Luftbild: Wiederherstellung des Oracheruvu-Speichers im Garida-Kaskadensystem während der Pilotphase im Dorf Choadavaram zur Bewässerung der umliegenden Felder

Indien Traditionelles Speichersystem wiederhergestellt

Im Bundesstaat Andhra Pradesh im Südosten Indiens liegt die Gemeinde Vizianagaram. Hier lebt Herr Gadanna. So wie mehr als 80 Prozent der erwerbstätigen Einwohnerinnen und Einwohner arbeitet er in der Landwirtschaft, vorwiegend im Reisanbau. Für ihre Wasserversorgung sind die Bäuerinnen und Bauern von drei großen Flüssen abhängig.

Portraitaufnahme von Herrn Gadanna am Fluss Champavathi

Herr Gadanna am Fluss Champavathi

Herr Gadanna am Fluss Champavathi


Die Flussgebiete sind starken Wetterextremen ausgesetzt, die durch den Klimawandel noch verstärkt werden könnten. In den vergangenen 30 Jahren hat die Gegend 18 schwere Hochwasser, elf Zyklone und acht Dürren erlebt. Derartige Naturkatastrophen können Anbauflächen durch Erdrutsche und Hochwasser zerstören, in den regenarmen Zeiten trocknen die Felder aus.

Bereits vor vielen hundert Jahren haben die Menschen in der Region Wasserspeicher aus Lehmwällen entlang der Flüsse errichtet und darin Regenwasser für trockene Monate gespeichert. Insgesamt wurden am Fluss Champavathi mehr als 3.500 solcher Speicher gebaut. Sie sind alle miteinander verbunden und bilden eine zusammenhängende Kaskadenstruktur.

Viele der historischen Wasserspeicher wurden durch Naturkatastrophen beschädigt und nicht wieder repariert. Dadurch hat das Kaskadennetz einen Großteil seines Speichervermögens verloren. Seit 2016 unterstützt das BMZ mit einem Projekt der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) die Regierung von Andhra Pradesh dabei, die traditionelle Speicherstruktur wiederherzustellen.

Gruppenbild: Dorfbewohnerinnen und -bewohner nach einer Schulung zur Wiederherstellung der Wasserspeicher

Dorfbewohnerinnen und -bewohner nach einer Schulung zur Wiederherstellung der Wasserspeicher

Dorfbewohnerinnen und -bewohner nach einer Schulung zur Wiederherstellung der Wasserspeicher

Gemeinsam mit den Kommunalverwaltungen von 350 Dörfern wurden mit Hilfe von Geoinformationssystemen und dem Wissen der lokalen Bevölkerung die Grenzen der historischen Speicher erfasst. Das Projekt kooperiert mit dem staatlichen Mahatma-Gandhi-Beschäftigungsprogramm, das ländlichen Familien bis zu 100 Tage Arbeit gibt. So konnten 64.000 Arbeiterinnen und Arbeiter für die Renovierung der Speicher geschult werden. Eine erste Pilotphase war erfolgreich. Nun sollen alle 124 Kaskadenstrukturen erneuert werden. Die Wartung soll künftig in der Hand von Nutzergemeinschaften liegen.

Für Herrn Gadanna ist die Wiederherstellung der Speicher von großem Vorteil: Während der Regenzeit schützen sie seine drei Äcker vor Überflutungen. Und dank der nun größeren Speicherkapazität kann er seine Felder während der Trockenzeit jetzt bis März statt bislang nur bis Dezember bewässern. Dies ermöglicht ihm eine weitere Ernte im Jahr, denn neben Reis kann er nun auch Mais anbauen.

Stand: 31.05.2022