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Agrarpolitik, Handel und Agrarwirtschaftsförderung

Arbeiter auf der Bananenplantage Ejido Miguel Aleman in Suchiate in Mexiko

Ländliche Entwicklung braucht gute Rahmenbedingungen

Der Agrar- und Ernährungssektor stellt für viele Entwicklungs- und Schwellenländer einen der wichtigsten Wirtschaftssektoren dar: Er dient der Ernährungssicherung, bietet Arbeitsplätze und Einkommen, versorgt die wachsenden Städte mit bezahlbaren Nahrungsmitteln und produziert Energie, Tierfutter, Naturfasern und andere Rohstoffe, die für eine nachhaltige Entwicklung der Region benötigt werden.

Gemeinsam mit den vor- und nachgelagerten Wirtschaftszweigen (zum Beispiel Herstellung von Saatgut, Düngemitteln und Landmaschinen sowie Weiterverarbeitung, Transport und Vertrieb von Agrarprodukten) besitzt der Agrar- und Ernährungssektor in vielen Ländern das Potenzial, zum Motor einer nachhaltigen wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung zu werden.

Lange Zeit waren Agrarprodukte auf dem Weltmarkt sehr billig verfügbar, doch die Preise stiegen stetig und rund um die Finanz- und Agrarpreiskrisen 2008 und 2011 sehr deutlich an. Seither zeigen sich zwar weitere Schwankungen, aber auf generell stabilem Preisindexniveau. Viele Entwicklungsländer nutzen daher seit geraumer Zeit ihr Potenzial zur landwirtschaftlichen Produktion besser aus, indem sie verstärkt Lebensmittel selbst produzieren und Lebensmittelimporte zunehmend ausgleichen.

Dennoch besteht teilweise weiterhin eine Abhängigkeit von Importen, da der ländliche Raum lange Zeit vernachlässigt wurde und Landwirte mit schwierigen Bedingungen konfrontiert werden. Darum leiden auch heute noch Kleinbäuerinnen und Kleinbauern und deren Familien unter extremer Armut, Hunger und Mangelernährung.

Ländlicher Raum wieder im Blick

Viele Regierungen haben das wirtschaftliche Potenzial des Agrarsektors mittlerweile besser erkannt und bemühen sich aktiv darum, die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die ländliche Entwicklung zu verbessern.

Hinzu kommt die Einsicht, dass eine steigende Produktion im Agrarsektor die Grundlage für wirtschaftliches Wachstum auch in anderen Sektoren sein kann. Globalisierung, Bevölkerungswachstum, Urbanisierung, Migration, Digitalisierung und Klimawandel haben tiefgreifende Auswirkungen auf die ländlichen Räume. Es braucht daher eine vorausschauende ländliche Entwicklung, um langfristige Perspektiven auch für die Menschen auf dem Land zu schaffen.

Deutschland unterstützt seine Partnerländer dabei, den Strukturwandel im ländlichen Raum sozial verträglich, inklusiv und ökologisch nachhaltig zu gestalten.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ist dazu in den im Folgenden beschriebenen Arbeitsfeldern aktiv.

Deutsches Engagement

Mitarbeiter im Finanzministerium in Dhaka, Bangladesch, warten vor ihrem Arbeitsbeginn auf Aufzüge.

Eine entwicklungsorientierte Agrarpolitik gestalten

Die Entwicklung zukunftsfähiger ländlicher Räume stellt die Regierungen vieler Entwicklungs- und Schwellenländer vor große Herausforderungen. Nachdem die ländlichen Regionen lange Zeit nicht im Fokus der politischen Entscheidungsträgerinnen und -träger standen, stehen sie nun vor der Aufgabe, eine entwicklungsorientierte Agrarpolitik zu formulieren und umzusetzen.

Frauen beim Reisdreschen in Sunu, Nigeria

Faire Bedingungen für Agrarhandel schaffen

Um die Lebensbedingungen in den ländlichen Regionen von Entwicklungsländern zu verbessern, muss die dortige Wirtschaft gestärkt werden. In ihrem Zentrum steht meistens die Landwirtschaft. Sie sichert die Ernährung der ländlichen Bevölkerung und schafft über die Vermarktung von Agrarprodukten Einkommen für die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern.

