Elektronenmikroskopische Aufnahme einer Immunzelle, die mit HI-Viren infiziert ist. Die Viren sind durch einen fluoreszierenden Farbstoff hervorgehoben.

Aktuelle Situation und Trends Detailinformationen über die HIV-Epidemie

Das Ge­mein­sa­me Pro­gramm der Ver­ein­ten Na­tio­nen zu HIV/Aids (UN­AIDS) ver­­öf­fent­­licht re­gel­­mä­ßig ak­tu­el­le Be­rich­te und Sta­tis­ti­ken zur Aus­­brei­tung des Er­re­gers und der Krank­­heit. Die zur­zeit vor­­lie­gen­den ge­si­cher­ten Zah­len be­zie­hen sich auf das Jahr 2018, in dem welt­weit et­wa 37,9 Mil­lio­nen Men­schen mit HIV (Hu­ma­nes Im­mun­­schwä­che-Vi­rus) leb­ten, dar­un­ter 1,7 Mil­lio­nen Kin­der un­ter 15 Jah­ren.

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Papierfiguren mit Aids-Schleifen

Etwa 1,7 Millionen Menschen (davon 160.000 Kinder) haben sich 2018 neu mit dem HI-Virus infiziert. Zum Vergleich: 1997 gab es 2,9 Millionen Neu­infektionen.

Rund 770.000 Menschen sind 2018 an Aids gestorben. Seit 2005 ist die jährliche Zahl der Todes­fälle um 55 Prozent gesunken (2005: 1,7 Millionen Aids-Tote; 2010: 1,2 Millionen).

Die Zahlen zeigen, dass beacht­liche Erfolge bei der Eindämmung von Aids zu verzeichnen sind. Sie zeigen aber auch, dass die HIV-Epidemie nach wie vor eine der größten Katastrophen der Mensch­heit ist und dass die Gefahr der weiteren Aus­breitung des HI-Virus noch nicht gebannt ist.

Der Rückgang der jährlichen Neu­infektionen und der Todes­fälle ist auf mehrere Faktoren zurück­zu­führen: erfolg­reiche Präventions­bemühungen, eine bessere Versorgung mit Medi­ka­menten, die die Virus­vermehrung hemmen (anti­retro­virale Medi­ka­mente) und eine bessere Betreuung und Unter­stützung von Menschen, die mit HIV leben. Jedoch infizieren sich noch immer jeden Tag fast 4.700 Menschen neu. Und noch immer sterben täglich mehr als 2.000 Menschen an Aids.

Regionale Unterschiede

Die Situation in Afrika südlich der Sahara ist besonders ernst. Dort waren 2018 etwa 25,6 Millionen Menschen HIV-positiv. Fast 90 Prozent der Kinder, die sich 2018 neu infiziert haben, leben in afrika­nischen Staaten südlich der Sahara. In einigen afrika­nischen Ländern tragen mehr als zehn Prozent der 15- bis 49-Jährigen das HI-Virus in sich, in Botsuana, Lesotho, Eswatini (Swasi­land) und Süd­afrika sind es sogar mehr als 20 Prozent.

Besorgnis­erregend ist die Entwicklung in Zentral­­asien und Osteuropa: Dort ist nach Angaben von UNAIDS die Zahl der neuen HIV-Infektionen zwischen 2010 und 2018 um 29 Prozent gestiegen. In den Industrie­staaten hat sich die Zahl der Infektionen in den vergangenen Jahren nur relativ wenig verändert. In Deutsch­land lebten nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts Ende 2017 etwa 86.000 Personen mit HIV (davon rund 17.000 Frauen). 2017 haben sich in Deutsch­land etwa 2.600 Menschen neu mit dem Virus infiziert und etwa 450 starben an Aids.

Besonders gefährdet: Frauen

Eine junge Frau die eine Ausbildung an der SOS Berufsschule in Kigali, Ruanda, macht.
Eine junge Frau die eine Ausbildung an der SOS Berufsschule in Kigali, Ruanda, macht.

Das HI-Virus breitet sich über die Grenzen von Ländern und Konti­nenten hinweg aus. In der Anfangs­phase der Aus­brei­tung galt Aids vor allem als Krank­heit homo­sexueller Männer. Heute sind welt­weit etwas mehr als die Hälfte aller erwachsenen HIV-Infizierten weiblich, im östlichen und südlichen Afrika sind es sogar rund 60 Prozent. Junge Frauen sind besonders gefährdet: 2018 lag die Zahl der Neu­infektionen in der Alters­gruppe der 15- bis 24-Jährigen bei Frauen um 55 Prozent höher als bei Männern.

