Deutsches Engagement Geldtransfers in Entwicklungsländer erleichtern

Viele Menschen mit Migrations­hinter­grund unter­stützen Verwandte und Freunde in ihren Herkunfts­ländern finanziell. Fach­sprachlich sind diese privaten Geld­transfers als Remittances bekannt. Dabei handelt es sich in der Regel um einzelne kleine Geld­sen­dungen in Höhe von 200 bis 300 US-Dollar. 

Drei Frau­en nut­zen ein Smart­pho­ne.
Drei Frau­en nut­zen ein Smart­pho­ne.

Laut Weltbank wurden 2021 weltweit Remittances in Höhe von rund 773 Milliarden US-Dollar überwiesen, davon 605 Milliarden in Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Das ist mehr als dreimal so viel wie die Gelder der öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit. Fast jeder siebte Mensch auf der Welt sendet oder empfängt diese Geldtransfers. 

Remittances helfen Grundbedürfnisse zu befriedigen, wie Nahrung, Kleidung und Wohnraum. Damit reduzieren sie Armut. Sie sichern Haushalte in Krisenzeiten ab, zum Beispiel gegen Krankheit, Arbeitslosigkeit und Naturkatastrophen. Während der Covid-19-Pandemie sind Remittances trotz der damit verbundenen sozialen und wirtschaftlichen Krise im Jahr 2020 nur leicht zurückgegangen und 2021 sogar wieder gestiegen. Die Gelder werden zudem in Gesundheit und Bildung investiert und ermöglichen unternehmerische Investitionen und Existenzgründungen.

Das Geld schnell, sicher und kostengünstig zu ihren Angehörigen in die Herkunftsländer zu senden, stellt Migrantinnen und Migranten jedoch oft vor große Herausforderungen: In vielen Ländern gibt es beispielsweise kein flächendeckendes Bankensystem, so dass der Zugang zu Finanzdienstleistungen erschwert wird.

In der Agenda 2030 (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) hat sich die internationale Staaten­gemein­schaft das Ziel gesetzt, die Kosten für den Transfer von Remittances bis 2030 auf unter drei Prozent des Überweisungs­betrags zu senken und Sende­korridore mit Kosten von mehr als fünf Prozent zu beseitigen (Unterziel 10.c). Deutschland gehört zu den Staaten, die sich im Rahmen des Globalen Pakts für sichere, geordnete und reguläre Migration (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) (GCM) das Ziel gesetzt haben, Möglichkeiten für schnellere, sicherere und kostengünstigere Geldtransfers zu schaffen und die finanzielle Inklusion von Migrantinnen und Migranten und ihren Familien zu fördern (Ziel 20).


Deutsches Engagement

Um diese Ziele zu erreichen, den Austausch zwischen relevanten Akteuren zu fördern und gemeinsam mit Partnern Lösungen zu erarbeiten, engagiert sich das BMZ in diesen und weiteren relevanten internationalen Foren und Prozessen. Hierzu zählen unter anderem die G20 Global Partnership for Financial Inclusion (GPFI) und das Global Forum on Remittances, Investments and Development (GFRID).

Zudem fördert das BMZ gezielt Innovationen, die Remittances sicherer, schneller und günstiger machen. Im Rahmen des Programms Migration und Diaspora (Externer Link) wurden 2021 im Rahmen eines sogenannten "RemTech Pilot AcceleratorStart-ups mit Lösungen in und aus Remittances-Empfängerländern gefördert, die zu Kostensenkung, Transparenz und mehr Geschwindigkeit beitragen.

Ergänzend dazu unterstützt das BMZ Partnerländer bei der (Weiter-)Entwicklung nachhaltiger Finanzsysteme, zum Beispiel durch die Beratung von Zentralbanken sowie durch finanzielle Bildungsangebote. So fördert das BMZ zum Beispiel seit 2015 in Jordanien ein Projekt ("Digi#ances"), das Geldtransfers über das Handy ermöglicht. Digi#ances berät die jordanische Zentralbank, kooperiert eng mit dem Privatsektor und führt Informationskampagnen und Schulungen für syrische Flüchtlinge und die lokale Bevölkerung durch.

Im Rahmen einer Kofinanzierungsvereinbarung mit der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) wurde dieses Projekt ergänzt durch eine Komponente, die einen Fokus auf die finanzielle Inklusion und Resilienz (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) von Arbeitsmigrantinnen und -migranten aus dem Textilsektor in Jordanien legt. Zudem wird im Rahmen des Programms Migration und Diaspora ein e-Learning Produkt ("Remittances Online Toolkit") pilotiert, zunächst für Ghana, Kosovo und Jordanien.

Weiterhin schafft das BMZ Anreize, um Remittances für nachhaltige Investitionen in den Partnerländern zu mobilisieren. So wird über die Plattform www.widu.africa (Externer Link) der Beitrag von Remittances der afrikanischen Diaspora in Europa zur Stärkung von Unternehmen im informellen Sektor in Äthiopien, Ghana, Kamerun, Kenia, Togo und Tunesien erhöht.

Zudem setzt sich das BMZ dafür ein, geschlechtsspezifische Ungleichheiten beim Versenden und Empfangen von Remittances stärker zu berücksichtigen.

Ganz grundsätzlich gilt für das Engagement des BMZ in diesem Bereich, dass es sich bei Remittances um das private Geld der Senderinnen und Sender und Empfängerinnen und Empfängern handelt. Remittances können die Gelder der öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit nicht ersetzen. Die Entwicklungspolitik kann aber ihren Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung unterstützen, indem sie Angebote zur bestmöglichen Nutzung macht und Transfers erleichtert.

Stand: 10.06.2022