 Am monatlichen Banktag zahlen Mikrofinanzkunden Geld beim Dorfbankenkomitee der Dorfbank in Pung, Laos, ein.

Strukturen für ländliche Finanzdienstleitungen aufbauen

Die Landwirtschaft sowie die ihr vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereiche (Bereitstellung von Betriebsmitteln, Verarbeitung und Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte, Transport und Logistik) bilden das wirtschaftliche Rückgrat der meisten Entwicklungsländer.

Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Burkina Faso

Entwicklungspartnerschaften fördern

Mit seiner 2014 gestarteten Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" hat das BMZ den Kampf gegen Hunger und Mangelernährung zu einem seiner Kernanliegen gemacht. Dabei geht es nicht nur darum, die Not der heute lebenden Menschen zu verringern.

  • Mangoverarbeitung in Ghana
    Zusammenarbeit konkret

    Ghana: Mehr hochwertige Produkte für den internationalen Markt

    Ghana ist ein stark landwirtschaftlich geprägtes Land. Noch ist die Produktivität der ghanaischen Landwirtschaft allerdings zu niedrig, um die Marktpotenziale des Landes ausschöpfen zu können.

  • Frauen transportieren Süßkartoffeln auf ihren Köpfen über den Markt in Agbogbloshie, einem Stadtteil in Ghanas Hauptstadt Accra
    Zusammenarbeit konkret

    Afrikanische Union: Unterstützung des landwirtschaftlichen Wandels

    Fast zwei Drittel der afrikanischen Bevölkerung leben von der Landwirtschaft, die etwa ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts des Kontinents erwirtschaftet.

  • Banken in Kairouan, Tunesien
    Zusammenarbeit konkret

    Agrarfinanzierung: Beratung von Bauern und Banken in Afrika

    Der Agrarsektor hat viele Besonderheiten, etwa Saisonabhängigkeit Preis- und Wetterrisiken, auf die der Finanzsektor bislang noch nicht ausreichend eingeht.

Mangoverarbeitung in Ghana
Zusammenarbeit konkret

Ghana: Mehr hochwertige Produkte für den internationalen Markt

Ghana ist ein stark landwirtschaftlich geprägtes Land: Rund 45 Prozent aller Beschäftigten sind in diesem Wirtschaftssektor tätig und etwa ein Drittel der Exporteinnahmen werden durch Agrarprodukte erwirtschaftet. Das Land verfügt über große Potenziale für die landwirtschaftliche Produktion und Verarbeitung. Trotzdem sind die Produktivität und Qualität von agrarischen Erzeugnissen noch gering. So könnten die Produktionsmengen von international stark nachgefragten Produkten wie Ananas, Cashew oder Mango noch deutlich gesteigert werden. Zudem verlangt die wachsende städtische Mittelschicht in Ghana verstärkt nach qualitativ hochwertigen Früchten und Gemüsen und greift daher oft auf Importware zurück.

Zurzeit werden rund 80 Prozent der landwirtschaftlichen Produktion in Ghana von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern erzeugt. Ihnen fehlt es häufig an Betriebsmitteln, Finanzierungsmöglichkeiten und Vermarktungskontakten. Oft wird auf günstiges, minderwertiges Saatgut zurückgegriffen, sowie an Pflanzenschutz- oder Düngemitteln gespart. Auch wichtige Investitionen in die Betriebe können sich viele Landwirtinnen und Landwirte nicht leisten.

Landwirtschaftliche Erträge bleiben aus diesen Gründen weit hinter dem potenziell Möglichen zurück. Wiederkehrende Ausbrüche von Pflanzenkrankheiten und Schädlingen sorgen zusätzlich für erhebliche Ernteeinbußen und Qualitätsmängel.

Schädlingsbefall beeinträchtigt zudem den Export landwirtschaftlicher Güter in erheblichem Maße und zwang die Europäische Union (EU) zu einem Einfuhrverbot von ghanaischen Gemüsesorten wie Chili für die Jahre 2016 bis 2017. Für Ghana bedeutete dies den Verlust von 36 Millionen US-Dollar in zwei Jahren.

