Biodiversität und Gesundheit Ganzheitliche Lösungen für die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt

Brillenflughunde, Elternpaar mit Jungtier
Brillenflughunde, Elternpaar mit Jungtier

Die menschliche Gesundheit ist abhängig von vielfältigen, vitalen Ökosystemen und ihren Leistungen. Um gesund zu sein, zu bleiben oder zu werden, benötigen wir saubere Luft, reines Wasser, gehaltvolle Nahrungsmittel, fruchtbare Böden, Schutz vor extremen Wetterereignissen und medizinische Wirkstoffe.

Der zunehmende Verlust der biologischen Vielfalt ist vor allem für verletzliche Bevölkerungsgruppen, die unmittelbar auf die Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen angewiesen sind, eine dramatische Herausforderung.


Eberhard Brandes, Vorstand des WWF Deutschland
Der Handel mit Wildtieren muss in Zukunft flächendeckend sicher, aber auch nachhaltig und verantwortungsvoll gestaltet sein. Und wir dürfen die Viehhaltung und die fortschreitende Lebensraumzerstörung nicht aus dem Blick verlieren. Denn je mehr wir Ökosysteme zerstören und ins Ungleichgewicht bringen, je enger der Mensch und sein Vieh mit Wildtieren in Kontakt kommen, desto höher ist das Risiko für den Sprung von Krankheiten von Tier auf Mensch. Nur ein gesunder Planet kann eine sichere Lebensgrundlage für uns Menschen bilden.
Eberhard Brandes Vorstand des WWF Deutschland

Pandemieprävention durch Biodiversitätserhalt

Zukunftskongress

One Health – Gesundheit systematisch denken

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 11/2020 | Dateigröße 681 KB, Seiten 16 Seiten | Zugänglichkeit barrierefrei

Die Zerstörung von Naturräumen führt zu einem Verlust an Biodiversität und, da Rückzugsräume für Tiere fehlen, zu einer Zunahme von Kontakten zwischen Menschen und freilebenden Tieren. Dies erhöht das Risiko, dass Infektionserreger von Tieren auf Menschen übertragen werden. Die Zunahme von solchen Infektionskrankheiten (Zoonosen) ist unter anderem eine Folge der Zerstörung von Lebensräumen für Tiere durch Besiedelung und wirtschaftliche Nutzung ihrer natürlichen Habitate.

Zoonosen sind eine große Gefahr für die öffentliche Gesundheit mit potenziell weitreichenden wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Folgen. Etwa 75 Prozent aller neu auftretenden Infektionskrankheiten sind tierischen Ursprungs – bekannte Beispiele sind die weltweit verbreiteten Krankheiten Aids und Covid-19.

Nicht nur bei der Vermeidung, sondern auch bei der Bekämpfung von Krankheiten und Pandemien sind wir auf biologische Vielfalt angewiesen: Zahlreiche pharmakologische Wirkstoffe und diagnostische Hilfsmittel stammen ursprünglich aus der Natur. Für einen großen Teil der modernen Pharmazeutika bieten biologische Ressourcen die Ausgangsstoffe.

Deutsches Engagement

Die Bundesregierung reagiert auf die wachsende Bedrohung durch Pandemien mit einer Reihe von Initiativen und Projekten, die ganzheitliche Lösungen für die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt fördern. Im Rahmen dieses One-Health-Ansatzes gründeten zum Beispiel das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) und das Bundesumweltministerium (BMU) mit internationalen Partnern die „Internationale Allianz gegen Gesundheitsrisiken im Wildtierhandel“. Damit kann der Ausbreitung von Zoonosen vorgebeugt und gleichzeitig biologische Vielfalt erhalten werden.

Grafische Darstellung des One-Health-Ansatzes: One Health steht im Mittelpunkt und hat Wechselwirkungen mit gesunden Menschen, gesunden Tieren und gesunder Natur.

Auch mit der globalen „Partnerschaft gegen Wilderei und illegalen Wildtierhandel in Afrika und Asien“ verfolgen das BMZ und das BMU einen innovativen, themen- und kontinentübergreifenden Ansatz entlang der gesamten Handelskette illegaler Wildtierprodukte – von Herkunfts- und Transitländern in Afrika und Asien bis hin zu Konsumländern in Asien.

Das BMZ richtete außerdem eine neue Organisationseinheit zu One Health innerhalb des Ministeriums ein und brachte verschiedene Vorhaben zu One Health, Pandemievorsorge und -bekämpfung auf den Weg. Das Bundesentwicklungsministerium stellt 150 Millionen Euro für Maßnahmen im Bereich One Health bereit. Diese ergänzen das bereits bestehende deutsche Engagement an der Schnittstelle von Biodiversität und Gesundheit, das insbesondere Aktivitäten zum Schutzgebietsmanagement und zum regelbasierten Handel mit Wildtieren und Wildtierprodukten umfasst.

Deutschland unterstützt mehr als 50 Partnerländer beim Erhalt von Wäldern und anderen Ökosystemen mit jährlich rund 500 Millionen Euro und ist damit einer der größten staatlichen Geber für terrestrische und marine Schutzgebiete in Entwicklungs- und Schwellenländern. Schutzgebiete dienen dem Erhalt von Ökosystemen in ihrer natürlichen Komplexität und Funktionalität. Sie dienen nicht nur gefährdeten Arten als Rückzugsort, sie verhindern auch das Schrumpfen der Lebensräume und damit einhergehende Verhaltensveränderungen von Tieren, die das Risiko der Übertragung von Zoonosen erhöhen.

Weitere Arbeitsbereiche des BMZ-Engagements für Biodiversität und Gesundheit

Ein Mädchen in Pakistan wird gegen Masern geimpft.
Elefant an einem Wasserloch im Khaudum-Nationalpark in Namibia
Grafische Darstellung des One-Health-Ansatzes: One Health steht im Mittelpunkt und hat Wechselwirkungen mit gesunden Menschen, gesunden Tieren und gesunder Natur.