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Agrarpolitik, Handel und Agrarwirtschaftsförderung

Agrarhandel unter fairen Bedingungen

Frauen beim Reisdreschen in Sunu, Nigeria

Um die Lebensbedingungen in den ländlichen Regionen von Entwicklungsländern zu verbessern, muss die dortige Wirtschaft gestärkt werden. In ihrem Zentrum steht meistens die Landwirtschaft. Sie sichert die Ernährung der ländlichen Bevölkerung und schafft über die Vermarktung von Agrarprodukten Einkommen für die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern.

Vielfältige Handelshemmnisse

Das Einkommenspotenzial der Landwirtschaft wird in vielen Entwicklungsländern nur unzureichend genutzt. Sie dient dort häufig nur der Selbstversorgung. Vermarktet und exportiert werden hauptsächlich Rohprodukte, obwohl der Handel mit verarbeiteten landwirtschaftlichen Erzeugnissen deutlich höhere Gewinne verspricht.

Entwicklungsländer sind dadurch nur wenig am regionalem und globalem Agrarhandel insbesondere mit weiterverarbeiteten Produkten beteiligt. Die Gründe dafür sind vielfältig, dazu zählen unter anderem:

  • fehlende Infrastruktur, um Agrarprodukte lagern, vermarkten und verarbeiten zu können
  • fehlende bäuerliche Organisationen, die den Handlungsspielraum kleinbäuerlicher Haushalte vergrößern, zum Beispiel durch eine gemeinsame Vermarktung ihrer Produkte oder die Hebelung größerer Investitionen (Einsatz von Maschinen, Technologie, Innovationen)
  • fehlende soziale Absicherung kleinbäuerlicher Betriebe, etwa durch Versicherungen, die Ernterisiken abfedern
  • große Konkurrenz und starke Preisschwankungen auf globalen (Export-)Märkten
  • hohe Produktstandards der Industrieländer in Bezug auf Lebensmittelqualität und -sicherheit
  • eine kohärente Agrar- und Handelspolitik
Mitgliedertreffen einer Agrargenossenschaft in Kafr asch-Schaich, Ägypten

Der deutsche Ansatz

Entwicklungsländer brauchen Zugang zu globalen und regionalen Märkten und faire Handelsbedingungen. Die deutsche Entwicklungspolitik setzt sich daher auf europäischer und globaler Ebene dafür ein, Handel und nachhaltige Entwicklung miteinander zu vereinen: Handelspolitik, etwa der Abschluss von Freihandelsabkommen, sollte aus deutscher Sicht immer entwicklungsförderlich gestaltet sein. Das bedeutet, dass Handelspolitik die Bedingungen in den ärmeren Ländern berücksichtigen und zu ihrer sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung beitragen sollte.

Um das zu erreichen, müssen die Entwicklungsländer eigene Strategien zum Agrarhandel entwerfen und ihre Interessen bei Verhandlungen zur Handelsliberalisierung aktiv vertreten. Deutschland unterstützt die politischen Entscheidungsträgerinnen und -träger in den Partnerländern daher dabei, fachliches Wissen und Verhandlungskompetenz aufzubauen und sowohl kleinbäuerliche Unternehmen als auch die Unternehmen der Lebensmittelindustrie an der Formulierung von Handelsstrategien zu beteiligen.

Zugleich werden die Regierungen dabei unterstützt, die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen für die Produktion von Exportgütern und -dienstleistungen zu verbessern, etwa durch eine bessere Wirtschaftsinfrastruktur, mehr Dienstleistungsangebote für Unternehmen und durch einen sicheren Rechtsrahmen.

Um eine stärkere politische Teilhabe der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern zu ermöglichen, fördert das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) den Aufbau von bäuerlichen Organisationen wie Genossenschaften und Verbänden (mehr dazu lesen Sie hier).

Waage und ein Korb mit Erbsen auf einem Markt in Bujumbura, Burundi

Vom Anbau bis zum Export

Neben der politischen Beratung fördert die deutsche Entwicklungszusammenarbeit auch die konkrete Umsetzung der erarbeiteten Strategien. So werden die Partnerländer zum Beispiel dabei unterstützt, für ausgewählte landwirtschaftliche Produkte Wertschöpfungsketten aufzubauen, also alle Produktveredelungsstufen, bei denen sich der Produktwert erhöht, ausgehend von der Bereitstellung von Inputs, über den Anbau und die Produktion, Weiterverarbeitung, Transport oder auch Export bis hin zum Konsum im Einzelhandel. Mehr zu diesem Thema finden Sie hier.

Außerdem werden die Bäuerinnen und Bauern dabei unterstützt, ihre Produktion auszuweiten und dabei internationale Standards einzuhalten, die einen anschließenden Handel zum Beispiel auf globalen Exportmärkten erleichtern. Die deutsche Entwicklungspolitik betrachtet solche Produktstandards nicht als Handelsbarriere, sondern als gesundheitspolitisch und ökologisch sinnvoll. Ihre Einhaltung erhöht die Wettbewerbsfähigkeit der bäuerlichen Betriebe auf regionalen und internationalen Märkten.

Internationales Engagement

Deutschland engagiert sich im Rahmen der Welthandelsorganisation (WTO) und der Europäischen Union für ein offenes und gerechtes Handelssystem. Ein wichtiger Schritt war die Abschaffung aller Exportsubventionen für Agrargüter, die auf der WTO-Ministerkonferenz 2015 in Nairobi beschlossen wurde.

In großem Umfang beteiligt sich Deutschland an der "Aid for Trade"-Initiative der WTO. Diese bündelt die Entwicklungsmaßnahmen der Geberländer mit dem Ziel, eine aktive Teilhabe der Partnerländer am Welthandel zu fördern.

Deutschland ist seit 2013 zweitgrößter bilateraler Geber der Initiative. Mehr Informationen dazu finden Sie unter dem Thema Welthandel sowie im BMZ-Strategiepapier "Freier und fairer Handel als Motor für Entwicklung" (PDF 590 KB).

Auch auf EU-Ebene hat sich das BMZ erfolgreich dafür eingesetzt, dass handelsverzerrende Agrarsubventionen reduziert und Exportsubventionen abgebaut werden. Das BMZ macht sich dafür stark, dass Handelsabkommen wie die Wirtschaftspartnerschaftsabkommen zwischen der EU und den AKP-Staaten entwicklungsförderlich ausgestaltet werden und verbliebene Zollbeschränkungen für Agrarprodukte abgebaut werden. Mehr Informationen zum deutschen Engagement im Welthandelssystem finden Sie hier.

Arbeiter in einer kleinen Reismühle in Jega, Nigeria

Engagement für regionalen Agrarhandel

Auch regional, etwa unter Nachbarstaaten, wird Handel mit landwirtschaftlichen Produkten betrieben. Gerade dieser eher kleinräumige Handel kann dabei helfen, saisonale Produktionsschwankungen sowie wetterbedingte Ernteausfälle auszugleichen. Regionaler Agrarhandel versorgt die Menschen mit vielfältigeren Lebensmitteln zu erschwinglichen Preisen. Damit trägt er zum Ziel der deutschen Entwicklungspolitik bei, Hunger und Mangelernährung zu beseitigen und die Lebens- und Einkommensperspektiven in den ländlichen Regionen zu verbessern. Der regionale Agrarhandel ist daher ein Handlungsfeld der BMZ-Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger".

Lexikon der Entwicklungspolitik

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