Förderung ausgewählter Wertschöpfungsketten

Um die Wettbewerbsfähigkeit der ghanaischen Landwirtschaft auf nationalen, regionalen und internationalen Märkten zu verbessern, hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) mit einem Programm zur Förderung marktorientierter Landwirtschaft in Ghana (Market Oriented Agriculture Programme, MOAP) beauftragt. In enger Zusammenarbeit mit der KfW Entwicklungsbank und der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) sowie internationalen Partnern werden die Wertschöpfungsketten Ananas, Mango, Zitrusfrüchte und bestimmte Gemüsesorten sowie im Nordwesten des Landes Cashew, Erdnuss, Reis, Sorghum und Sojabohnen gezielt gefördert.

Schulungen für Landwirte

Im Rahmen des Programms erhalten Bäuerinnen und Bauern Schulungen zu nachhaltigen Anbaumethoden und Themen, wie zum Beispiel Pflanzenschutz, Bewässerung und Baumschnitt. Durch verbesserte landwirtschaftliche Techniken und besonders durch "konservierende Landwirtschaft" leisten sie einen Beitrag zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit. Sie erzielen höhere Erträge, erreichen eine bessere Produktqualität und generieren dadurch ein höheres Einkommen für ihre Familien. Zertifizierungen nach EU-Bio-Richtlinien befähigen Bäuerinnen und Bauern, ihre Produkte national und international zu verkaufen und dafür höhere Preise zu erzielen.

Weiterhin bildet das Projekt Unternehmerinnen und Unternehmer darin fort, inklusive Geschäftsmodelle wie die Vertragslandwirtschaft umzusetzen, was Planungssicherheit über einen längeren Zeitraum ermöglicht: Weiterverarbeitende Betriebe und Exporteure von Fruchtsäften, Trockenobst oder Gewürzen erhalten die benötigten Rohstoffe in der gewünschten Qualität und Menge und die zuliefernden Produzentinnen und Produzenten erzielen ein sicheres Einkommen.

Durch die Unterstützung ghanaischer Unternehmerinnen und Unternehmer bei der Weiterentwicklung ihrer Produkte, der Optimierung ihrer Produktionsabläufe und der Vermittlung von internationalen Messeteilnahmen und Vermarktungskontakten, werden die Produktionsvolumina erhöht und Arbeitsplätze in verarbeitenden Betrieben geschaffen.

Dank enger Zusammenarbeit verschiedener Akteure entlang von Produktion, Verarbeitung und Export konnten verloren gegangene Marktanteile zurückgewonnen (Ananas) und neue Märkte erschlossen werden (Mango).

Politische Beratung

Die GIZ berät darüber hinaus auch politische Entscheidungsträgerinnen und -träger und bildet staatliche Agrarberaterinnen und -berater fort. Gemeinsam mit den zuständigen staatlichen Behörden werden Strategien entwickelt, um Schädlingsbefall zu reduzieren. Regelmäßige Qualitätskontrollen und Inspektionen sollen sicherstellen, dass nur hochwertige Waren in den Verkauf und den Export gelangen und beugen einem erneuten Exportbann vor.

Wirkungen

Allein seit 2017 wurden mehr als 35.000 Bäuerinnen und Bauern in guten landwirtschaftlichen Praktiken geschult, rund 2.000 sind nach international anerkannten Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert worden. Durch Zertifizierung, Vertragslandwirtschaft und verbesserte Anbaumethoden stiegen die Erzeugerpreise um bis zu 50 Prozent.

Über 80 Unternehmen der nachgelagerten Lebensmittelverarbeitung wurden bei der Optimierung ihrer Prozesse, bei der Produktentwicklung und Vermarktung sowie der Zertifizierung nach Lebensmittelsicherheitsstandards unterstützt. Dadurch sind allein seit 2017 2.000 Vollbeschäftigungsäquivalente bei den Verarbeitungsbetrieben entstanden. 59 Prozent davon sind Frauen und 77 Prozent sind junge Erwachsene unter 35 Jahre.

