). Sie gehören oft zu den Ärmsten der Armen und sind damit generell schwierig zu erreichen. Menschen mit Behinderungen konnten in der Vergangenheit nicht immer von Vorhaben der Entwicklungszusammenarbeit profitieren.

Junge Frau im Rollstuhl, umringt von Freunden, in Nkhoma, Malawi

Internationale Vereinbarungen Interner Link

Lange galt Behinderung als ein individuelles, vorwiegend medizinisches Problem. Die Frage nach den Rechten von behinderten Menschen als gleichberechtigte Bürger wurde in der internationalen Politik kaum gestellt. Erst seit einigen Jahren werden die Belange von Menschen mit Behinderungen in der politischen Diskussion besser berücksichtigt

Ein Junge mit Trisomie 21 an einem Klettergerüst in Lilongwe, Malawi

Definition von Behinderung Interner Link

Es gibt keine allgemeingültige, rechtsverbindliche Definition von Behinderung. Soziale und kulturelle Normen haben einen erheblichen Einfluss darauf, was in einer Gesellschaft als Behinderung gilt. In der internationalen Politik – und damit auch in der Entwicklungszusammenarbeit – setzt sich zunehmend eine „soziale“ Definition von Behinderung durch.