Das hohe Infektions­risiko von Frauen ist zum Teil biologisch begründet: Frauen haben bei ungeschütztem Geschlechts­verkehr ein deutlich höheres Ansteckungs­risiko als Männer. Darüber hinaus gibt es soziale, wirt­schaft­liche und kulturelle Gründe für das größere Risiko von Frauen. So können Gewalt oder wirt­schaft­liche Abhängig­keit verhindern, dass Frauen über ihre sexuellen Beziehungen selbst bestimmen und die Möglichkeit haben, sich gegen Infektionen zu schützen.

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Bild aus einem Hörsaal des Instituts für angewandte Agrarforschung und Ausbildung in Katibougou, Mali. In der Bildmitte zwei Frauen, um sie herum Männer

Auch die Auswirkungen der Epidemie treffen Frauen besonders hart: Sie tragen die Haupt­last der Kranken­pflege und der Waisen­versorgung. Frauen und Mädchen, die mit HIV leben, sind zudem oft erheblicher Dis­kri­mi­nie­rung ausgesetzt.

Die in der Gesellschaft verankerten Geschlechter­rollen spielen auch für das HIV-Risiko von Jungen und Männern eine wichtige Rolle – zum Beispiel im Zusammen­hang mit Risiko­verhalten wie Alkohol­konsum oder wechselnden Sexual­partnern. Sexuelle Minder­heiten wie homo­sexuelle Männer stehen oftmals am Rande der Gesell­schaft oder werden krimi­na­li­siert.

Alle diese Aspekte vermindern die Wirk­sam­keit von Maß­nahmen gegen die weitere Aus­breitung von HIV und für eine bessere Versorgung von Menschen, die an Aids erkrankt sind. Die deutsche Ent­wick­lungs­zusammen­arbeit legt daher bei ihren Programmen im Bereich HIV und Aids einen besonderen Schwer­punkt auf die erforderliche Veränderung der Geschlechter­rollen.

Jugendliche und Kinder

Da sich besonders viele junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren mit HIV infizieren, sind sie die wichtigste Ziel­gruppe von Maß­nahmen zur HIV-Prävention. Sie sollen durch Aufklärung lernen, ein selbst­bestimmtes, partner­schaft­liches, sicheres und gewalt­freies Sexual­leben zu führen.

Säugling in Ruanda

Säugling in Ruanda

Säugling in Ruanda

Eine wichtige Aufgabe ist es außerdem, die Mutter-Kind-Über­tragung des Virus zu verhindern. Kinder können sich vor oder während der Geburt oder durch das Stillen mit HIV infizieren. Bei konse­quenter Behand­lung von Schwangeren mit anti­retro­viralen Wirk­stoffen kann das Risiko einer Infektion des Kindes auf bis zu zwei Prozent gesenkt werden. Ein großes Defizit besteht jedoch weiterhin beim Zugang infizierter Kinder zu Aids-Medi­ka­men­ten. Hier hat sich die Situation in den vergangenen Jahren nicht so deutlich verbessert wie bei den Erwachsenen.

Auch wenn Kinder nicht selbst infiziert sind, leiden viele sehr unter den Folgen der Epidemie. Inzwischen haben Millionen Kinder durch Aids ihre Mutter, ihren Vater oder beide Eltern verloren. Weil sie Angehörige pflegen oder für ihre kranken Eltern Geld verdienen müssen, können viele Kinder nicht zur Schule gehen.

Auswirkungen von HIV und Aids

In den Jahren nach 1990 sank die durch­schnitt­liche Lebens­erwartung wegen der Aids-Epidemie in einigen afrika­nischen Staaten wieder auf das Niveau der 1960er Jahre. In Süd­afrika lag sie zum Beispiel im Jahr 1992 bei 63 Jahren und sank dann bis 2004 auf 53 Jahre. Im Jahr 2017 lag sie wieder bei 63 Jahren.

Da von HIV und Aids besonders die jüngeren und mittleren Jahr­gänge betroffen sind, werden diese Bevöl­ke­rungs­gruppen in den stark betroffenen Ländern kleiner. In den Volks­wirt­schaften führt die Ver­kleine­rung der besonders aktiven Generation der 20- bis 40-Jährigen zu gra­vie­ren­den Wirt­schafts- und Entwick­lungs­problemen. Lang­fristig kann das zum Anstieg der Armut führen. In einem Land wie Botsuana, in dem ein Fünftel der 15- bis 49-Jährigen mit HIV infiziert ist, könnten in absehbarer Zeit in sehr vielen Familien die Ernährer fehlen, wenn die Betroffenen keinen Zugang zu einer aus­reichenden anti­retro­viralen Therapie haben.