Auf politischer Ebene haben die erarbeiteten Richtlinien und Prozesse zur Qualitätskontrolle dazu geführt, dass die EU ihren Importstopp für ghanaische Produkte im Januar 2018 aufhob. Die Verarbeitungsbetriebe und Exporteure von Mangos berichten, dass der Befall der Früchte durch Fruchtfliegen und der Bacterial-Black-Spot-Krankheit mit Hilfe der verschiedenen Projektmaßnahmen deutlich zurückgegangen und die Erträge entsprechend gestiegen sind.

Frauen transportieren Süßkartoffeln auf ihren Köpfen über den Markt in Agbogbloshie, einem Stadtteil in Ghanas Hauptstadt Accra
Zusammenarbeit konkret

Afrikanische Union: Unterstützung des landwirtschaftlichen Wandels

Fast zwei Drittel der afrikanischen Bevölkerung leben von der Landwirtschaft, die etwa ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts des Kontinents erwirtschaftet. Zugleich weisen afrikanische Länder den prozentual größten Anteil an chronisch Unterernährten auf.

Vor diesem Hintergrund will die Afrikanische Union (AU) die Investitionen und die Produktivität des Agrar- und Ernährungssektors steigern. 2003 startete sie das Comprehensive Africa Agriculture Development Programme (CAADP) als kontinentales politisches Rahmenwerk für landwirtschaftlichen Wandel. Angestrebt werden agrarwirtschaftliche Wachstumsraten von über sechs Prozent, um Ernährungssicherheit zu erreichen und um die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben.

2014 wurde das CAADP-Programm von allen afrikanischen Staatsoberhäuptern überprüft und im Zuge der sogenannten Malabo-Deklaration bestätigt. Darin verpflichten sich die AU-Mitgliedsstaaten, nationale Agrarinvestitionspläne zu erarbeiten, um die CAADP-Ziele zu erreichen.

Beratung der ​AU-Kommission und der Mitgliedsländer

Die Umsetzung des Landwirtschaftsprogramms in den einzelnen Mitgliedsländern wird durch die NEPAD Planungs- und Koordinierungsagentur (NPCA), den technischen Arm der AU-Kommission, koordiniert. Derzeit übersteigt der Unterstützungsbedarf der AU-Länder allerdings die personellen und finanziellen Möglichkeiten der AU-Kommission und der NPCA. Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) werden die beiden Organisationen daher durch die GIZ beraten und unterstützt.

Das Vorhaben arbeitet in vier Modulen:

  • Politikberatung
  • Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel
  • Landwirtschaftliche Berufs- und Weiterbildung
  • Landwirtschaftliche Berufs- und Weiterbildung für Frauen

Durch Organisationsentwicklung, Personalentsendung und Coaching wird die personelle und technische Ausstattung der NPCA und der Abteilung für ländliche Entwicklung der AU-Kommission verbessert. AU-Mitgliedsstaaten werden bei der Erarbeitung und Umsetzung ihrer nationalen Agrarinvestitionspläne sowie bei der Beteiligung der Privatwirtschaft an diesem Prozess begleitet. Um das bestehende Wissen öffentlich zugänglich zu machen, werden Informationsmaterialien zum Programm erstellt und verbreitet.

Alle Aktivitäten haben das Ziel, die Position von Frauen und Jugendlichen in der Landwirtschaft zu stärken.

Wirkungen

In den vergangenen 15 Jahren hat der CAADP-Prozess die politische Bereitschaft der afrikanischen Regierungen, den Agrarsektor gezielt zu unterstützen, deutlich erhöht. Seit 2003 haben sich 43 afrikanische Staaten zur Umsetzung des Landwirtschaftsprogramms verpflichtet. 39 Staaten haben begonnen, nationale Agrarinvestitionspläne umzusetzen. Bis Juni 2017 wurden Ländermissionen von AU-Kommission und NCPA nach Malawi, Kenia, Nigeria, Uganda, Ruanda, Äthiopien und Tansania unterstützt.

Durch die Einbeziehung von Bauernverbänden, Privatwirtschaft und Nichtregierungsorganisationen konnte eine deutliche Verbesserung der agrarpolitischen Ansätze erreicht werden. Unter anderem wurden bürokratische Hürden abgebaut.

Gemeinsam mit den AU-Organisationen wurden mehrere Strategien und Studien zur Einbindung der Privatwirtschaft entwickelt, insbesondere eine umfassende kontinentale Agribusiness-Strategie. Um den Dialog zwischen öffentlichem und privatem Sektor zu verbessern, wurden in Senegal, Uganda und Sambia nationale Investitionsförderplattformen gegründet. Zwei weitere Plattformen sind in Kamerun und Ghana geplant.

Banken in Kairouan, Tunesien
Zusammenarbeit konkret

Agrarfinanzierung: Beratung von Bauern und Banken in Afrika

Der Agrarsektor hat viele Besonderheiten, etwa Saisonabhängigkeit, Preis- und Wetterrisiken, auf die der Finanzsektor bislang noch nicht ausreichend eingeht.

Banken und Mikrofinanzinstitutionen konzentrieren sich vor allem auf die leichter erreichbare und weniger risikobehaftete städtische Kundschaft und bieten kaum Finanzdienstleistungen an, die dem Bedarf landwirtschaftlicher und agrarbasierter Betriebe entsprechen. Außerdem mangelt es oft an den notwendigen Informationen, um die Risiken der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern differenziert zu bewerten.

Doch auch auf der Nachfrageseite gibt es Faktoren, die die Agrarfinanzierung hemmen: So verfügen viele Kleinbäuerinnen und Kleinbauern über nur geringes unternehmerisches und finanzielles Wissen. Viele Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter scheuen es, finanzielle Risiken einzugehen und in ihre Betriebe zu investieren. Die Kuh im Stall erscheint oftmals sicherer als ein Sparkonto bei der Bank. Und der Anbau ertragsschwacher, aber bekannter Nutzpflanzen für den Eigenbedarf erscheint risikoärmer als eine Ausrichtung auf ertragsreiche neue Sorten, die vermarktet werden müssen und bei denen noch kaum persönliche Erfahrungswerte bestehen.

Vorhaben in fünf afrikanischen Ländern

Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt die GIZ mit einem Globalvorhaben zur Förderung der Agrarfinanzierung die Entwicklung und Einführung bedarfsgerechter Finanzdienstleistungen für landwirtschaftliche und agrarbasierte Betriebe in Benin, Sambia, Nigeria, Kamerun, Mali, Burkina Faso, Togo und Malawi.

In Kooperation mit Vorhaben der finanziellen Zusammenarbeit und in Zusammenarbeit mit den Grünen Innovationszentren wird ermittelt, welche landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle in den acht afrikanischen Ländern über besonders großes Markt- und Investitionspotenzial verfügen und damit für Finanzinstitutionen zur Finanzierung in Frage kämen.

Landwirtschaftliche und agrarbasierte Unternehmen werden dabei unterstützt, ihre unternehmerischen Fähigkeiten und finanziellen Kenntnisse zu erweitern. So können sie ihre Betriebe ökonomisch besser bewerten und entscheiden, ob und in welchem Geschäftszweig Investitionen sinnvoll sind und welche Finanzierungsoptionen dafür benötigt werden. Dabei werden die Bedarfe der von Frauen oder Jugendlichen geführten Betriebe besonders berücksichtigt.

Auf der Angebotsseite unterstützt die GIZ ausgewählte Finanzinstitutionen dabei, ihre Geschäftstätigkeit auf den Agrarsektor auszuweiten, Risiken besser bewerten und an die Zielgruppe angepasste Finanzdienstleistungen anbieten zu können. Entwickelte und erprobte Analyse- und Trainingsinstrumente werden beispielsweise Branchen- und Mikrofinanzverbänden zur breitenwirksamen Anwendung zur Verfügung gestellt. Um die Rahmenbedingungen für ländliche Entwicklung und Agrarfinanzierung zu verbessern, fördert die GIZ darüber hinaus den Austausch zwischen staatlichen und nicht staatlichen Akteuren der Agrar- und Finanzwirtschaft in den Partnerländern.

Durch die Arbeit der GIZ erhielten allein in Benin bereits über 10.000 landwirtschaftliche und agrarbasierte Unternehmen einen Kredit, um ihren Betrieb weiterentwickeln zu können.

Weiterführende Informationen

Inhaltsverzeichnis

Ländliche Entwicklung und Ernährungssicherung

Lexikon der Entwicklungspolitik

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